Thema: Untergang

  1. #1
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    Untergang

    Wir fachen uns an, du schürst mir mein Verlangen,
    ich lass den Korken aus der Flasche zischen,
    wir liegen haltlos unter Kneipentischen,
    und alles steht in Feuer und in Flammen.

    Mach uns nass und lösche mein Verlangen,
    dann kratz die Asche aus den feuchten Nischen,
    schon bald beginnt der Kneipier mit dem Wischen,
    wir müssen heute noch ans Ziel gelangen.

    Ich will uns jetzt im Feuer brennen sehen
    und im Bermudadreieck untergehen,
    den Arm um dich gelegt, verliebte Kraken.

    Ich will, dass Segel an die Masten schlagen!
    Was sind damit verglichen weisse Laken?
    Lass heut uns sterben, morgen auferstehen!
    Geändert von kaspar praetorius (20.08.2017 um 09:54 Uhr)

  2. #2
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    Lieber w27,

    das ist ja voll die Dröhnung! Wenn schon, denn schon, da kann beim Sterben heut vom Kneipentisch bis zum Bermudadreieck, von Feuchtigkeiten bis zum Feuer alles aufgeboten sein und die verliebten Kraken passen dann auch noch rein. Sehr schön, wie der Kneipier mit dem Wischen doch noch einige Erdung beisteuert.
    Das Metrum vervollständigt das Kaleidoskop, beginnt mit einem Daktylus (mit Auftakt) und findet dann (bis auf S2Z1) in einen regelmäßigen Jambus.
    Dazu die bunten Reime Nischen – wischen und schlagen – Laken.

    Die entsprechende Szene in Kafkas Schloss, die berühmte Kneipenszene lautet:
    Sie umfaßten einander, der kleine Körper brannte in K.s Händen, sie rollten in einer Besinnungslosigkeit, aus der sich K. fortwährend, aber vergeblich, zu retten suchte, ein paar Schritte weit, schlugen dumpf an Klamms Tür und lagen dann in den kleinen Pfützen Biers und dem sonstigen Unrat, von dem der Boden bedeckt war. Dort vergingen Stunden, Stunden gemeinsamen Atems, gemeinsamen Herzschlags, Stunden, in denen K. immerfort das Gefühl hatte, er verirre sich oder er sei so weit in der Fremde, wie vor ihm noch kein Mensch, einer Fremde, in der selbst die Luft keinen Bestandteil der Heimatluft habe, in der man vor Fremdheit ersticken müsse und in deren unsinnigen Verlockungen man doch nichts tun könne als weiter gehen, weiter sich verirren.

    Auch nicht schlecht, aber eben kein Sonett

    Michael
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    poetry trifft Poesie, der Slammer Christofer mit f als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Mi., 11.7.18, 19.30 Uhr

  3. #3
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    O Michael Domas
    Diese Verse hier, eigentlich gedacht als Beitrag zum allgemeinen Klamauk um Erotik und als Rechtfertigung meiner Liebe zum Sonettschema, gerieten in den Augen und Ohren von ernsthafteren Dichtern zum "Genöle eines Grundschullehrers". Wenn du nun diesem Grundschullehrer auch noch "volle Dröhnung" bescheinigst, ist er endgültig am Ende seines Lateins und droht für immer die Bodenhaftung zu verlieren. Prophylaktisch hat er deshalb seine erotischen Fantasien gleich mal auf den Kneipenboden verlagert. Ins Bermudadreieck, was in der Region hier eine Konstellation von drei bekannten Kneipen darstellt, in welchen schon der eine oder andere echte Künstler abgesoffen ist (naja, ist eine Weile her), ehe er den Durchbruch schaffte, aber durchaus auch andere nach ihrem Durchbruch noch verkehrten.
    Dir zu Ehren habe ich zwei kleine Iambus-Stolperer eingebaut. Danke fürs Nennen.
    Wie viele Kafka-Zitate hast du noch auf Lager?
    Bis zum nächsten
    w27

  4. #4
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    Lieber w27,

    auf Lager habe ich nur noch ein Zitat, und das kennst Du bereits, das über den Unterschied zwischen einem Macho und einem Supermacho. Das ist aber nicht von Kafka.

    Na, doch noch ein echtes: „Das Schreiben ist ein süßer wunderbarer Lohn, aber wofür?“

    M
    Geändert von Michael Domas (08.09.2017 um 11:00 Uhr)
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