1. #1
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.612

    Die Farbe der Liebe? Blau!

    Rot, sagt Ihr, sei die Liebe?
    Ihr Herzschmerzler und Dramenheuchler,
    Florensudler und dornenlosen Rosenkavaliere,
    Ihr gestern schon Vorgestrigen,
    Himbeertonis und Kitschlikörler,
    süß, wenns drauf ankommt,
    vortäuschungsvoll und selbstgewiss,
    Ihr Scheincarnivoren, geschminkten Anämiker Ihr,
    Pathetiker, Analgetiker, Antibiotiker Ihr,
    ich glaube Euch nicht.

    Blau also sei sie?
    Himmel, glaubt Ihr, seien blau? Und doch sind sie nur
    Schleier vor dem lichtlosen Weltall.
    Trichromaten seid Ihr,
    Blaumacher nur und Blaupausen, das seid Ihr.

    Die Treue ist blau? So wie
    die Iris rund um den Blick,
    blau wie das Meer zwischen uns?

    Die blaue Blume auf der Fensterbank.
    Der Himmel, wenn er im Abend leuchtet.
    Die blaue Stunde
    unserer Liebe.

    Blaues Raunen
    Nebelblau.
    Geändert von Michael Domas (12.09.2017 um 23:02 Uhr) Grund: MiauKuh
    .................................................................................................... ..........................
    "Malerei und Gedicht im Dialog" – "Lyrik in Köln" liest im Atelier von Frauke Seemann.
    So. 24.9. 11-13 Uhr, Niehler Kirchweg 124, 50733 Köln-Nippes

  2. #2
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    91
    Michael!

    Ich fühle mich sehr, sehr gewaltig an Friedrich Nietzsche erinnert (den ich sprachlich höchst verehre) und die Sprache in "Also sprach Zarathustra" (einem meiner Lieblingsbücher), oder ebend auch an die Sprache der Bibel. Das ist sehr, sehr sprachgewaltig und ich empfinde es als schöne und würde mich freuen mehr von diesem gut durchdachten Typus zu lesen
    Einige Zeilen hatten mich beim Durchlesen trotzdem gewundert und ich habe sie im Kopf verdreht (und addiert):

    Himmel glaubt ihr, seien Blau? Und [sie] sind DOCH! nur ........ ich glaube das liegt hier an der Betonung, die für meinen Kopf nicht geklungen hat
    Schleier vor dem lichtlosen [, kalten] Weltall. ........................ es fehlte mir ein adjektiv das das Weltall noch näher charakterisiert, auch klanglich
    Trichromaten seid Ihr,
    Blaumacher [nur] und Blaupausen. ...................................... das Ihr finde ich Trichomaten seid ihr, Blaumacher ihr [seid]Blaupausen! DAS Seid ihr! (jaah, so klingt mir das noch etwas gewaltiger)

    Und ich halte die letzten beiden Gedichtzeilen für mich für unberührend, leider. Denn der gesamte Text vorher führt mich zu etwas, dass in den letzten Beiden Zeilen nicht kommt. Ich würde die letzten beiden Zeilen weglassen, für meinen Kopf, bis dahin behalte ich sie schön in Erinnerung. Denn ein Gedicht was mit dem Wort Liebe endet und "Die Farbe der Liebe? Blau" heißt und wo in diesen beiden letzten Zeilen auch das Blau vorkommen lässt, halte ich für Erinnerungsempfänglicher und mehr sagend. In jedem Fall genieße ich es solche Gedichte zu lesen, sie sind ein bisschen wie, hach! Jetzt habe ich es, Die Dionysus Dithyramben. Oh würde es doch nur mehr davon geben ...

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.612
    Hallo MiauKuh,

    wenn ich Dich richtig verstanden habe, lauten Deine Vorschläge:

    Blau also sei sie?
    Himmel glaubt ihr, seien blau? Und sie sind doch nur
    Schleier vor dem lichtlosen, kalten Weltall.
    Trichromaten seid Ihr,
    Blaumacher nur und Blaupausen, das seid Ihr.



    Die blaue Blume auf der Fensterbank.
    Der Himmel, wenn er im Abend leuchtet.
    Die blaue Stunde
    unserer Liebe.


    Schluss


    Die Ergänzung „Blaumacher nur und Blaupausen, das seid Ihr.“ gefällt mir schon mal gut. Den Rest überlege ich mir, wenn meine Transkription richtig ist.

    Danke für das Lob und den Vergleich mit einen Dithyrambiker, dessen Sprache mir zuverlässig ins Blut fährt.

