1. #1
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    62.Die Eule

    Ich träumt' von einer Nachtigall
    Von ihrer Stimme, engelsgleich
    Welch voller Klang, welch lieblich Schall
    Entführt' sie in mein dunkles Reich.

    So willig war sie, sanft und sacht
    Ließ sich so leise auf mir nieder
    Wie ich wars ein Geschöpf der Nacht
    Sie schwieg für mich die schönsten Lieder

    Ich schritt die Stufen fort hinab,
    Auf meiner Schulter, da saß sie,
    In mein Gewölbe, ewig Grab,
    Wo sie nun singen sollt wie nie...

    Umhüllt von Dunkelheit und Moder
    Hört' ich das wohl bekannt Geheule
    Ich sprach zu meiner Flamme: "Loder!"-
    da saß statt einer Nachtigall die Eule.

    "Ach, Eule, alte Eule du,
    Was reißt du mich aus meinem Traum?
    Es war doch immer dein Schuhuu,
    Das trug mich an des Himmels Saum."

    4. März 2003

    63. Meine Eule

    Dunkel ist es fortan wieder
    auf dem Pfad, den ich begangen
    Verschließ mein Ohr verschließ die Lider
    vor dem was Eul' und Nachtigall mir sangen

    So lieg ich hier und träume teuer
    auf Ruhm und Wolken wohl gebettet
    träum von der Sonne, von dem Feuer
    das einst mein Herz vor mir gerettet

    Die Fackel, von der Sonn' befeuert,
    die mich durch finstre Nacht geleitet,
    nun auch der Eule Ruf erneuert,
    die mich auf meinem Weg begleitet.

    Oh Eule, Eule, hör mich, eile
    zu mir, ich hab dich nicht vergessen
    mein Schicksal, das ich mit dir teile
    nicht hier, noch soll es mich nicht fressen.

    So lass uns tanzen, lass uns fliegen
    durch die Luft, so kalt sie sei
    mit dir will ich die Nacht besiegen,
    mit dir nur bin ich wahrlich frei.

    25. Mai 2003

    64. Der Nachtigall Tod

    Kalt und einsam war die Nacht
    als ich nach langen Wegen
    Am Meere unbegrenzter Macht
    mich hingab jenem Geistersegen
    der über diesen Wassern wacht.

    Der Mond, mein ach so treu Begleiter,
    sandt' seinen Strahl zu mir hinab
    Licht gewährend sprach er weiter:
    "dies Gewässer ward ihr Grab!"

    Ich wagte nicht sie anzusehen
    die dort an diesen Ufern trieb
    ein einz'ges Mal den Augen widerstehen
    von denen mir nur Kälte blieb

    Da hob von meiner Schulter sich
    die Eule, meine gute Eule.
    nach außen hin schwieg weiter ich,
    mein Herz doch hörte mein Geheule,
    und spürte hart der Krallen Stich
    der Eule, wie sie nach und nach
    der Toten aus die Augen stach.

    Ich wandt' mich ab,doch sie verblieb
    sie riss, sie zerrte und sie trieb
    ihr Spiel mit meinem Herzen wie der Toten
    und drückte sanft in meine Hand die roten,
    blutig triefend Augen meiner Nachtigall
    die starrten klar mir in die meinen,
    als wollten sie ein letztes Mal
    als meine Nachtigall erscheinen.

    18. Juli 2003

    Ach ja: Da die beiden ersten Teile mittleweile recht weit nach hinten gewandert sind habe ich sie nochmal oben hinzugefügt...alle Beiträge vor diesem beziehen sich also nur auf Teil 3: "Der Nachtigall Tod"


    [Geändert durch Phylax am 08-01-2004 um 17:19]
    Himmelhoch jauchzend
    zum Tode betrübt
    selig allein
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  2. #2
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    Das ist der dritte und letzte Teil meiner kleinen Eulen- Trilogie. Ich war, besonders bei diesem dritten Teil, für meine Verhältnisse sehr formverliebt. Haltet ihr die Sprache für zu affektbeladen, zu getragen, oder in anderer Weise für übertrieben?
    Bitte um (ehrliche!) Kritik

