Thema: Das Interview

  1. #1
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    Das Interview

    Ich habe gerade Fritz Mumpitz den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der freien Linken Autokraten vor dem Mikrophon.
    Herr Mumpitz, was können Sie uns zu der neuen, aktuellen Sitzverteilung sagen. So wie es momentan aussieht, zeichnet sich mit einem Paukenschlag für Sie ein schwerer Erdrutsch in der politischen Landschaft der einzelnen Landesgruppen ab. Werden sie als stellvertretender Vorsitzender der Fraktion auf die Ängste der Basis einwirken? Werden Sie sie in der nächsten Legislaturperiode noch ernst nehmen können?

    Sehen Sie, so ein Bundestag dauert 24 Stunden, und er ist so groß wie nie zu vor. Wir können mit Überhangmandaten in einem noch nie dagewesenen Ausmaße rechnen, weil die Medien die Überhangmandate erst so groß geschrieben haben, wie sie sich uns jetzt darstellen.
    Ich will gar nicht abstreiten, dass ich schon vor der Medienberichterstattung immer gesagt habe, dass ich die volle politische Verantwortung übernehmen und in den deutschen Bundestag nach Berlin einziehen werde. Ich wäre auch bereit bis nach Karlsruhe oder sogar bis nach Jamaika zu ziehen. Alle Boatengs oder wie sie dort heißen mögen, müssen sich warm anziehen. Und ich habe immer betont, dass es kalt werden wird hier in der Bundesrepublik Deutschland, denn wir werden sie jagen. Dann werden wir sie zurückholen, und sie mit einer vernünftigen Politik überzeugen, weil wir die einzige Partei in diesem Lande sind, die bisher eine verantwortungsvolle Oppositionspolitik in der gesamten rechten Flanke betrieben hat.

    Von der Basis haben sie sich lange vorhalten müssen, zu wenig Basisdemokratie zu wagen, und auf sämtliche Fragestellungen keine Antworten zu haben, weil es Ihnen schlichtweg an passenden Konzepte fehle.

    Nun, wir haben einen klaren Wählerauftrag und geben uns mit Diskussionen ungern der Lächerlichkeit preis. Wissen Sie, jetzt werden wir erst einmal in aller Ruhe abwarten. Ich habe meiner Fraktion empfohlen, dass ich ab sofort nicht mehr zur Verfügung stehe, und zwar nie mehr, und daran werden wir auch festhalten. Einer rot rot grünen, einer gelb gelb gelben oder einer rot weiß schwarzen Ampel muss bei aller Spekulation eine sofortige Absage erteilt werden. Die regierungsfähige Mehrheit ist alternativlos und der politische Gegner hatte bisher keine überzeugenden Argumente anzubieten.

    Bleiben Sie bei Ihrer Ausage vor dem Spiegel vom 25. September, worin Sie sich als den bestaussehendsten Politiker bezeichnet haben?

    Nun, schauen Sie sich allein nur mal die Mühen und die gegenwärtigen Mieten an, fünfundachzig Prozent unserer Wähler und Rentnerinnen sind heute gezwungen, auf ihr Rentenniveau zu verzichten, und hinzu kommt das katastrophale Bildungsangebot an den gesamten Kindergärten. Dabei werden die genaueren Analysen erst noch abzuwarten sein, bis das endgültige Endergebnis feststeht. Ich will nicht sagen, dass wir es schwer haben werden, einen verlässlichen Koalitionspartner zu finden, aber die Machtkämpfe scheinen noch nicht in allen Köpfen der Parteizentralen und der vielen Menschen angekommen zu sein.

    Sie sind bekannt für ihre kritische Einstellung, und sie haben auf Facebook getwittert, dass sie mit der Trumpadministration in nicht allen Punkten einverstanden sind. Welche genau sind das?

    Nehmen Sie zum Beispiel Pjöng Ill Young. Wenn der Russe die Energieversorgung von erneuerbarem Strom nur um dreizehn Prozent auf acht komma vier Prozent nach dem Klimaschutzabkommen Kioto drosseln würde, hätten wir hier mit einem Schlag alle erneuerbaren Energien verbraucht. Ich möchte an dieser Stelle, allen Wählern und Wählerinnen, allen Freunden und Genossinnen und den unermüdlichen Flüchtlingshelfern danken, die in den letzten Tagen und Wochen ihr äußerstes gegeben und alles dafür getan haben, um mit ihrer Energie und ihren Schuldzuweisungen zur dieser ernsthaften Debatte beizutragen und dadurch die Protestwähler in unserem Lande mobilisiert haben. Ich möchten mich auch für eine jahrelange Schlaftabletten Politik bedanken, die uns ausgeruht zu vollem Elan zurückführen wird, um uns in zweittausendeiundzwanzig drittstärkste Kraft in diesem Lande werden zu lassen. Ja, ich glaube fest daran, und ich halte auch daran fest, eine neue Debattenkultur in unserem Lande einführen zu wollen, auf der Grundlage gemeiner Werte und zwar auf der gesamten Bandbreite der europäischen Bühne. Dabei werden wir die Dinge so offen und klar ansprechen, wie man es von uns gewohnt ist, weil der freie Wählerwille schließlich den Auftrag hat, eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden und sich neu zu konstituieren. Doch es ist im Grunde heute verfrüht, irgendwelche Debatten anstoßen zu wollen und meinen Namen in den Ring zu werfen, das werden Sie verstehen, und Sie müssen es mir nachsehen, denn Sie müssen dazu andere befragen, die auch etwas zu sagen haben. Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass wir vor den Sitzungsrunden erst einmal intern weitere Gespräche abwarten müssen, bevor wir überhaupt etwas dazu beisteuern. Wir können uns nicht jetzt schon festlegen, um irgendwelche Zusagen zu treffen. Dabei will ich auch überhaupt nicht verhehlen, und mit Nachdruck darauf hinweisen, dass wir eine empfindliche Niederlage einzustecken hatten, die nun sorgsam mit unseren Freunden im gesamten Plenum gepflegt, besprochen und schonungslos analysiert werden will. Aber bis dahin wollen wir ganz in Ruhe das endgültige Ergebnis der Hochrechnungen abwarten, und in aller Sorgfalt auf die nächsten Landtagswahlen hinarbeiten. Wir werden uns auf jeden Fall auf sehr schwierige Verhandlungen einzustellen haben, und ich möchte hier nochmals betonen, dass wir immer gesagt haben, dass wir nicht zur Verfügung stehen werden.