    Und Dank für die Kritik

    Michael
    .................................................................................................... ..........................
    "Malerei und Gedicht im Dialog" – "Lyrik in Köln" liest im Atelier von Frauke Seemann.
    So. 24.9. 11-13 Uhr, Niehler Kirchweg 124, 50733 Köln-Nippes

  4. #4
    Registriert seit
    Aug 2017
    Ort
    Retschow
    Beiträge
    91
    Hi Michael,

    ich hab es mir noch einmal zu Gemüte geführt und bis auf einen Punkt sind die Anmerkungen richtig bei dir angekommen:
    Ich beton das mal extrem übertrieben damit du meine Leseart siehst:

    Blau also sei sie?
    Himmel glaubt ihr, seien blau? Und doch! sind sie nur! SCHLEIER! vor dem LICHTlosen KALTEN Weltall...

    also kurzum:
    Und sind doch nur --> Und doch sind sie nur

    Solche machtdurchflossenen Texte haben halt etwas von eingängigen, religiösen Glaubensführer-Reden, wobei hier die Betonung darauf liegen soll, dass sie eine unglaublich starke Wirkung auf mich haben. Ich mag sowas! .. Kennst du es? Nur Narr! Nur Dichter! Das war ein perfektes Gedicht. Ich kann noch keine Dithyramben schreiben und lerne deswegen gerne von dir, übe dich dran, ich werde sie gerne lesen und schreiben, was ich darüber denke.

  5. #5
    Registriert seit
    Apr 2012
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    596
    Lieber Michael,

    im Gegensatz zu MiauKuh gefallen mir die letzten beiden Zeilen genauso gut wie das ganze Gedicht.
    Nach der Leidenschaft (des Plädoyers) und den "gehts auch ne Nummer kleiner Zeilen" folgt eine Phase der ruhigen, schwer zu fassenden, nebulösen und nicht lauthals zu besingenden Liebe.
    Ein Ausklang, der wirkt, als sei das LI selbst ein wenig erstaunt.
    Erinnert mich an Rilkes ein Wehn im Gott - ein Wind

    LG Okotadia

  6. #6
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.612
    Hallo MiauKuh, (was für ein blöder Name, kannst Du den nicht ändern? Pardon.)

    Deine Anregungen zu beantworten, habe ich einigermaßen gezögert. Geschmeichelt von Deinem Lob des Dithyrambus habe ich gar angefangen, die letzten Strophen neu zu schreiben, so mit Verve und Schmackes und allem drum und dran, blieb aber stecken.

    Liebe Okotadia, Du hast mir erklärt, wieso. Oder doch jedenfalls eine Begründung geliefert, weshalb ich das nicht tun muss. Danke.

    So, Miaukuh, nehme ich von Dir („nur“):
    Und sind doch nur --> Und doch sind sie nur
    und
    Blaumacher nur und Blaupausen, das seid Ihr.
    Aber in „Schleier vor dem lichtlosen, kalten Weltall“, lass ich das „kalt „weg. Es würde das einh wenig kontrafaktische „lichtlos“ abschwächen.

    Danke Euch beiden

    Michael


    P.S.
    Huch, Okotadia, die Sonette an Orpheus habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen.
    In Wahrheit singen, ist ein andrer Hauch.
    Ein Hauch um nichts. Ein Wehn im Gott. Ein Wind.

    das ist wirklich schön. Im Übrigen hat Apoll auch nicht vermocht, was ein Gott, laut Rilke, vermögen sollte. Denk nur an seine Geschichte mit Daphne.
    Geändert von Michael Domas (12.09.2017 um 22:59 Uhr)
    .................................................................................................... ..........................
    "Malerei und Gedicht im Dialog" – "Lyrik in Köln" liest im Atelier von Frauke Seemann.
    So. 24.9. 11-13 Uhr, Niehler Kirchweg 124, 50733 Köln-Nippes

  7. #7
    Registriert seit
    Mar 2017
    Ort
    Karlsruhe
    Beiträge
    137
    Lieber Michael,

    auch ich bin hin und weg ob des hadernd belehrenden Protagonisten!
    Im Gegensatz zu meinen Vorrednern erinnern mich die Zeilen aber eher an einen modernen Hamlet,
    es hat für mich also - gewagter Ausdruck - etwas "Neo- Shakespeare- haftes".

    In der Hoffnung auf weitere "Farbenlehre" grüße herzlich
    Georg
    Ab September 2017 bei AMAZON erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA" / Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  8. #8
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.612
    Lieber Georg,

    „"Neo- Shakespeare- haftes"“ – ein dolleres Kompliment geht ja nicht, danke. Aber „hadernd [?] belehrend“ gefällt mir auch gut.

    Das hier ist eine Variation zweier früherer „Farblehren“, da war die Liebe einmal weiß und einmal schwarz. Jetzt musste ich ja was zu meiner Lesung bei „Blaue Stunde“ im Atelier Frauke Seemann schreiben.

    Die Liebe kann in allen Farben

    Michael
    .................................................................................................... ..........................
    "Malerei und Gedicht im Dialog" – "Lyrik in Köln" liest im Atelier von Frauke Seemann.
    So. 24.9. 11-13 Uhr, Niehler Kirchweg 124, 50733 Köln-Nippes

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Liebe in blau
    Von liviq im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 28.06.2014, 22:44
  2. Die Farbe der Liebe
    Von Michael Domas im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 31.08.2013, 02:21
  3. Die Farbe der Liebe
    Von mobrio im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 15.10.2007, 21:12
  4. Deine Liebe schenkt mir Farbe
    Von xyz47xyz im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 18.04.2007, 17:04
  5. Die Farbe von Blau
    Von Celestina im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 30.08.2001, 09:12

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden