1. #1
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    Die Bremer Stadtmusikanten

    Die Bremer Stadtmusikanten – eine Sestine

    "Hau endlich ab, du müder Esel!",
    krakeelt der Müller, dieser Räuber.
    Vor Angst duckt sich sogar die Katze.
    "Ihr könnt mich mal, ich geh nach Bremen!",
    sagt laut der Esel zu dem Hahn
    und winkt noch kurz in Richtung Hund.

    Am Strassenrand ein alter Hund:
    "Was winselst du?", fragt ihn der Esel.
    "Mein Meister ist ein fieser Hahn,
    ein Hundeschinder und ein Räuber!"
    "Dann komm doch einfach mit nach Bremen..."
    In dem Moment miaut ne Katze:

    "Ich bin die alte Küchenkatze,
    jedoch der Bauer, dieser Hund,
    verjagt mich!" "Ach, dann komm nach Bremen,
    wir sind schon zwei", iaht der Esel,
    "Zu dritt sind wir geschützt vor'm Räuber.
    Hier kräht nach dir ja eh kein Hahn."

    Auf einem Miststock hockt ein Hahn,
    krächzt kläglich wie ne kranke Katze.
    "Verschwinde hier, du alter Räuber!
    Das ist kein Platz für Hahn und Hund!",
    befiehlt der Mann, der dumme Esel.
    Und so geht auch der Hahn nach Bremen.

    Doch ach, wie ist das weit nach Bremen!
    Am Leichtesten ist's für den Hahn,
    denn alle Last liegt auf dem Esel.
    Auf dessen Rücken sitzt die Katze,
    dazwischen hockt auch noch der Hund,
    und sicher gibt's im Wald hier Räuber.

    Der Hannibal und seine Räuber,
    die wohnen an dem Weg nach Bremen.
    Von Weitem riecht sie schon der Hund
    und bald erspäht sie auch der Hahn.
    "Vertreibt sie singend!", ruft die Katze.
    Den Dirigenten macht der Esel.

    Ganz ohne Räuber kommt der Hund
    - genauso wie der Hahn, der Esel
    Und auch die Katze – heil nach Bremen.
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  2. #2
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    Hallo Gugol,

    ich habe die Sestine schon vor einer Weile gelesen, kam aber noch zu keinem Kommentar. Sie hat mich daran erinnert, dass ich mal ein Vorstellungsthema für die Form einstellen wollte. Mal sehen, wie weit das schon ist.

    Wenn man der Metrikschule anhängt, dass Verben nicht unbedingt betont werden müssen, passt es metrisch auch. Allerdings hänge ich der anderen Schule an. XD Verben sind einfach zu wichtig, als dass sie unbetont bleiben können. Was mich noch stört ist, dass du unterschiedliche Kadenzen verwendest. Bei der Sestine sehe ich das kritisch, weil die beiden männlichen Kadenzen hin und her hüpfen.

    Ich weiß nicht, ob es Absicht war, du das Märchen nicht wirklich beziehungsweise anders kennst oder ob du der Form wegen ausweichen musstest. Darum werde ich (zusätzlich zu meinen normalen Anmerkungen) mal aufzeigen, wo die Abweichungen zu der mir bekannten auftauchen. Ein Märchen bietet sich für die Sestine aber gut an, weil es eine relativ lange Geschichte enthält, die die gesamte Sestinenlänge tragen kann.

    "Hau endlich ab, du müder Esel!",
    krakeelt der Müller, dieser Räuber.
    Vor Angst duckt sich sogar die Katze.
    "Ihr könnt mich mal, ich geh nach Bremen!",
    sagt laut der Esel zu dem Hahn
    und winkt noch kurz in Richtung Hund.
    Märcheninhaltlich habe ich keine Kritik zu äußern. Aber mir gefällt, dass du den Räuber hier metaphorisch verwendest. Die Wörter haben sich natürlich angeboten, da sie in dem Märchen die tragenden sind.
    Warum duckt sich "sogar" die Katze? Katzen würde ich als sehr schreckhaft bezeichnen. Man legt einfach eine Gurke hinter sie und sie springen vor Schreck in die Luft, als läge dort eine Landmine.
    "Ihr könnt mich mal" passt für mich auch nicht,w eil der Esel das ja zum Müller sagt. Der Hahn kann nichts dafür. Zumindest gehe ich davon aus, dass der nicht gesagt hat, der Esel solle gefälligst zum Schlachter. (Denn wenn ich mich recht erinnere hörte der Esel, dass er abgeschafft werden soll. Wäre dann doch ein Märcheninhaltlicher Mangel. Upsi. )

