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Thema: amaretto

  1. #1
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    amaretto

    .

    dein schwanz ist ein findling im ödland
    er steht dir für nichts
    für das nichts
    im treibsand
    meine augen verkleben
    und die ohren die tauben
    gurren und es öffnen sich lippen
    amaretto zu nippen
    blau
    dort im ödland
    liegt die liebe in wehen und gebiert
    begehren und lust
    hinein in die ödnis des ödlands
    dein schwanz steht und schweigt
    ist nichts außer groß
    ins nichts dringt sein stoß
    macht mich selig wie tot






    .
    Geändert von albaa (13.03.2018 um 07:19 Uhr)

  2. #2
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    Liebe albaa,

    ein schwieriges Gedicht.

    dein schwanz
    Ein so banales Wort für solch gewaltigen Vorgänge? Nicht „Geschlecht“ oder ähnliches?
    ist ein findling im ödland
    Ein einsamer Findling? Etwas gefundenes? Da sich aber noch ein LI dazugesellt – ist das LI die Ödnis? Das LI das nichts, für das der Schwanz steht?
    bis zur eichel im treibsand
    Unangenehme Vorstellung, das kratzt und scheuert. Auch, dass die Augen dort verkleben. Antierotisch.
    Dabei kommen jetzt das sinnliche „gurren“ und die sich öffnenden Lippen. Aber das Wortspiel mit den „tauben“ klingt doch albern, es gurrten ja dann die (tauben) ohren.
    amaretto“? „blau“?

    Aber:
    dort im ödland
    liegt die liebe in wehen und gebiert
    das begehren und die lust ist gebot
    an den gräbern im ödland

    Das ist schön, dunkel, tief.
    Nur, dass „der schwanz steht und schweigt“, klingt für mich wieder albern.
    ins nichts dringt sein stoß
    Nicht in die sich öffnenden lippen?
    macht mich selig wie tot
    Das finde ich einen starken Widerspruch, eine Dramatisierung der Rede vom „kleinen Tod“.

    Vielleicht, liebe albaa, habe ich damit mehr über mich gesagt als über Dein Gedicht, ich bin keiner, der sich freien Assoziationen überlassen kann, sondern immer (auch) ein 1:1-Leser.

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
    Am Do., 27.9, ist bei "poetry trifft Poesie" der Slammer Christofer mit f mein Gast.
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  3. #3
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    Danke, lieber Michael, für deine Mühe mit meinem Text, du hast dich richtig heroisch durchgekämpft.

    Ja, ich finde auch, dass es ein schwieriges Gedicht ist,

    wilma hat ja unlängst richtig angemerkt, wenn man sich in Erotik-Stores umschaue, könne man sich teilweise zerkugeln und in den Regalen gäbe es "Rätselhaftes" und es zieht daraus den Schluß, dass auch in dieser Rubrik die Grenzen wohl fließend seien, oder man schreibt, wie Liara sich das wünscht:
    so ganz echte, feinsinnige Erotik
    - dieses Gedicht hier ist so ein Versuch, aber ehrlich gesagt sind mir die Erotik wie auch die zwischengeschlechtliche, also auf Erotik basierende Liebe bis heute rätselhaft geblieben, aber: Einen Schwanz der "steht und schweigt" finde ich nicht albern, ganz im Gegenteil (oder spricht deiner? Und sagst du wirklich: "mein Geschlecht" zu ihm?)

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (07.08.2017 um 18:31 Uhr)

  4. #4
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    Liebe Albaa,

    eben, weil mein Schwanz nicht spricht, finde ich albern, zu behaupten, er schweige. Und eben, weil ich meinen Schwanz solchen meta- (oder schlimmen) physischen Arrangements nicht aussetze, schlug ich ein anders Wort vor.

    Aber nun sag, doch, wie Du das alles gemeint hast, zum „zerkugeln“ wie in „ Erotik-Stores“ doch nicht.

    Rätselnd

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
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  5. #5
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    a) mein penis spricht und denkt für mich
    b) wenn nun deine vulva die güte hätte, das sprechen zu lernen und mir das gedicht zu erklären, wären wir alle besser bedient
    schönen tag dir
    w27

  6. #6
    Liara ist offline free flying butterfly
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    hey, liebe albaa,

    es kommt ja nicht oft vor, dass jemand versucht ein gedicht nach meinem gusto zu schreiben. allein dafür gebührt dir mein herzlichster dank. jetzt habe ich ja selbst noch kaum irgendetwas erotisches verfasst, aber ich habe es nun meinerseits mal versucht. vielleicht erklärt es ein wenig, was ich meine.
    aber - wie gesagt nur ein versuch und ich habe weder auf metrik noch auf sonst etwas dichterisch wichtiges geachtet.

    nur du

    es ist nicht das ödland um uns,
    weshalb nebel in meine gedanken fällt.
    die tiefe deiner augen ist’s,
    die mich gefangen hält

    in dieser nacht. und der mond
    taucht uns in seidenen glanz.
    ich verliere mich in deine wärme,
    in deine nähe, ich verliere mich ganz.

