Thema: Hundewunsch

  1. #1
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    Hundewunsch

    Er ist nackt.
    Hölzerner Großtierkäfig.
    Stangen.

    Ferne Tritte,
    laute Schritte,
    stumpf, dumpf.

    Dreckige Lederstiefel,
    Handschuhe, Peitsche,
    Zopf – Sie, endlich,
    ignoriert ihn.

    Er bellt und bellt und bellt,
    nach ihr,
    jault und giert.

    Blick – kurz.

    Sabbern.
    Seine Augen!
    Weit, ganz weit auf!
    „Gieriges Getier,
    du … Hund.“

    Wunsch:
    Kurz geöffnete Käfigtüren.
    Berührung durch Sie:
    Peitsche.
    Zunge?
    Unter ihre Stiefel.

    Wirklichkeit:
    Eingesperrt.
    Fressnapf.

    Hundewunsch:
    Arrogante Ignoranz.





    Vorherige Fassung:

    Hundewunsch

    Er kennt sie nicht, kein bisschen
    und während sie vor ihm umherwandelt,
    ignoriert sie ihn schmunzelnd, genüsslich
    und beachtet ihn nicht und wie er bellt und bellt.

    Eingesperrt und voller Lust sie anzusehen
    jault er, fletscht die Zähne und giert nach ihr,
    während sie ihn keines Blickes würdigt
    und nur ein einziges Mal kurz zu ihm sieht,
    ihm, diesem Getier.

    Mit den Haaren zum Zopf ist sie sein Alphatier
    und er liebt es, sie anzusehen, anzugieren und anzugaffen.
    Sie, mit ihrer Peitsche, lang und aus Leder und einem Sattel
    und Reiterstiefeln, so dreckig und erdig und wild.

    O' wie wünscht er sich, dass sie zu ihm geht
    und seine Käfigtüren aufschließt – die Türen zu seiner Welt,
    dann würde er zu ihr rennen, sie anspringen,
    wie ein Hund über sie herfallen,
    sich an ihr, ihrer Peitsche und ihren Stiefeln reiben,
    an dem rauen Leder lecken und sich dann von ihr einsperren lassen,
    um sich wieder an ihren dominanten Blicken aufzugeilen.
    Geändert von MiauKuh (06.10.2017 um 14:04 Uhr) Grund: Michael

  2. #2
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    Lieber MK,

    in der S1 wird eine Spannung aufgebaut, die sich den Text über hält. Aber es ist das alles ein wenig speziell, und es wird niemand verstehen, der es nicht ohnehin versteht. Was sucht der „Hund“? Gewürdigt zu werden? Belohnung seines Gehorsams? Erhöhung des „Alphatiers“? Am Ende doch Berührung? Gar Sex? Wozu z.B. der Sattel, wenn er nicht geritten wird? (Dass der Hund seine Besitzerin „anspringen“ darf, übrigens, finde ich überraschend. Dann wird er bestraft. Oder?)
    Nun gut, ein Text oder eine solche Vorliebe muss sich nicht selbst erklären, sondern kann bei der Schilderung verharren. Insbesondere muss er sich nicht psychologisieren, aber dann bleibt er eben in seinem Ghetto.
    Zumal auch die Form sich wenig Mühe gibt, über das rein Faktische hinauszugehen, eigentlich ist es, wenn auch vielleicht ambitioniertere Prosa,

    Ne, gefällt mir nicht, sorry

    Michael
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    poetry trifft Poesie, der Slammer NO LIMIT als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Do., 12.4.18, 19.30 Uhr

  3. #3
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    Hi Hundkuh, so denke ich also, es geht hier nicht um einen Hund, sondern um die geilen Phantasien, die ein Hundebesitzer fuer seine Katze hat, richtig? LG, L.

  4. #4
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    Hallo Michael, hallo L. ,
    offensichtlich habe ich vollständig versagt, hier Wünsche und Empfindungen auszudrücken, wie sie jemand fühlen könnte, wenn er sich an den Blicken und Anblicken einer Frau aufgeilt, weil sie so schön herrisch ist. Im Grunde war die Idee dieses, leider misslungenen Gedichtes, eine Unterwerfungsphantasie gepaart damit, dass sie ihn, den "Hund" (ist er ja nicht), nicht lässt ... sozusagen doppelte Macht. Er findet sie toll, weil sie so herrisch ist, möchte sich gerne an ihrer reiben, gleichzeitig aber wieder weggesperrt werden, um wieder lüstern nach ihr zu gieren.

    Ich glaube diese Idee kam nicht so rüber und dichterisch ging es gänzlich in die Hose. Nun war es aber weder ein Experiment noch Absicht von mir, Murcks zu verfassen, weswegen ich mich jetzt genötigt sehe, eines Tages aus diesem Gedicht etwas zu machen, dass diese Gefühle herüberbringt. Wenn das Obige "ambitionierte Prosa" ist, oh je!

    Dankeschön für beide Kommentare.
    Ich schleiche mich beschämt, aber lernend, davon.

