1. #1
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    In den Eingeweiden einer toten Katze

    Zu pessimistisch,
    sagte sie.
    Sei esoterisch,
    schlug sie vor.

    Also las ich die Zukunft
    in den Eingeweiden
    einer toten Katze:
    Sie war
    glitschig,
    stinkend
    und rot.

    Ich sah Kinder
    mit Steinschleudern,
    die sich Löcher
    in die Schädel schossen
    und dabei wild lachten.

    Ich sah wie unzählige Maden
    aus ihren Wunden gekrochen kamen
    und sich in Schmetterlinge verwandelten.

    Ich sah Schwärme von Schmetterlingen
    flatternd in die Luft aufsteigen
    und mit den Kindern davonfliegen.

    Ich sah es und schloss die Augen.

  2. #2
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    Hi Klaatu,

    harte Gegensätze hast Du da verarbeitet:
    pessimistisch - esoterisch finde ich als Alternative witzig, schön respektlos!
    Kinder - Löcher mit Maden in Schädeln Zukunft und Gegenwart?
    Eingeweide - Schmetterlinge Körper und Seele?

    Das LI schließt die Augen, weil es das nicht sehen will? Oder weil es das schöne Bild der Schmetterlinge halten will, statt in die Eingeweide der Katze zu schauen? Ist es ein inneres Hin- oder Weggucken? Ungläubig oder glauben wollend?

    Wer so drastisch schreibt, sollte etwas zu sagen haben, sonst könnte man von Effekthascherei sprechen. Schön, dass keine belehrende Keule geschwungen wird, sondern die Fragen offen bleiben.

    Z8: Ich fände waren besser, dann bezieht sich das Sie auf die Eingeweide und nicht auf die tote Katze.

    LG
    Okotadia

  3. #3
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    Hallo Klaatu,

    Okotadia stimme ich ganz und gar zu und ziehe den Hut. Aber mich beschäftigen die Umrisse. Sie scheinen mir wie in einem "konkreten" Gedicht gegenständlich interpretierbar. Kneift man die Augen zu, bilden die ersten 3 Strophen ein Kreuz über einem ... - ja was denn? Einem stumpfem Sechseck.

    Hattest Du mit der äußeren Form überhaupt irgendwas im Sinn?

    Michael
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  4. #4
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    @ Okotadia

    Das LI schließt die Augen, weil es nichts mehr sehen will. Ein Wegschauen also. Es hat die Zukunft der Kinder gesehen und wie sie fremdgesteuert davonfliegen. Glitschig, stinkend und rot: Das "Sie" bezog sich auf beides, mehr aber auf die (blutige) Zukunft selbst. Deshalb "war".

    @ Michael Domas

    Bei einem anderen Gedicht schrieb mal jemand, die Form erinnere an einen Buttplug... Also nein, ich hatte leider nichts Bestimmtes im Sinn. Aber die interessante Form ist mir auch aufgefallen.

    Euch beiden vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und die interessanten Kommentare!

    LG
    k

  5. #5
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    Hallo klaatu,

    grammatisch aber bezieht sich Sie war / glitschig ... eindeutig auf Katze und nicht auf Zukunft. Ich habe das so wie Okotadia gelesen.

    M
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  6. #6
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    Dann hätten wir ja jetzt drei Varianten, worauf sich das beziehen könnte. Katze, Eingeweide und Zukunft... Eine Idee, wie man das eindeutiger formulieren könnte? Vielleicht indem man noch mal die Zukunft betont?

  7. #7
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    Okotadias Vorschlag folgen: waren. Insofern in den Eingeweiden die Zukunft gelesen wird, ist diese direkt mitgemeint. Vor allem aber ist nicht die ganze Katze glitschig usw.

    M
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  8. #8
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    Hallo Michael!

    Die Beschreibung glitschig, stinkend und rot soll sich doch auf die gesehene Zukunft beziehen. Ich dachte mir:

    Ich las
    in den Eingeweiden
    einer toten Katze
    und sah die Zukunft:
    Sie war
    glitschig,
    stinkend
    und rot.

    Findet ihr das besser?

    LG
    k

  9. #9
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    du musst nur das "waren" ändern. dieser vorschlag klingt wirklich vernünftig.
    deine zukunft und deine eingeweide gehören doch zusammen, also warum sollte man sie unterscheiden wollen?
    w27

  10. #10
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    hallo klaatu

    ich habe heute ihr gedicht gelesen es klingt für mich sehr schaurig, vieleicht komme ich in meinem alter
    mit der gedankenwelt der neuzeit nicht zurecht. obwohl ichfür alles neue noch sehr aufgeschlossen bin.hier im forum
    giebt es sehr gute gedichte, die keinen kommentar wert zu sein scheinen. das finde ich sehr schade.
    das ist mein eigenes empfinden, andere denken vieleicht anders darüber. es solte sich auch keiner verflichtet fühlen
    einen kommentar zu schreiben, aber es würde sich sicher hier und da einer sehr darüber freuen.

    viele grüsse margot

  11. #11
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    Hallo Margot

    Ich verstehe ihren Kommentar nicht so ganz... Ist das jetzt Kritik daran, dass ein Text, den sie schaurig finden, mehr Kommentare bekommen hat, als andere, in ihren Augen schönere Texte? Was soll ich jetzt daran ändern?

    LG
    k

  12. #12
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    hallo klaatu

    sie brauchen nichts daran zu ändern.
    ist nur meine meinung. die zukunft stinkent und glitschig und maden die aus wunden kriechen darzustellen finde ich für mich nicht gut.
    mit den kommentaren bleibe ich bei meiner meinung. ich will keinen kritisieren. wem es so gefällt! bei ihnen sind auch gedichte dabei die ich echt gut finde.

    viele grüsse margot´
    .

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