1. #1
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    403

    Schmück mein Fleisch

    Küss mich zart mit weichen Striemen,
    deiner Lust zum Zweck der Strafe
    gleich sie mir wie Luft zu geben,
    mich zu quälen bis ich leide,
    bald im Blütenrot ertrinke,
    die Erfüllung darin finde,
    mich zu gießen ins Verlangen
    nach Berührung deiner Wünsche,
    mich zu treffen auf den Körper,
    mit den schwarzen, strengen Mitteln
    die dir nützlich dafür scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück mein Fleisch mit roter Zierde,
    ich will lüstern alles dulden,
    heb mich hoch, bind mich im Freien
    bändern fest und schau mich an,
    gib mir was ich brauch zum Leben,
    lass mich fühlen, lass mich hören,
    deine Stimme, deine Triebe,
    dein Vergnügen will ich sein.

    Löst du mich aus festen Seilen
    sacke ich befreit zu Boden,
    fühle bald das leichte Schaben
    deines spitzen Lederschuhs,
    widme mich ihm mundesoffen
    da er dein ist und besudelt,
    ihn zu säubern, zu befreien
    von dem Abfall, der ihn schmälert,
    all den Dreck der Sohle lösen,
    Zunge streckend, dir ergeben,
    dir zu eigen, dir gehören,
    bis mein Blut dich spiegelnd trägt.

  2. #2
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.805


    Und doch: wie eng ist dieser Markt der Liebe!
    Der liebt die Knaben, jener schätzt die Hiebe,
    und der ist nur von Zöpfen enchantiert.
    Die Themis bullert mit Moralgesetzen.
    Man muß Erotik nicht so überschätzen.

    Kurt Tucholsky, 1919

    Hallo Miaukuh,

    Du hast der Lust an der Unterwerfung ja eine richtige Ode gewidmet und sie mit Deinen drängenden Trochäen so emp(h)atisch besungen, dass sie aufhorchen lässt. Das Thema hat, wenn man den Statistiken glauben darf, zwar inzwischen den Bereich der Exotik verlassen, prekär bleibt es trotzdem, und so bedarf es wohl einiger Sorgfalt, um nicht in Schieflage zu kommen, und die einen es anstößig, die anderen es albern finden. Dein Text ist ironiefrei.

    Deshalb im Einzelnen:

    Küss mich zart mit weichen Striemen, ……………….„weich“?
    deiner Lust zum Zweck der Strafe
    gleich sie mir wie Luft zu geben,……………….weil sie wie gehaucht sind oder wie die Luft zum Atmen?
    mich zu quälen bis ich leide,
    bald im Blütenrot ertrinke,……………….„Blütenrot“?
    die Erfüllung darin finde,
    mich zu gießen ins Verlangen
    nach Berührung deiner Wünsche,……………….Berührung durch (nach) deinen Wünschen ? Wer wird hier berührt? Das LI oder die Wünsche?
    mich zu treffen auf den Körper,
    mit den schwarzen, strengen Mitteln
    die dir nützlich dafür scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.……………….schön

    Schmück mein Fleisch mit roter Zierde,
    ich will lüstern alles dulden,
    heb mich hoch, bind mich im Freien……………….wieso im „Freien“?
    bändern fest und schau mich an,……………….„bändern“? bind mich fest ?
    gib mir was ich brauch zum Leben,……………….Komma
    lass mich fühlen, lass mich hören,
    deine Stimme, deine Triebe,
    dein Vergnügen will ich sein.……………….schön

    Löst du mich aus festen Seilen
    sacke ich befreit zu Boden,
    fühle bald das leichte Schaben
    deines spitzen Lederschuhs,
    widme mich ihm mundesoffen ……………….na ja, „mundesoffen“, aber das Gezierte des Textes (auch die Inversionen) gehören wohl zum Gegenstand
    dazu
    .
    da er dein ist und besudelt,
    ihn zu säubern, zu befreien
    von dem Abfall, der ihn schmälert,
    all den Dreck der Sohle lösen,
    Zunge streckend, dir ergeben,
    dir zu eigen, dir gehören,
    bis mein Blut dich spiegelnd trägt. ……………….Versteh ich nicht.

    Miaukuh, Du bist erst seit wenigen Tagen im Forum, herzlich willkommen

    Michael
    Geändert von Michael Domas (03.09.2017 um 12:31 Uhr)
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    poetry trifft Poesie, der Slammer NO LIMIT als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Do., 12.4.18, 19.30 Uhr

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    403
    Hallo Michael,

    vielen Dank für den Kommentar zu meinem Gedicht, ich fühle mich jetzt herzlich Willkommen. Ohne Email wusste ich nicht, dass du hier drauf geantwortet hattest. Das Thema ist die Lust an der Unterwerfung eines Sklaven, der seiner Herrin vollkommen verfallen ist, auf eine extreme und damit auch gefährliche Art und Weise. Mir ist absolut bewusst das dieses Thema für manche eklig und abstoßend ist (Sadismus, Masochismus sind nicht unbedingt jedermenschen Sache), trotzdem halte ich es spätestens seit Shades of Grey für absolut diskutabel.

    Küss mich zart mit weichen Striemen, ……………….„weich“? --> Küsse mich mit harten Hieben,

    Schläge, Hiebe mal hart und weich, im Prinzip hatte ich den Anfang verhunzt, weil ich die falsche Version hier reinkopiert habe.

    deiner Lust zum Zweck der Strafe
    gleich sie mir wie Luft zu geben,……………….weil sie wie gehaucht sind oder wie die Luft zum Atmen?

    Wie die Luft zum Atmen, die Strafe soll die lebensnotwendige Atmung und gleichzeitig Zweck und Lust der Herrin sein, dem Sklaven zuzufügen.
    Der Sklave hungert hier förmlich danach bestraft zu werden, sie ist wie Luft für ihn, also gleichzeitig der Zweck der Strafe durch die Herrin und gleichzeitig ihre Lust, denn ihr gefällt es sie zuzufügen, immerhin soll es ja ein Geben und Nehmen sein.

    bald im Blütenrot ertrinke,……………….„Blütenrot“?
    Blütenrot sollte eine metapher auf Blut sein, was ich als Wort erst am Schluss einfüge um eine gewisse Spannung um Gedicht zu haben. Ich sehe es verwirrt eher, als sinnvoll zu sein. Ich gelobe eine Nachbesserung.

    nach Berührung deiner Wünsche,……………….Berührung durch (nach) deinen Wünschen ? Wer wird hier berührt? Das LI oder die Wünsche?

    berühert wird das lyrische Ich und zwar durch die fantasievollen Wünsche für die Bestrafung durch die Herrin, das LI spürt ein Verlange nach den Berührungen durch seine Herrin, in Form von Strafen. Bei der Beschreibung hier merke ich, dass ich das etwas überarbeiten sollte, es ist zu kompliziert.

    heb mich hoch, bind mich im Freien……………….wieso im „Freien“?
    bändern fest und schau mich an,……………….„bändern“? bind mich fest ?

    Er will gefesselt werden, mit Bändern, fest und im Freien. Die Wortwahl ist schiefgelaufen, deine Frage hat mir das gezeigt. Ich werde es verbessern.

    "widme mich ihm mundesoffen ……………….na ja, „mundesoffen“, aber das Gezierte des Textes (auch die Inversionen) gehören wohl zum Gegenstand
    dazu"

    Mir ist nicht ganz klar was du konkret meinst, aber mundesoffen gibt es ja nicht, und es soll hier als Wort nur verdeutlichen: das LI öffnet den Mund (und streckt die Zunge dann herraus, um den Schuh seiner Herrin zu reinigen)

    bis mein Blut dich spiegelnd trägt. ……………….Versteh ich nicht.
    Ihm wird das Blut herausgelöst, bis es eine Lache ist und seine Herrin spiegelt, während sie darin steht .. (er hat sich ihr bis zum Blut hingegeben).

    Schließlich habe ich jetzt das Untenstehende daraus gemacht und es doch etwas mehr überarbeitet, ich bin so selten komplett zufrieden :°( (und ich habe ernste Probleme mit Kommas!)

    Schwinge zischend deine Hiebe,
    diese Lust sei meine Strafe,
    um sie mir wie Luft zu geben,
    mich zu quälen das ich leide
    und in Rot mich selber ziere,
    meine Freiheit darin finde
    zu zerfließen im Verlangen,
    nur nach Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich treffen auf den Körper,
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück mein Fleisch mit rotem Safte,
    ich will lüstern alles dulden,
    bind mich Beinbreit hoch zur Decke
    völlig fest und lass mich baumeln,
    dreh mich rundherum im Kreise,
    lass ein Feuer auf mich regnen,
    lass mich kohleschwarz verbrennen,
    mir den Qualm vom Fleische atmen,
    gib mir was ich brauch zum Leben,
    lass mich fühlen, lass mich hören,
    deine Stimme, deine Triebe,
    dein Vergnügen will ich sein.