    Liebe Grüße!
    Geändert von MiauKuh (21.09.2017 um 19:44 Uhr)

  5. #5
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    Lieber MK,

    erotische Gedichte zu schreiben, gilt ohnehin als schwierig, dann auch noch über sowas spezielles, da muss man sich nicht „schämen“, wenn man scheitert, hier zählt schon der Versuch, das Fremde lyrisch zugänglich zu machen. In "Schmück mein Fleisch" ist es Dir doch auch immerhin schon mal gelungen, "interessante, ungewöhnliche Blickwinkel zu eröffnen“ (Albaa)

    Wie „Hundewunsch“ zu retten wäre, weiß ich auch nicht, vielleicht kannst Du Deinen Blick auf diese Art der Unterwerfung ja auch vertiefen, einfach, indem Du an seiner Form arbeitest. (Oder es ein Jahr ruhen lässt.) Immerhin enthält der Stoff ja einige Paradoxien (z.B. die „sozusagen doppelte Macht“), da lässt sich vielleicht was draus machen. Deine Erklärung erinnert mich an den alten Witz: „Bitte quäl mich“, winselt der Masochist. „Nein“, höhnt grausam der Sadist.

    Ist ja schon ein Ding, dass hier einer selbst die Zurückweisung seiner großen Unterwerfung demütig und lustvoll (?) hinnimmt. Von der Domina hier scheint mir auch eher Aufmerksamkeit als Gleichgültigkeit gefordert, Tomi Ungerer hat das ja in "Die Schutzengel der Hölle" beschrieben.

    Ist halt schwierig

    Michael

    P.S.

    Eine Parallele ist mir noch eingefallen, die vielleicht verständlich macht, worum es hier geht – oder zeigt wie unverstehbar das alles ist: die Religion. Auch hier hält der Gläubige an seinem Gott fest, selbst wenn der verweigert, sich ihm zu zeigen, oder ihn gar hiobmäßig verarscht. Das wird dann als Glaubensprüfung ausgelegt, die den Eifer des Gläubigen nur steigert. Vor allem: In Gottes Intransigenz demonstriert sich seine Hochherrlichkeit.
    Geändert von Michael Domas (27.09.2017 um 10:10 Uhr) Grund: P.S.
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  6. #6
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    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Lieber MK,

    erotische Gedichte zu schreiben, gilt ohnehin als schwierig, dann auch noch über sowas spezielles, da muss man sich nicht „schämen“, wenn man scheitert, hier zählt schon der Versuch, das Fremde lyrisch zugänglich zu machen. In "Schmück mein Fleisch" ist es Dir doch auch immerhin schon mal gelungen, "interessante, ungewöhnliche Blickwinkel zu eröffnen“ (Albaa)

    Wie „Hundewunsch“ zu retten wäre, weiß ich auch nicht, vielleicht kannst Du Deinen Blick auf diese Art der Unterwerfung ja auch vertiefen, einfach, indem Du an seiner Form arbeitest. (Oder es ein Jahr ruhen lässt.) Immerhin enthält der Stoff ja einige Paradoxien (z.B. die „sozusagen doppelte Macht“), da lässt sich vielleicht was draus machen. Deine Erklärung erinnert mich an den alten Witz: „Bitte quäl mich“, winselt der Masochist. „Nein“, höhnt grausam der Sadist.

    Ist ja schon ein Ding, dass hier einer selbst die Zurückweisung seiner großen Unterwerfung demütig und lustvoll (?) hinnimmt. Von der Domina hier scheint mir auch eher Aufmerksamkeit als Gleichgültigkeit gefordert, Tomi Ungerer hat das ja in "Die Schutzengel der Hölle" beschrieben.

    Ist halt schwierig

    Michael

    P.S.

    Eine Parallele ist mir noch eingefallen, die vielleicht verständlich macht, worum es hier geht – oder zeigt wie unverstehbar das alles ist: die Religion. Auch hier hält der Gläubige an seinem Gott fest, selbst wenn der verweigert, sich ihm zu zeigen, oder ihn gar hiobmäßig verarscht. Das wird dann als Glaubensprüfung ausgelegt, die den Eifer des Gläubigen nur steigert. Vor allem: In Gottes Intransigenz demonstriert sich seine Hochherrlichkeit.
    Hi Michael,

    es hat jetzt wirklich ziemlich lange gedauert bis ich hier noch mal rangegangen bin. Ich habe mich dazu entschlossen, es alles etwas dichter zu schreiben, vielleicht ist es ja nun anders:

    Aus dem Grund, das es deutlich gegenüber der vorherigen Fassung geändert ist, stelle ich es sowohl hier unten, als auch beim Beitragsanfang wieder herein. Ich bin dir dankbar, dass du mich dazu ermutigt hast, die Arbeit daran nicht aufzugeben und auch die Anstöße aus der Religion finde ich bedenkenswert.

    Wie dem auch sei ist folgend Fassung aktuell:

    Hundewunsch

    Er ist nackt.
    Hölzerner Großtierkäfig.
    Stangen.

    Ferne Tritte,
    laute Schritte,
    stumpf, dumpf.

    Dreckige Lederstiefel,
    Handschuhe, Peitsche,
    Zopf – Sie, endlich,
    ignoriert ihn.

    Er bellt und bellt und bellt,
    nach ihr,
    jault und giert.

    Blick – kurz.

    Sabbern.
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    Hundewunsch:
    Arrogante Ignoranz.

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