1. #1
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    Plädoyer für den Reim der Reime

    Hat jemand Lust, den Herz-Schmerz-Reim wieder zum Lebne zu erwecken?

    Ich fange halt einmal an:

    Ich liege in den Wehen
    verkrampfe mich vor Schmerz.
    Es muss doch endlich gehen:
    So trau dich raus, mein Herz!

    ***

    Ich zupf gerade Unkraut,
    da schreie ich vor Schmerz,
    bevor es mich dann umhaut.
    Das wars dann, liebes Herz!

    ***

    Ich traue nicht den Augen:
    Mein ganzer Stolz, oh Schmerz!
    Die nackten Schnecken saugen
    an meinem Tränend' Herz (Dicentra spectabilis)

    ***

    Rosenlippenbübchens Dorn
    schwärt so tief in meinem Herz.
    Doch sein Gift ist Liebesborn -
    lustvoll trinke ich den Schmerz.

    ***

    Wie das Einhorn ohne Horn
    wär der Dichter ohne Herz
    und die Lyrik tiefgefrorn,
    fehlte ihm der Reim auf Schmerz.

  2. #2
    Sneaker Guest
    Ach, was würd die Lyrik lohnen
    ohne Reim vom Herz voll Schmerz?
    Wie ein Furz, doch nicht von Bohnen,
    brächt' sies auf kein Megahertz.
    Geändert von Sneaker (10.08.2017 um 08:47 Uhr)

  3. #3
    hebo&hibo Guest
    Ach, was muss der User staunen,
    liest er derlei Herzgeschmerz:
    "Steputat!" Vernehmt sein Raunen -
    lenzend findet sich dort "März."

  4. #4
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    Schon fängt der Sommer an zu taumeln,
    wohl speist die Wehmut nun das Herz,
    die Seele windet sich zu baumeln,
    erzählt von dir, es bleibt der Schmerz.
    Geändert von AndereDimension (10.08.2017 um 09:27 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
    hebo&hibo Guest
    Gnadenlos AD!

    Schwarzende

    Wenn Winde flüsternd über Gräber wehen,
    so fühl- und lieblos Tod zurückbeschwören
    und du voll Wehmut zupfst an Azaleen,
    verbleibst du leer. Und träumst von Engelschören,

    die hoffnungsfroh im Herzen auferstehen,
    vivacetönend deine Trauer stören,
    mit Schwanenflügeln tänzeln in Alleen,
    dein leises Schluchzen einfach überhören.

    Bist länger nicht am Düsterstein allein -
    erkennst vielmehr, wie dich das Glück bezwingt,
    die Schwärze treibt ins ferne Querfeldein,

    wo sie vom Cherubimgesang erschreckt
    besiegt hinab zur kalten Erde sinkt,
    vergeblich nach dem Wind ihr Dunkel streckt.

  6. #6
    hebo&hibo Guest
    Ojemine, da habe ich wohl gründlich das Thema verfehlt!
    War zunächst allgemein von Herzschmerz-Gedichten ausgegangen, also solchen, denen es nicht gelungen ist, die Klippen des Kitsches zu umschiffen ...

    Hier ein kleiner Trostpreis:


    Wilhelm der I.
    oder ein offensichtlicher Trugschluss

    Tausend Herzen schmeicheln Wilhelm / loben seiner Lyrik Stärke -
    Aller Forenkreise Worte / preisen jene Herrlichwerke.
    Oden, Hymnen, Epigramme / die sein Kopf hervorgebracht,
    Sind geschwätzig, Pseudoschmerzen / schade nur, dass keiner lacht.

  7. #7
    Registriert seit
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    Zitat Zitat von "h&h
    Ojemine, da habe ich wohl gründlich das Thema verfehlt!
    War zunächst allgemein von Herzschmerz-Gedichten ausgegangen, also solchen, denen es nicht gelungen ist, die Klippen des Kitsches zu umschiffen
    "
    Macht gar nix, wenn ich das als erste Fadenspinne so sagen darf. Mir gefällt auch deine Idee, also: Alle angstfreien Kitsch-Klippen-Springer sind herz-schmerzlich willkommen!

    Bisher wurde hier ja wirklich schmerzlich hohe Qualität abgeliefert! Ich freu mich von Herzen!

    LG
    albaa



    Gut gekühlt liegt dort mein Herz.
    Wer trauert um den toten Spender,
    steht am Grab und weint vor Schmerz? -
    Ich hoffe, dass ich richtig gender.
    Geändert von albaa (11.08.2017 um 17:08 Uhr)

  8. #8
    hebo&hibo Guest
    Das Gendern ist nicht leicht, mein Herz,
    und kann uns schon verdrießen;
    manch Maskulin schreit auf vor Schmerz,
    willst du ihm "den" vermiesen.

  9. #9
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    Dein Essen schmeckt, doch nun mein Herz
    servier mir einen Kurzen,
    der Magen meldete den Schmerz,
    befahl dem Arsch zu furzen.



    Deine Mutter, ach mein Herz,
    war ein so sanftes Wesen,
    so möge sie, befreit vom Schmerz,
    in stiller Ruh verwesen.

    Deine Mutter, ja mein Herz,
    steigt auf jetzt zu den Engeln,
    wird diese nun, befreit vom Schmerz,
    statt meiner fortan gängeln.
    Geändert von AndereDimension (13.08.2017 um 14:45 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  10. #10
    hebo&hibo Guest
    Zu früh gefreut

    Der Engel Schutz erlahmt mitnichten
    und Mutti wird noch weiterdichten,
    reimt wohlgemut ein Herz auf März:
    AD empfindet Schmerz und Wut!

  11. #11
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    Nie und nimmer!

    Bei aller Trauer, allem Schmerz,
    sie könnte ein Vampir auch sein,
    so trieb ich ihr den Pflock ins Herz,
    zum Schutz der armen Engelein.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #12
    hebo&hibo Guest
    Herz auf Schmerz (gewidmet )

    Der Pflock erlöste sie vom Höllengrill,
    des Satans heißem Balzgehabe;
    sie lockte deshalb eisgekühlt: "Ich chill'
    und reime (s. o.) als schönste Liebesgabe!"

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