1. #1
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    späte Einsicht

    All diese fremden Hügel, all die Blüten,
    die Chrysanthemen, Rosen, Gerbera.
    Wie still die Frauen knien, die Sänger brüten
    inmitten hoher Eichen über 'm Grab.

    So still, dass man die Bohrer und die Hämmer
    bei ihrem Tageswerk belauschen muß.
    So still, wie große Badeseen im Jänner.
    Der Wind bringt aus der Ferne einen Gruß.

    Ach, hätt ich dir ein paar von solchen Blumen
    aus Jux und Dollerei ans Bett gestellt.
    Ich weiß das Herz ernährt sich ja von Krumen -

    mehr braucht es nicht auf dieser kargen Welt.
    Nur fehlte mir die Phantasie. - O Schreck,
    das ist kein guter Schluß für mein Sonett.
    Geändert von Artname (13.11.2017 um 18:14 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  2. #2
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    Wunderbar geschrieben, Artname. Viele Liebe aus dem Erzgebirge! Denk an viele Stollen für den Westen, die Familie der DDR hat es doch gerne mal was mitzunehmen, Onkel Andrê Kindheitskumpel.

  3. #3
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    Hallo minirilke,

    vielen Dank für deine Zustimmung. Und liebe Grüße zurück ins sagenhafte Erzgebirge.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  4. #4
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    Hi Artname,

    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    All diese fremden Hügel, all die Blüten,
    die Chrysanthemen, Rosen, Gerbera.
    Wie still die Frauen knien, die Sänger brüten
    inmitten hoher Eichen über 'm Grab.

    So still, dass man die Bohrer und die Hämmer
    bei ihrem Tageswerk belauschen muß.
    So still, wie große Badeseen im Jänner.
    Der Wind bringt aus der Ferne einen Gruß.

    Ach, hätt ich dir ein paar von solchen Blumen
    aus Jux und Dallerei ans Bett gestellt.
    Ich weiß das Herz ernährt sich ja von Krumen -

    mehr braucht es nicht auf dieser kargen Welt.
    Nur fehlte mir die Phantasie, O Schreck:
    Das ist kein guter Schluß für mein Sonett.
    Wirklich sehr romantisch! Wolltest du diese Blumen gar ans Bett deiner kranken Oma stellen?
    Oder dein(e) fast Ex damit beglücken?
    Den Jänner musste ich recherchieren, warum nicht Winter?

    Schwarzer Humor, gerne gelesen.

  5. #5
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    haollöchen, lieber Butenlänner,

    Ach hätte ich doch Kaspars lakonische Art zu antworten. Aber dir, Butenlänner, antworte ich gern, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Denn dieser Text entwuchs im Grunde unserem Dialog zu Tonfällen. Ich bekam plötzlich Sehnsucht nach der Stille von Hallig Hooge. Und da war dann auch noch Margots Gedicht. Und ich dachte auch an ...., meine (sehr lebendige) Freundin. Tja, so fing dat an. Und nahm seinen komischen Lauf...

    Tja, den Jänner wiederum verdanke ich Dichtern wie Kaspar oder dir, die gern mal Sprachbrocken ihrer Provinz einflechten. Und wenn man auf Hämmer nich S p a m m e r reimen will, paßt das seltsamerweise plötzlich alles auch in (m)EINE Geschichte.

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  6. #6
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    Lieber Artname,

    das ist dann wohl das Gedicht, von dem Du schriebst: „da hat auch mich der Reim von einem lauschigen Friedhof gradwegs in den Klamauk getrieben. Aber das Besinnliche, was ich an dem Tag schreiben wollte, hat dennoch mehr als 60% des Textes ausgemacht.“
    Der „Klamauk“ fängt dann wohl mit dem Reim auf „Blüten“ an, „Sänger brüten“. Zu Margots Gedicht über „Männer, die erst als Witwer das Bedürfnis entwickeln, ihrer Frau regelmäßig Blumen zu bringen“ schriebst Du „schon sehr, sehr tragisch... und auch ein wenig komisch“. Zu Deinem müsste man schreiben, schon sehr, sehr komisch... und auch ein wenig tragisch, „schwarzer Humor“, wie Butenlämmer meint, „Jux und Dallerei“ (Dollerei?), auch das poesiealbumverdächtige „das Herz ernährt sich ja von Krumen - / mehr braucht es nicht auf dieser kargen Welt.
    Dazu die Assonanzen, die ja unser Thema waren: „Gerbera – Grab“, „Schreck – Sonett“ und der herrlich unreine Reim „muß – Gruß“ - das ist wirklich „abtreiben vom "verdichten"“.

    Weshalb Männer ihren Frauen keine Blumen schenken, obwohl es doch immer wieder gefordert wird und so einfach wäre, hat ein Freundin mal so kommentiert: Die Männer würden lieber mit einer Saurierkeule nach Hause kommen statt läppischem Schnittkraut. Oder wie eine Verkäuferin bei Aldi mal bemerkte, als ich 2 (!) Sträuße kaufte: „Haben Sie was ausgefressen?“

    Aber Sonette sind doch eine nette Alternative zu Saurierkeulen

    Michael
    .................................................................................................... ..........................
    poetry trifft Poesie, der Slammer Christian Gottschalk als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Do., 25.1.18, 19.30 Uhr

  7. #7
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    Lieber Michael,

    vielen Dank für deinen Kommtar. Und nun mitten rein.

    Der „Klamauk“ fängt dann wohl mit dem Reim auf „Blüten“ an, „Sänger brüten“.
    Nein. Jedenfalls nicht gewollt.Ich kam erst in den Terzetten vom Kurs ab. Bis dahin hing ich, relativ absichtslos in einer Ruhe treibend, diversen Erinnerungen und Gedanken nach. Als Übergang war schon einen Bedauern darüber geplant, wie selten ich meiner Freundin Blumen spontan schenke.

    Die Männer würden lieber mit einer Saurierkeule nach Hause kommen statt läppischem Schnittkraut.
    Das bringt es ziemlich auf den Punkt. Anfangs, während des Schreibens, vermutete ich, dass ich als junger Mann einfach kein blumenkaufender Softie sein wollte. Jetzt, beim Antworten, fällt mir aber etwas noch etwas anderes ein...

    Ich wuchs auf in einem Blumenmeer. Meine Mutter war infolge eines Schlaganfalls an ihren Sessel gefesselt. Blumen waren ihre liebsten Kontakte zur Außenwelt. Ich mußte sie jede Woche aus einer recht weit entfernten Gärtnerei holen. So wurde mir Blumen alltäglich und der Kauf lästig.

    Darüber denke ich MOMENTAN nach. Beim Schreiben von "späte Einsicht" riß mein Konzentrationsfaden. Der Reim wies mir einen billigen Schluß. Deine Nachfrage bietet mir die Chance, das Thema wieder aufzunehmen. Da mir für diese Fortsetzung viele konkrete Kindheitsbilder zur Verfügung stehen, würde ich mich vermutlich viel wenige von schnell verfügbaren Assonanzen lenken lassen. aber vielleicht kommt doch alles anders...
    Geändert von Artname (14.11.2017 um 09:19 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    Hi Artname,

    ich hab ewig nicht geschnallt, dass das ein Sonett ist, bis ich irgendwann beim ersten Dreizeiler ankam.
    (Das muss man erstmal schaffen, ich mag die allermeisten Sonette nicht so sehr)

    Vollkommen unerwartet, wie durch eine riesige herabfallende Blei-Tonne kaputt gemacht, wurde aller Zauber ab "O Schreck".
    Bis dahin war es wirklich gut.
    Ich weiß, dass du ein wesentlich besseres Ende finden wirst (besonders seit ich deinen Kommentar direkt vor dem hier gelesen habe).
    Leg die persönliche Note doch hinein, das wird herzlicher und vollendet damit den Schluss.

    Lg!
    -Werner

  9. #9
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    All diese fremden Hügel, all die Blüten,
    die Chrysanthemen, Rosen, Gerbera.
    Wie still die Frauen knien, die Sänger brüten
    inmitten hoher Eichen über 'm Grab.

    So still, dass man die Bohrer und die Hämmer
    bei ihrem Tageswerk belauschen muß.
    So still, wie große Badeseen im Jänner.
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    Ach, hätt ich dir ein paar von solchen Blumen
    aus Jux und Dollerei ans Bett gestellt.
    Ich weiß das Herz ernährt sich ja von Krumen -

    mehr braucht es nicht auf dieser kargen Welt.
    Nur fehlte mir die Phantasie. - O Schreck,
    das ist kein guter Schluß für mein Sonett.

    Moin Artname



    das Gedicht ist nicht schlecht. Aber Sonett? Ich bin da immer noch bei These Antithese Synthese. Das fehlt hier irgendwie. Von den Reimen, der Wortwahl, den Bilden ein sehr gut. Aber die Gegensätze sind nicht vorhanden. Oder ist gibt da neuerdings schon wieder andere Merkmale. Ok, bis später.
    der Gedankenspringer

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