Thema: Komposthaufen

  1. #1
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    Komposthaufen

    Seit jeher lieb ich Komposthaufen,
    wo Leben stirbt und neu entsteht.
    Ich könnte mir die Haare raufen,
    was hier im Dunkel´n vor sich geht.
    Nach außen hin beinah normal,
    doch bohrt man, und zwar etwas tiefer,
    wird´s madig-muffig, faulig-fahl,
    und überall nur Ungeziefer.
    Das Frühere verwest, vergammelt.
    Einst war es, doch es wird nicht sein.
    Der Stocherer steht da und stammelt:
    Kaum vorstellbar, hm, ham, hom, neeiiin!!
    Einst viele Reisen in die Weiten der Welt,
    nun häufiger auf der Reise in die Tiefen des Ich

  2. #2
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    Hallo silesio,

    meinst Du wirklich, dass dieses Gedicht in dieser Rubrik richtig aufgehoben ist, zumal es in der letzten Zeile mit wohligen Lauten des Genusses einer leckren Speise endet?

    Zitat Zitat von silesio
    ... wird´s madig-muffig, faulig-fahl,
    und überall nur Ungeziefer.
    Das Wörtchen „nur“ empfinde ich hier, von der Logik gesehen, deplatziert, da neben dem Ungeziefer noch das zuvor beschriebene madig-muffig, faulig-fahle einst Gewesene existiert. Vorschlag wäre „… überall ist Ungeziefer“ oder „… überall das Ungeziefer“.

    Ansonsten, ja lecker, was Du da servierst. Noch delikater habe ich den großen Misthaufen mit den grünschillernden Fliegen auf dem Bauernhof meiner Großeltern in Erinnerung. Die Fliegen fand ich insofern bemerkenswert, da man sie am Nachmittag gelegentlich auch auf dem Kuchen antraf …

    LG Eremit
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

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    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
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  3. #3
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    Danke, Eremit, für deine Kritik. Sie zeigt zum 3281. Male, wie missverständlich geschriebenes und gesprochenes Wort sein kann, oder umgekehrt ausgedrückt, wie sehr Schreiber und sprecher sich bemühen müssen, um eben nicht missverstanden zu werden.
    Je weiter man nach unten kommt, umso weniger Erhaltenes, Frisches, Blühendes ist da zu finden. Nur noch Ungeziefer.
    Und die Kunstwörter am Schluss nicht Behagen und Delikatesse, sondern im Gegenteil Ekel und Abscheu ausdrücken
    Welche Ausrufe könnte man sonst da einsetzen?
    Silesio
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  4. #4
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    Hi silesio ,

    Seit jeher lieb ich Komposthaufen,
    wo Leben stirbt und neu entsteht. // genau! Es entsteht! Verweis nach unten!
    Ich könnte mir die Haare raufen,
    was hier im Dunkeln vor sich geht. // Dunkeln darf man laut "Duden" schreiben.
    Nach außen hin beinah normal, // ist Zersetzung im Komposthaufen un-normal?
    doch bohrt man, und zwar etwas tiefer,
    wird´s madig-muffig, faulig-fahl, // wird es im Komposthaufen fahl? eher belebt! (Zersetzung = Leben)
    und überall nur Ungeziefer. // genau, Leben!
    Das Frühere verwest, vergammelt. // und neues, lebendes ernährt sich davon
    Einst war es, doch es wird nicht sein. // es war, ja aber warum "wird" es nicht sein? Was 'wird' nicht sein?
    Der Stocherer steht da und stammelt:
    Kaum vorstellbar, hm, ham, hom, neeiiin!! // nicht vorstellbar, was diese Zeile sagen soll. (War es eine Katze, die Essen suchte, dachte zu finden, aber dann kam der Hund und war schneller?)

    Tja, so hinterlässt mich dein Text mit Unahnung darüber, worum es hier geht.

    Liebe Grüße,
    MiauKuh.

    P.s.: die vorhergehenden Kommentare habe ich nicht gelesen, dein Text muss ja alleine klarkommen!

  5. #5
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    Hallo Miaukuh,
    Ich fange einmal hinten an: "Nicht vorstellbar, was diese Zeile sagen soll." Da stellst du aber dein Licht unter den Scheffel. Ich habe kein Werk von dir gelesen bisher. Ich unterstelle dir trotzdem eine erhebliche Menge von Vorstellungsvermögen. Und du kannst es ja auch nicht lassen: Es folgt unmittelbar ein Versuch, dir etwas vorzustellen.
    Doch nun einiges von oben her:
    "Ist Zersetzung im Komposthaufen un-normal?" Nein aber da unterscheidet sich der Kompost eben von einer Müllkippe. Das Erstaunliche, ich nenne es sogar, das Wunder besteht eben darin, dass hier aus Sterben Leben entsteht.
    "Was wird nicht sein?" Es ist ja nicht so, dass der vergehenden Materie von aussen neues Leben eingehaucht wird, wie dee Lehmfigur Adams einst (nach der älteren Vorstellung) durch den Atem des Schöpfers Leben eingehaucht wurde, sondern Vergängliches verwandelt, transformiert sich aus sich heraus.
    Aber gern gebe ich zu: Meine letzte Zeile ist wohl nicht so aussagekräftig. Und obwohl ich das ahnte, habe ich mir nicht die Zeit genommen, diesen Zustand zu ändern.
    Gute Nacht aus Stockholm
    Silesio
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  6. #6
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    Lieber silesio,

    bist Du Dir sicher, dass es wirklich erst zum 3281. Mal passiert ist?

    Die letzten Worte habe ich zwar wirklich als Kunstworte für Wohlbehagen und Delikatesse empfunden, aber natürlich in ironischer Weise, im Sinne von "hm, leckre Würmer - mjam, mjam, mjam". Ich habe also kein Problem mit ihnen. Was mich aber nach wie vor beschäftigt, ist die Frage, was Dich veranlasste, das Gedicht in die Rubrik "Trauer und Düsteres" zu posten. Es lässt mich ja eher schmunzeln als traurig sein.

    LG Eremit
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  7. #7
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    Hi silesio,

    cool das du geantwortet hast

    Zitat Zitat von silesio Beitrag anzeigen
    Hallo Miaukuh,
    Ich fange einmal hinten an: "Nicht vorstellbar, was diese Zeile sagen soll." Da stellst du aber dein Licht unter den Scheffel. Ich habe kein Werk von dir gelesen bisher. Ich unterstelle dir trotzdem eine erhebliche Menge von Vorstellungsvermögen. Und du kannst es ja auch nicht lassen: Es folgt unmittelbar ein Versuch, dir etwas vorzustellen.
    Natürlich! Ich wollte mir etwas vorstellen, nur wusste ich nicht, was mir damit gesagt werden wollte, deswegen fragte ich.
    Du musst es natürlich nicht preisgeben, denn das überbleibt ja dem Leser, so du, als der Autor, es nicht sagen möchtest.
    Deswegen hast du trotzdem Recht über mich: Ich stelle mein Licht sehr oft unter den Scheffel. Weswegen auch immer.

    Zitat Zitat von silesio Beitrag anzeigen
    Doch nun einiges von oben her:
    "Ist Zersetzung im Komposthaufen un-normal?" Nein aber da unterscheidet sich der Kompost eben von einer Müllkippe. Das Erstaunliche, ich nenne es sogar, das Wunder besteht eben darin, dass hier aus Sterben Leben entsteht.
    Da stimme ich dir absolut zu, es ist im Prinzip ein Wunder, ein Wandel im schönsten positiven Sinne.

    Zitat Zitat von silesio Beitrag anzeigen
    "Was wird nicht sein?" Es ist ja nicht so, dass der vergehenden Materie von aussen neues Leben eingehaucht wird, wie dee Lehmfigur Adams einst (nach der älteren Vorstellung) durch den Atem des Schöpfers Leben eingehaucht wurde, sondern Vergängliches verwandelt, transformiert sich aus sich heraus.
    Aber gern gebe ich zu: Meine letzte Zeile ist wohl nicht so aussagekräftig. Und obwohl ich das ahnte, habe ich mir nicht die Zeit genommen, diesen Zustand zu ändern.
    Dann stimmen wir ja doch ein Stück weit in unserer Betrachtung und Ansicht über Komposthaufen (wir haben auch einen!) überein. Schön zu wissen, dass ich das Gedicht dann doch (bis auf die letzte Zeile), wohl ganz gut verstanden habe.

    Eremit schrieb:

    "hm, leckre Würmer - mjam, mjam, mjam". Ich habe also kein Problem mit ihnen. Was mich aber nach wie vor beschäftigt, ist die Frage, was Dich veranlasste, das Gedicht in die Rubrik "Trauer und Düsteres" zu posten. Es lässt mich ja eher schmunzeln als traurig sein.
    Ja! Genauso dachte ich ja auch, es ist ein jamjamjam. Aber irgendwie war ich mir nicht so ganz sicher.
    Warum es unter Trauer und Düsteres steht, blieb mir auch ein Rätsel. (Weil es wegen der letzten Zeile ebend eher komisch wirkt, als Düster und hier ja von Totem zu Lebendem verwandelt wird, was ja sogar schön ist)

    Lg!
    Liebe Grüße!

  8. #8
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    Danke Eremit und Miaukuh, ja, warum in der Sparte "Trauer und Düsteres"? Ich habe nichts Passenderes gefunden! Immerhin bin ich erst ein paar Tage in diesem Forum, also noch in der Findungsphase.
    Wo hättet ihr denn diese Verse eingeordnet?
    Grüsse aus Stockholm, Schauer, 3 Grad
    Silesio
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  9. #9
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    In Nachdenkliches und Philosophisches oder Hoffnung und Fröhliches

  10. #10
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    Für "Hoffnung und Fröhliches" wäre mir das Gedicht zu distanziert. Ich sähe es eher in "Natur und Jahreszeiten" gut aufgehoben, wobei es vielen Naturgedichten eigen ist, die Rubrik "Nachdenkliches und Philosophisches" zu tangieren (im Sinne von "durch die Blume gesagt"). Ob letzteres stärker im Vordergrund steht als die reine Reflexion der Natur, vermag ich nicht so recht beurteilen, erscheint mir aber eher nicht der Fall zu sein.

    LG Eremit
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  11. #11
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    Herzlichen Dank für die Zurecht-Weisung.
    Das nächste Mal
    Silesio
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  12. #12
    Liara ist offline free flying butterfly
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    hey silesio,

    man kann bei uns die gedichte in andere rubriken verschieben lassen. falls du das möchtest. dafür gibt es einen spezielen faden. hier der link:

    https://www.gedichte.com/showthread....te-verschieben

    nur vorschläge: wie z.B. in "natur- und jahreszeiten" oder in "philosophisches ...". dabei könntest du entscheiden, ob du deinen komposthaufen als tatsächliche naturbetrachtung siehst oder als übertragenes bild/als metapher. kannst es aber auch belassen, wo es ist.

    liebe grüße
    liara
    Geändert von Liara (29.11.2017 um 12:35 Uhr)
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  13. #13
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    Sorry, Zurechtweisung lag mir nicht im Geringsten im Sinn. Wenn Du das so aufgefasst hast, bin ich selbstverständlich gern bereit, meine missverständlichen Kommentare zu löschen.

    Eremit
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  14. #14
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    Nein! Eremit, du hast mir wirklich nicht auf die Zehen getreten. Ich sprach ja auch abgeschwächt von Zurecht - Weisung. Ich bin ja dankbar und letztlich auch in diesem Forum, damit mir der rechte Weg gewiesen wird.
    Noch einmal: Dank dafür!
    Silesio
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  15. #15
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    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    Sorry, Zurechtweisung lag mir nicht im Geringsten im Sinn. Wenn Du das so aufgefasst hast, bin ich selbstverständlich gern bereit, meine missverständlichen Kommentare zu löschen.

    Eremit
    Das gilt auch für mich, ich wollte dich nicht zurecht-weisen, silesio.


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