1. #1
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    Anmerkungen eines Bürgers



    Anmerkungen eines Bürgers


    Im Alter werd ich provokant,
    weil ich bedrückt erkannt:
    Kein "Ruck geht durch das Land!"
    Der Karren fährt samt Bürgern
    an die Wand, weil alles,
    was systemisch relevant,
    gefördert wird und anerkannt.

    Arbeitnehmer und Ressourcen
    werden unumwunden
    ausgebeutet und geschunden.
    Kapitalvermehrer bleiben oben.
    Viele in der Mitte heimlich zittern,
    weil sie den sozialen Abstieg wittern.
    Haben unten die Prekären sich
    mit ihrem Schicksal abgefunden?

    Starrend auf Erfolg und Karriereleiter,
    saust der Karren mit uns weiter,
    aber immer weiter jagen wie bisher
    nützt in naher Zukunft keinem mehr.
    Also brav die Augen schließen
    und das gute Leben vor der Sintflut
    noch bedenkenlos genießen.

    Wollten wir am Ende
    wie die vielen andern flieh`n?
    Nur, wohin? Wohin?
    Geändert von Carolus (15.07.2017 um 18:23 Uhr)

  2. #2
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    Wow!

    Ich bin wirklich beeindruckt! Du hast eine sehr tolle Wortwahl und erzeugst tolle Bilder in meinem Kopf. Das Gedicht bringt eine gewisse Dringlichkeit rüber die bei mir doch eindruck geschaffen hat. Vielen Dank für dieses tolle Werk!!

  3. #3
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    Hallo, Jelena,

    meine Antwort kommt verspätet; sie deshalb nicht weniger aufrichtig. Über dein besonderes Lob freue ich mich besonders und möchtet dir herzlich danken.
    Die Inhalte der "Anmerkungen eines Bürgers" erscheinen mir wichtig. Ich meine in einer Zeit, in der weltweit Ängste, Täuschungen, Verlogenheit und eine gewisse Hartherzigkeit zugenommen haben, in der z. B. Demokraten mit den Menschenrechten winken und gleichzeitig autoritären Machtinhabern jede Menge Waffen verkaufen... Die Beispiele ließen sich lange fortsetzen. Ich breche hier ab mit einem verfremdeten Vierzeiler:
    "Money", hast "Moral" gestohlen. Gib sie wieder her! Sonst wird dich ein Teufel holen mit dem Schießgewehr!"

    Übrigens: Habe aus Neugier dein Gedicht über E. Munchs "Der Schrei" gelesen, hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht.Das Bild nimmt vorweg, was später blutige Wirklichkeit wurde; es könnte auch als gemalte Metapher für den Zustand der Welt zu Beginn unseres Jahrhunderts stehen.
    Du hast offensichtlich ein fruchtbares Talent zum Gedichteschreiben. Mach weiter so, lass dich nicht beirren!
    Abgesehen von den absoluten Highlights der großen Meister, gilt für dich wie für mich der Hinweis: Kaum ein Gedicht ist so gelungen, dass es nicht verbessert werden könnte.

    Lieben Gruß
    Carolus

  4. #4
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    Dein Gedicht und dein Hintergrund dafür sind echt gut rübergebracht!

    Liebe Grüße
    Prim

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