    deine liebe hüllt mich zärtlich ein.
    wie sanft deine hände berühren;
    streichen mich in wonneschauer,
    in verlangen; will deine härte spüren.

    hörst du mein herz? wie laut es schlägt.
    wellen perlen durch deine glieder,
    ein beben biegt mich zu dir - im ödland -
    singt der wind leise sommerlieder.



    liebe grüße
    liara
    Geändert von Liara (10.08.2017 um 15:46 Uhr)
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  7. #7
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    Hallo Michael, wilma und Liara,

    Ja, was hab ich mir dabei gedacht? Ist es nicht verpönt, wenn der Autor dem Publikum erklärt, was er sich bei dem Gedicht gedacht hat bzw. das Gedicht schlecht, wenn er es erklären muss? Gut, es ist schlecht, ich kann damit leben:

    Es gibt eigentlich nicht viel zu erklären, es steht alles da, es ist kein besonders positives Gedicht; der Schwanz wird personifiziert - für meine Gefühl schadet es nicht, passt durchaus, wenn das stellenweise lächerlich/albern wirkt (zb.steht und schweigt), das LD wird vom LI nur partiell wahrgenommen, oder sagen wir auf seinen Schwanz reduziert, und das LI fühlt sich leer, und flüchtet sich vielleicht aus diesem Zustand der Leere, Taubheit und Isolation (Treibsand) in die körperliche Lust/den "kleine Tod" und der erscheint dem LI wie eine Art Vorwegnahme des großen Todes, den das LI offensichtlich als Zustand der Seligkeit ansieht (selig wie tot), es zieht vermutlich einen Größenschluss aus dem Erleben des "kleinen Todes".


    @wilma:
    Zitat Zitat von wilma
    b) wenn nun deine vulva die güte hätte, das sprechen zu lernen und mir das gedicht zu erklären, wären wir alle besser bedient
    schönen tag dir
    Diese blöde Bemerkung hättest du dir sparen können!

    @liara: Dein Gedicht ist hübsch, solltest du in einen eigenen Faden stellen!

    LG
    albaa

  8. #8
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    Liebe albaa,

    immerhin hast Du das schlaffe „schwanz“ aus dem Titel genommen. Mit „amaretto“ aber ein Rätsel aufgegeben wie die entsprechende Gedichtzeile. „Dass der autor seine gedichte nicht zu erklären hat“, ist die Meinung vieler und der Grund, dass manche niemals in solch ein Forum gehen würden, „Gedichtarbeit“ (mit anderen zusammen!), finden die eine geradezu gotteslästerliche Vorstellung. Ist man jedoch in einem Forum, ergibt halt eines das andere und bleibt einem doch nichts anders übrig, als selber Stellung zu nehmen. Wieso also „amaretto“?

    Liara, deren „gusto“ Du ja getroffen hast („so ganz echte, feinsinnige Erotik“) widerspricht in ihrem Antwortgedicht Deiner Bestimmung von „Ödland“ und schreibt ein „leises Sommerlied“. Nicht nur ist das sanfter, sondern berührt auch keine metaphysischen Dimensionen, wie sie in Deinem mitschwingen.

    Tun sie doch, oder?

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
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  9. #9
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    blöde bemerkung?

    amaretto? süß-bitterer likör?
    steht und schweigt bis zur eichel im treibsand?
    stößt ins nichts?
    macht mich selig wie tot?

    entschuldige, es steht alles da. sagst du übrigens auch.

    nun gibt es allerdings die möglichkeit, dass mir da meiner nicht hochkommt, weil mir das gedicht "erotik" mit bitterem geschmack in auge, ohr und mund bietet. wo es doch so schön sein könnte.

    dann spricht dieser alles und alle beherrschende schwanz vielleicht nicht meine sprache. aber er spricht.

    blöde bemerkung? ganz bestimmt nicht.

    w27

  10. #10
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    Lieber Michael,

    Ja, es hat natürlich eine transzendente Ebene, das ergibt sich alleine schon daraus, das Tod mit Seligkeit (selig wie tot) gleichgesetzt wird und nicht einfach mit einem "Blackout". Und die großen menschlichen Themen Liebe und Tod, die haben wohl immer irgendwie etwas über uns selbst und das Irdische Hinausweisendes, oder? Hier gibt es noch dazu das große Wort "Nichts", das ist ein transzendenter Bezug, aber es ist genauso - gerade wegen der Thematik eines einfachen Ficks - auch ein äußerst Diesseitiges "Nichts", "nichts" Bedeutendes.

    dein schwanz ist ein findling im ödland
    er steht dir für nichts
    für das nichts
    er steht dir für nichts - "umsonst", weil ja unfruchtbares Ödland; oder auch "ohne Grund" sozusagen naturgegeben, ohen tieferen Sinn.

    für das nichts - hier kommt die metaphysische Bedeutung ins Spiel, "nichts" ein bisschen im Celan'schen Sinn in seinem Gedicht "Mandorla" - dieses "Alles und Nichts", als religiöse Dimension und als ewiges Rätsel: Es steht das Nichts in der Mandel. Da steht es und steht.

