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  1. #61
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    Hallo gitano,

    ich schreibe ja erst seit einigen Tagen Limericks und wollte die metrischen Grenzen erforschen. Den Berliner Lehrer hab ich aus der Hüfte und ganz bewußt in Jamben geschrieben. Etwas angepasst:

    Ein Lehrer aus Berlin schrieb nachts Gedichte.
    Dann wollte er unsterblich sein bei Lichte.
    Er sann
    und sprang
    vom Fernsehturm. Das war's - er schrieb Geschichte.

    Das geht also metrisch nicht? Weil Limerick eine bestimmte Anzahl dreiteiliger Versfüßen braucht? Ich las auf Wikipedia von relativ großer metrischer Toleranz... und schrieb das Ganze deshalb jambisch.

    Danke für den Versuch, meinen Versuch in die richtige Richtung zu schieben. was mich etwas stört ist, dass sich bei dir der Spin bereits in dem "denn" von V4 andeutet. Eine Pointe sollte mMn im besten Falle erst mit dem letzten Wort eintreten.
    Geändert von Artname (05.05.2017 um 15:27 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  2. #62
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    Hallo, Artname (ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich mich hier auch zu Wort melde?),

    für dich ist vielleicht ein 'musikalischer' Hinweis gut verständlich. Es geht darum, dass ein Limerick eine ganz bestimmte, typische 'Limerick-Melodie' hat. Ich bin leider musiktechnisch völliger Laie, aber ich versuche es mal, lautmalerisch darzustellen:

    Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta
    Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta
    Ta-Tam-Ta-Ta-Tam
    Ta-Tam-Ta-Ta-Tam
    Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta-Ta-Tam-Ta

    (Beim Fettgedruckten die Stimme heben (Pfeifen geht auch sehr gut), dann wird's, finde ich, richtig deutlich. Mir wurde dabei auch klar, warum sich der Limerick tatsächlich so gut für Witziges eignet - die fröhliche 'Melodie macht's'.)

    Es gibt natürlich 'Variationen der Melodie', wie im Startpost von Verbalcarpaccio ja bereits aufgezeigt wird. Ich wollte aber mal nur eine als Beispiel nehmen, damit es nicht unübersichtlich wird.

    Was ich festgestellt habe: Jeder kann nach seinem persönlichen Empfinden sogar eine 'Lieblingsmelodie' finden, die ihm/ihr besonders 'gut ins Ohr geht'. (Ja, das angegebene Beispiel ist meine. )

    Es macht süchtig, da hat Verbalcarpaccio völlig recht damit, denn die Melodie kann wirklich zu einem richtigen Ohrwurm werden. ^^ Jedenfalls geht's mir so - ich habe immer wieder eine Zeitlang eine regelrechte 'Limerick-Phase', in der mir die Melodie dann auch ständig im Ohr herumwurmt und ich gar nicht anders kann als Limericks zu schreiben.

    LG,

    Melete
    Geändert von Melete (05.05.2017 um 13:24 Uhr)
    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Ich habe jetzt genau das richtige Alter. Muss nur noch herausbekommen, für was.

  3. #63
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    Hallo Melete,

    je größer der Meinungschor, umso größer die Erfahrung. Danke für deine Antwort.

    Nach deiner Meinung ist der Limerick daktylisch (Tam da da) bzw. anapästisch (da da Tam) dominiert. In dem von dir skizzierten Rhythmus schrieb ich meine ersten Limericks auch.
    Nun hast aber auch DU erwähnt, dass dieser Gedichteform große Toleranzen zugestanden werden. Und ich hab es einfach mal auf die Spitze getrieben und nur 2 gliedrige Versfüße geschrieben. Und dazu extrem lange bzw kurze Zeilen. Wollte erstens mal Eure Meinung zur konkreten Toleranzgrenze wissen und zweitens auch mal die Sprachmelodie testen.

    Und ja, ich sehe das sehr ähnlich wie Du. Der Limerick scheint mir der fröhlichen irischen Volksmusik sehr ähnlich zu klingen. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum die größten Ungeheuerlichkeiten in diesem Metrum recht leicht klingen. So gesehen ist vielleicht das jambische Versmaß für den hintergründigen "Witz" zu schwer?

    Lg
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  4. #64
    Verbalcarpaccio ist offline redseliges rohes raspelrindfleisch
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    (ganz schön was los in der Werkstatt - zum Glück war offen)

    Moin Leute,

    das coolste an diesem Faden ist die Diskussionskultur, die hier herrscht.

    Das zweitcoolste ist, dass unsere/eure unterschiedlichen Perspektiven Dinge beleuchten, über die man sich sonst keine Gedanken macht, einfach akzeptiert. Merci!

    Zur Sache:
    Ein Limerick in alternierenden Versen (also zweigliedrig, wie Artname sagt) ist irgendwie wie ein Walzer im Zweivierteltakt, um im musikalischen Bild zu bleiben. Damit zu experimentieren finde ich legitim. Die besten Ideen entstehen beim Rumspielen. Aber dann hat das Kind (wenn es sich durchgesetzt hat) halt einen anderen Namen. Die metrischen Grenzen, wie ich sie begreife (und in diesem Faden propagiere) stehen in Beitrag #1: Variationen bei den unbetonten Silben an den Versanfängen und -enden.

    Gäbe es eine Limverfassung, müsste §1 lauten: Die Anzahl der Hebungen ist unantastbar.
    Zu Ende gedacht, würde (d)eine Verlängerung auf fünf, sechs oder mehr Hebungen den Weg frei machen für unbegrenzte Schwafelei - der Tod jeden Witzes! (und die Pointe, Geschichte statt Gedichte zu schreiben, finde ich wunderbar geeignet für einen Lim)

    Ein anschauliches Beispiel konnte man gerade heute hier sehen. Da stehen zwei Versionen eines Limericks. Bei der ersten haben die Autoren in den Langversen je vier Hebungen verwendet. In der zweiten haben sie (auf Claudis Hinweis hin) auf drei Hebungen reduziert. Ohne jeglichen Informationsverlust! Das macht ja den Reiz am Lim aus.

    Aber auch noch mal hierzu:
    Zitat Zitat von Artname
    Mit Mut meine ich Mut zur provozierend "unmoralisch" formulierten Pointe.
    Ja, in diesem Sinn begreife ich den Limerick auch. Vielleicht weniger mutig als unbekümmert, gespielt naiv, tolpatschig - eine Art Hofnarr, der sich (fast!) alles erlauben darf, wenn es witzig ist. Eine gute Beobachtungsgabe gehört dazu, aber auch eine ordentliche Portion Selbstironie (ja, eine gewisse Schadenfreude auch). Anklage- oder Hetzlimericks gibt es nicht.

    Zitat Zitat von Artname
    Die meisten Gedichte, die ich im Forum lese, sind brave, lyrische Betrachtungen zur Natur, Psychologie oder Philosophie. Die Sau läßt hier keiner gern richtig raus. Obwohl das mMn dem Entwicklungsstand der Menschheit oder der scheinbaren Sinnlosigkeit aller Kreisläufe durchaus angemessen wäre. Aber dem ist nicht so - aus allen möglichen Kanälen tropfen kluge Erklärungen. Als gäbe es nix beruhigenderes als Analysen.
    Ich sehe das ähnlich, deshalb sieht man mich da nicht so oft. Dennoch haben sie ihre Berechtigung. Die einen brauchen dieses , die anderen jenes. Ich mag mir nicht anmaßen festzulegen, welche Kunst dienlich ist und welche nicht. Vielleicht haben wir ja alle auch unterschiedliche Zugänge zu den verschiedenen Genres oder auch unterschiedliche Erwartungshaltungen an Lyrik überhaupt. Ein ganz weites Feld... Lassen wir das. Schreiben wir Limericks.

    lg (Schwafel)VC
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    Peter Arbeitsloser

  5. #65
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    Hallo VC,

    freu mich so wie du über diesen lehrreichen Faden!