    Grüße Phylax
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  3. #3
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    die sprache gefällt mir sehr. wollte eigentlich die form als zu frei bemängeln (s1 hat eine tolle reim-struktur) aber wenn es für dich schon genug ist, lass ich das. ist auch nicht schlimm.
    kenne die anderen eulis nicht. ich finde die geschichte etwas merkwürdig, aber leich unheimlich, schön, stimmungsvoll.
    dem "kitsch" nach könnte dir auch das o. wilde märchen "die rose und die nachtigall" gefallen. da beisse ich mir grad die zähne aus.
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  4. #4
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    Danke für die Resonanz.
    Sag ruhig, was du an der Form zu bemängeln hast.
    S4 und S5 haben ein unregelmäßiges Reimschema (Ich tendiere sonst sehr zum Kreuzreim ==> siehe die ersten zwei Eulis "Die Eule", "Meine Eule") deshlab wollte ich hier mal was anderes probieren.
    Oder meinst du den Rhythmus?
    Ich habe kein konkretes Metrum durchgezogen, aber ich empfand die Betonungen als harmonisch stimmig (Silbenzahl usw. auch), trotz der unregelmäßigen Senkungsfüllung...
    Wenn du Zeit hast präzisiere das vielleicht noch.

    einstweilen Danke.

    Phylax

    [Geändert durch Phylax am 06-01-2004 um 01:06]
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  5. #5
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    So kommen wir mal zu meinem revanchefoul
    ist zwar nicht meine art und ich erst recht kein guter kritiker, aber ich werde mal deinem wunsch folge leisten

    strophe1 finde ich sprachlich sehr gelungen, jedoch erschliesst sich mir kein rhytmus in dem ich sie gescheit lesen kann, ohne ins stocken zu geraten.

    strophe2 baut etwas ab, besonders die letzte zeile mit der direkten aussprache passt, in den sonst erzählerischen/beschreibenden kontex, nicht so recht rein.

    strophe3 hier kehrste wieder zum sonst üblichen beschreibenden/erzählerischem schema zurück, was sprachlich auch deutlich schöner wirkt. erneut vermisse ich ein einheitliches metrum, dass den lesefluss erleichtert.

    strophe4 und 5: hier verwendest du erstmals bilder die eine gewisse zweideutig haben, die vorherigen passten einwandfrei in den mystischen kontext (d)einer erzählung. hier aber hat man direkt das gefühl, da steckt mehr, als das offensichtliche, dahinter.
    sprachlich gefallen mir die beiden strophen nicht so gut wie 1 und 3 besonders auffällig "wie sie nach und nach
    der Toten aus die Augen stach" wenn mich nicht alles täuscht sollte es besser "den Toten" heissen. wie gehabt leidet auch hier der lesefluss aufgrund der unregelmässigkeiten, da fehlt mir allerdings Wissen/Können, näher drauf eingehen zu können.


    Und zu guter letzt stellt sich mir die
    Frage: "Warum das Gedicht unter "Liebe und Romantik" gepostet wurde, da ich ein sehr düsteres und beklemmendes Szenario vorfinde, welches unter "Trauer und Düsteres" bestens aufgehoben wäre.


    If men define situations as real, they are real in their consequences.

  6. #6
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    Danke für die Revanche, Am0k.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass das Gedicht schwierig zu lesen ist, deswegen habe ich etwas korrigiert und skandiert und möchte im Folgenden versuchen, mein Versmaß zu erläutern:
    Ich habe mich gegen ein starres Metrikkorsett, mit nur einem einzigen Metrum, entschieden, da es einem Gedicht häufig einen leiernden Charakter gibt und man sich beim Vortragen ofmals sehr bemühen muss, dies durch gute Stimmführung und selbständige(!) Betonungssetzung wieder wettzumachen.
    Nicht zuletzt deshalb habe ich mich also für eine freiere Rhythmik entschieden, bei der allerdings die zwei Metren, der Jambus und der Trochäus, klar und getrennt erkennbar sind (so hoffe ich zumindest ). Die wenigen ungenauen Stellen (Z.B. Z1) habe ich rhythmisch ergänzt.
    Eine Technik, die ich oft verwende, besteht darin, sich reimende Verse mit dem gleichen Metrum auszustatten und, was das Wichtigste ist, mit der gleichen Kadenz enden zu lassen (hier entweder männlich (Z1/3/5 "Nacht-Macht-wacht") oder weiblich (Z2/4 ("Wegen-Segen")).
    Dann macht es meines Erachtens (fast) nichts aus, wenn einer der Verse einen Fuß mehr hat...so lange diese Forderungen erfüllt sind.
    Daher habe ich nun in S1 Z1 ein "So" und In S2 Z3 ein "mir" hinzugefügt.
    Eine Besonderheit möchte ich noch anmerken:
    In S5 Z5 sind es gleich zwei versfüße zuviel (ich denke, ich sollte vielleicht "blutig triefend" weglassen)
    Das richtige Metrum ist duch eine Sprechpause (-) wiederherzustellen. Diese Pause ist eine Art Schrecksekunde über den die Blutige Geste der Eule.