    Häng mich ab aus allen Seilen,
    küsse salzend meine Wunden,
    schau mir herrisch in die Augen
    wenn ich nieder vor dir liege,
    richte deine Lederstiefel
    mit der Sohle mir zum Kopfe,
    sie zu säubern, zu befreien,
    von dem Abfall, der sie schmälert,
    all den Dreck davon zu lösen,
    Zunge streckend, dir gehorchen,
    wie dein eigen dir gehören,
    bis mein Blut dich spiegelnd trägt.
    Geändert von MiauKuh (03.09.2017 um 20:14 Uhr)

  4. #4
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.805
    Hallo Miaukuh,

    Du hast an Deinem Gedicht ja wirklich gearbeitet, Respekt! Hier einige eher formale Anmerkungen, das Satzungetüm am Anfang wird dadurch ein bisschen aufgelöst. Und: Ich glaube nicht, dass bei dieser Session Blut fließen, gar sich am Ende zu einer spiegelnden Lache sammeln wird. Da müssten schon, horribile dictu, Schneide“instrumente“ zu Einsatz kommen.

    Schwinge zischend deine Hiebe,
    diese Lust sei meine Strafe. …….....……. deine Lust
    um sie mir wie Luft zu geben,…......……..ist mir wie die Luft zum Atmen
    mich zu quälen das ich leide……......…….quäle mich und lass mich leiden
    und in Rot mich selber ziere,…......……...und in Rot mich selber zieren.
    meine Freiheit darin finde…………...........Darin find ich meine Freiheit,
    zu zerfließen im Verlangen,………….........kein Komma
    nur nach Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich treffen auf den Körper,…….......die mich auf den Körper treffen
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück mein Fleisch mit rotem Safte,… mit roten Zeichen
    ich will lüstern alles dulden,
    bind mich Beinbreit hoch zur Decke……....spreize mich und zieh mich hoch
    völlig fest und lass mich baumeln,
    dreh mich rundherum im Kreise,
    lass ein Feuer auf mich regnen,
    lass mich kohleschwarz verbrennen, ……...echt jetzt? Mit Fackeln oder was?
    mir den Qualm vom Fleische atmen,
    gib mir was ich brauch zum Leben,
    lass mich fühlen, lass mich hören,
    deine Stimme, deine Triebe,
    dein Vergnügen will ich sein.

    Häng mich ab aus allen Seilen,
    küsse salzend meine Wunden, ….....…….salzend? Lindernd, oder?
    schau mir herrisch in die Augen
    wenn ich nieder vor dir liege,
    richte deine Lederstiefel
    mit der Sohle mir zum Kopfe,
    sie zu säubern, zu befreien,
    von dem Abfall, der sie schmälert,
    all den Dreck davon zu lösen,
    Zunge streckend, dir gehorchen,
    wie dein eigen dir gehören,
    bis mein Blut dich spiegelnd trägt.

    Dein Text leistet etwas, was Shades of Grey eben nicht leistet – schildern, dass die, die sowas mit sich machen lassen, doch von einiger Leidenschaft bewegt sein müssen. Übrigens ist besagter Roman (jedenfalls seine – sehenswerte! - Verfilmung) eine Absage an SM! Dem Film zufolge machen das nur Leute, die Traumata mit sich rumschleppen, kurzum krank sind.

    Soll ich Deinem LI nun Gesundung wünschen? Eher nicht

    Michael
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    poetry trifft Poesie, der Slammer NO LIMIT als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Do., 12.4.18, 19.30 Uhr

  5. #5
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    403
    Hey Michael,

    vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
    Ich gehe nach und nach auf alle Kommentare ein und präsentiere dann das abgeänderte Gedicht.

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Hallo Miaukuh,
    Du hast an Deinem Gedicht ja wirklich gearbeitet, Respekt! Hier einige eher formale Anmerkungen, das Satzungetüm am Anfang wird dadurch ein bisschen aufgelöst. Und: Ich glaube nicht, dass bei dieser Session Blut fließen, gar sich am Ende zu einer spiegelnden Lache sammeln wird. Da müssten schon, horribile dictu, Schneide“instrumente“ zu Einsatz kommen.
    Vielen Dank ja ich habe viel daran gearbeitet!
    Und ja, du hast ja Recht, was die Sache mit der Blutlache angeht, Leidenschaft ist aber so unglaublich gefräßig, da übertreibe ich es unbeabsichtigt innerlich mit der Empfindung und dem Ausdruck. Natürlich will niemand wirklich bis in Lachen hin zerlegt werden, dass wäre krank und das ist hier auch nicht gemeint gewesen, ausserdem stimmt dein Argument auch: solche fiesen Instrumente waren dabei nie gedacht.
    Insgesamt habe ich alles, glaube ich, gewaltig (haha) entschärft aber hoffentlich die Leidenschaft drinne gelassen, denn um die geht es hier, nicht um die Gewalt, die auch in dem Sinne keine ist.

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Schwinge zischend deine Hiebe,
    diese Lust sei meine Strafe. …….....……. deine Lust
    um sie mir wie Luft zu geben,…......……..ist mir wie die Luft zum Atmen
    mich zu quälen das ich leide……......…….quäle mich und lass mich leiden
    und in Rot mich selber ziere,…......……...und in Rot mich selber zieren.
    meine Freiheit darin finde…………...........Darin find ich meine Freiheit,
    zu zerfließen im Verlangen,………….........kein Komma
    nur nach Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich treffen auf den Körper,…….......die mich auf den Körper treffen
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.
    Alle deine Anmerkungen sind absolut verständlich, ich hatte sie ursprünglich auch alle übernommen, dann habe ich aber den Text nochmals gelesen und es war einfach nicht mein Schreibstil. Die ganz eigene Melodie des Sprechens, die ich für dieses Gedicht hier angesetzt habe, klang einfach nicht mit.

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Schmück mein Fleisch mit rotem Safte,… mit roten Zeichen
    bind mich Beinbreit hoch zur Decke……....spreize mich und zieh mich hoch
    lass mich kohleschwarz verbrennen, ……...echt jetzt? Mit Fackeln oder was?
    'Zeichen' fand ich gut passend zu Fleisch, ja, aber es klang mir zu weich und ich habe etwas anderes draus gemacht.
    'Spreize mich und zieh mich hoch' fand ich sehr schön, bis mir auffiel das die Silbenlänge nicht mehr stimmte, also musste ich umdenken.
    'echt jetzt? Mit Fackeln oder was?' es waren auswüchse meiner Fantasie. Ich habe das abgeändert und eine metaphorischen Form daraus gemacht.

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    küsse salzend meine Wunden, ….....…….salzend? Lindernd, oder?
    natürlich, lindernd wäre hier passend gewesen, obwohl ich in meinem Gedankengang dachte: sie will ihn ja quälen, weil es ihr gefällt und ihm halt auch, also Salz in die Wunden, das es brennt .. dann kam die Idee prickelnde Küsse zu nehmen, die brennen auch ein bisschen, jeder Kuss fremden Speichels brennt (sogar eigenen Speichels?) .. und die bildliche Vorstellung das sie mit der Zunge oder ihrem Mund über seine Wunden fährt und dabei lüstern grinst, würde ja das gesamtbild ergänzen, dass hier gezeigt wird. Aber .... auch das habe ich dann wieder mal so nicht gelassen.

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Dein Text leistet etwas, was Shades of Grey eben nicht leistet – schildern, dass die, die sowas mit sich machen lassen, doch von einiger Leidenschaft bewegt sein müssen. Übrigens ist besagter Roman (jedenfalls seine – sehenswerte! - Verfilmung) eine Absage an SM! Dem Film zufolge machen das nur Leute, die Traumata mit sich rumschleppen, kurzum krank sind.

    Soll ich Deinem LI nun Gesundung wünschen? Eher nicht

    Michael
    Vielen Dank für dieses Lob! Das LI ist nicht krank, es liebt nur in Leidenschaft zur eigenen Empfindung aufzugehen versklavt zu werden und sich so zu fühlen, was sexuelle Handlungen angeht. Das ist eine ziemlich masochistische Haltung, wenn man Demütigung beziehungsweise Unterwerfung mag. Die ist aber nicht krank, solange sie das eigene Leben und das der andren Menschen nicht beeinträchtigt, also ausschließlich sexuell ist. Das LI ist nicht krank, es liebt nur Unterdrückt zu werden, weil es sich darin Frei fühlt. Die näheren Gründe dafür gibt es ja gar nicht und sie bleiben der Fantasie überlassen. Es ist ja auch kein Geheimnis mehr, grade seit Shades of Grey, dass es Menschen gibt die das schön finden. Die gab es ja schon immer und es wird sie immer weiter geben. Wie dem auch sei! Leidenschaft, um die geht es hier und die zwei in dem Gedicht bedingen sich auch einander, denn sie brauchen einander und ich glaube darauf kommt es an.

