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  1. #106
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    Hallo zusammen,

    Natürlich ist man hier im thread schon auf diese Pointe geeicht. Um den Dienstmann außen vor zu lassen und die Pointe unerwarteter einzustielen könnte ich mir folgende Version denken.

    Im Zug ging ein Spielmann aus Klöthen
    mit Flöte, drauf wollt er nur tröten.
    Doch dann kam das schöne
    Gefühl für die Töne
    am Gulli. Da ging er kurz flöten.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (22.02.2018 um 14:00 Uhr)

  2. #107
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    Hi Anju,

    das ist für meinen Geschmack eine super Pointe, die alle bisherigen Versuche in den Schatten stellt. Etwas schwierig sind die vielen Informationen ins Gedicht zu quetschen. Ich hab mir schon einige Gedanken dazu gemacht, kriege es aber auch nicht besser hin. Was mich stört, ist das "kurz" im letzten Vers. Ich finde, "flöten gehen" muss hier unbedingt allein stehen. Ich versuchs mal so:

    Ein Spielmannszugflöter aus Köthen
    noch ungeübt, konnte nur tröten.
    Doch dann kam das schöne
    Gefühl für die Töne
    am Gulli - und da ging er flöten.

    ...
    am Gullischacht - da ging er flöten.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  3. #108
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    Hallo Anjulaenga, Claudi

    auch mir hat die Version mit dem Gulli schon gestern sehr gut gefallen, weil die Pointe a) wirklich erst in V5 kommt und b) in V3+4 noch so schön aufgebaut wurde (gerade jetzt, wo er endlich so toll spielt... ). Und auch ich fand das "kurz" nicht so recht passend, dachte aber, es liegt vielleicht am regional unterschiedlichen Gebrauch von "flöten gehen". Claudis Vorschlag hätte ich in V5 gern noch verstärkt:

    am Gulli - doch da ging er flöten | Problem: Wiederholung von "doch", Alternative:

    am Gulli - nur ging er dort flöten

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  4. #109
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    Hallo VC,

    ne, also da muss ich widersprechen. Das "doch" steht ja, wie Du selbst sagst, schon in V3. Da werde ich als Leserin halt ein bisschen gefordert. Das "doch" nochmal nachgelegt zu bekommen bzw. (noch schlimmer!) das einschränkende "nur" aufdedrückt zu kriegen, würde mich ärgern. Außerdem finde ich mein "da" bzgl. des Ortes nicht viel schlechter als Dein "dort", es hat aber den Vorteil, auch zeitlich zu funktionieren. Interessantes Puzzle!

    Hab nochmal umgestellt. Die Einführung finde ich zwar noch nicht gut, aber vielleicht gelingt uns ja noch eine bessere Variante.

    Es konnte ein Flöter aus Köthen
    im Spielmannszug laufend nur tröten.
    Doch dann kam das schöne
    Gefühl für die Töne
    am Gullischacht - da ging er flöten.


    Überhaupt fände ich es hier interessant, wenn wir uns mal über die unterschiedlichen Herangehensweisen austauschen könnten. Im Limerick mag ich natürlich freche Enjambements sehr gerne, vorausgesetzt, sie verkomplizieren den Plot nicht unnötig. Eine einfache Darstellung ist mir da wichtiger, damit die Pointe schön rausflutscht. Sogar das Metrum muss da im Zweifelsfall hinter der Rhetorik zurückbleiben. Und klar, ich möchte viele Leser ansprechen, würde aber eher auf einen verzichten, der den Witz nicht versteht, als auf einen, der sich beim Erschließen der Pointe unterfordert fühlt und deswegen gelangweilt abwinkt. Wie sehr Ihr das?