    Der Wechsel vom Zeilen- zum Hakenstil ab S4 stellt gewissermaßen dar, wie sich die Eule von mir absetz und sich damit über die bisher bestehende Ordnung (meinen Willen) des Zeilenstils hinwegsetzt.
    (Erklärung: Hakenstil=durch Enjambements wird die Rhythmische Einheit über das Versende hinaus ausgedehnt)

    Hältst du diese Rhythmische Ausdeutung für gelungen??

    Ach ja, nur kurz zum Inhaltlichen: Um die ganze geschichte zu "verstehen" ist es ratsam, sich auch Teil Eins (Die Eule) und Teil Zwei (Meine Eule) anzusehen. Dann wird vielleicht auch klarer, weshalb es hier unter Liebe&Romantik steht...

    Hier die angedachte Skandierung und korrigierte Fassung:
    64. Der Nachtigall Tod

    So kalt und einsam war die Nacht
    als ich nach langen Wegen
    Am Meere unbegrenzter Macht
    mich hingab jenem Geistersegen
    der über diesen Wassern wacht.

    xXxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx Ein Versfuß mehr, aber Das Metrum stimmt
    xXxXxXxX


    Der Mond, mein ach so treu Begleiter,
    sandt' seinen Strahl zu mir hinab
    mir Licht gewährend sprach er weiter:
    "dies Gewässer ward ihr Grab!"

    xXxXxXxXx Komma keine Zäsur!
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    XxXxXxX

    Ich wagte nicht sie anzusehen
    die dort an diesen Ufern trieb
    ein einz'ges Mal den Augen widerstehen
    von denen mir nur Kälte blieb

    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx Ein Versfuß mehr
    xXxXxXxX


    Da hob von meiner Schulter sich
    die Eule, meine gute Eule.
    nach außen hin schwieg weiter ich,
    mein Herz doch hörte mein Geheule,
    und spürte hart der Krallen Stich
    der Eule, wie sie nach und nach
    der Toten aus die Augen stach.

    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx Komma keine Zäsur!
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX


    Ich wandt' mich ab,doch sie verblieb
    sie riss, sie zerrte und sie trieb
    ihr Spiel mit meinem Herzen wie der Toten
    und drückte sanft in meine Hand die roten,
    - blutig triefend Augen meiner Nachtigall
    die starrten klar mir in die meinen,
    als wollten sie ein letztes Mal
    als meine Nachtigall erscheinen.

    xXxXxXxX Komma keine Zäsur!
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    -XxXxXxXxXxX Sprechpause ==> Entsetzen (Wechsel zum Trochäus)
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx

    [Geändert durch Phylax am 07-01-2004 um 19:47]
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  7. #7
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    weshalb auch immer nun bin ich im stande es gescheit zu lesen ...

    aber 2 punkte stossen mir dennoch auf
    1. der reim mit eule und geheule
    2. der toten aus die augen stach

    zu 1) finde ich nicht gut
    klingt einfach zu sehr nach einem eule - eule reim

    zu 2) erscheint mir im "falschen" fall geschrieben, zumindest erwarte ich den dativ und nicht den vorgefundenen genitiv.

    gruß Am0k
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  8. #8
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    Eule-Geheule hmmm... da muss ich nochml nachdenken, aber du hast recht ist wirklich nicht so gut


    ZU 2:
    Die Eule sticht der Toten (Nachtigall) die Augen aus

    Die Wortstellung ergibt sich aus dem Versmaß, ist allerdings zugegebenermaßen etwas unglücklich.

    Danke Dir...
    Es ist nur logisch, dass man etwas leicht vorlesen kann, wenn man es selbst geschrieben hat, deshalb ist es ja so wichtig, dass auch andere dies tun. Und das Versmaß hatte in der Tat ein paar gröbere Schwächen, die ich jedoch nun behoben glaube, auch wenn es immer noch nicht so einfach ist, wie ein regelmäßiger 5hebiger Jambus z.B.

    Also nochmal Danke für die Hilfe und...

    Wenn du dich eingehender mit dem Inhalt auseinandersetzen willst (was ich allerdeings keinesfalls verlange oder so ) schau Dir am besten auch die zwei Vorgänger an (Links sind in meiner signatur)

    Dankbare Grüße

    Phylax
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  9. #9
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    Ist mir erst jetzt aufegfallen:
    "der Toten" muss Dativ sein - ist es auch: wem oder was? - Der Toten (Nachtigall)


    Nochmal ne Anfrage:
    Wenn jemand mal etwas mehr Zeit, wäre ich ihm dankbar, wenn er mir mitteilen könnte, welche Botschaft die Eulen- Trilogie zu transportieren versucht.
    Hab mir ziemlich genaue Gedanken über die Metapher mit den zwei Vögeln gemacht...vielleicht kommt ja dann jemand dahinter, warum es in der Sektion Liebe&Romantik steht...

