Thema: Transmädchen

  1. #1
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    Transmädchen

    Transmädchen

    Ein Baby geboren, die Freude ist groß,
    das Glück fällt den Eltern direkt in den Schoß.
    Ein prächtiger Junge, sein Name ist Jan,
    gesund, süß, putzmunter und alles ist dran.

    Er mag keine Autos, nur Puppen als Kind.
    Die Kinder, sie lachen und rufen: „Der spinnt“.
    Die Eltern erstaunt und sie stellen sich Fragen.
    Warum will ihr Sohn plötzlich Kleider nur tragen?

    Die Jahre vergingen, das Kind wuchs heran.
    Die Frau heißt Janina und steht ihren Mann.
    Gequält und gelitten, gespürt oft den Frust,
    doch nun ist sie glücklich mit weiblicher Brust.

    Janina, im männlichen Körper geboren,
    hat niemals die Hoffnung auf Freiheit verloren.
    Die Liebe der Eltern, sie gab ihr die Kraft
    die Träume zu leben – sie hat es geschafft.
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  2. #2
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    Lb Dabschi,

    altes kleid, neuer inhalt: der daktylische takt ist komplett durchgezogen, mein kompliment. Artname wird sich gleich beschweren, wenn ich das einen gelungenen amphibrachys nenne - sei's drum, gut ist gut.

    lg W.
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  3. #3
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    Lieber Walther,

    zunächst einmal vielen Dank für Dein Lob.

    Ich bleibe gerne bei der Wahrheit und gestehe, dass der daktylische Takt in meinem Gedicht rein zufällig gelungen ist. Bis auf die Bedeutung von Jambus und Trochäus fehlen mir noch so einige Kenntnisse der Verslehre.

    Dank Google weiß ich nun aber, wie der Daktylus gebildet wird. Ich muss noch fleißig lernen und darf mich nicht nur auf mein Gefühl verlassen, welches mich beim Gedichte schreiben gerade begleitet ...

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  4. #4
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    Lb dabschi,

    das ist perfekt. und manchmal muß man ein wenig nacharbeiten - das geht uns allen so!

    lg W.
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  5. #5
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    Hallo Dabschi,
    ob Zufall oder nicht: Deine Kommentatoren sollten sich einigen - sind es Daktylen oder Amphybrachien. Wenn Daktylen, dann wäre sie alle mit Auftakt, ich neige dazu (und die Zäsuren z.B. "Ein Baby geboren Zäsur die Freude ist groß"), als Versmaß (bis auf zwei kleine Unglücke) amphybrachisch zu nennen. "Ein Baby geboren" ist ein leicht verkrüppelter Satz, besser wäre "Ein Kind ist geboren" (xXx xXx).

    Ein Baby geboren, die Freude ist groß,
    das Glück fällt den Eltern direkt in den Schoß.
    Ein prächtiger Junge, sein Name ist Jan,
    gesund, süß, putzmunter und alles ist dran. (streng genommen: gesund, süß, putzmunter (xXX xXx)

    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX

    Er mag keine Autos, nur Puppen als Kind.
    Die Kinder, sie lachen und rufen: „Der spinnt“.
    Die Eltern erstaunt und sie stellen sich Fragen. (auch hier ein metrumverschuldeter verkrüppelter Vers)
    Warum will ihr Sohn plötzlich Kleider nur tragen? (Warum will ihr Sohn plötzlich... (xXx xXX xXx xXx)

    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xXx
    xXx xXX xXx xXx

    Die Jahre vergingen, das Kind wuchs heran.
    Die Frau heißt Janina und steht ihren Mann. (nicht sehr feministisch)
    Gequält und gelitten, gespürt oft den Frust, (Sie wurde gequält und sie spürte oft Frust = xXx xXx xXx xX wäre eleganter)
    doch nun ist sie glücklich mit weiblicher Brust.