    Am Strassenrand ein alter Hund:
    "Was winselst du?", fragt ihn der Esel.
    "Mein Meister ist ein fieser Hahn,
    ein Hundeschinder und ein Räuber!"
    "Dann komm doch einfach mit nach Bremen..."
    In dem Moment miaut ne Katze:
    "Straßenrand" mit Scharfem-ß. Der Satz ist mir zu fragmentisch. Ohne Verb dem Satz etwas. Ich würde für "da steht" das Adjektiv streichen.
    Hier zeigt sich etwas, das ich als Schwäche der Sestine ansehe: In beiden Formen, die existieren, treffen die Endwörter immer am Strophenende/-anfang aufeinander. Das macht es schwer, das sprachlich gut darzustellen. Das zu umgehen ist nicht einfach. Im allgemeinen Teil meines Kommentars werde ich am Ende aufzeigen, wie das aus meiner Sicht verbessert werden kann. Wenn ich es vergessen sollte, darfst du mich gerne darauf ansprechen.
    "Fieser Hahn" als Schimpfwort wäre mir neu. Kann aber sein, dass das in anderen Teilen der Welt eines ist. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Hund den Meister als "Wetterhahn" beschimpft. Das wäre dann ein Blechkopf und er würde sein Fähnchen immer in den Wind stellen, etc.
    Dadurch, dass die Katze jetzt schon Miaut, sitzt sie für mich als Leser auf dem selben Straßenrand wie der Hund und wohnt darum beim selben Meister. Zum Glück verliert bei dem Märchen aber keiner alles, sondern jeder hat seinen eigenen Herrn und die Tiere reisen weitere Strecken, ehe sie den nächsten neuen Freund kennenlernen.

    "Ich bin die alte Küchenkatze,
    jedoch der Bauer, dieser Hund,
    verjagt mich!" "Ach, dann komm nach Bremen,
    wir sind schon zwei", iaht der Esel,
    "Zu dritt sind wir geschützt vor'm Räuber.
    Hier kräht nach dir ja eh kein Hahn."
    Der bestimmte Artikel vor der Küchenkatze klingt so, als gäbe es nur diese eine, die wir alle kennen müssen. "Ich arme alte Küchenkatze" wäre da in meinen Augen besser. Dann müsste der nächste Vers und vielleicht auch der Anfang des nächstens verändert werden. Vielleicht "Verjagt durch diesen fiesen Hund/den Bauern.". Allerdings vermutlich nur als Gedankenanstoß zu gebrauchen.
    "Ach, dann komm nach Bremen" ist für mich ein "Dann komm uns doch besuchen". Aber sie sind ja noch nicht in Bremen und die Katze soll mitkommen. Wenn du das "Ach" streichst kannst du "Dann kommt mit nach Bremen" schreiben. Das "schon" würde ich durch ein "erst" oder "noch" ersetzten. Dann würde der Esel sagen, dass die Katze eine Bereicherung der Gruppe wäre und erst mit ihr der Schutz vor den Räubern gewährleistet wäre.

    Auf einem Miststock hockt ein Hahn,
    krächzt kläglich wie ne kranke Katze.
    "Verschwinde hier, du alter Räuber!
    Das ist kein Platz für Hahn und Hund!",
    befiehlt der Mann, der dumme Esel.
    Und so geht auch der Hahn nach Bremen.
    Im Eigentlichen Märchen soll der Hahn Besucher füttern, wenn ich mich recht erinnere und entflieht somit selbstständig seinem Schicksal. Aus irgendeinem Grund missfällt dem Hahn der Lauf des Lebens aus fressen und gefressen werden, wenn es ihm selbst an den Kragen gehen soll. Warum sollte man auch einen Hahn fortjagen, wenn man ein schönes Hühnersüppchen aus ihm machen kann? Der Hahn könnte selbst darüber sprechen, dass er weg will und über seinen Halter fluchen. Dass der Esel aber nicht jeden explizit einlädt finde ich gut. Die Wiederholung ist bei einem Gedicht ja nicht notwendig.
    Im letzten Vers würde ich "folgt" statt "geht" schreiben.

