Thema: Endlich

  1. #1
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    Endlich

    endlich

    die nacht ist gekommen, die sonne geht schlafen.
    ich leg mich der bärin ins fell.
    mögen and're derweilen das draußen entlarven!
    ich rühr mich nicht mehr von der stell'.

    ich stell' es auf sternzeit, das fliehende jahr;
    verlege aus perlmutt die zeiger.
    mit imbolc komm' ich wieder, ende januar.
    solang' ich der sonn' mich verweiger' !
    Geändert von Eselsohr (28.11.2017 um 09:03 Uhr)
    Es heißt ein Dichter ist einer, der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer, den Worte noch halbwegs zusammenfügen, wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat, reißen die Worte ihn auseinander E. Fried.

  2. #2
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    liebe eselsohr,

    da würde ich doch am liebsten mit dem LI und der bärin in winterschlaf fallen und vor märz nicht mehr hervorkriechen.
    du hast das sehr schön in worte geformt mit überraschenden wortwendungen. ich hab's gleich mehrfach gelesen und bin noch immer begeistert.

    liebe grüße
    liara
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  3. #3
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    vielen Dank liebe Liara.

    Ja, jetzt ist es Zeit, es den Bärinnen und ihren Männern gleichzutun.
    Wie gut wäre es, wenn es auch still werden würde im Draußen.
    Aber da geht jetzt die lauteste Zeit des ganzen Jahres los ..... -
    für mich ein Widerspruch, den ich schlecht aushalte.

    Kommen die Bären erst Anfang März aus den Höhlen?
    Nochmal nachschauen muss ich da.

    Vielen Dank für Dein Würdigen meines 8-Zeilers.

    Liebe Grüße

    Eselsohr
    Es heißt ein Dichter ist einer, der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer, den Worte noch halbwegs zusammenfügen, wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat, reißen die Worte ihn auseinander E. Fried.

  4. #4
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    Hallo Eselsohr,

    die Bilder gefallen mir sehr gut, da pflichte ich Liara bei.

    Was mir nicht gefällt, sind die vielen Elosionen. Nicht, dass ich sie generell verbannt sehen will, aber ich finde, sie häufen sich in diesem Gedicht zu sehr und könnten teilweise mit wenig Aufwand beseitigt werden. Im Übrigen bedarf die Elosion des einzelnen Buchstabens „e“ keines Apostrophes.

    Der Rhythmus, überwiegend daktylisch mit unbetontem Auftakt, wechselt an einigen Stellen. Diese Wechsel korrospondieren m.E. nicht ganz mit dem Inhalt, werfen mich eher aus die gut aufgebaute Stimmung. Ich bin eigentlich nicht mehr so ein großer Freund der Ixerei, aber vielleicht hilft sie in diesem Fall dem Rhythmus auf die Spur zu kommen:

    Zitat Zitat von Eselsohr
    die nacht ist gekommen, die sonne geht schlafen.
    xXxxXx|xXxxXx
    ich leg mich der bärin ins fell.
    xXxxXx|xX
    mögen die andren das draußen entlarven!
    XxxXx|xXxxXx
    ich rühr mich nicht mehr von der stell.
    xXxxX|xxX oder eher xXxX|xXxX
    die Rhythmusfindung ist durch die ausschließlichen Einsilber schwierig. Auch die Klangzeiten der Vokale bieten keine alternative Führung. Abhilfe könnte ein zweisiliges Wort schaffen: ich rühre mich nicht von der stell


    ich stell' es auf sternzeit, das fliehende jahr;
    xXxxXx|xXxxX
    verlege aus perlmutt die zeiger.
    xXxxXx|xXx
    mit imbolc komm' ich wieder, ende januar.
    xXxXxXx|XxXxX
    solang' ich der sonn' mich verweiger' !
    xXxxX|xxXx
    Mir fällt auf, die erste kreuzgereimte Strophe beginnt mit einer weiblichen Kadenz und endet mit einer männlichen - in der zweiten Strophe ist es umgekehrt. War das beabsichtigt, und wenn ja, welche Absicht verbandest Du damit?

    Ich habe mal andere Reimarten bezüglich ihres Zusammenwirkens mit Deinen Wortbildern getestet und fand den umarmenden Reim recht interessant:
    die nacht ist gekommen, die sonne geht schlafen,
    ich leg mich der bärin ins wärmende fell
    und rühre derweil mich nicht von der stell;
    mein leben – es ruht im sicheren Hafen.

    mit perlmutt beleg ich die düsteren zeiger
    und stelle auf sternzeit das sterbende jahr;
    im glanze des imbolc bin ich wieder da
    und tanze die Lieder der himmlischen geiger.
    Vielleicht kannst Du mit meinen Einwürfen etwas anfangen. Sie sollen auf keinen Fall Deine gelungenen Wortbilder in Abrede stellen, nur meine Gedanken vermitteln.

    Das Grauen vor meinem Fenster zieht auch mich nach unten, wobei mich das Laute Lichtergebimmel weniger stört, als vielmehr von Ödnis befreit. Am liebsten würde ich aber der Sonne, die ja nicht schläft, sondern nur sich nicht zeigt, hinterher reisen ...

    Ich habe Dein Gedicht gerne gelesen und mich gern mit ihm beschäftigt.

    LG Eremit
    Werkeverzeichnis: Die Gedichte eines Eremiten
    Neu: im rausch der graffitis, Straßenfest am Goldenen Reiter, Auf dem Olymp, traumreise

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  5. #5
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    Hallo Ermemit,

    ja, Elosionen sinds viele. Ich probiere es mal mit weniger, später.
    Danke für den Hinweis, dass das fehlende "e" keinen Apostroph braucht.

    Ich danke Dir für Deine Arbeit mit den x-en.
    Ich bin keine, die x-en tut - da bin ich ehrlich gesagt zu faul dafür.
    Insofern ist das, was Dir aufgefallen ist, dem Zufall geschuldet.

    Danke auch für die Idee mit dem umarmenden Reim --
    da darf ich drüber sinnen.
    Allerdings mag ich den "Hafen" und den "himmlischen Geiger" gar nicht im Gedicht haben --
    sie stören meine Idee von Höhle, Wald, Schnee, Bergwelt, Bär und so weiter.

    Ich weiß ja, dass die Sonne nicht schläft -- für mein Gemüt ist es aber nun so. Und an Imbolc_Lichtmess ist sie deutlich zurück, für mein Empfinden.
    Hinterherreisen mag ich jetzt noch nicht -- das kommt erst so ....gg. Ende Januar und wenn dann spürbar kein Anzeichen von Frühling zu sehen ist ..... dann werde ich das, was ich als grünhungrig bezeichne.

    Herzlichen Gruß

    Eselsohr
    Es heißt ein Dichter ist einer, der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer, den Worte noch halbwegs zusammenfügen, wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat, reißen die Worte ihn auseinander E. Fried.

  6. #6
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    Hallo Eselsohr,

    Das x-en ist mit Sicherheit nicht als Schreibutensil geeignet (im Sinne einer Schablone). Das Rhythmusgefühl sollte einem Lyrikautoren wohl eher im Blut liegen. Aber als Tool für die Analyse des Silbenrhythmusses eines Verses oder Gedichtes kann es schon an der einen oder anderen Stelle hilfreich sein. So konnte ich damit erkennen, was mich in S1V4 und in S2V3 beim Lesen stolpern ließ.

    S1V4 erlaubt zwei Lesarten, je nachdem, welchem der beiden einsilbigen Wörtchen „nicht“ und „mehr“ man die größere Bedeutung beimisst. Im Kontext des Gesamtrhythmusses und unterstützt durch die Klangzeit der beiden Einsilber wäre es das zweite, inhaltlich vermute ich aber, dass es ersteres sein müsste.

    In S2V3 wechselst Du von dem sonst dreisilbigen Versfuß auf einen zweisilbigen. Das führt zu einem komplett anderen Rhythmus in diesem Vers. War das von Dir so beabsichtigt oder nur zufällig?

    Dass Dir Hafen und himmlische Geiger nicht gefallen würden, war mir schon klar. Diese Worte wollte ich Dir auch nicht unterjubeln, sie dienten hier als gereimte Platzhalter. Es ging mir nur darum, Dich anzuregen, ergebnisoffen darüber nachzudenken, ob der Rhythmus der Verse, der sich in einer anderen Reimart einstellt, u.U. besser zu der inhaltlich beabsichtigten Stimmung passen könnte.

    LG Eremit
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  7. #7
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    Hallo Eselohr,

    Das gefällt mir sehr gut. Die Dreifüßer treiben das Ganze dahin, was ja im Grunde paradox ist, wo es
    doch um den Winterschlaf geht. Aber ja, das "fliehende Jahr" seh ich als Dreh- und Angelpunkt und darum gefällt mir die gewählte Form sehr gut. Die vielen Verkürzungen finde ich auch nicht soo gut, aber ich komme mit dem Rhythmus ganz gut zurecht - besser geht es immer und die Verkürzungen lassen sich wohl relativ leicht wegbringen, indem man ein paar "Füllwörter" weglässt; ich überleg auch gerade, ob du die Auftakte nicht weglassen kannst und betont beginnen?


    Ich glaub diese Verse werden mich jedenfalls die nächsten Wochen als Mantra begleiten

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (02.12.2017 um 12:36 Uhr)

  8. #8
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    Hallo Albaa und Danke für Dein Lob !

    Für mich ist das "Bild" auch schon ein Mantra geworden;
    es wird mich durch die nächsten Wochen tragen.

    Heute hat es geschneit und ich hoffe, morgen liegt die Pracht noch in aller Üppigkeit -
    dann werde ich mich im Bären-Malen üben.

    Eremit , ich danke auch Dir für Dein nochmaliges Schauen.

    Ich werde Eure Anregungen aufnehmen;
    das kann ein wenig dauern. Ich hoffe dass Ihr dies nicht als Mißachtung Eurer Beiträge nehmt, das ist es nämlich nicht -- ich habe eine äußerst eigenwillige Muse.
    Bei Bildern (ich male auch ) funktioniert das zB. so, dass ich den Rohentwurf an einen Platz hänge, wo ich ihn täglich sehe und irgendwann weiß ich dann, wie es weitergeht.Das kann durchaus Tage bis Wochen dauern.

    Herzlich

    Eselsohr
    Es heißt ein Dichter ist einer, der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer, den Worte noch halbwegs zusammenfügen, wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat, reißen die Worte ihn auseinander E. Fried.

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