    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX

    Janina, im männlichen Körper geboren, (Janina, in männlichem Körper geboren wäre logischer. Wie kann sie in einem männlichen Körper geboren werden - das schafft kein Mann)
    hat niemals die Hoffnung auf Freiheit verloren.
    Die Liebe der Eltern, sie gab ihr die Kraft
    die Träume zu leben – sie hat es geschafft.

    xXx xXx xXx xXx
    xXx xXx xXx xXx
    xXx xXx xXx xX
    xXx xXx xXx xX

    Alles in allem: Eine gute metrische Arbeit und fürs erste Mal gibt es einen Sonderakklaus.
    Gruß,
    Festival
    Geändert von Festival (13.08.2017 um 11:46 Uhr)

  6. #6
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    hallo dabschi

    Die Liebe des Elternpaars gab ihr die Kraft
    ihren Traum zu leben – sie hat es geschafft!
    (meine Idee für den Schluss)

    Ich bin mit Walther und der ganzen Amphibrachen-Fraktion seit langem uneinig, wenn es um Daktylen und Amphibrachen geht.
    Ob es nun aber das eine oder das andere sei: "metrische Arbeit" kann nur heissen, auf einem Grundtakt einen spannungsvollen Rhythmus zu trommeln.

    Da kann Freund Festival schon mit seinen X-en kommen und
    Die Jahre vergingen, das Kind wuchs heran.
    nach seiner Vorstellung ins Prokrustes-Bett (xXx xXx xXx xX) zwängen,
    es hilft nichts.
    xXx xXx / xX xxX
    ist bestimmt kein Daktylus, es ist allenfalls ein (zu seinem Wohle) verstümmelter Amphibrachys. In erster Linie aber ist es ein rhythmischer Vers.

    In anderer Weise ist mit gerade aufgefallen:
    "Er mag keine Autos, nur Puppen als Kind" klingt komisch. Wie "Er mag keine Früchte, nur Fleisch mit Gemüse"
    Am folgenden Beispiel kann man erkennen (kann man?), wie wichtig Cäsuren sind

    Gequält und gelitten, gespürt oft den Frust
    Festivals Vorschlag
    "Sie wurde gequält und sie spürte oft Frust = xXx xXx xXx xX wäre eleganter"
    ist keineswegs eleganter, sondern leiernd und zudem unschön inversiv und mit einer zu schweren Senkung bei "und sie", übrigens auch bei "te oft fr".

    was nun wirklich dakytylus und amphibrachys unterscheide, das ist eine frage, die einige für sich schon beantwortet haben. für mich zieht sich da ein graben durch den deutschen sprachraum.

    aber es ist eben nicht die wirklich wichtige frage.
    schönen sonntag
    w27

  7. #7
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    Hallo Festival,
    Hallo wilma27,

    danke für Euer Interesse an meinem Gedicht.

    Drei Meinungen von erfahrenen Lyrikern und wenn ich nun sehe, dass es selbst bei erfahrenen Lyrikern unterschiedliche Meinungen gibt, dann verwirrt mich das ein bisschen. Wer von Euch hat denn nun recht?

    @ Festival,

    ob Zufall oder nicht: Deine Kommentatoren sollten sich einigen - sind es Daktylen oder Amphybrachien.
    Welche Kommentatoren? Bis zu Deinem Kommentar war Walther der einzige Kommentator und ich habe mich sehr über seinen Kommentar gefreut.

    Die Jahre vergingen, das Kind wuchs heran.
    Die Frau heißt Janina und steht ihren Mann. (nicht sehr feministisch)
    Okay, hier müsste es wohl heißen: „Die Frau heißt Janina und steht seinen Mann“, was in meinem Gedicht so viel heißt, wie sich zu behaupten, sich durchzusetzen, um das Ziel zu erreichen.

    Gequält und gelitten, gespürt oft den Frust, (Sie wurde gequält und sie spürte oft Frust = xXx xXx xXx xX wäre eleganter)
    Nee, dieser Vorschlag gefällt mir überhaupt nicht. Wenn ich diesen Vorschlag übernehmen würde, müsste es zudem heißen: „Er wurde gequält und er spürte oft Frust“ Egal, was Deine eleganten Kreuze sagen … Er wurde ja nicht gequält, außer vielleicht in der Kindheit mal verspottet. Mehr sagt mein Gedicht nicht aus. Er quälte sich selbst mit seinen Gedanken, weil er anders war, was ihm schon früh bewusst wurde.

    @ wilma27,

    Die Liebe des Elternpaars gab ihr die Kraft
    ihren Traum zu leben – sie hat es geschafft!
    (meine Idee für den Schluss)
    Warum Elternpaars? Eltern klingt für mich stimmiger. Außerdem komme ich bei Deinem Vorschlag mit Jambus und Trochäus ein wenig ins Stolpern.