    Hier kommt gleich meine nächste Nuss zum Knacken: "alternierende" Metrik bezieht sich laut Wiki eigentlich nur zweigliedrige Versfüße, also auf Jambus und Trochäus. Deshalb kam ich ja auf meinen Jamben-Limerick.
    Aber andererseits finde ich nun, wo ich noch tiefer einsteige, natürlich überall nur deine LimerickDefinition:Also drei 3hebige Verse mit Füllungsfreiheiten und zwei ähnliche 2hebige Verse. Auch fühle ich, dass das Tänzelnde der dreigliedrigen Versfüße (Anapäst, Daktylus) den Versen automatisch Leichtigkeit verleiht.

    Nicht ganz Recht kann ich dir geben, dass Langverse Geschwätzigkeit fördern. Und damit die Pointenvorbereitung zu lang wird. Sie müssen aber flott geschrieben werden. Mit Zäsuren und flotter Sprache muss jede Bräsigkeit vermieden werden. Da liegt die Schwäche meines letzten Beispiels. Aber ich muß ja weiteren Versuchen in diese Richtung nicht das Limerick-Etikett aufkleben.

    Danke und

    lg
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  6. #66
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    "alternierende" Metrik bezieht sich laut Wiki eigentlich nur zweigliedrige Versfüße, also auf Jambus und Trochäus. Deshalb kam ich ja auf meinen Jamben-Limerick.
    Hm, ich verstehe nicht ganz, was du damit sagen willst.
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    Peter Arbeitsloser

  7. #67
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    Ich bin bei meinen letzten Ausführungen davon ausgegangen dass Artname die Regeln für Limericks kennt...
    Dem scheint ja nicht so zu sein...
    und ich darf noch mal darauf hinweisen, dass mein Beispiel aus seinen Stoff:

    amphybrachisch:
    Ein Lehrer schrieb nachts in Berlin ein Gedicht(e)
    unsterblich zu werden bei Lichte
    was er dann ersann
    war hart(frei/toll/blöd/taff/ etc.) denn er sprang
    vom Fernsehturm in die Geschichte

    wenn man daran etwas feilt wird der Vorschlag sicher noch etwas pfiffiger....insbesondere durch Sprechrhythmus- oder Melodievariationen.
    Ansonsten liebe Fangemeinde des Lim:
    Nach meinen Kenntnissen sind Lims metrisch gesehen anapästisch oder amphybrachisch (dreifüßig)...und so stand es auch in den wichtigsten Quellen die ich vor vielen Jahren zum Nachlesen besuchte.

    Wenn in einem Beitrag mal alle Regeln zusammengefaßt, nebst guten Beispielen, erscheinen würden, könnte man ja stets darauf verweisen.....die stete Wiederholung nervt ja auf Dauer.
    Schön wäre auch wenn sich die Lernkandidaten zumindest zu grundlegenden Dingen vor einer Veröffentlichung eines Versuches informieren....
    Heute scheint vieles anders zu sein....

    Alternierende Metrik kann ja auch nachschauen...z.B. bei Paul, Wagenknecht, Arndt....online-Quellen sind leider meist in diesen Fragen nicht so zuverlässig...

    Cui
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  8. #68
    Verbalcarpaccio ist offline redseliges rohes raspelrindfleisch
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    Hallo Gitano,

    ich habe im Eingangspost #1 versucht, die wichtigsten Regeln zusammenzufassen. Was könnte/müsste dort deiner Meinung nach an Basiswissen noch rein, damit man bei Bedarf auf ihn verweisen kann? Das finde ich nämlich auch sinnvoll.

    Auf fortgeschrittenes Wissen, seltene Ausnahmen oder kontroverse Ansichten habe ich dort aber bewusst verzichtet, um a) den Text nicht zum Roman werden zu lassen und b) Einsteiger nicht gleich abzuschrecken.

    Schön wäre auch wenn sich die Lernkandidaten zumindest zu grundlegenden Dingen vor einer Veröffentlichung eines Versuches informieren....
    Ja, schön wäre das. Aber sieh's mal so: das hier ist ein Freizeitforum. Das meiste hier passiert spielerisch (zumindest, wenn man neues ausprobiert). Wenn dann jeder von jedem hier erwartet, dass er sich vorher durch die Theorie der Gedichtformen quält (ich überspitze mal), dann geht der Spaß ganz schnell verloren. Spaß halte ich für essentiell beim Lernen.
    Wenn den Einsteiger die Form nach ersten Stolperversuchen dann weiterhin interessiert, klickt er sich meistens ganz allein durchs Netz und sucht nach Antworten - zumindest mir ging es oft so (und Artname schein ein weiteres Beispiel zu sein).

    Lassen wir also auch unvorbereitete Anfänger hier reinstolpern. Auch dafür ist die Schmiede gedacht.
    Danke für deine Unterstützung hier.

    lg VC
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    Peter Arbeitsloser

  9. #69
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    Und im Ruhrpott, da trinkt man statt Wein xxXxxXxxX
    lieber Bierchen. Zum Essen gibts Schwein xxXxxXxxX
    das - in Pelle gestaucht xxXxxX
    und in Ketchup getaucht - xxXxxX
    überzeugt ist, ´ne Mahlzeit zu sein. xxXxxXxxX

    Hallöle,

    ich bin mir nicht sicher, ob das so geht, daher lagere ich den Lim mal vom Kommdotterfaden hierher aus.
    Ich las in V3 "das" und in V4 das "und" unbetont, so dass es bei den vorgegebenen 2 Hebungen blieb.
    Oder ist das falsch? Grüßchen
    Geändert von Richmodis (09.05.2017 um 09:56 Uhr)

  10. #70
    Verbalcarpaccio ist offline redseliges rohes raspelrindfleisch
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    Hallöle,

    also ich hab den heute morgen so gelesen, wie du ihn dir gedacht hast.
    Da du den Leser in den ersten beiden Versen an den doppelten Auftakt herangeführt hast, bleibt er mMn auch in V3 und V4 problemlos in diesem Rhythmus. Die betonten Versenden machen es zusätzlich einfacher, den Folgevers doppelt unbetont zu beginnen, weil versübergreifend das Schema xxXxxXxxX|xxXxxXxxX|xxXxxX|xxXxxX|xxXxxXxxX erhalten bleibt.

    In V4 sehe ich das Problem gar nicht. In Vers 3 könnte man (durch die Pause des Gedankenstrichs) eher in Versuchung geraten, das "das" stärker zu betonen.

    Möglich, dass man den mit etwas Nacharbeit auch eleganter hinbekommt - musst du selbst wissen, ob er dir den Aufwand wert ist. Funktionieren tut er auch so.

    Und wenn du soweit bist, dann ab damit und zurück in den Faden.

    lg VC
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    Peter Arbeitsloser

  11. #71
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    Hi Delaine,

    ich stimme VC in allen Punkten zu, man könnte deinen Lim durchaus als metrisches Beispiel für einen Limerick in reinen Anapästen verwenden. Kompliment!

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  12. #72
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    Ein Schnellzugbegleiter aus Eisenstadt,
    der hatte das ewige Reisen satt,
    er floh in die Kiste
    mit Frau von der Piste,
    dort findet Verkehr nicht auf Gleisen statt.

  13. #73
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    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    Ein Schnellzugbegleiter aus Eisenstadt,
    der hatte das ewige Reisen satt,
    er floh in die Kiste
    mit Frau von der Piste,
    dort findet Verkehr nicht auf Gleisen statt.

    Aber lieber wilma,
    der gehört doch nicht in die Schmiede.
    Der ist doch supi.

  14. #74
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    Eine Geisha sang Oper in Tokio,
    und das Publikum schrie Zetermordio,
    doch Signor Gianfranco
    fand solches kein Manko,
    jene bellt nun als Wachhund in Bormio!
    Geändert von kaspar praetorius (13.05.2017 um 09:15 Uhr)

  15. #75
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    Wie streng ist denn die Namens- und Ortspflicht?

    Ein Pater aus Rom, der zu öd fand,
    was zölibatär bis zum Kropf stand,
    sucht seither sein Eden
    in Taten statt Reden
    mit Inga im heidnischen Gotland.
    mors certa hora incerta
    (todsicher geht die Uhr falsch)

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