    Doch ach, wie ist das weit nach Bremen!
    Am Leichtesten ist's für den Hahn,
    denn alle Last liegt auf dem Esel.
    Auf dessen Rücken sitzt die Katze,
    dazwischen hockt auch noch der Hund,
    und sicher gibt's im Wald hier Räuber.
    Hier habe ich das größte Problem. Eigentlich formieren sie sich erst, um die Räuber zu verjagen, vielleicht sogar nur, damit sie ins Fenster schauen können. Aber dafür bin ich noch zwischen zu alt und zu jung, um mich genau zu erinnern.
    Die Formulierung von oben nach unten und dann die Mitte verquirlt gefällt mir nicht wirklich. Aber das ist halt einfach durch die Wörterreihenfolge der Sestine vorgegeben.
    Wenn du hinter den letzten Vers ein Ausrufezeichen setzt, dann wird das ganze dramatischer! Dann sind da Räuber! Anders ischs halt so. Who cares?

    Der Hannibal und seine Räuber,
    die wohnen an dem Weg nach Bremen.
    Von Weitem riecht sie schon der Hund
    und bald erspäht sie auch der Hahn.
    "Vertreibt sie singend!", ruft die Katze.
    Den Dirigenten macht der Esel.
    Statt "An dem Weg nach" würde ich "in dem Wald vor" schreiben.
    Die Art der Entdeckung dürfte auch nicht nach Grimm sein.

    Ganz ohne Räuber kommt der Hund
    - genauso wie der Hahn, der Esel
    Und auch die Katze – heil nach Bremen.
    Kommen die Bremer Stadtmusikanten wirklich in Bremen an? M.W. endet das Märchen damit, dass sie das Essen der Räuber aufessen und die sich nie wieder herantrauen, weil sie Angst vor den "Geistern" und "Hexen" haben.
    Mir gefällt es bei den Schlussstrophen besser, wenn die Endwörter, die nicht ans Ende fallen, in der Mitte stehen und vor allem alle an der selben Stelle im Metrum. Dann wird das ganze gleichförmiger.

    Was ich allgemeines sagen wollte:
    Mir gefällt es mehr, wenn die Endwörter variiert werden. Dann ist das ganze nicht so statisch. Mit Varieren meine ich, dass du öfter so etwas wie die "Küchenkatze" bringst oder die Räuber eben unterschiedliche Bedeutungen haben. Dann sind auch die Strophenübergänge flüssiger, wenn nicht "Hund" auf "Hund" stößt, sondern vielleicht der "Schweinehund" auf einen anderen Hund. Und die Küchenkatze auf eine Perserkatze. Das macht das ganze weicher und abwechslungsreicher. Und natürlich auch weniger langweilig. Auf für den Schreiber.

    So, das soll es erst einmal gewesen sein.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  3. #3
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    @Eule: Ja bitte. Ich habe gerade mal kurz überflogen, was so bei der Sestine geht. Interessante Form, die kann hier mal bearbeitet werden!
    Allerdings sind mir nach flüchtiger Lektüre zwei deiner Punkte nicht klar:

    Die Betonung von Verben
    Inwieweit ist bei der Sestine und speziell in diesem Text metrisch das Verb relevant? Ich hab dazu nichts gefunden und sehe in der Hinsicht in diesem Text auch keinen Fehler.

    Kadenzen
    Auch hier scheint die Sestine ja offen für Variation zwischen männlicher und weiblicher Kadenz zu sein. Ist das mehr dein persönlicher Geschmack, der sich durchgehend die gleiche Kadenz wünscht? Der endecasillabo der Original italienischen Sestine ist ja recht frei anwendbar und würde ja sogar eine Endung mit zwei unbetonten Silben erlauben.
    Das deutsche Pendant ist ja der recht sture 5hebige Jambus, wobei wiki sagt, dass hier auch weniger Jamben genutzt werden und der 5hebige Jambus durchaus auch mit einer weiblichen Kadenz schließen kann.

    ----------
    Moin Gugol,

    entschuldige den kurzen theoretischen Exkurs in Nachteules Richtung, ich find es immer spannend mir Formen zu erarbeiten

    Zu deinem Text MUSS ich ja als Bremer etwas sagen, zumal die Stadtmusikanten, unter anderem im Märchen, damals das Thema meiner Bachelorarbeit waren
    Nachteule hat es ja an einigen Stellen schon angesprochen, du orientierst dich nicht stringent am Inhalt und Handlungsverlauf des Originalmärchens. Aber das empfinde ich nicht als störend.

    Ich sehe das Original hier mehr inspirationsgebend als richtungsvorgebend.
    Es gibt ja zahlreiche Adaptionen, die noch wesentlich freier mit den Inhalten des Märchens umgehen.

    Nachteule hat ja bereits einige Überarbeitungsvorschläge gemacht, denen würde ich mich dreist anschließen. Besonders die Katzenstrophe könnte von kleinen Anpassungen profitieren
    Seine allgemeinen Hinweise finde ich nach flüchtiger Lektüre der Form essentiell. Ich glaube, die Sestine lebt erst richtig davon, wenn die sich wiederholenden Wörter durch Komposita in möglichst vielseitige Kontexte gebracht werden.
    Da hast du hier bereits Ansätze, aber da kann man bestimmt noch mutiger sein

    Nachdem du hier ja eine vertonte Version eingestellt hast, möchte ich gern auch darüber noch ein Wort verlieren:
    Mir gefällt, dass du stimmlich für unterschiedliche Charaktere gesorgt hast.
    Idealerweise hättest du deinen Text natürlich gesungen.
    Die Sestine entstammt ja der Trobadordichtung, die eben gesungen vorgetragen wurde.
    Vielleicht bringst du ja noch den Mut für eine Gesangsversion auf

    Ansonsten war dein Text für mich trotz seiner vielen Verse sehr kurzweilig und hat mir Lust darauf gemacht, die Form weiter kennenzulernen.

    Beste Grüße

    Chris
    Aktuelles: Narrenprinz , Scherbenprinz , Blutprinz, Sternenprinz
    Hilfreiches: Lyrisches Lexikon | Kommentar gefällig?
    Eigenes: Meine Werke | Meine Favoriten (aktualisiert: 16.01.13)
    © Christian Glade

  4. #4
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    Hallo AC,

    die Verbaussage war allgemein gemeint und nicht auf die Sestine beschränkt. Hier wäre es, ohne dass ich suche "Angst duckt", wo das "ducken" als Verb im Metrum fast untergeht, bzw. man liest es zu betont und erzeugt einen Hebungsprall. Also bei mir zumindest. Und ich kenne viele, denen es ähnlich gehen wird. Aber wie gesagt, weiß ich auch, dass es welche gibt, bei denen Verben nicht unbedingt betont werden müssen. Keine Ahnung, warum die das so sehen. XD

    Zu den Kadenzen:
    Ich mag wechselnde Kadenzen, wenn sie sich geordnet abwechseln. Das geht aber nur, wenn die Form das zulässt und das ist bei der Sestine halt schwer, zumal es hier zwei von sechs Verse sind und darum keine Ordnung drin ist. Ob die jetzt durchgängig weiblich oder männlich sind, wäre mir allerdings egal. (Und Quellen, die eine bestimmte Kadenz verlangen, bspw. durch die Vorgabe "11-Silbig" sind mir gerade nicht bekannt. Allerdings ist es auch schon eine Weile her, dass ich mich damit auseinander gesetzt habe. Wenn ich mir das zu veröffentlichende Vorstellungsthema (ich beschließe einfach mal, dein "Ja bitte" bezieht sich darauf) noch mal ansehe, dann werde ich mir auch die Quellen noch einmal dahingehend anschauen. Vielleicht kommt das dann die nächsten Tage.

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    Nachteule
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  5. #5
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    Hallo gugol,

    Danke für das Gedicht Kannte die "Sestine" bisher gar nicht. - Es ist sicher schwierig, die vorgeschriebene Reimreihenfolge zu einem sinnvollen und vor allem ausdrucksstarken Ganzen zu verarbeiten. Habe in der Zwischenzeit einige Sestiinen gelesen und bleibe an deinem Gedicht besser dran als an anderen. - Denn das scheint mir das größte Problem an dieser Gedichteform: die Regeln werden hier so vordergründig, dass ich schnell das Interesse am Inhalt verliere.die Idee, ein bekanntes Märchen als Vorlage zu benutzen, ist, so gesehen, gut, denn so kann man ich mich besonders gut darauf konzentrieren, ob die Regeln eingehalten worden. Aber Kunst der Kunst Willen...?

    Bleibt für mich die Frage, welchen Sinn diese Art Wiederholungsgedichte macht. Sestinen benutzten ja ursprünglich Troubadoure. Das leuchtet mir sofort ein, denn die Sestine bietet eine gute Möglichkeit, die Reize einer Angebeteten ausführlich und genüßlich zu wiederholen. Einen zusätzlichen Anreiz, mich der Bremer Stadtmusikanten zu erinnern, bot mir dein Gedicht allerdings leider nicht.

    Hallo Nachteule.

    ich teile deine Bedenken, Vollverben nicht zu betonen. Ich bin kein Formalist. Aber meiner Erfahrung zeigt mir, dass betonte Vollverben die Strahlkraft eines Verses stärken. - Allerdings finde die Betonung auf "sogar" ebenfalls interessant, denn Katzen sind bekanntlich "stolze" und eigenwillige Tiere. Eine Alternative wäre sicherlich:

    Zitat Zitat von Vorschlag artname
    da duckt vor Angst sich selbst die Katze
    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  6. #6
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    Hallo liebe Kritiker und Mitdenker
    Über eure Anmerkungen habe ich mir Gedanken gemacht, bin hier aber nicht in der Lage, auf alles einzugehen.
    Mich hat an der Sestine die Herausforderung gereizt, eine Geschichte mit einem Verlauf hin zu kriegen, also nicht nur irgend ein Loblied auf etwas oder eine Naturbeschreibung zu machen. Richtig ist, dass das ursprüngliche Märchen nur das Thema und den ungefähren Verlauf lieferte.
    Was die m/w-Kadenzen anbelangt, so ist das natürlich richtig, dass sie sich recht zufällig abwechseln, weil ja die Zeilenendwörter nach Sestine-Regel an unterschiedlicher Stelle vorkommen. Gleichzeitig waren die Wörter jedoch durch das Thema mehr oder weniger vorgegeben und mussten in S1 so gesetzt werden, dass sie dann in der entsprechenden Strophe, wo das Tier erstmals auftaucht, am richtigen Ort vorkommen. Mich stört der m/w-Wechsel persönlich beim Lesen nicht.
    Zum Thema Vollverben habe ich die Haltung, dass es auch da auf die Aussage ankommt, ob sie betont sein sollten oder nicht. In diesem Gedicht ist dies an manchen Stellen jedoch nicht konsequent durchdacht, z.B. in S1Z3 (danke Artname, deinen Vorschlag finde ich gut!). Da wäre die Betonung des Verbs inhaltlich wirklich sinnvoll.
    Nicht einverstanden bin ich bei der Küchenkatze: Sie ist DIE Küchenkatze, war es schon immer, die Herrin der Küche, in ihren Augen kann es keine andere neben ihr geben.
    Und ja, die Schlussstrophe: Da gibt es ja x Regeln, wie die auszusehen hat. Ich war ehrlich gesagt froh, überhaupt alle Wörter irgendwie sinngebend rein zu kriegen. Ob die dann noch genau in der Mitte stehen, wäre dann Frage der wirklich höheren Schule.
    Es wird sicher nicht meine letzte Sestine gewesen sein, werde eure Anmerkungen dann gerne berücksichtigen. Hier will ich am Text nichts ändern, er soll ja mit dem Gelesenen übereinstimmen.
    Besten Dank für die vielen Anregungen und e liebe Gruess (ohne scharfes s/sz, das gibt's in der Schweiz nämlich nicht ) gugol

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