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (24.02.2018 um 15:21 Uhr)
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  5. #110
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    Schüttleriick:

    Es lernen die Kröten zu fliegen,
    noch eher, als Flöten zu kriegen.
    Doch Kröten, sie reifen,
    beim Röten sie greifen
    zum Kühlen von Klöten zu Frigen. ¹

    ¹ Kältemittel, hier mit Tonbeugung auf der ersten Silbe
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
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  6. #111
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    Feiern zur Zeit August des Starken

    Man rühmte in Dresden die Feier,
    besonders bei Festen die Dreier.
    Als Zahler recht tüchtig,
    die Taler recht züchtig:
    So stehn auf Podesten die Freier.
    ______________________________

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  7. #112
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    Lieber Friedhelm,

    Du hast ja schon eine beachtliche Sammlung an Schüttlericks! Besonders die durchgeschüttelten sind schwierig, weil es nur wenig Material für Dreifachschüttler gibt. Erstaunlicherweise haben viele Limmerick-Liebhaber auch eine Vorliebe für Schüttelreime, und ich finde es ganz schön, dass Du Deine Schüttlericks hier vorstellst. Das könnte auch andere anstecken.

    Mir fällt so auf die Schnelle nichts ein, was man daran verbessern könnte, aber vielleicht gesellen sich ja noch ein paar Interessierte dazu. Bei August dem Starken verstehe ich die Zusammenhänge nicht so ganz, besonders im zweihebigen Teil. Vielleicht kannst Du ein paar Sätze dazu schreiben?

    LG Claudi
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  8. #113
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    Es preisen in Isen* die Freier
    und ebenso Riesen die Feier.
    Es feiern die Riesen,
    doch reihern die Fiesen:
    Sie grillten von Friesen die Eier.

    * in Bayern
    ______________________________

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  9. #114
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    Liebe Claudi,

    zunächst muss ich mich entschuldigen, dass ich auf deinen Beitrag noch nicht geantwortet habe, ich habe ihn erst jetzt entdeckt.
    Ende März war ich wochenlang an einer fieberhaften Erkältung erkrankt und außerdem leide ich seit fast einem Jahr an den Nachwirkungen einer Gesichtsrose, die mit heftigen Nervenschmerzen einhergehen. Deshalb kann ich in Foren nur eingeschränkt aktiv sein. Bei der Gelegenheit eine Frage: Wenn ich mich recht erinnere, bekam ich früher bei neuen Beiträgen automatisch eine E-Mail. Das ist jetzt niciht mehr so.

    Zu meinen Schüttlericks: Ich habe inzwischen ca. 40 Exemplare in meiner Sammlung.
    In Sachsen war lange der Taler Zahlungsmittel, so winkten die in Dresden auch finanziell potenten Freier damit, allerdings nicht so auffällig, was die Passage „Taler recht züchtig“ ausdrücken soll.

    Liebe Grüße
    Friedhelm
    ______________________________

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  10. #115
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    Hallo Verbalcarpaccio

    ich bin wieder so ein Limerick-Neuling, habe aber brav den ganzen Thread gelesen.

    Was mir auffiel ist, dass es in den Diskussionen sehr oft um die formalen Regeln geht und dabei oft die Wirkung vergessen wird, die die Einhaltung der Regeln erzielen.
    Dort wo die Wirkung gering ist, kann man sie, denke ich, eher mal auch brechen.

    Wichtig finde ich, dass ein Limerick in sehr komprimierter Form eine Geschichte mit überraschender Wendung oder überraschendem Ende erzählt.
    Dadurch, dass sie so kurz ist (5 Verse) kann sie leichter im Gedächtnis haften bleiben und muss nicht auswendig gelernt werden.

    Ick mach jetzt einen Limerick,
    doch das ist schwer, drum wimmer ick,
    weil ja zum Schluss
    ein Witz her muss
    und da hab keinen Schimmer ick.

    Der Geschichtsausgangspunkt und die überraschende Pointe am Ende gehören als Gegensatz zusammen. Das wird unterstützt durch den gleichen Reim und den gleichen Rhythmus.
    Eine Pointe wirkt umso besser, je kürzer sie ist. Deshalb ist hier nur eine Zeile (Z5) vorgesehen.
    Der Geschichtsausgangspunkt nimmt statt dessen 2 Zeilen am Anfang ein.
    Es bleibt für die Überleitung die Zeilen 3 und 4.
    Um sie von dem zentralen Wiederspruch/Gegensatz abzusetzen bekommt sie ein erkennbar anderes Versmaß, einen anderen Reim und die Verse sind deutlich kürzer.

    Das alles begründet sehr gut, warum man das Reimschema aabba verwendet und warum die a-Verse 3 Hebungen, die b-Verse nur 2 Hebungen haben.

    Soweit die Regeln, die mich überzeugen, weshalb ich sie auch strikt einzuhalten versuche.

    Bei der Anzahl der Senken gehen die Diskussion ziemlich auseinander.
    Lauter Doppelsenken erzeugen vielleicht einen fröhlicheren Rhythmus, als lauter Jamben oder Trochäen, aber eine Mischung aus Doppelsenken und Einfachsenken kann da gut mithalten, wenn die Doppelsenken überwiegen.

    Natürlich sollten alle a-Verse und alle b-Verse das gleiche Hebungsmuster besitzen.

    Das zweite ist das Auftreten eines Ortsnamens am Ende des ersten Verses.
    Das kann man so nutzen, dass der erste Vers am Schluss gedichtet wird und dann ein passender Ortsname gesucht wird.
    Auf diese Weise ist es leichter die Ausgangssituation zu schildern, ohne dass man durch einen Reimzwang gebunden wird.
    Man hat also eineinhalb Zeilen für die Beschreibung der Ausgangssituation, ergänzt um das Ende von Zeile 2 mit dem Ortsnamen.

    Man kann sich natürlich selber zusätzliche Restriktion auferlegen, weil man so virtuos dichtet, dass es ohne künstliche Hürden zu leicht ist.
    Man gibt dann den Ortsnamen vor und muss nun auch noch das Ende von Zeile 2 und 5 beim Reimen daran anpassen.
    Vom Publikum kriegt das aber niemand mit, weil man ja nicht weiss, was zuerst da war, der Ortsname oder der Reim. Der Ortsname hat auch meistens nichts mit der Geschichte zu tun und kann sehr gut am Schluss passend zum Reim gesucht werden. Falls man da nicht fündig wird, kann man sich auch einen Namen ausdenken. Diesen Betrug merkt das Publikum erst später, wenn es den Namen googelt und dann wurde schon gelacht.
    Wer nicht betrügen will, darf ja aber auch einen Eigennamen einsetzen.
    Die gibt es passend zu jedem Reim. Notfalls nenne ich meinen Teddybär eben so, dann gibt es den Namen.

    Die Wirkung des Limerick lebt meines Erachtens zudem überhaupt nicht von dem Namen am Ende von Zeile 1. Im Gegenteil, Namen am Ende eines gereimten Verses sind eigentlich regelmäßig ein Zeichen mangelnder Dichtkunst.
    Diese Verwendung im Limerick ist ausnahmsweise explizit gestattet, weil es sonst zu schwer wäre. Limericks, die aber ohne diese Hilfestellung auskommen haben meine größte Bewunderung und sollten sich nicht gegen den Vorwurf verteidigen müssen, dass ja kein Name vorkommt. Das Fehlen eines Namens ist ein krönendes Add-on.

    Zum Schluss will ich noch meine Technik schildern, wie ich zu meinen ersten Limmericks gekommen bin. Sicher nicht der einzige Weg, aber auch eine Methode, die zumindest bei mir funktioniert hat.

    Finde einen gereimten Wiederspruch oder Gegensatz
    xXxxXxxa1
    xXxxXxxa2

    (a1 und a2 reimen sich und enthalten die dritte Hebung)

    Finde eine zweizeilige gereimte Kurzgeschichte die den einen Widerspruch in den anderen überführt.

    xXxxb1
    xXxxb2

    ergänze um eine Anfangszeile
    xXxxXxx a-Ortsname
    mit passendem Ortsname.



    Beispiel der Entstehungsgeschichte eines Limmericks:

    1. Finde Gegensatz: Teuer – billig
    2. Idee: Durch den Versuch etwas besonders billig haben zu wollen, wird es besonders teuer.
    3. Reim auf Teuer: Steuer, Feuer, neuer
    4. Neue Konzeptidee: mit ähnlichem neuem Gegensatz durch Assoziation aufgrund der Reimwörter,
    aber dafür einer ersten Idee für Zeile 2 und 5:
    Jemand möchte die Steuer vermeiden und verliert dadurch sein Geld durch Feuer.

    Ein reicher …...
    vermied gern die Einkommensteuer
    ….
    ….
    jetzt brennt es im … Feuer

    5. Idee für den Übergang durch gereimte Geschichte im Rhythmus von Zeile 3 und 4:
    er versteckt im Kamin
    da kam die Janine

    6. passende Zeile 5:
    sein Schwarzgeld jetzt nahm es das Feuer.

    7. Anpassung von Gegensatz und Geschichte

    vermied gern die Einkommensteuer
    versteckt im Kamin
    das Geld, doch Janine
    enzündet ein glühendes Feuer

    8. Ausformulierung von Zeile 1
    Ein steinreicher Händler aus Neuer

    Ergebnis:

    Ein steinreicher Händler aus Neuer
    vermied gern die Einkommensteuer
    versteckt im Kamin
    das Geld, doch Janine
    enzündet ein glühendes Feuer

    Vielleicht kein besonders guter Limmerick, der da in 15 Minuten
    (inklusive Dokumentation) entstand, weil die Pointe nicht so überraschend ist
    und auch der Reim in Zeile 4 durch einen weiteren Namen erreicht wurde,
    aber die guten Ideen kommen eben nicht dann, wenn man sich gerade beim Denken
    zuschaut und parallel Protokoll führt.
    Jetzt könnte man beginnen weiter an der Ausführung zu feilen.

    Weitere Limericks die nach dem gleichen Muster entstanden sind,
    deren Entstehung aber nicht protokolliert wurden:

    Ein Knabe aus Lippokadist*
    der war von Natur Pragmatist
    Er sehnt' sich nach Liebe,
    bekam doch nur Hiebe.
    Jetzt wurde er halt Masochist.

    *Lippokadist: ganz kleiner Ort, den sogar Googel nicht kennt

    Ein Leberkranker aus Trumstein
    fand als Jäger den Tee nur mit Rum fein.
    Da schimpft sein Arzt und
    sagt das sei nicht gesund.
    Jetzt kippt er sich Tee in den Rum rein.

    -----------------------------------------------------------------------------


    Statt einer Wendung in der Handlung kann auch eine Wendung in der Sichtweise erfolgen.
    Die dargestellte Anfangssituation in Zeile 1 und 2 soll ja durch die sehr kurzen Zeilen 3 und 4 in eine völlig neue Situation überführt werden.
    Das ist oft sehr schwer.
    Man kann dann in der letzten Zeile eine Wendung dadurch herbeiführen, dass die Ausgangssituation sich zwar nicht ändert, aber durch eine andere Sichtweise anders interpretiert wird.
    Man sucht also zwei Gegenspieler, (Feinde oder Konkurenten, Räuber und Beute)
    und beschreibt eine Situation erst aus der einen Sicht und dann aus der anderen.

    Es trat mal ein Wolf aus Langwaase
    in 'nen Nagel, der steckte im Grase.
    Aus der Pfote schoss Blut
    und er schnaubte voll Wut.
    Gelacht hat im Grase der Hase.

    Es fluchten die Bauern aus Zeller
    Die Preise die waren im Keller
    und je mehr sie vollbrachten,
    die Händler nur lachten.
    Die Preise die fielen noch schneller.

    LG Martin

  11. #116
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    Hallo Martin,

    Zitat Zitat von MartinKiehl
    ich bin wieder so ein Limerick-Neuling
    wenn das tatsächlich so ist, hast du dich in kurzer Zeit sehr intensiv mit dem Limerick beschäftigt. Vielen Dank für diese klare Analyse der Lim-Struktur. Vielen Dank vor allem deshalb, weil der Limerick von den ernsteren Vertretern der Lyrik gelegentlich als Anfängerkram oder Fingerübung abgetan wird. Vielleicht aufgrund der Kürze, vielleicht aufgrund eines manchmal flachen Gags.

    Ich hab's weiter vorn (glaube ich) schon mal ähnlich geschrieben, aber deine Aussage:
    Wichtig finde ich, dass ein Limerick in sehr komprimierter Form eine Geschichte mit überraschender Wendung oder überraschendem Ende erzählt.
    Dadurch, dass sie so kurz ist (5 Verse) kann sie leichter im Gedächtnis haften bleiben
    bringt für mich das Wesen eines guten Limericks auf den Punkt: Die Kunst besteht darin, eine vollständige (wenn auch kurze) Geschichte mit pointierter Wendung in das enge Korsett des Lims zu bringen. Wenn das gelingt, ist ein Limerick ein Genuss der Lyrik und die Autorin/der Autor ein Meister dieses Faches.

    Prima finde ich deinen Ansatz, bereits bei der Themenwahl stringent auf die Pointe hinzuarbeiten. Dein Schema der Aufgabenverteilung der einzelnen Verse finde ich dabei sehr anschaulich und hilfreich. Daran kann man sich als Limerickneuling sehr gut orientieren. Da bin ich voll bei dir. Gehst du mit, wenn man dabei bei Bedarf flexibel vorgeht? Sprich: Ich benötige für die Einleitung noch eine Hebung in V3, komme aber mit der Überleitung mit dem Rest aus V3 und V4 klar? Oder greife noch auf die erste Hebung in V5 zurück, wenn der Rest des Verses für die Pointe reicht? Ich denke, ja - oder?

    Das Verlassen des metrischen Schemas sehe ich nicht ganz so gelassen wie du. Ja - wenn die Wirkung erst eintritt, wenn ich dieses ganz tolle Wort verwende, das nun echt eine Senkung zuwenig erzeugt... okay, gerne: Pointe vor Form. Meine Erfahrung ist allerdings, dass man meist nur nicht lang genug nach einer Lösung sucht. Deshalb entsteht in mir beim Lesen eines Lims mit "großer metrischer Flexibilität" () der Eindruck, dass es der Autorin/dem Autor an Erfahrung oder an Durchhaltevermögen mangelte. Für mich gehören - allein für die Melodie - zwei Senkungen zwischen die Hebungen. Aber das ist meine persönliche Meinung und ich strebe ja nicht die Deutungshoheit über Limericks an.

    Wir können uns ja beispielsweise mal dein Beispiel anschauen:
    Zitat Zitat von Martin
    Ick mach jetzt einen Limerick,
    doch das ist schwer, drum wimmer ick,
    weil ja zum Schluss
    ein Witz her muss
    und da hab keinen Schimmer ick.
    Ich finde den als Argument für deine These (des Bruchs mit der metrischen Vorgabe) gelungen: Das LI klagt über Schwierigkeiten mit dem Limerickschreiben und pointiert das zusätzlich mit der metrischen Abweichung. Die Form unterstütz also den Inhalt. Allerdings hast du dich mit den durchgängigen Jamben schon echt weit von der Ursprungsform entfernt. Sie (die Jamben) könnten beim Lesen sogar eine vierte Hebung in den Langversen suggerieren.

    Mir ist schon bewusst, dass du hier schnell ein Beispiel konsturiert hast und ich will dich hier keineswegs vorführen. Bin dir ja dankbar für den Diskussionsansatz. Aber ich hab mal versucht, deine Verse "ins Schema zu zwingen" , dabei kam das hier raus. Ob da jetzt viel Inhalt vom Ausgangsprodukt verloren gegangen ist, kannst natürlich nur du entscheiden. Hängt ja davon ab, was dir wichtig war.

    Premiere! Ich schreib einen Limerick.
    Es geht schon schwer los, also wimmer ick.
    Und weil auch der Schluss
    noch witzig sein muss,
    geht's schief - denn da hab keinen Schimmer ick.

    Die Sache mit den Ortsnamen sehe ich ähnlich flexibel wie du. Es wäre schade, auf eine gute Pointe wegen eines nicht vorhandenen Ortes zu verzichten. Allerdings würde ich mir (aber auch das ist persönliche Meinung) dafür keinen Fantasieort ausdenken, sondern ganz verzichen. Den freigewordenen Platz könnte man schön zum weiteren Ausbau der Story (z.B. Charakterisierung des Prots) nutzen. Vielleicht kann ich das an deinem Beispiel zu gegenteiligen Sichtweisen (auch ein interessanter Hinweis!) deutlich machen.
    Zitat Zitat von Martin
    Es trat mal ein Wolf aus Langwaase
    in 'nen Nagel, der steckte im Grase.
    Aus der Pfote schoss Blut
    und er schnaubte voll Wut.
    Gelacht hat im Grase der Hase.
    Klar, du erfindest den Ort Langwaase; aber vielleicht könnte man den Raum auch so nutzen:

    Es trat mal ein Wolf in Ekstase
    in Nägel, die steckten im Grase.
    Die Schmerzen! Das Blut!
    Er schnaubte voll Wut.
    Ekstatisch vergnügt sich nun Hase.
    Aber, wie schon erwähnt, das ist wohl Geschmackssache.

    Vielen Dank jedenfalls für den intensiven Austausch.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  12. #117
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    Lieber Verbalcarpaccio,
    deine Verbesserungen gefallen mir gut.
    Ich gebe zu, dass ich bei dem Wimmerick nicht auf das Versmaß geachtet habe, weil ich nur die Hebungszahl als zwingend ansehe und froh war einige Charakteristika des Limericks in einem ebensolchen zu beschreiben. Aber gerade dann wäre es natürlich besser, wenn es ein sauberer wär.


    Zur Aufteilung der Geschichtsteile auf die Verse:
    Rein formal ist "das ist schwer" zwar noch Ausgangsposition und
    "es geht schon schwer los" bereits Übergang, aber inhaltlich ist da kein Unterschied.
    Die Verlagerung des Übergangs in den Anfang von V5 sehe ich auch nicht so eng, sondern eher als Ziel, dass erfüllt wird, wenn es leicht geht.

    Die Trennung der Inhalte nicht an die Trennung der Verse anzupassen würde ich im Zweifel auch nicht so streng sehen, nur dann unterstützt die Form eben den Inhalt nicht so gut. Jetzt ist die Frage, was man bezweckt. Wenn ich eine Geschichte erzählen will, die eben einfach zu lang ist, dann schreibe ich eben ein Sonett und keinen Limerick. Ich finde man sollte versuchen den Gedichtstil zu nutzen, der den Inhalt eines Gedichtes am besten unterstützt. Und da es bei der Aussage ja um Limericks geht, ist der Limerick schon dadurch eine sehr gute Form, auch wenn dann die Versteilung nicht genau auf die Erzählweise passt.

    Zur Verbesserung des Wolfs aus Langwase:
    Ja , das ist so viel besser, ich bin nur orginal auf dem Weg über Wolf-Hase und dann wie oben beschrieben zu meinem Lim gekommen, dem dann der Ortsname fehlte. Diese Technik wollte ich illustrieren und dann musste der Ortsname da natürlich auch drin bleiben.

    Ich finde es generell schöner, wenn es einem gelingt, auf Ortsnamen oder Namen im Reim zu verzichten. Dafür muss man dann aber einen Reim auf Hase-Grase finden, der zur Geschichte passt.
    Wenn einem aber später doch noch sowas einfällt wie dir, kann man den Ortsnamen ja später durch einen richtigen Reim austauschen.

    Besonders schön finde ich, dass es dir gelungen ist Exstase doppelt zu verwenden und dadurch einen richtigen Gegensatz zu erzeugen.
    Indem der Hase in der Ekstase ist, in der vorher sein Kontrahend war.
    Auch rhythmisch ein sehr starkes Stilmittel, Exstase am Ende von V1 und Anfang von V5 zu plazieren,
    weil hier V1 und V5 noch über einen quasi verzögerten Echoreim verbunden sind.
    Das kommt glaube ich auch oft in LIMs vor, besonders in denen die auf Ortsnamen verzichten und passt besonders gut zu dem Wechsel der sichtweisen.
    Der Gegensatz Wolf-Hase wird in diesem Fall genauer zu
    Wolf in Extase - in Extase der Hase

    Besten Dank MK



    Hallo Verbalcarpaccio,

    noch ein Nachtrag zum Rhythmus des Limerick.
    Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das anapästische Versmaß des Limerick den meist komischen Inhalt unterstützt, weil er tänzerisch wirkt.
    Wenn das stimmt, kann man sich das ja auch für andere Gelegenheiten außerhalb der LIMs merken.

    Darüberhinaus wurde der Limerick ursprünglich oft gesungen und dann müssen die Verse natürlich zur Melodie passen.
    So haben sich vielleicht auch Metriken überliefert, die auf gar keine besondere Wirkung abzielten, sondern sich an die Metrik der Komposition orientierten.
    Für mich ist aber auch ein gesprochener LIM liedverwandt, so dass zumindest
    V1,V2 und V5 sowie V3 und V4 gleichen Takt haben sollten.
    LG MK

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