1. #1
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    Landen dürfen

    Landen dürfen

    Die Liebe – sie muss doch landen dürfen ! Ankommen.
    Bei den Ersten, wo das pulsierende Leben ankommt , da möchte es doch angenommen sein.

    Die Kleinstadt mit den Kleinbürgern. Sie pflegen kleine Rasen , fahren kleine Autos und einen kleinen Verstand. Ihr Ziel ist es , große Rasen zu pflegen und ein größeres Auto zu fahren.( Ob sie einen größeren Verstand wollen, wissen sie nicht. Es gibt da die Mär vom Selberdenken. Da ist mal ein Selberdenker in den Wald gegangen …. --- aber nein. Allzu schauerlich!!) Vielleicht einmal in den Urlaub. Naja – und so einen Kühlschrank, wie es jetzt überall gibt. Die schicken Wildlederstiefel.
    Man wird ja noch träumen dürfen.

    Vor den Toren der Kleinstadt steht sie . Sie ist großgewachsen – 23 Meter 69. Weil das zu groß für die Stadttore ist, hat sie sich geschrumpft auf das Schrumpfmaß . Für Frauen ist in dieser Inkarnation unter 1.75 vorgesehen. Sie hat sich für schicke 1.67 entschieden.

    Auch die Schuppen abgelegt, die Stacheln, den Panzer. Das Brüllen. Das laute Rülpsen. Das Furzen und das dreckige Lachen. Das Feuer zuletzt.

    Vor den Toren der Stadt lag die Verkleidung parat. Das war ein Paar Schuhe mit Absätzen von 7 cm. (Der für die Schuhe zuständige Bekleidungsbeauftragte im Stadtrat hatte dies befohlen. Er mochte es, wenn die Frauen so wackelten und sich immer wieder hilfesuchend an Männerschultern anlehnen mussten. Da die Stadt mit Kopfsteinpflaster bis zum Abwinken bedeckt war, blieben sie auch öfter in den Ritzen stecken und mussten weiterhumpeln. Das war ein Anblick, der sein Bekleidungsbeauftragenherz erfreute. Er konnte dann seinen Arm anbieten oder seine Hilfe.
    So kamen die Gesetze in dieser kleinen Stadt zustande. Jedes Gesetz hatte im Rathaus irgendeinen, der daraus einen persönlichen Vorteil zog.

    Aber das wusste sie nicht und als die den Torbogen passiert hatte, hatte sie auch vergessen, dass sie mal über 23 Meter groß gewesen war. Freilich in den Träumen nachts ….in den Zerstreutheiten tagsüber …. In der Traurigkeit. Freilich. Ab und zu .

    Nun sah sie gerade 84 schwarzgekleidete Frauen einen riesigen Stab vorbeitragen. An diesem hing ein männlicher Leichnam, den Kopf zur Seite gefallen mit einer Dornenkrone. Die Frauen waren angeblich alle mit ihm verheiratet. Kein Wunder waren sie so traurig. Wenn der ermordet worden war.

    Sie wollte eigentlich nicht mehr von dieser nächsten Mär hören , aber sie begegnete der an allen Ecken . Die Kinder im Lande mussten die Geschichte von diesem Mord auswendig lernen und schwören, dass sie immer und ein Leben lang diesen Toten lieben würden.

    Um diese Geschichte richtig in die Köpfe reinzubringen gab es Infiltrierungsanlagen. Das waren riesige Gebäude , die so dunkel waren, dass man fast nichts sehen konnte. Da stand wieder an einem Stab vorne dieser traurige Tote.

    Sie wackelte auf dieser komischen vorgeschriebenen Kleidung durch die Stadt. Alle wollten heutzutage in die Stadt. Da sei das Leben. Da sei was los.

    Änderungsideen von Melete mit aufgenommen.
    Geändert von Glorfindel (29.04.2017 um 18:54 Uhr)

  2. #2
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    Hallo,

    was mich an dieser Geschichte so angesprochen hat, dass ich an ihr 'hängengeblieben' bin, ist vor allem etwas, das ich allerdings nur relativ schwierig in passenden Wörtern ausdrücken kann, aber ich versuch's mal damit: Auf mich wirkt sie real und surreal - zugleich. Wirklich - und irgendwie 'unwirklich'. Für mich spielt diese Geschichte gleichzeitig in zwei Welten. Das übt einen besonderen Reiz auf mich aus, fasziniert mich auch irgendwie.

    Aber, damit ich hier nicht nur lobend herumspamme , ein paar Kleinigkeiten gibt es, die ich anmerken möchte:

    Die Liebe – sie muss doch landen dürfen ! Ankommen. Bei den Ersten, wo das pulsierende Leben ankommt , da möchte es doch angenommen sein.
    Ja, ich kann erkennen, dass sich 'es' nicht auf die Liebe, sondern auf das Leben bezieht - allerdings fiel da der entsprechende Groschen bei mir erst nach mehrmaligem Lesen. Ich wollte immer 'sie' statt 'es' lesen, und musste gewissermaßen 'gegen meine Empfindung/Auffassung' denken, um den 'richtigen' Bezug herstellen zu können. Meiner Meinung nach würde das evtl. leichterfallen, wenn die beiden Sätze nicht direkt hintereinander stehen würden, sondern so:

    Die Liebe – sie muss doch landen dürfen! Ankommen.
    Bei den Ersten, wo das pulsierende Leben ankommt, da möchte es doch angenommen sein.
    Dann habe ich beim Lesen nicht mehr 'die Liebe' im Kopf, sondern kann leichter zum 'Leben' und dem Bezug darauf 'umdenken'.

    ... fahren kleine Autos und einen kleinen Verstand.
    Ob sie einen größeren Verstand wollen, wissen sie nicht.
    Mir gefällt sogar, dass sie einen 'kleinen Verstand fahren'. Was meinst du: '(größeres) Auto fahren wollen - (größeren) Verstand wollen' - hier evtl. beim Verstand auch mit 'fahren'?

    Sie sind ja nicht recht bei Verstand ...
    Das ist das Einzige, was mir im Text nicht 'schmeckt'. Während der Text ansonsten darstellt und (ich denke, ganz bewusst) nicht wertet, was geschieht, ist das hier eine direkte 'Abwertung'. Möchtest du da vielleicht noch einmal über eine mögliche andere Formulierung nachdenken? Ich finde, das passt nicht gut.
    So kamen die Gesetze in dieser kleinen Stadt zustande.
    Alle Gesetze? Da stellt sich mir unwillkürlich die Frage, welche und wo kommt dieses 'Umfassende' her, nachdem ja vorher nur von einem Bekleidungsbeauftragten die Rede war. Irgendwie gelingt es mir nicht, (auch nicht 'surreal'), mir diesen als 'Alleinherrscher/-gesetzgeber' vorzustellen. Wozu dann ein Stadtrat? Und warum hat dieser dann in Sachen Gesetze nichts zu melden? Bringe ich irgendwie nicht in Deckung miteinander ...

    Über den Begriff 'Infiltrierungsanlagen' musste ich eine ganze Weile nachdenken. Unterwandern - irgendwie sehe ich da eher so etwas wie 'Anlagen zur Gehirnwäsche', wobei dann wiederum Infiltration auch mit ins Spiel kommen könnte, würde ...
    Ich weiß nicht so recht.

    Und, so nebenbei: Da sind sie wieder, die Abstände vor den Satzzeichen. Hier im Text passen sie aber nicht, im Gegensatz zur Unterstützung der 'Sperrigkeit' in dem von mir bereits kommentierten anderen Text von dir.

    Aber, um mit einem Lob zu enden, hier mein persönlicher 'Lieblings-Textanteil':

    Nun sah sie gerade 84 schwarzgekleidete Frauen einen riesigen Stab vorbeitragen. An diesem hing ein männlicher Leichnam, den Kopf zur Seite gefallen mit einer Dornenkrone. Die Frauen waren angeblich alle mit ihm verheiratet. Kein Wunder waren sie so traurig. Wenn der ermordet worden war.
    Wie deutlich. Das Ausmaß ihrer 'Schrumpfung'. Aussage, Formulierungen - sehr, sehr gelungen.

    LG,

    Melete
    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Ich habe jetzt genau das richtige Alter. Muss nur noch herausbekommen, für was.

  3. #3
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    Hallo Melete,

    vielen herzlichen Dank für Dein großes Lob.

    Danke für Deine erste Anmerkung. Ich bin sogar selber drüber gestolpert. Ich habe es nun im o.g. Text verändert.

    Ja, es stimmt. Sie sind nicht recht bei Verstand ist wertend und ich habe es auch herausgenommen.

    Wie die Gesetze zu Stande kommen, habe ich nun ausgeweitet in der o.g. Geschichte. Mir ging es darum, dass die Gesetze durch unfähige Beamte entstehen, die ihre eigenen Charakterschwächen zu Gesetzen ummünzen.

    Infiltrieren ist das falsche Wort. Ich war selber auch nicht glücklich damit, aber bin leichtfertig drüber hinweg geschrieben.
    Da darf ich noch einmal drüber nachsinnen.

    Vielen Dank für Dein Anschauen meines Textes.

    Das mit den Punkten verbesser ich noch.

    LG Glorfindel

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