    Ja, jetzt ist es heraußen, was mir peinlich war: der Celan-Bezug. Ich wollte lieber darüber schweigen, weil Celans Werk so großartig und bewegend ist, und amaretto sich durch die Bezugnahme auf Celan's Gedicht selbst persifliert (bewusst - zynisch, aber von der Qualität her eben nicht angemessen): dort geht es "um bedeutende letzte Fragen" und bei mir geht es "nur um (vl. seelenlosen?) Sex"; aber: Sex führt zu einer Art metaphysischem Erlösungszustand - ohne dass dafür unbedingt ein seelisch-geistiger Überbau notwendig wäre; diese Momente der Selbstvergessenheit und Verschmelzung, die ein Gefühl von Grenzenlosigkeit und Allverbundenheit auslösen (können ), bescheren uns also eigentlich Momente der eigenen Göttlichkeit - denn was ist Göttlichkeit sonst?

    Der "amaretto-Vers" an sich, spielt natürlich auf Celans Mandel an, und gleichzeitig steht es schlicht und einfach für die Fellatio (gurren und es öffenen sich lippen amaretto zu nippen)
    in "blau" vereint sich vieles: es kann sich auf die Lippen beziehen, die Kälte zwischen den Protagonisten (wie gesagt das LD wird eigentlich auf seine Geschlechtsmerkmale reduziert), auf das Gift der Mandel, und auch auf das "königsblau" in Mandorla: also wenn ich mich nicht irre, dann erkennt sich der Mensch in Celan's Mandel als Gott bzw. ist der (Christus-Herr) in der Mandorla nicht(s) ohne den Betrachter (ich bin nicht sicher, ob diese Interpretation nicht zu einfach ist, aber das war halt mein Zugang):
    Dein Aug steht der Mandel entgegen.
    Dein Aug, dem Nichts stehts entgegen.
    Es steht zum König.
    So steht es und steht.


    Aber ja, was bleibt einem von wahrhaftiger Liebe unbeleckten und von Gott verlassenen Menschen? Was bleibt ihm, um die Leere, das Nichts, zu füllen? Sex! Und da kommen einem dann schon so alberne (oder verzweifelte?) Verse in den Sinn, wie

    dein schwanz steht und schweigt
    ist nichts außer groß


    veilleicht hätte auch gepasst:

    ist wengistens groß

    Und noch was, bitte: Seid nicht zu streng mit mir: Ich wollte Celan nicht verhunzen und bin auch leider keiner!

    LG
    albaa

    @wilma: Und? Wie gefällt dir die Sprache der Vulva?


    albaa
    Geändert von albaa (14.08.2017 um 16:17 Uhr)

  11. #11
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    gefällt?
    ich wusste nicht, dass sie ein hirn hat.
    wenn sie schon nicht steht, dann redet sie wenigstens gescheit.
    gefällt mir nicht besonders, wirft mich aber um.
    w27

  12. #12
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    Zitat Zitat von wilma
    gefällt mir nicht besonders, wirft mich aber um.
    Oje, dann gehört es wohl doch nicht in diese Rubrik, wohin damit ?

    LG
    albaa

  13. #13
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    das gedicht ist hier gut afugehoben.
    es ging zuletzt nur um die sprache des autors (schwanz oder vulva, nach belieben). bzw. ob dieser autor (siehe klammer) überhaupt sprechen kann.
    da böte sich Mythisches an, weil wir hier kein SciFi kennen (nur "harte" tatsachen...).
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  14. #14
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    Ich verstehe dich nicht wirklich - die Autorin bin ich, ich fühle mich nicht als Vulva und ich kann sprechen - aber wenn du meinst, dass der Text in dieser Rubrik bleiben kann, dann haben wir ja schon einmal einen kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden.

    LG
    albaa

  15. #15
    hebo&hibo Guest
    Hallo Albaa,

    ich wundere mich, dass ein so poetischer Mensch wie du immer, wieder an das Plumpe gerätst. Das macht mich regelrecht wütend. Warum lässt du nicht ungesagt, was eh kein anspruchsvoller Leser oder gar ein anderer Dichter lesen möchte? Erotik liegt nun einmal in der Andeutung, in der "zufälligen" Sicht eines lockenden Brustansatzes etc.
    Mit Amaretto hast du jetzt immerhin einen schönen Titel gefunden. Das fühlt sich angenehmer an als die detaillierte Beschreibung einer Körperflüssigkeit.
    Wenn du aus dem Rest noch den unsäglichen Schwanz eliminieren wolltest, wäre das ein richtig gutes Gedicht.

    ein findling im ödland
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    gurren es öffnen sich lippen
    amaretto zu nippen
    blau
    dort im ödland
    liegt die liebe in wehen und gebiert
    das begehren und die lust ist gebot
    an den gräbern im ödland
    ragt er und schweigt
    ist nichts außer groß
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    macht mich selig wie tot
    Das wäre ein erotisches und ggfs. erotisierendes Gedicht,

    meinen
    h&h

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