    Also, wieder nach einiger Überarbeitung, kam das hier heraus:

    Schmück mein Fleisch

    Stell mich nackt vor deine Augen
    als ein bebendes Verlangen,
    einen Spielball deiner Wünsche,
    deiner Lüste zu bestrafen,
    mit den Schlägen, gleich wie Atmung,
    meine Freiheit mir zu geben,
    zu zerfließen vor Verlangen
    nach den Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich hart am Körper treffen,
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück mein Fleisch mit roten Striemen,
    ich will stöhnend alles dulden,
    spreiz die Beine mir zur Decke,
    zieh sie hoch und lass mich baumeln,
    dreh mich rundherum im Kreise,
    schau mich an mit Eisesblicken,
    die mich brennend heißen verzehren,
    mir mein Innerstes entzünden
    meine Flammen dich zu sehen,
    dich zu hören, dich zu fühlen,
    dir zu dienen, deinen Trieben –
    dein Vergnügen will ich sein.

    Zwing mich nieder Richtung Boden,
    sieh wie ich mich leidend winde,
    mit dem Dreck in meinen Wunden
    schwer geschunden dir anbiete,
    bis du deinen Lederstiefel
    mit der Sohle mir zur Zunge
    herrisch streng entgegenrichtest,
    dass ich dein bin, dir gehöre,
    schwarzen Blickes daran lecke,
    Freiheit finde in Versklavung,
    dir zur Lust und als Vergnügen –
    wir das fühlen, was wir sind.

  6. #6
    Registriert seit
    Jun 2016
    Beiträge
    640
    Hallo Miaukuh

    Willkommen hier! Interessant dein Werk und eure Textarbeit. Ich habe nicht nicht alles genau gelesen, aber mir scheint der Text hat sich stark verändert.

    Zur Form: Ein vierhebiger Trochäus - ungereimt, dieser Erzählvers passt hier für mein Empfinden gut und deine Verse bewegen sich für ziemlich munter dahin. Ich habe einmal in der 2.Strophe ein Stück weit versucht, die Sinneinheiten mit / und die Trochäen mit | zu kennzeichnen, sodass man die Bewegung sieht. Die Verse bieten Abwechslung, zb. fallen mir besonders an den Versanfängen die Einsilber auf, wobei sich hier schwache Silben/Worte mit schweren/sinntragenden (Verben) abwechseln; auch im Verinneren finden sich ein paar anceps und leichtere Silben auf Hebungspositionen - ich finde das jedenfalls ziemlich verspielt, woran ich schon grundsätzlich Freude habe, ohne mich noch mit dem Inhalt beschäftigt zu haben.

    Zum Inhalt: Ich halte mich wie gesagt an die letzte Version; es ist mir jetzt einfach zu viel Zeitaufwand, die Versionen zu vergleichen.
    Also ja, dieses Thema gefällt mir: Unterwerfung und Macht - freiwillige Unterwerfung wohlgemerkt. Ich kann mir nicht vorstellen, was Menschen an SM finden, aber im übertragenen (psychologischen) Sinne leuchtet mir dieses Sklave/In-HerrIn-Verhältnis durchaus ein und deshalb lese ich diesen Text auch eher metaphorisch. Mir erscheinen ja auch die reale SM-Praktiken eher wie Metaphern: Also ich persönlich betrachte das nicht als Ausdrucksform von Sex, sondern als Ausdruck eine bestimmten Geisteshaltung bzw. psychologischen Disposition (nicht unbedingt einer krankhaften, aber die Möglichkeit besteht), auch wenn das vielleicht völlig falsch ist (ich bin mit meinem Text "Möglichkeit der Hingabe" - auch metaphorisch - jedenfalls ziemlich missverstanden worden; nicht hier, aber anderswo); aber egal, es geht um ein Gedicht - nicht um SM an sich - und ich will da deine letzte Version gar nicht mehr groß zerreden: Es ist gestaltete Sprache, die mir interessante, ungewöhnliche Blickwinkel eröffnet und mich allein deshalb anspricht und ja, erfreut - ich muss dafür das beschreibene Verhalten der Protas nicht begreifen.

    Stell mich nackt vor deine Augen
    als ein bebendes Verlangen,
    einen Spielball deiner Wünsche,
    deiner Lüste zu bestrafen, ---- ? deiner Lust, mich zu bestrafen,
    mit den Schlägen, gleich wie Atmung, -
    meine Freiheit mir zu geben,
    zu zerfließen vor Verlangen
    nach den Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich hart am Körper treffen,
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück /mein |Fleisch /mit |roten | Striemen,
    ich will /|stöhnend /|alles |dulden,
    spreiz die | Beine /|mir zur |Decke,
    zieh sie |hoch/ und /|lass mich |baumeln,
    dreh mich |/ rundher|um / im | Kreise,
    schau mich | an /mit | Eises|blicken,
    die mich /|brennend |heißen / ver|zehren, ---- heiß verzehren
    mir mein |Innerst|es/ ent|zünden
    meine Flammen dich zu sehen,
    dich zu hören, dich zu fühlen,
    dir zu dienen, deinen Trieben –
    dein Vergnügen will ich sein.

    Zwing mich nieder Richtung Boden,
    sieh wie ich mich leidend winde,
    mit dem Dreck in meinen Wunden
    schwer geschunden dir anbiete,
    bis du deinen Lederstiefel
    mit der Sohle mir zur Zunge
    herrisch streng entgegenrichtest,
    dass ich dein bin, dir gehöre,
    schwarzen Blickes daran lecke,
    Freiheit finde in Versklavung,
    dir zur Lust und als Vergnügen –
    wir das fühlen, was wir sind.
    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    403
    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    Hallo Miaukuh

    Willkommen hier! Interessant dein Werk und eure Textarbeit. Ich habe nicht nicht alles genau gelesen, aber mir scheint der Text hat sich stark verändert.
    Herzlichen Dank Albaa, ich fühle mich Willkommen, ja, der Text hat sich sogar sehr stark verändert, der Rhytmus des Gesprochenen allerdings nicht. Dein Kommentar ist sehr ausgiebig und ich gehe sehr gerne auf alles darin ein

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    Zur Form: Ein vierhebiger Trochäus - ungereimt, dieser Erzählvers passt hier für mein Empfinden gut und deine Verse bewegen sich für ziemlich munter dahin. Ich habe einmal in der 2.Strophe ein Stück weit versucht, die Sinneinheiten mit / und die Trochäen mit | zu kennzeichnen, sodass man die Bewegung sieht. Die Verse bieten Abwechslung, zb. fallen mir besonders an den Versanfängen die Einsilber auf, wobei sich hier schwache Silben/Worte mit schweren/sinntragenden (Verben) abwechseln;
    Ja!! Schön das du es analysiert hast und auch so treffend! Eie Einsilber / Zweisilber kombi hatte ich irgendwann auch selber unbeabsichtigt bemerkt, aber nicht absichtlich eingebaut, es muss mir also im Herz gelegen haben es so zu schreiben, es fühlte sich "passend" an.

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    auch im Verinneren finden sich ein paar anceps und leichtere Silben auf Hebungspositionen - ich finde das jedenfalls ziemlich verspielt, woran ich schon grundsätzlich Freude habe, ohne mich noch mit dem Inhalt beschäftigt zu haben.
    Verspielt? Danke Im Grunde ist das mein Wesen. Allerdings ist das auch unbeabsichtigt und nie eingeübt geworden.

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    Zum Inhalt: Ich halte mich wie gesagt an die letzte Version; es ist mir jetzt einfach zu viel Zeitaufwand, die Versionen zu vergleichen.
    Also ja, dieses Thema gefällt mir: Unterwerfung und Macht - freiwillige Unterwerfung wohlgemerkt.
    Die ist auch das Thema und macht den Thrill an der Sache aus, einvernehmlich!

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    Ich kann mir nicht vorstellen, was Menschen an SM finden, aber im übertragenen (psychologischen) Sinne leuchtet mir dieses Sklave/In-HerrIn-Verhältnis durchaus ein und deshalb lese ich diesen Text auch eher metaphorisch.
    Das Verstehe ich und ich finde es gut, dass du den Text trotzdem gelesen hast.

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    Mir erscheinen ja auch die reale SM-Praktiken eher wie Metaphern: Also ich persönlich betrachte das nicht als Ausdrucksform von Sex, sondern als Ausdruck eine bestimmten Geisteshaltung bzw. psychologischen Disposition (nicht unbedingt einer krankhaften, aber die Möglichkeit besteht)
    Diese Praxis ist für Menschen die sie nicht mögen sicher schwer zu verstehen. Es ist ein bisschen die sehr, sehr extreme Form von dem "heute bist du mal oben". Aber okay, ich glaube das würde alles zu ausschweifend und persönlich werden. Es geht ums Gedicht.

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    (ich bin mit meinem Text "Möglichkeit der Hingabe" - auch metaphorisch - jedenfalls ziemlich missverstanden worden;
    ;
    Schick ihn mir ruhig per private Nachricht, ich lese ihn mir gerne durch und antworte in Ruhe darauf.

    Zitat Zitat von Albaa Beitrag anzeigen
    es geht um ein Gedicht - nicht um SM an sich - und ich will da deine letzte Version gar nicht mehr groß zerreden: Es ist gestaltete Sprache, die mir interessante, ungewöhnliche Blickwinkel eröffnet und mich allein deshalb anspricht und ja, erfreut - ich muss dafür das beschreibene Verhalten der Protas nicht begreifen.
    Ganz ehrlich? Darüber freue ich mich sehr, weil du meine Sprache gelobt hast. Es ist mir also gelungen die Leidenschaft der Empfindung in dich zumindest auf sprachlicher Ebene zu übertragen. Dankeschön!
    Und zu guter Letzt, deine Anmerkungen habe ich ausnahmslos übernommen,
    "deiner Lüste zu bestrafen, ---- ? deiner Lust, mich zu bestrafen," <- (deiner Gelüste meinte ich, aber dein Vorschlag ist besser und trifft es genauso.

    "die mich /|brennend |heißen / ver|zehren, ---- heiß verzehren <-- absolut korrekt, ich hatte geschlafen
    mir mein |Innerst|es/ ent|zünden" was ist bei dieser Zeile schief gelaufen?

    Danke!

    Hier also noch mal in der aktuell fertigen Variante mit allen Einarbeitungen:

    Schmück mein Fleisch

    Stell mich nackt vor deine Augen
    als ein bebendes Verlangen,
    einen Spielball deiner Wünsche,
    deiner Lust mich zu bestrafen,
    mit den Schlägen, gleich wie Atmung,
    meine Freiheit mir zu geben,
    zu zerfließen vor Begehren
    nach den Riemen, Instrumenten,
    diesen schwarzen, strengen Mitteln
    die mich hart am Körper treffen,
    dir nur allzu nützlich scheinen
    mir zu zeigen was ich bin.

    Schmück mein Fleisch mit roten Striemen,
    ich will stöhnend alles dulden,
    spreiz die Beine mir zur Decke,
    zieh sie hoch und lass mich baumeln,
    dreh mich rundherum im Kreise,
    schau mich an mit Eisesblicken,
    die mich brennend heiß verzehren,
    mir mein Innerstes entzünden
    meine Flammen dich zu sehen,
    dich zu hören, dich zu fühlen,
    dir zu dienen, deinen Trieben –
    dein Vergnügen will ich sein.

    Zwing mich nieder Richtung Boden,
    sieh wie ich mich leidend winde,
    mit dem Dreck in meinen Wunden
    schwer geschunden dir anbiete,
    bis du deinen Lederstiefel
    mit der Sohle mir zur Zunge
    herrisch streng entgegenrichtest,
    dass ich dein bin, dir gehöre,
    schwarzen Blickes daran lecke,
    Freiheit finde in Versklavung,
    dir zur Lust und als Vergnügen –
    wir das fühlen, was wir sind.
    Geändert von MiauKuh (12.09.2017 um 18:50 Uhr)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Fleisch
    Von Para Smile im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 11.01.2012, 22:56
  2. Fleisch
    Von nimmilonely im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 30.05.2011, 10:06
  3. Das Fleisch
    Von Papalagi im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 16.03.2009, 11:24
  4. Fleisch
    Von waldelfe im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 04.09.2007, 15:22
  5. O Fleisch
    Von Huber Georg im Forum Erotik
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 06.12.2004, 16:24

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden