Thema: Hardcopy

  1. #1
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    Hardcopy

    Hardcopy

    Habe die Daten meiner Großhirnrinde im Internet auf einer Facebook-Wolke gesichert, einschließ-
    lich aller Konstruktoren und digitalisierten Emotionen.

    Habe seitdem das Gefühl, laufend mir selbst zu begegnen, mit der Besonderheit, dass meine Ich’s
    sich offenbar alle geheimen Wünsche, die ich jeher hegte, aber nicht erlaubte, erfüllt haben. Womit
    ich gar nicht klar komme, ist der Umstand, dass sie die gleichen Macken haben, wie ich. Nichts für
    ungut – ich liebe diese Macken, aber nur bei mir. Wie ist das eigentlich mit den anderen Ichs? Sind
    die nun alle ich oder bin ich ein anderer?

    Heute sah ich eines dieser Ichs. Es – also dieser Typ – interessierte sich für meine Frau und um-
    garnte sie mit Gedichten, die mir schon seit geraumer Zeit durch den Kopf schwirren. Wie geh ich
    nur damit um? Wäre es Mord oder Selbstmord, wenn ich diesen Kerl einfach ins Jenseits beförderte?

    Mit wem liege ich überhaupt hier im Bett? Ist das meine Frau oder ihre Datensicherung? Im letzteren
    Fall würde ich gern mal das Original kennenlernen, nur so zum Vergleich.

    Was passiert eigentlich, wenn sich ein Virus meiner Daten bemächtigt und sie massenhaft verteilt? –
    Ich, eine Invasion? Wenn ich an meinen Chef denke, der mich laufend auf dem Kieker hat, entzückt
    mich dieser Gedanke, aber wehe, wir würden mit den Kopien seines SIchselbst überschwemmt werden …

    Warum ich das alles erzähle? Ich brauche Eure Hilfe. Mich beschleicht eine beunruhigende Unsicher-
    heit dahingehend, dass ich vielleicht nicht das wirkliche Ich bin, also nicht das Original. Wie kann ich aus-
    schließen, dass ich eine Kopie, von wem auch immer sein könnte? Und die wievielte Version wäre ich in die-
    sem Falle? Könnte man mich gegebenenfalls auch auf eine frühere Version zurücksetzen?

    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

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    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  2. #2
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    Sicherlich, wenn alle Verwirbelungen noch mehr erzeugt haben als so eine Ichidee eigentlich darstellt. Und dabei wird die Fokussierung nicht der Alltag sein, weil der zu vermint ist mit sowieso hin und her kopierten Ereignissen. So als wären Versionen alles was wir noch hinkriegen würden wenn es mehr gäbe als einen Gedanke an das ultimative Psychobetriebssystem. Aber falls du was anderes meintest öffne die Schnittstelle wo ich als dein Unterbewusstsein andocken kann.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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