1. #1
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    DIOGENES in der Tonne (heiter)

    Diogenes

    Stets vereint mit der Natur,
    wanderte durch Wald und Flur
    ohne Pflichten, ohne Stress,
    damals der Diogenes.

    Statt nach Ordnung und Besitz,
    strebte er nach Geisteswitz,
    säte Spott, verstreute Hohn,
    ging in die Opposition.

    Philosoph und Alexander
    kamen einstens zueinander,
    als der Lehrer, voller Wonne,
    lehnte selig an der Tonne.

    Sprach der große Makedone:
    „Dir zur Freude und zum Lohne,
    nur durch meinen Königswillen
    will ich einen Wunsch erfüllen“.

    "Einen Wunsch wollt ihr gewähren,
    mir, dem Bettler, euer Ehren?
    Nur für mich und meine Tonne?
    Bitte, geh‘ mir aus der Sonne!“


    Hörversion youtube (selbst):
    https://www.youtube.com/watch?v=jOXJ9BbzGmg

    Anmerkung: Diogenes von Sinope galt, gemeinsam mit seinem Lehrer Antisthenes, als Begründer der “Kyniker” (möglicher Wortstamm: Kyon- der Hund), deren Schwerpunkte der ethische Skeptizismus und die Bedürfnislosigkeit waren. Sie waren überwiegend als Wanderprediger unterwegs. Als höchstes Ziel galt ihnen das Glück des Einzelnen sowie die innere Unabhängigkeit.
    Geändert von Georg C. Peter (29.11.2017 um 20:43 Uhr)
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  2. #2
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    Hallo Georg,

    diese antike Anekdote gefällt mir in Deiner Verdichtung ausgezeichnet, auch ohne Vertonung. Vorgetragen mit dieser sonoren Stimme kommt das Gedicht natürlich besonders gut herüber.

    In S4V3 käme mir vielleicht statt
    ... nur durch meinen Königswillen
    will ich einen Wunsch erfüllen
    ein altertümelndes
    ... kraftens meines Königswillen
    will ich einen Wunsch erfüllen
    in den Sinn. Aber das ist dann freilich Geschmackssache.

    Jedenfalls habe ich es gerne gelesen und auch gehört.

    LG Eremit
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  3. #3
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    Astrein geschrieben!

    Vielleicht ja für die letzte Strophe eine Änderung der ersten beiden Zeilen:

    von
    „Mir, dem Bettler, euer Ehren,
    wollt ihr einen Wunsch gewähren,
    nur für mich und meine Tonne?
    Bitte, geh‘ mir aus der Sonne!“

    zu
    "Einen Wunsch wollt ihr gewähren?
    Mir, dem Bettler, euer Ehren?
    Nur für mich und meine Tonne?
    Bitte, geht mir aus der Sonne!"

    (Müsste es hier nicht geht anstelle von geh' heißen.
    Denn der Diogenes spricht ja den Herrn Richter mit euer Ehren an, also würde er ihn nicht duzen (geh'). ??

    Wie gesagt, Georg: Astrein (auch wenn du es nicht umstellst!)

  4. #4
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    Hallo Georg!

    Immer wieder schön, wie du aus solchen alten Anekdoten hübsche Gedichte zauberst, die man ohne weiteres an Schulen vorlesen könnte (vielleicht sogar sollte). Wieder mal gerne gelesen!

    MiauKuhs Vorschlag würde ich unterstützen!

    LG
    k

  5. #5
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    Lieber Eremit,
    vielen Dank für den kreativen Vorschlag!
    Er klingt sehr gut, "kraftens" ist aber im Duden leider nicht auffindbar. Bei Google habe ich eine Textpassage gefunden, in der heißt es:

    ...er bemihet sich mit allen Kraften derselben zu zeigen...

    das tönet dann wohl etwas altdeutsch. Wie auch immer:
    Freue mich sehr über das - textliche und stimmliche - Lob und grüße herzlich!
    Georg

    Hallo Miaukuh,
    guter Vorschlag. Die momentane Fassung finde ich zwar etwas flüssiger, wenn man sie vorliest. Aber Deine Umstellung ist rhythmisch präziser!
    Insofern probiere ich das gerne aus, vielen Dank!

    Ob ich am Ende geh' oder geht verwende, darüber habe im Vorfeld lange nachgedacht.
    Zum einen wollte ich das Zitat nicht verändern, zum anderen unterstreicht geh' noch einmal die Anfangszeilen ("säte Spott, verstreute Hohn, / ging in die Opposition"), wenn Diogenes am Ende sogar ins respektlose "Du" verfällt.
    Insofern würde ich das gerne so belassen.
    Aber ich danke herzlich für die Mühe und für "Astrein"!.
    Liebe Grüße, Georg

    Hallo Klaatu,

    Ich danke herzlich für das Lob und werde mich bemühen, möglichst viele Schüler für die historische Dichtkunst zu gewinnen!
    Ebenfalls viele Grüße,
    Georg
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  6. #6
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    Lieber Georg,

    ich staune immer wieder, mit welcher Leichtigkeit und feinem Witz du die antiken Helden verdichtest, alle Achtung.

    Liebe Grüße
    Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  7. #7
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    Lieber Sidgrani,

    Vor allem die Respektlosigkeit des Diogenes hat's mir angetan.

    Vielen Dank für deine Worte! Über "Leichtigkeit und feiner Witz" habe ich mich besonders gefreut!

    Liebe Grüße von Georg
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