1. #1
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    Zauberhaft erzählst du

    Zauberhaft erzählst du von den Bienen,
    Wie sie blind und taub den Honig sammeln.
    "Leben will allein ... den Trieben dienen.
    Lustvoll, Süßes!", höre ich dich stammeln.

    Wie sie blind und taub den Honig sammeln.
    "Tagelang will ich ... die Wollust riechen.
    Lustvoll, Süßes!", höre ich dich stammeln,
    "Will in dich, ... in deine Blüte kriechen."

    Tagelang will ich die Wollust riechen.
    Flüster mir was Schmutziges ins Ohr!
    "Will in dich, in deine Blüte kriechen!"
    Mach schon, rede nicht so lang davor.

    Flüster mir was Schmutziges ins Ohr!
    Leben will allein den Trieben dienen?
    Mach schon, rede nicht so lang davor!
    "Zauberhaft erzählst du von den Bienen."

  2. #2
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    Na, da macht es schon fast Sinn, dass die kleine Maya und ihr Freund weder hören noch sehen können sollen...
    Die Form passt hier insofern sehr gut, als es darum geht, das "Leben" zu zerreden.
    Aber warum muss es zoologisch so daneben liegen?
    w27

  3. #3
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    Hallo wilma,

    Aber warum muss es zoologisch so daneben liegen?
    Projektion vielleicht?

    Danke für deine Gedanken!

    Lieben Gruß
    albaa

  4. #4
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    Naja, "blind, taub und Honig" sind in der Lyrik ja schon fast wo etwas wie "Ton, Steine, Scherben" in der Musik, nicht wahr? Erratische Blöcke, nicht mehr wegzukriegen ohne Sprengung.
    w27

  5. #5
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    Die "erratischen Blöcke" und das Bild mit der Sprengung, gefallen mir in diesem Zusammenhang und auch wie ich die Form des Pantums sehe/erfühle - nämlich irgendwie kafkaesk - ausgesprochen gut.




    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von Albaa (15.07.2017 um 12:08 Uhr)

  6. #6
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    Liebe albaa,

    bemerkenswert, ausgerechnet auf „Bienchen und Blümchen“ zurückzukommen, um über die Wollust zu schreiben. Haben die Biologielehrer aus der Zeit des homo schmeilensis doch recht getan?

    Schon der Titel weist auf das eigentliche Thema des Gedichts: Ob denn in der „Wollust“ „erzählt“ (gegebenenfalls „was Schmutziges ins Ohr geflüstert“) werden soll oder lieber „nicht so lang davor geredet.“ Wilma hält das Pantum gar für prädestiniert, „das "Leben" zu zerreden“. Mir schienen die Wiederholungen des Pantums im Gegenteil immer dem (allerdings kunstvollem) „Stammeln“ nahe, und das kontrafaktische „weder hören noch sehen können“ soll wohl betonen, dass hier „erratische Blöcke gesprengt“, d.h. nur noch „geflüstert“ und „gemacht“ werden soll.

    Freilich weicht für meinem Empfinden Dein Gedicht in theoretische Betrachtungen der Art aus „Leben will allein ... den Trieben dienen“. Da scheint mir „„Lustvoll, Süßes!"“ eher Appell als Geschehen („kafkaesk“ allerdings nicht).

    Wenn jetzt doch jemand die Traute hätte, uns „was Schmutziges ins Ohr zu flüstern“. Ich hab's versucht, ist aber nicht besonders schmutzig geworden, eher putzig:

    Krieche tief in meine Blüte,
    strample nicht, ich bin ganz glatt.
    Fass mich, ich bin keine Mythe
    sondern ein gerolltes Blatt.

    Strample nicht, ich bin ganz glatt.
    Dringe in mich, pfähl mich, stoße
    wie in ein gerolltes Blatt,
    tob dich aus in meinem Schoße.

    Strample nicht, ich bin ganz glatt,
    lass mich deine Wollust riechen,
    gieß dich ins gerollte Blatt
    so als wolltst du in mich kriechen

    wie in ein gerolltes Blatt.
    Fass mich, ich bin keine Mythe,
    tob dich aus in meinem, Schoße,
    krieche tief in meine Blüte.

    Soll alles nur demonstrieren: Schmutziges ist schwierig, insbesondere, wenn man mit Bienen und Blüten anfängt


    Michael
    .................................................................................................... ..........................
    "Herzmarinade", Chora Verlag

  7. #7
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Einen wunderschönen guten Morgen miteinander, ok - interessant die Bienen-Assoziation. Das ? sitzt richtig. "... in deine Blüte kriechen... ", klingt gut. Der Doppelriecher ist nicht unbedingt übersät vom "Schmutzigen"? Wobei schmutzig nicht gefällt. Insgesamt klingt es leicht geilend mit Vordruck und kurzem Abschluss; finde ich 2 Strophen zu kurz (5 ) Liebe Grüße @ingo raup
    Mein Buch: "Anna & Teresa und die Augen der Katze"
    ist bei Amazon erschienen.

  8. #8
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    Hallo Michael und Ingo,

    Michael, ja dein "was Schmutziges ins Ohr flüstern", ist wirklich putzig geworden, köstlich! Du solltest es unbedingt gesondert einstellen.
    Meine "Antwort" darauf findest du hier
    Sonst kann ich nicht viel sagen, deine Gedanken sind interessant, irgendwie bewegen du, wilma, ingo und ich uns auf völlig anderen Umlaufbahnen um diesen Text, scheint mir. Ich weiß jetzt nicht, ob das für oder gegen den Text spricht. Ich habe versucht, das neue Pantum ganz anders anzulegen und da ist mir erst richtig aufgefallen, wie schwierig das ist


    @Ingo: Ehrlich gesagt, verstehe nicht, was du mit deinem Eintrag sagen willst (?) also kann ich auch nicht wirklich was dazu sagen, tut mir leid. Aber wenn du noch konkrete Fragen oder Vorschläge hast (zu kurz?), antworte ich gerne nochmals.

    Danke fürs Vorbeischauen!

    Lieben Gruß
    albaa

  9. #9
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    Hallo Albaa,

    mir gefällt das Pantum. Er schwadroniert lustvoll, sie spottet lustvoll. Hinter all dem kaum mehr als Wollust. Das überzeugt mich. Form und Inhalt begegnen sich gelassen wollüstig.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  10. #10
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    Hallo Artname,

    Freut mich, dass sich soviele "lust"-Worte in deinem Kommentar finden

    Vielen Dank für deinen Besuch!

    Lieben Gruß
    albaa

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