1. #1
    Registriert seit
    Jul 2011
    Ort
    Irgendwo am Niederrhein
    Beiträge
    929

    Mein Lustschloss

    Mein Lustschloss schwebt durch Zeit und Raum,
    von mir bewehrt mit goldnen Siegeln.
    Im großen Ballsaal lebt mein Traum
    im Labyrinth von tausend Spiegeln.

    Hier wandle ich auf meine Weise
    und fröne dem geweihten Tanz.
    Ich drehe mich verzückt im Kreise,
    ergötze mich an meinem Glanz.

    Bricht einst mein Ballsaal jäh zusammen,
    dann wünsch ich mir den Tod herbei.
    Verbrennt mich drinnen, in die Flammen
    stellt mir zwei Spiegel oder drei.

  2. #2
    Registriert seit
    Jan 2011
    Ort
    schweiz/bw
    Beiträge
    6.938
    Hallo sidgrani
    Ich lese immer wieder von dir, dass ich endlich mal eines deiner gelungenen Gedichte besprechen soll.
    Was soll man hier erwähnen?
    Den seltsamen Gegensatz zwischen Inhalt (Traum, Tanz, Tod und Feuer) und dem oberbraven Iambus-Vers?
    Die fast schmerzlich platten Zeilen 5 und 6?
    Die an sich wirklich schöne und spannende Idee, dass ein Traum durch Siegel geschützt werden muss? Er könnte ja zusammenbrechen, wenn die Türe aufgeht. Aber "bewehrt"???
    Den durchgehend leiernden Duktus mit
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxx
    ?
    Die wirklich schöne Idee, dass dem Traumtänzer in die Hölle seines zusammenbrechenden Traums Spiegel (warum zwei oder drei??? Wegen des Reims?) gestellt werden.
    Die seltsa anmutende, weniger mit dem Inhalt als mit dem Reim (auf zusammen) zu begründende Zeilenverschmelzung ganz am Schluss (nachdem alles andere immer schön AB AB AB gewesen war).

    So, nun sollen mal die wirklichen Kenner der Lyrik ran. Denn für mich sind da mehr die Zutaten für ein Gedicht als ein Gedicht itself.

    Schönen Tag dir
    w27

  3. #3
    Registriert seit
    Jul 2011
    Ort
    Irgendwo am Niederrhein
    Beiträge
    929
    Zitat Zitat von w27
    Die fast schmerzlich platten Zeilen 5 und 6
    Schmerzlich sind deine kindischen Versuche, mich wieder einmal zu provozieren.


    Übrigens, deine Art zu kommentieren, erinnert mich sehr an die allseits bekannte und belächelte Dichterfürstin „Corazon“.


    Falls du noch einmal eines meiner Gedichte kommentieren möchtest, schreib bitte einfach „Scheiße“ darunter, dann weiß ich Bescheid.

    Mit amüsiertem Gruß
    S

  4. #4
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Rhein-Main-Gebiet
    Beiträge
    66
    Zitat Zitat von Sidgrani Beitrag anzeigen
    Mein Lustschloss schwebt durch Zeit und Raum,
    von mir bewehrt mit goldnen Siegeln.
    Im großen Ballsaal lebt mein Traum
    im Labyrinth von tausend Spiegeln.

    Hier wandle ich auf meine Weise
    und fröne dem geweihten Tanz.
    Ich drehe mich verzückt im Kreise,
    ergötze mich an meinem Glanz.

    Bricht einst mein Ballsaal jäh zusammen,
    dann wünsch ich mir den Tod herbei.
    Verbrennt mich drinnen, in die Flammen
    stellt mir zwei Spiegel oder drei.
    Hallo Sidgrani,

    für mich zeigt das Gedicht zwei Hauptebenen.
    Einmal lese ich von einer narzisstischen Störung, einer ständigen Selbstbespiegelung, wie sie schon von Hesse umfassend beschrieben worden ist.
    Die Störung ist u. a. durch jähe Stimmungswechsel gekennzeichnet; von dir verdichtet zu Tanz und Tod.
    Die zweite Ebene deutet mir das Gebaren einer Priesterin, vielleicht einer Vestalin o. ä.
    Beides widerspricht sich nicht; ist gleichsam thematisch identisch. Auch der Narziss dient einem Gott: sich selbst.

    Es ist dir aus meiner Sicht gut gelungen, den schnellen Rhythmus eines Tanzes im Jambus zu ralisieren. Es ist - trotz seiner tradierten Form - ein wildes, apokalyptisches Werk.

    Sehr gern gelesen
    h&h

  5. #5
    Registriert seit
    Jul 2011
    Ort
    Irgendwo am Niederrhein
    Beiträge
    929
    Hallo hebo&hibo,

    ich hatte bisher nur den von der Außenwelt völlig abgekapselten Narzissen vor Augen. Die von dir erkannte zweite Ebene finde ich jetzt allerdings auch interessant. Die Hohepriesterin, die in ihrem Tempel dem Flammengott dient und bereit ist, ihm das größte aller Opfer zu bringen.

    Der Jambus ist nicht tot, wie sonst hätten es die alten klassischen Gedichte geschafft, auch heute noch immer gelesen zu werden?

    Ich danke dir für deinen freundlichen Kommentar und wünsche dir einen schönen Sonntag.

    Liebe Grüße
    Sidgrani

  6. #6
    Registriert seit
    Mar 2016
    Ort
    Im Bajuwarischen
    Beiträge
    172
    Ich finde das Gedicht inhaltlich sehr gut
    und es erzeugt in mir starke Bilder von einer sehr unsympathischen Person
    (die etliche Millionen , wenn nicht Milliarden Klone besitzen tut )

    In Zeiten von facebook, flitter, twitter , twinkle und binkel aktueller denn je!

    Bis incl. Zeile 6 ist das Gedicht von einem sehr bemerkenswerten Gedanken getragen - #
    nämlich dem, dass alle Menschen hier herunten in diesem irdischen Ballsaal nur Spiegelungen für uns sind.

    Ab Zeile 7 driftet es dann per Selfie-Stick ab in die narzisstische Nabelschau.

    Die Form kann ich nicht bemäkeln - dazu fehlet mir die Kompetenz.

    Eselsohr mit zwei seit Geburt gleichlangen Ohren
    Die Steinzeit, in der unsere Herzen so warm waren, ist vorbei. Seit es nur noch das Plus und die Nullen sind, weiß ich, dass die Schwere des Steins wichtig war. Was sind alle elektrischen Ladungen dieser Unterwelt gegen das Gewicht eines Kiesels, der es über den Fluss geschafft hatte bis ans andere Ufer? (Zonkeye aus Poetry)

  7. #7
    Registriert seit
    Jul 2011
    Ort
    Irgendwo am Niederrhein
    Beiträge
    929
    Hallo Eselsohr,

    Narzissten gibt es viele, wenn auch zum Glück nicht immer so extrem wie in dem Gedicht. Deine Deutung als irdischen Ballsaal offenbart eine interessante Doppeldeutigkeit, danke dafür.

    Zitat Zitat von Eselsohr
    Eselsohr mit zwei seit Geburt gleichlangen Ohren
    Garant für ein ausgewogenes Urteilsvermögen!

    Danke und einen lieben Gruß
    Sidgrani

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 03.08.2017, 21:27
  2. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 24.04.2015, 12:46
  3. Mein Schmerz, meine Zweifel, Mein Fenster
    Von Fallen kingdom im Forum Archiv
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 30.03.2009, 20:28
  4. Oh mein Gott ich habe mein Lyrisches Ich getötet!
    Von Daedalus im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 24.10.2007, 14:14
  5. Mein Engelchen, mein Sternchen, mein Schätzchen
    Von Peter Graedel im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 28.11.2004, 04:57

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden