1. #1
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    Vergangene Tage

    Das weiße Haus spiegelt sein Anlitz ins Meer,
    wo am Ufer noch Netze ausliegen.
    Grau ist der Himmel, der Wind streift streift das Meer leicht.

    Gestrandet ein Boot, mit geborstenen Planken,
    vergangen die Tage auf See.
    Wellen, sie schlagen tagein und tagaus an den Kai.

    Am Herd steht der Alte, kocht Tee, gedankenverloren und stumm.
    Wärmend die Sonne des Abends,
    mitten im Haus.
    Geändert von Schattenwurf (Gestern um 09:32 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Schattenwurf Beitrag anzeigen
    Das weiße Haus spiegelt sein Anlitz ins Meer,
    wo am Ufer noch Netze ausliegen.
    Grau ist der Himmel, der Wind streift grad sanft übers Meer.

    Gestrandet ein Boot, mit gebarstenen Planken,
    vergangen die Tage auf See.
    Wellen, sie schlagen tagein und tagaus an den Kai.

    Am Herd steht ein Alter, kocht Tee, gedankenverloren und stumm.
    Wärmend, die Sonne des Abends,
    scheint mitten ins Haus.
    Hallo Schattenwurf,
    mir sagt dein Gedicht sehr zu. Es kommt ohne jegliches Pling-Pling aus uns setzt doch ein melancholisches Kopfkino ingang.
    Du schilderst den Verlust eines Bootes, das Zerbrechen einer Existenz (Planken), die stumme Trauer darüber - und die Sonne.
    Eine Sonne, die nicht mehr das Einholen eines Fangs beleuchtet, aber doch wärmt.

    Zur Disposition steht für mich lediglich das Wort "sanft", das sich in meinen Augen inhaltlich nicht schmiegt. Du könntest es einfach, einschließlich grad, weglassen.
    Eine Frage habe ich außerdem: Heißt es "gebarsten" und nicht "geborsten?"

    Es war mir eine Freude, mich mit diesem vielschichtigen Text zu befassen
    h&h

  3. #3
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    Hallo h+h,
    danke, dass du mein Gedicht gelesen hast. Schön, dass es dir auch noch Freude bereitete. Du hast übrigens Recht, "geborsten" heißt es.
    Inspiration war mir ein Gemälde, welches ich thematisch einfach um das erweiterte, was ich nicht sah (den Mann im Haus).
    Über Alternativen zu "grad sanft" denke ich nach, zumal das Meer auf dem Bild eben recht ruhig war. Vielleicht, .."der Wind streift nur leicht" übers Meer. Würde ich es ganz weglassen, geriet die Metrik aus dem Lot.
    viele Grüße,
    Schattenwurf

  4. #4
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    Hallo Schattenwurf
    Das Gemälde kann ich mir mit deinen Worten gut vorstellen. Dass du uns sogar hinter die verschlossene Tür blicken lässt, finde ich besonders gelungen.
    Mich stört das "sanft" nicht, aber das "grad" würde ich auch ersetzen (vielleicht durch "nur"?). Dass weglassen wegen der Metrik nicht hinhaut, scheint mir klar. Ich finde dein Gedicht metrisch interessant, kann kein "System" darin erkennen und stolpere beim Lesen trotzdem nicht. Es geht in Z1 mit einem Hebungsprall los (Haus spie-), das irritierte mich kurz, aber passt dann wunderbar zu dem was nachher kommt. Nur das Komma nach "wärmend" in S3Z1 sehe ich nicht ein. So wäre "die Sonne des Abends" ein Einschub und ohne diesen lautete der Satz: "Wärmend scheint mitten ins Herz", was sich mir inhaltlich nicht erschliesst.
    Gruess, gugol
    Die Normalität ist eine gepflasterte Strasse; man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr.
    Van Gogh

  5. #5
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    @ gugol

    Frei rhythmische Verse sind nicht an ein Vers- und Strophenschema gebunden, werden vielmehr mit der Absicht auf Sinnbildung gesprochen. Trotzdem muss es natürlich gut klingen, was hier erreicht wird.
    Schon bei Klopstock finden sich Hymnen in freien Rhythmen, die in jeder Versgruppe das Silbenmaß verändern. Später bei Goethe (Prometheus) , Hölderlin und v. a. m.
    Es ist sogar so, dass allzu große Regelmäßigkeit in reimlosen Versen als bäh(!) gilt ...

    Liebe Grüße
    h&h

  6. #6
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    grad einfach streichen? geht doch prima.
    geborsten statt gebarsten? wäre machbar.
    das komma und das sie einfach weglassen? weder klopstock noch goethe würden was dagegen sagen.
    der alte statt ein alter? wäre logisch, weil es ja mit "das weisse haus" beginnt.
    statt und ein komma? klänge semantisch wie rhythmisch angenehmer in meinen ohren.

    die idee, einen gegenstand sich selbst wohin spiegeln zu lassen (normalerweise spiegelt der spiegel den gegenstand) finde ich so originell, dass ich bedaure, dass es danach so gewöhnlich weiter und zu ende geht.

    mit 0815
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    (StadtHaiku)

  7. #7
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    Hallo Schattenwurf,

    ich bin bin mir nicht sicher, ob du mir raffinierte Gedanken oder sprachliche Unsicherheit präsentierst. Mal drei Beispiele.

    Nehmen wir "sich spiegeln". Ich spiegel mich in einer Scheibe bedeutet, dass ich mein Abbild in der Scheibe sehe. Die Scheibe spiegelt mich bedeutet mMn das Gleiche, sie gibt mich wieder. Beides bezieht sich laut auf die spezielle, reflektierende Eigenschaft der Scheibenoberfläche. Wikipedia sagt, dass die Rauheit ihrer Oberfläche etwa die Hälfte kleiner sein muss, als die Wellenlänge des Lichtes. - Diese Eigenschaft (Glätte) besitzt die Hausoberfläche aber nicht. Sie kann sich reflexiv irgendwo spiegeln, aber nicht aktiv irgendwohin spielgeln.

    Die Sonne scheint warm. Ok. Die Sonne scheint wärmend. Ok. Wärmend, die Sonne. Gut, die Sonne erhält ein Adverb. Wärmend, die Sonne, scheint.... das ist mMn grammatikalisch falsch (Zeichensetzung). Wärmend die Sonne scheint ins Haus - das wäre syntaktisch zwar nicht falsch, aber doch recht schwer verständlich.

    "Gestrandet ein Boot, mit geborstenen Planken, vergangen die Tage auf See." Warum nicht: Gestrandet ein Bott mit geborstenen Planken. Vergangen die Tage auf See?

    Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Das Gedicht weckt Interesse infolge von sprachlichen und inhaltlichen Mängeln.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

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