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Thema: Der Nacktmull

  1. #1
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    Der Nacktmull

    Ein Mull ziehte sein Fellchen aus
    und bud im großen Meer
    Erst schwimmte er ganz weit hinaus
    und dann noch hin und her.

    Der Kleine steigte wieder raus,
    erschrickte, und zwar sehr:
    Er siehte dort am Strand, oh Graus!
    sein Fellchen nimmermehr.

    "Was nun?" so sprichte er mit sich.
    Sonst war ja niemand dort.
    "Hier liegte doch mein Fellchen, nicht?
    Genau an jenem Ort!"

    Nun, die Geschichte schließte hie
    wie folgt (so war es leider):
    Er findete sein Fellchen nie.
    Sein Leben gehte weiter.

    Der Nacktmull war kein Augenschmaus.
    Ihn überkommte Gram.
    Doch musst´ er nicht allein nach Haus,
    denn: Es beglitt ihn Scham.



    (Ich hätte soo gern ein Bild von einem Nacktmull hier verlinkt, was aber ja nicht erlaubt ist Interessierte müssen also selbst auf die Suche gehen)
    Geändert von Richmodis (25.10.2017 um 23:01 Uhr) Grund: paar Sachen optimiert, Dank Lorenz und VC (s.u.)
    "Aber es muss gehen, andere machen es doch auch!"
    Loriot

  2. #2
    Liara ist offline free flying butterfly
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    Guten Morgen, Richy,

    das musste ich sofort bei Wikipedia nachschlagen. Eih, ich bin ja wirklich große Tierliebhaberin, aber diese Viecher können sich wirklich jede Halloweenmaske sparen.
    Wir sollten mal für ein Fellchen sammeln.

    Dein Gedicht ist originell und mit einer dicken Portion Humor. Die verdrehten Präteritum-Formen passen wie die Faust auf's Auge. Supergerne gelesen. Schön gemacht.

    Liebe Grüße
    Liara
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  3. #3
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    Hallo Richmodis, der Nacktmull ist echt zu bedauern, das dachte ich schon immer. Hier muss bei der Schöpfung was schief gelaufen sein, oder eben: Es war mal mehr dran als heute. Sehr witzig geschrieben, auch mit dem verqueren Präteritum, sah ich so noch nie! LG Karin
    Geändert von Gugol (25.10.2017 um 13:23 Uhr)
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
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  4. #4
    Verbalcarpaccio ist offline redseliges rohes raspelrindfleisch
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    Ja, nackt wie der Mull muss sich die Grammatik wohl fühlen, wenn derartig mit ihr umgegangen wird. Sehr anschaulich, sehr geschickt und sehr humorvoll gemacht

    Einzig "Diese Geschichte" muss sich ganz schön verbiegen, was nicht beabsichtigt wirkt (weil der Rhytmus sonst auch sauber angezogen ist).

    lg Vc
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  5. #5
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    Hallo Richy,

    ach menno, der arme Nacktmull. Aber ich leste z.B. gerade, dass Nacktmullen so gut wie keine Schmerzen spüren. Na wenn das so ist, will ich auch ein Nacktmull sein. Scheiß was aufs Aussehen. Ach ja, sie altern auch nicht, wie erforscht wurde.

    Herrlich Dein Gedicht. Die verdrehte Präteritum-Form in einem Gedicht anzuwenden ist eine tolle Idee. Mein Pausenbrot schmeckt mir gleich doppelt so gut.

    Sehr gerne gelesen.

    Einen lieben Gruß aus der Mittagspause
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  6. #6
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    hallo Dabschi, also da wäre ich dann doch lieber so ein süsser Axolotl, denn der wird auch nicht älter und das mit den Schmerzen scheint bei ihm ebenso problemlos zu sein, jedenfalls lächelt er auch noch, wenn er mal ein Bein verliert. Ich weiss aber, sterben muss er trotzdem irgendwann, denn jener, mit dem ich per du war, schied vor einiger Zeit - jugendlich wie er noch aussah - aus dem Leben. LG
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  7. #7
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    Hallo Richmodis,

    zunächst erzählst du hier eine ganz charmante Geschichte! Mein Gesicht lächelt noch immer beim Schreiben.
    Und dann haste mir erwischt: ich sach nämlich ooch "beglitt", sehr zur Belustigung meiner bildungsbürgerlichen Umgebung.

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    Hi, das koennte jetzt totaler Quatsch sein, ich sag's trotzdem. Wie waer's am Ende von S4Z1 mit "hie" (=hier), dem Reim zuliebe? MfG, L.
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  9. #9
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    MENSCH; LORENZ; DAS IST ES!!!! Wie lange bin ich darum gekreist! hab´s sofort geändert! Danke. Und gleich die von @VC zu Recht bemängelte Stelle mit der "Geschichte" geändert.

    @gugol: Ja, was ist das Axolotl denn für ein süßes Dings! Kannte ich auch noch nicht. So eins hattest du? Extrem goldig.
    @dabschi: Wie soll ein Nacktmull auch altern, wenn er schon uralt auf die Welt kommt? Zumindest optisch
    @liara: Ja, sammeln für Fellchen wär gut. ist ja bald Weihnachten
    @artname: dass du tatsächlich "beglitt" sagst, finde ich überraschend und sehr amüsant.


    Ursprünglich wollte ich es ohne die verdrehte Vergangenheitsform schreiben. Wollte beginnen mit: "Ein Mull, der zog sein Fellchen aus ...". Dabei störte mich das Wort "der" dermaßen (ich fand es so ein Notlösungs-Füllwort), dass ich "ziehte" schrieb und so ziehte ich es dann durch bis zum Ende. So was fällt mir nachts um 1 Uhr ein.

    Vielen Dank für euren Besuch hier und die netten Kommentare.

    LG an alle
    Richy
    Geändert von Richmodis (25.10.2017 um 14:16 Uhr)
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    Loriot

  10. #10
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    Der Axolotl ist "das Tier, das nie erwachsen wird" und lernte ich durch das Geolino meines Sohnes kennen und "lieben". Nein, selber hatte ich keinen, aber in der Tiersammlung eines mir bekannten Gymnasiums durfte ich Bekanntschaft mit einem lebensechten Exemplar machen. Leider starb er ein paar Monate später. LG Karin
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  11. #11
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    @gugol: ich werde mich mit dem kleinen Axolotl heute abend mal näher beschäftigen. Interessantes Tierchen.
    Ich habe noch ein bisschen am Gedicht verändert (siehte statt sehte, sprichte statt sprechte). Ich glaube, so ist es richtig. Schwierig, das.
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    Loriot

  12. #12
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    Zitat Zitat von Gugol Beitrag anzeigen
    hallo Dabschi, also da wäre ich dann doch lieber so ein süsser Axolotl, denn der wird auch nicht älter und das mit den Schmerzen scheint bei ihm ebenso problemlos zu sein, jedenfalls lächelt er auch noch, wenn er mal ein Bein verliert. Ich weiss aber, sterben muss er trotzdem irgendwann, denn jener, mit dem ich per du war, schied vor einiger Zeit - jugendlich wie er noch aussah - aus dem Leben. LG
    Hallo Gugol,

    ach ja, die sind ja wirklich goldig.

    Okay, dann mutiere ich auch lieber zum Axolotl. Wie lange dauert denn so eine Verwandlung? Bis morgen Nachmittag zum Zahnarztbesuch muss ich schmerzresistent sein. Vielleicht setzt man mir morgen eine Krone auf, dann lächele ich auch.

    Liebe Grüße
    Dabschi
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    (Dietrich Bonhoeffer)

  13. #13
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    Hallo Richi,

    nur gut, dass ich mal ein wenig hier gestöbert habe. Sonst hätte ich ja echt was verpaast.

    Haaach, is dat schön und drollig geschrieben. Auch die Verballhornung der Verben, einfach umwerfend komisch.

    Das drucke ich mir - deine Erlaubnis vorausgesetzt - aus und hänge es mir an meine Pinwand.

    Mit lautem Lachen gelesen

    VG, Eddigeh

  14. #14
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    Hi eddigeh,

    häng den Mull ruhig an die Pinnwand. Meinen Segen hast du.

    Danke fürs groooße Lob. Hat mich gefreut

    Richy
    Geändert von Richmodis (23.11.2017 um 22:46 Uhr)
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    Loriot

  15. #15
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    Liebe Richmodis,
    Dein Nacktmull ist so herrlich verquer - von solchen sprachlichen Kunststückchen wünschte ich mir mehr!
    Auf mich wirken die Burschen wie Schrumpelpenisse mit vier Beinen, sag bloß keiner, der Schöpfer allen Lebens habe keinen Humor.

    Früher, als der Mull noch schön befellt,
    glich er einem Prinz in Samt und Seide.
    Jetzt wird er nackig hier herein gestellt -
    verschafft uns reine Freude - ich beneide
    maßlos seine Krankheitsresistenz.
    Doch mal ehrlich, will ich wirklich erben
    seine Gene, zu erhalten meine Existenz?
    Oder lieber doch in Schönheit sterben?

    Liebe Grüße,
    Festival

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