    Ach ja: Da die beiden ersten Teile mittleweile recht weit nach hiten gewandert sind habe ich sie nochmal oben hinzugefügt...alle Beiträge vor diesem beziehen sich also nur auf Teil 3: "Der Nachtigall Tod"
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  10. #10
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    Hi,
    ich werd deiner Bitte nachgehen und dir mal die Botschaft, die dein gedicht mir vermittelt, hier niederschreiben. Ich formuliere das auf dem Papier mal aus und stell es dir dann hier rein. HAb ein bisschen geduld spätestens morgen hast du sie!

    lou
    [...]
    Ich sagte: Da sei noch ein Bruch in den Fertigartikeln,
    in jenen Menschen aus Bumkes Geburtsinstitute.
    Sie seien konstant und würden sich niemals entwickeln.
    Da gab er zur Antwort: >>Das ist ja grade das Gute!<<
    [...]

    "Der synthetische Mensch", Erich Kästner

  11. #11
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    Schaffs leider nicht sie noch abzutippen, aber auf dem Papie hab ichs schon!
    lou
    [...]
    Ich sagte: Da sei noch ein Bruch in den Fertigartikeln,
    in jenen Menschen aus Bumkes Geburtsinstitute.
    Sie seien konstant und würden sich niemals entwickeln.
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  12. #12
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    hallo phylax.

    beim dativ fragt man: "wem?" und nur "wem?"

    die frage "was?" wird entweder beim nominativ ("wer oder was?") oder beim akkusativ ("wen oder was?") verwendet.

    folgende zeile müßte vielleicht besser formuliert werden: "der Toten aus die Augen stach". so klingt es nach fußvers-treue-inhalts-blindheits-debakel.

    grüße.
    AB

    [Geändert durch AB0907 am 02-02-2004 um 19:34]

  13. #13
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    Hi,
    also wie versprochen schreib ich jetzt endlich mal mein Textverständnis hier rein. Ich habe jedoch bemerkt, dass meine Interpretation leider so lang geworden ist, dass sie keiner mehr lesen würde, also nur so die groben Hauptgedanken:

    Das lyr. Ich ist in einer festen Bez., seine Partnerin ist in dem Gedicht die Eule. Das lyr. Ich scheint in dieser Bezeihung aber nicht wirklich glücklich, hat mit der Person aber schon einiges durchgemacht.
    Dann trifft oder träumt das lyr. Ich von seiner Traumfrau (Nachtigall), die entspricht all seinen Vorstellungen und hohlt ihn ( ich gehe mal davon aus, dass das lyr. Ich maskulin ist) aus dem Alltäglichen raus.
    Irgendwann kehren beide Frauen ihm jedoch den Rücken zu und er ist auf sich allen gestellt.
    Sobald ihn sein Schicksal einholt, möchte er, dass seine "Eule" wieder zu ihm zurückkommt und ihn unterstützt.
    Irgendwann kommt die Eule dann hinter die Träume von der Nachtigall und zerstört sie!

    so das waren aber wirklich nur gaaanz grob die Züge meiner Interpretation und ich hoffe ich hab da nicht völlige scheiße fabriziert, wenn doch nimms mir nicht übel

    lou

    [...]
    Ich sagte: Da sei noch ein Bruch in den Fertigartikeln,
    in jenen Menschen aus Bumkes Geburtsinstitute.
    Sie seien konstant und würden sich niemals entwickeln.
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  14. #14
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    Erstmal eine Entschuldigung dafür, dass ich
    1.) mich erst jetzt wieder melde (hab Facharbeit geschrieben)
    2.)das Gedicht dadurch von etwas weiter hinten wieder hervorhole

    Jetzt aber zu Sache:
    Den grundelegenden Sachverhalt hast du richtig erkannt, Soliloquy: Die Vögel sind Frauen...zumindest grundsätzlich...

    Ich halte es für fast unmöglich, aus diesem Gedicht das herauszulesen, was ich mir damals dabei dachte, denn die Schwierigkeit besteht darin, zu wissen, dass beide Vögel nur Traum- bezw. Trugbilder sind, wobei dieser Umstand dem lyrischen Ich im Bezug auf die Nachtigall nicht bewusst ist.