    Herr Mumpitz, ich danke Ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.

    Nichts zu danken, gerne!
    Geändert von Anjulaenga (29.09.2017 um 19:23 Uhr)

  2. #2
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    Liebe/r Pen N Paper,

    der Text ist als Collage gedacht, in welchem Worthülsen hohlphrasig aneinandergereiht wurden. Der Inhalt ist dabei quasi völlig nebensächlich. Von daher müssen deine Deutungsbemühungen ins Leere laufen. Es geht auch um keine bestimmte Pressekonferrenz, Partei oder Aussage, wohl aber um einige aktuelle Zitate z.B. : " wir werden sie jagen". In Rhetorikseminaren könnte man sich vermutlich wahllos Beispiele aus populistischen und etablierten Textbausteinen gleichermaßen heraussuchen. Diese Zitate wurden in einen scheinbaren Sinnzusammenhang gestellt. Dadurch erscheint die uns so vertraute Sprache verwirrend und komplett unsinnig. Und oftmals ist die Realsatire kaum noch zu toppen, da wird oft soviel Mumpitz erzählt...
    Die parteiübergreifende Sprache vor laufender Kamera eint die Politiker aus allen Lagern. Besonders, wenn Bedeutsames formuliert werden will und sich gekünstelt in das Ohr des Zuhörers schraubt: "Ich habe es schon immer gesagt", "will es hier einmal ganz klar in aller Deutlichkeit formulieren" Auf weitere satirische Stilelemente, wie Erhöhungen und Übertreibungen habe ich bewusst verzichtet. Es ist klar, was das Ganze soll: dieser affektive Sprachgebrauch will uns emotionalisieren, Betroffenheit erzeugen, Empathie, Sympathie, Kompetenz oder Empörung vermitteln und sich uns an den Hals werfen, das wissen wir alle. In dieser Zweckgebundenheit erhält die Sprache für mich aber gleichermaßen etwas stereotypes bis hin zu ungewollter Komik. L.G.A.

  3. #3
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    Liebe Anjulaenga,

    ich hatte mir gestern abend schon dies Interview mit Herrn Mumpitz reingezogen und breit gegrinst.

    Heute morgen las ich Pen N Papers Kommentar und war verunsichert. Ãhnlichkeit mit lebenden Politikern? Hatte ich da was verpasst? Ich habe nämlich schon länger kein TV mehr geguckt.

    Ein sehr erheiterndes Feuerwerk an zusammengewürfelten, nichtssagenden, gestelzten Redewendungen und leeren Worthülsen. Mumpitz halt. Diese Floskeln sind so im Gebrauch bei Politikern durch die Bank weg, dass man denkt: "Hab ich doch neulich schonmal irgendwo gehört".

    Sehr sehr witzig die Frage an Herrn Mumpitz, ob er bei seiner Aussage vor dem Spiegel ( ) vom 25. September bleibt. Und dann seine völlig meschuggene Antwort auf diese Frage ... Spitze.

    LG Richmodis
    Geändert von Richmodis (28.09.2017 um 13:15 Uhr)

  4. #4
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    Liebe/r Pen N Paper,

    wenn die AFD spitz kriegt, dass man sie ernsthaft mit solchen Hohlphrasen in Verbindung bringen will, weil man meint, ihr inhaltliches Profil in solch einem durchgeknallten Mumpitz wiederzuerkennen, dann könnte durchaus ihr Jagdtrieb geweckt werden. Da kennt sie nämlich keinen Spaß. So wie ich den radikalen rechten Flügel einschätze, haben die Leute in ihrer Truppe, die durchaus schlagende Argumente auf der Hand haben.

    Liebe AFD, das war wie gesagt eine Collage, und ich distanziere mich ausdrücklich von Pen N Papers wilden Gedanken.

    L.G.A.

    Hallo, PenNPapers? Bist du noch auf Sendung?
    Bist du noch da? Hallo! Gibts dich noch?
    Nun, wir sind unterbrochen,
    da wurde plötzlich der halbe Thread gelöscht.
    Hoffentlich ist ihm/ihr nichts passiert!
    Ich habs ja fast geahnt...


    Lieber/e Richmodis,

    danke für dein Feedback.
    genauso war es gemeint, genauso war es gedacht.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (02.10.2017 um 08:56 Uhr)

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