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  1. #1
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    Ergebnisse des Wettbewerbs September/Oktober 2017

    Hallo zusammen,

    kaum sind 6 Wochen vorbei, können wir euch die Sieger des Wettbewerbs September/Oktober 2017 präsentieren!
    Wir bedanken uns bei allen, die ein Gedicht geschrieben und die abgestimmt haben! Ohne diese Beteiligung wären Wettbewerbe nicht möglich.
    Wir gratulieren allen Siegern! Wenn du es nicht aufs Treppchen geschafft hast, ist das kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Der nächste Wettbewerb kommt bestimmt. Und das Thema könnt ihr noch wenige Tage vorschlagen, ehe dort die Abstimmung startet.

    Das Bild, das bedichtet werden sollte, könnt ihr euch hier noch einmal ansehen.


    Es folgen die Platzierungen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Eure Wettbewerbsleitung
    Bitte beachte die Richtlinien der Wettbewerbe.

    Hier sind die Sieger des letzten Wettbewerbs .

    Du findest einen Kommentar gut? Dann schlag ihn doch einfach zur Kritik des Monats vor!

  2. #2
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    Der 1. Platz und damit die Goldmedaille geht mit 7 Stimmen an:


    abschied

    verblasstes graffiti zerschrammt den zement
    wir liegen uns stumm in den armen
    am grüngelben schild. das morgenlicht brennt
    die kreidigen wolken hoch ins firmament
    die zeit kennt für uns kein erbarmen

    ein flüchtender schatten: die straßenlaterne
    wir stehen versunken im kuss
    im auge den nachhall verblichener sterne
    im ohr die gesänge von trostloser ferne

    und dann kommt der bus

    von lilisarah

  3. #3
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    Platz 2 mit 4 Stimmen errang:

    Eile und Weile

    Noch bei Dunkelheit
    packt ein Penner Heft
    und Decke ein - und weg

    Fast zur selben Zeit
    ziehen Pendler ih-
    re Kippe rein - und weg

    Schüler steh’n bereit,
    drängeln in den näch-
    sten Bus hinein - und weg

    Mütter, meist zu zweit
    schwatzend, warten kurz
    im Sonnenschein - und weg

    Nun sind sie also endlich alle fort.
    Wo eben noch die Morgenhektik greifbar war,
    wird plötzlich Ruhe offenbar,
    die ist des Dichters Lebenselixier.

    Zum Schreiben liebt er den verwaisten Ort,
    der zweifelsohne voll Inspirationen steckt
    - Gedichte wurden da entdeckt -
    und abends findet man ihn wieder hier …,

    denn Mütter, Schüler, Pendler kehrten heim
    und ihm fehlt immer jener letzte Reim.

    von Gugol und L A F Strässler

  4. #4
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    Gerade so auf Treppchen schaffte es mit 3 Stimmen:

    Irgendwo im Nirgendwo...

    Warten
    auf etwas
    einen Zug
    einen Bus
    oder Godot

    Blättrige Farbe
    über Asphaltgrau
    zerknirscht
    mein Warten
    auf Gesichter
    und Geschichten

    Trostlosigkeit
    riecht neongelb
    grauer Zement
    friert zitternd
    von Verfall
    gezeichnet

    Im letzten
    Sonnenstrahl
    zog mein
    kleiner Vogel
    längst grünblau
    davon

    Steinschwere
    Leere atmend
    versuche ich
    ihm nun
    ins Morgen
    zu folgen

    von macin

  5. #5
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    Den 4. Platz teilen sich mit jeweils 2 Stimmen:

    zweite heimat

    Auftrag: dort zu sein, wo man ist
    Tomas Tranströmer
    unort
    wo keiner sein will
    trotzdem wer war
    kurz
    auf dem weg wohin

    wartend
    mit den augen freilich
    woanders aber
    nicht
    hier wo wirklich

    nichts ist
    auf fingerspitzen unterwegs
    wo nichts wirklich ist
    doch
    davon viel

    von Okotadia




    Stare fliegen in den Süden

    Gedankenwege streiten sich um Richtungen.
    Stolpernd werde ich fortgetragen
    und doch wieder nachdenklich abgestoppt.
    Ich wünschte mir, das meine Energien
    alle Steine schmelzen und bleichen könnten.
    Doch mein Mikroskop- Denken,
    legt alle Ziele unter dichten Nebel.


    In welchen Wassern badet meine Seele,
    frag ich vorsichtig, mich selbst.
    Selbstbewusstsein schmilzt wie Butter,
    selbst in leeren Labyrinthen.
    Doch es muss weitergehen.
    Ich ziehe den Zipfel eines warmen Atemzugs
    aus den Archiv vergangener Begebenheiten.


    Und irgendwie setzt sich der Atemzug
    des Zeitenrades wieder in Bewegung.
    Die Grundschule der Erziehung klebt noch.
    Die Welt ist Berg und Tal, Wüste und Regenwald,
    doch dort wo ich gehe, wird dieses Land erst entdeckt.
    Beschreiben kann ich es nicht, zu bunt, doch ruhig.
    Und dazu, bin ich wahrscheinlich zu klein.

    von horstgrosse2




    und

    endlich still

    Vor zwölf Tagen kam der letzte Bus,
    die letzte Zeitung und das letzte
    Lachen eines Kindes war zu hören,

    und ein jeder Gott, jeder Religion,
    jedweder noch so verdrehten Sicht,
    ließ uns allein, ließ uns den freien Willen

    und so haben wir vergeudet was uns geschenkt
    und zerstört was uns niemals gehörte,
    aber nun sind wir still, endlich sitll.

    Vor zwölf Tagen kam der letzte Bus.

    von Susigrün

  6. #6
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    Auf Platz 5 ins Ziel kam mit einer Stimme:

    Auf Goethes Spuren

    Der Bus hält Rudolf-Breitscheid-Straße
    in Ilmenau - wir steigen aus.
    In sechs Minuten laut Beschreibung
    erreichen wir das Gästehaus.

    Auf Goethes Spuren woll‘n wir wandeln,
    erkunden, wo er damals schritt.
    Gestärkt nach einem guten Frühstück
    sind wir für diesen Fußmarsch fit.

    Der Wanderweg – benannt nach Goethe
    von Ilmenau bis Stützerbach
    war Grund für die geplante Reise,
    die lang ist unter Dach und Fach.

    Wir wandern zwanzig Kilometer,
    vereinen Lyrik und Natur,
    erleben Goethes Zeitepoche,
    sind auf des großen Dichters Spur.

    Zum Rasten können wir verweilen,
    erholen uns bei Speis und Trank,
    genießen eine tolle Aussicht
    und ruhen aus auf einer Bank.

    Den Rückweg müssen wir nicht laufen,
    ein Shuttlebus steht schon bereit.
    Wir singen munter Wanderlieder,
    genießen Spaß und Heiterkeit.

    Nun steh‘n wir an der Haltestelle.
    Der Bus bringt uns nach Haus zurück.
    Verschlafen noch die müden Beine,
    im Kopf tanzt ein Gefühl von Glück.

    von Dabschi

  7. #7
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    Leider ohne Stimme auf dem 6. Platz landeten:

    Die Haltestelle

    Hinter Gittern auf Beton,
    hält das Leben eine Weile,
    wartet nackt und bloß,
    auf den Sinn der Reise,
    welcher nun in Lettern preißt,
    was am Ende übrig bleibt.

    Sieht Protest im Zorn erstarren
    noch vor seiner Blüte,
    ziert mit Farben jenes Grau,
    das aus Alltag Bunker baut!

    von charisma65




    Mein Song

    Und schon wieder steh ich hier – auf verlorenem Posten,
    auch vom nächsten dünnen Bier lass ich jeden hier kosten,
    der mich sieht und der mich grüßt, der die vorletzte Fluppe
    ohne Not mit mir teilt.
    Dann wechselt das Licht.

    Es wird kälter jede Nacht. Länger werden die Nächte.
    Von der Meute im August, die hier ab und zu zechte,
    hat schon lange keiner mehr, und das ist mir auch Schnuppe,
    ohne Worte dieses Grau
    des Pflasters erklärt.

    Wenn ich nüchtern bin und frier, dann vertrau ich auf Wärme
    an dem Tag, wenn eben hier mal ein Bus hält und Schwärme
    voller Lebenslust und -gier sich ergießen, entpuppe
    ich mich endlich, und die Welt
    bemerkt mein Gesicht.

    von Verbalcarpaccio




    und

    Haiku 2017

    Indy Haltestell
    im Platzréchy
    dyr Hipster un ich-a*

    * die Feuerwanze
    unter der Deckelwulst
    des grünen Mülleimers
    ist Issa

    Link dazu im Hinterhof:

    Übertragung ins Hochdeutsche

    von Alcedo
    Geändert von WBL (14.10.2017 um 03:44 Uhr)

  8. #8
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    Herzliche Gratulation, lilisarah!! Dein Gedicht hat auch mich besonders berührt, habe ich doch mit Abschieden furchtbar Mühe. Die letzte Zeile ist so gut gesetzt und abgesetzt, das MUSSTE einfach überzeugen. Verdienter Sieg! E liebe Gruess, gugol

  9. #9
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    die fötzelchen, die okotadia so schwungvoll in die luft wirft, ordnet dein gedicht, lilisarah, gezielt zu einer geschichte, die viel erzählt, indem sie schweigt, sozusagen auf fingerspitzen unterwegs.
    mir persönlich gefällt auch der anfang von gugol/strässler sehr gut. verständlich, dass man als texter nach solch starken strophen von sich selbst überwältigt abbricht und zu stammeln anfängt.
    schönes we
    kaspar

  10. #10
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    Auch von mir herzlichen Glückwunsch an das "Treppchen", vor allem aber ein Dankeschön an die WBL für das Foto, das ich sehr inspirierend fand, gerade weil es auf den ersten Blick so uninspirierend wirkte. Ich war deshalb gespannt auf die Beiträge.
    Beim Schreiben habe ich mich gefragt, was auf Dauer aus dem öffentlichen Raum wird, wenn er kaum mehr wahrgenommen wird, weil fast jeder auf sein Handy starrt. Eure Gedichte zeigen mir: Er wird zu Kulisse für Geschichten, die nicht so empathielos sind, wie die Umgebung. Vielleicht ist ja der Ort, an dem wir sind, weder der physische noch der virtuelle sondern in erster Linie der unserer Phantasie. Das erinnert mich an den futurologischen Kongress von Lem, wo die Wahrnehmung durch psychoaktive Substanzen gesteuert wird.

    Mir persönlich hat Eile mit Weile von der Idee her am besten gefallen. Formal könnte es im zweiten Teil mMn noch ein bisschen Schliff vertragen. Stellt Ihr es ein, dann könnte ich das erläutern.

    LG an alle
    Okotadia

  11. #11
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    Ich gratuliere allen, die überhaupt mitgemacht haben, weil es toll ist Ich gratuliere extra den Gewinnern, für das Gewinnergedicht habe ich auch gestimmt

    Prima! An alle! Prima!
    Schön das ihr schreibt.

  12. #12
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    Hallo MiauKuh,

    der nächste Wettbewerb startet bereits am erste Freitag im November. Das müsste der 3.11. sein. Da kannst du dich dann auch gerne beteiligen. Bei der Themensuche hast du ja jedenfalls bereits etwas beigetragen.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  13. #13
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    Hallo Nachteule,

    gerne, wenn ich nicht, wie letztes Mal, alles bis aufs Ende hinausschiebe ... *AngstKauerBibber*

  14. #14
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    Hallo MiauKuh,

    wenn du es hinausschiebst und dann dennoch ein Gedicht einsendest, soll es mir recht sein.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  15. #15
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    Herzliche Glückwünsche an alle am Treppchen und an überhaupt alle Teilnehmer! Ich hätte gerne mehr Stimmen gehabt, vor allem tut es mir leid, dass ich nach meinem Favoritentext, meinem zweiten, nämlich Mein Song von Verbalcarpaccios, keine Punkt mehr geben konnte und er leer ausgegangen ist; das Gedicht gefällt mir sehr gut (der Titel tut ihm allerdings nicht gut!), ist handwerklich gut und vor allem sehr nah an dem Bild dran.

    Ich war erstaunt wieviel Lebendigkeit (sogar Liebe), aus diesem Bild herausgeholt wurde, das ich gar nicht anschauen mag, weil es mich so bedrückt: Es ist nicht zu fassen, was für triste, hässliche und menschenunwürdige "Lebensräume" wir schaffen, in denen dann Menschen ihr Leben fristen müssen.
    Eile mit Weile finde ich übrigens sehr originell im Teil 1, der zweite Teil ist im Verhältnis zum ersten aber langweilig, das ließe sich aber sicher noch - kreativ wie Lorenz und Gugol sind - verbessern.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (14.10.2017 um 18:49 Uhr)

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