    Zunächst mal nur zu Teil 1:

    Die Nacht symbolisiert bei mir zumeist an sich bereits eine Traumwelt. In Teil 1 besteht ein Gegensatz zwischen Außen- und Innenraum. Solange ich (das lyr. Ich) « draußen » bin, erträume ich mir die schönste Frau, die ich mir vorstellen kann. Ich höre sie allerdings nur, sehe sie nicht (Nachtigallen sind eigentlich eher schlichte Vögel). Sie setzt sich auf meine Schulter und ich möchte sie zu mir nach Hause in mein Gewölbe tragen. Doch ab jetzt schweigt sie. Als ich sie zu Gesicht bekomme, entpuppt sie sich als Eule.
    Was nun ist die Eule? Eine alte Freundin, da hast du recht, nur dass sie eben mehr als eine imaginäre Muße zu verstehen ist, als das Idealbild einer Frau, die man (zumindest ich) sich als seine Gefährtin ersehnt, von der man allerdings weiß, dass es sie nicht geben kann, im Gegensatz zur Nachtigall, die erst resignierend als Trugbild „entlarvt“ werden muss. Die Eule ist auch eher eine gute Freundin als eine sexuell begehrenswerte Person.

    Jetzt wird’s kompliziert:
    Den Gesang höre ich zwar, doch für mich schweigt die Nachtigall diese Lieder, sie singt nicht für mich (für jemand anderen?), und von Gesang ist keine Rede mehr, sobald sie auf meiner Schulter sitzt. Solange ich den Gesang der Nachtigall beschreibe, halte ich noch einen gewissen Bezug zur Realität, denn hinter der Nachtigall verbirgt sich eine wirkliche Frau, deren Äußerungen und Erscheinung ich als Gesang wahrnehme. Ich bin jedoch gewissermaßen blind (Nacht) und sehe nicht, dass, da ich diese Frau für eine Nachtigall halte, dieses unbewusste Trugbild zu einer Eule, also zu einem bewussten Traumbild, wird, sobald ich versuche ihrer habhaft zu werden. Dies offenbart sich mir jedoch erst in dem Hort an dem diese bewussten Traumbilder beheimatet sind, und als solche auch eine Daseinsberechtigung haben. Hier nun wird das Trugbild als solches erkennbar, da es sich hier wie eine Eule gebärdet, der perfekte Vogel der Nacht, der Vogel meiner geistigen Nacht.

    Diese Erkenntnis nehme ich jedoch nicht mit Entsetzen auf, sondern eher mit milder Resignation...warum? -. Weil ich die Eule liebe, und mich letztendlich lieber an ein bewusstes Trugbild halte, als an (scheinbar) reale Wesen, die letztendlich nicht in ihrer wahren Natur erkennbar sind.

    Genauer zu klären ist noch der Terminus der Nacht: Die Nacht ist eine Projektion der Wirklichkeit in meinem Kopf. Der Innenraum ist ein Ort der inneren Reflexion, in dem die nächtlichen Ereignisse ins Licht gerückt werden. Die beiden Räume zu vermischen ist jedoch nicht ungefährlich...Man macht oft schmerzliche Erfahrungen, sobald man etwas genauer unter die Lupe nimmt, oder emotionale Erkenntnisse aus dem Innraum nach außen trägt, wo sie nur selten auf Zustimmung stoßen.

    Jetzt ganz kurz den realen Hintergrund des Gedichts:
    Ich kannte eine Frau, der ich viel mehr (Gesang!) Anmut und innere Schönheit zuschrieb, als ihr eigentlich innewohnte. Es geht also um unerfüllte Liebe. Das ganze hat sich irgendwann zerschlagen und ich war erstmal reichlich deprimiert. Beholfen habe ich mir dann mit dem ersten Teil der Trilogie, der Besinnung auf das Traumbild.
    Geschehen ist jedoch ganz etwas anderes...Um bildlich zu sprechen: Es drängten sich andauernd neue Nachtigallen in mein Leben, welche ich diesmal sehr viel früher als Eulen entlarvte. Schließlich jagte ich die Eule fort. Ich schloss mich ab. Verschloss mich vor Eulen und Nachtigallen...

    ...ich mache jetzt erstmal Pause...Teil 2 und 3 sollten jetzt leichter zu entschlüsseln sein.
    Ansonsten kann ich auch diese noch mal kommentieren, wenn dies gewünscht ist.

    Phylax

    P.S.:
    Die Flamme und das Meer der unbegrenzten Macht stammen aus zwei anderen meiner Gedichte und sind so allein stehend kaum zu verstehen...Nur Kurz: Die Flamme ist die Liebe. Dass Meer ist der Intellekt und die Weisheit...die Eule ist nach klassischer Vorstellung der Vogel der Weisheit...


    [Geändert durch Phylax am 10-02-2004 um 21:13]
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