Es war einmal ein armer Fährmann, der hatte nur eine Tochter, weil seine Frau im Kindbett gestorben war. An einem schönen Sommertag wurde es plötzlich bitterkalt und der Fluss gefror zu Eis, sodass alle Leute ganz verwundert waren.
Kurz darauf kam eine schöne hohe Frau an die Anlegestelle und verlangte vom Fährmann, mit ihr fortzugehen. Da legte der Fährmann das Gesicht in die Hände und begann zu weinen. Die Tochter fragte, warum er sich so gräme. Er sagte, er müsse nun mit der hohen Frau gehen. Sie solle auch nicht nach ihm suchen, sondern so gut es ging das Fährgeschäft weiterführen.
Da begann auch die Tochter zu weinen und sie fragte, ob er bei der hohen Frau in irgendeiner Schuld stünde. Der Fährmann nickte und erzählte, dass sie als Kind in den Fluss gefallen und von der hohen Frau gerettet worden sei. Dafür musste er versprechen, nach Ablauf von zehn Jahren mit ihr zu gehen. Andernfalls dürfe sie seine Tochter für immer mit sich nehmen.
Die Tochter aber meinte, dass er einer Eishexe aufgesessen war. Denn damals hatte sie selbst sie auf dem gefrorenen Fluss einbrechen lassen. Jetzt mussten sie ihr nur das Handwerk legen, dann würde ihnen schon nichts geschehen.
Der Fährmann jedoch strich seiner Tochter nur liebevoll übers Haar und schüttelte traurig den Kopf. Er habe sich schon lange damit abgefunden. Auch wolle er sie nicht unnötig in Gefahr bringen.
Da sprang die Tochter auf und rannte zur hohen Frau, die schon am Steg wartete. Jene war erstaunt, als sie erfuhr, dass die Tochter freiwillig mit ihr gehen wolle. Dann befahl sie, ihr auf die andere Seite zu folgen, denn der Fluss war noch immer gefroren.
Die Tochter tat, wie die hohe Frau geheissen. Mitten auf dem Fluss jedoch tanzte sie plötzlich fröhlich um die Hexe herum. Das machte die Hexe ganz wild und so fing sie an, das Eis unter den Füßen der Tochter zu schmelzen. Dabei bemerkte sie nicht, dass plötzlich alles Eis um sie herum geschmolzen war. Die Eishexe fiel ins Wasser und ertrank jämmerlich. Die Tochter aber konnte sich rechtzeitig ans Ufer retten.
Der Fährmann schloss sie überglücklich in die Arme, und beide weinten viele heiße Tränen.
Beide lebten noch viele Jahre zusammen, bis der alte Fährmann eines Tages über die andere Flussseite ging und nicht zurückkehrte. Wie die Tochter ihm versprochen hatte, tat sie als Fährfrau gute Dienste. Nur wenn in kalten Wintern der Fluss gefror, ging sie nicht darauf. Sie ahnte, dass sie nicht sterben konnte, solange sie dem Eis fernblieb.
So erreichte sie ein selten hohes Alter. Eines schönen Tages jedoch wollte sie nicht mehr leben, und so fuhr auch sie ein letztes Mal über den Fluss, weil sie wusste, dass ihr geliebter Vater dort auf sie wartete.
Die Leute aber errichteten bald eine Brücke, wo einst der Fährbetrieb bestanden hatte, froh, dass die Zauberei endlich ein Ende hatte.