    "Er mag keine Autos, nur Puppen als Kind" klingt komisch. Wie "Er mag keine Früchte, nur Fleisch mit Gemüse"
    Warum klingt es komisch? Autos und Puppen bilden m.E. den Unterschied im Spielen zwischen kleinen Jungs und Mädchen. Deinen Vergleich mit Früchten, Fleisch und Gemüse finde ich hingegen komischer.

    Aber egal, ich danke Euch abschließend nochmals für Euer Interesse. Ein Gedicht, welches mit viel Zeit und Mühe entstand, aber unkommentiert in der Versenkung verschwindet, ist „ärmer“ dran … (kleiner Scherz)

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  8. #8
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    Die Liebe der Eltern, sie gab ihr die Kraft

    In dieser Zeile sind 5 Pronomen - das lässt sie in meinen Augen und Ohren etwas plump erscheinen.
    Wenn es die Wiederholung des Subjekts "Liebe" überhaupt braucht, aus Hervorhebungsgründen, wäre mMn ein demonstratives "die" passender als ein einfaches "sie". "die Kraft geben" ist mit Pronomen ungewöhnlich und hämmernd, "eleganter" wäre "Kraft geben".
    In beiden Fällen ist es mir zu offensichtlich, dass diese Ausdrücke sich dem Leiertakt anpassen sollen. Würde das konsequent im ganzen Gedicht gemacht und käme das Ganze daher wie ein Kinderreim, dann würde es nicht auffallen.

    Mit 0815-Gruss
    w27
    Geändert von kaspar praetorius (15.08.2017 um 05:50 Uhr)

  9. #9
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    Hallo wilma27,

    In dieser Zeile sind 5 Pronomen - das lässt sie in meinen Augen und Ohren etwas plump erscheinen.
    Da muss ich Dir allerdings Recht geben. Was hältst Du hiervon?

    Verständnis und Liebe der Eltern gab Kraft,
    die Träume zu leben – sie hat es geschafft.

    Mit 0815-Gruss
    Dringt hier etwa wieder ein bisschen Sarkasmus durch?
    Macht nix. Ich stehe dazu, bisher nur mittelmäßige Gedichte schreiben zu können – ich bin noch am Lernen.

    LG
    Dabschi
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  10. #10
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    EINE GESCHICHTE, WELCHE DURCHAUS MUSIKALISCH KLINGT, EINE MELODIE VERDIENTE: ICH ERINNERE AN "BLUE JONNY (Lena V.)BLUE" aus 1982 etwa, oder auch VIELE klingende MELODRAMEN unserer geschätzten Juliane WERDING.

    LIEBE GRÜßE, an einem HERBSTLICH-EMOTIONAL ANHAUCHENDEm SONNTAG WUENSCHT ALLEN - INGO RAUP
    Mein Buch: "Anna & Teresa und die Augen der Katze"
    ist bei Amazon erschienen.

  11. #11
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    Lieber IngoRaup
    Auf deine Vertonung bin ich gespannt. Das kann ich mir echt nicht vorstellen.

    Liebe Dabschi
    0815 habe ich als Schimpf von Aron Manfeld eingehandelt. Es hat mit dir rein gar nichts zu tun.

    Schönen Sonntag euch
    w27
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

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  12. #12
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    EINE GESCHICHTE, WELCHE DURCHAUS MUSIKALISCH KLINGT, EINE MELODIE VERDIENTE: ICH ERINNERE AN "BLUE JONNY (Lena V.)BLUE" aus 1982 etwa, oder auch VIELE klingende MELODRAMEN unserer geschätzten Juliane WERDING.

    LIEBE GRÜßE, an einem HERBSTLICH-EMOTIONAL ANHAUCHENDEm SONNTAG WUENSCHT ALLEN - INGO RAUP
    Lieber Ingo Raup,

    das klingt gut. Ich hab mal versucht, eine Melodie für meinen Text zu finden, bisher leider ohne Erfolg. Zudem müsste ich noch einen Refrain einbauen, aber das wäre wohl machbar. Dankeschön.

    Lieber wilma27,

    0815 habe ich als Schimpf von Aron Manfeld eingehandelt. Es hat mit dir rein gar nichts zu tun.
    Dann bin ich ja beruhigt.

    Liebe Grüße an Euch
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
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