Thema: nur im jetzt

  1. #1
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    nur im jetzt

    ich schreibe ein gedicht
    gerade jetzt, da schreibe ich
    du zweifelst, ob es je was wird?
    die frage stellt sich einfach nicht

    ich schreibe ein gedicht
    gerade jetzt, da schreibe ich
    du fragst, wovon es handeln wird?
    die antwort darauf gibt es nicht

    ich schreibe ein gedicht
    gerade jetzt, da schreibe ich
    du fragst, woraus es etwas wird?
    doch vorher existiert ja nicht

    ich schreibe ein gedicht

    Dank geht an L.A.F. Strässler
    Geändert von Gugol (22.10.2017 um 06:28 Uhr) Grund: UMBAU

  2. #2
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    das fängt fetzig an,
    man hört schon die tasten hüpfen,
    dann sackt es in strophe drei plötzlich ab,
    worauf ihm ein letzter reim als rettungsring zugeworfen wird, der schlicht weggelassen werden könnte.
    wenn du "schlicht" streichen und die zeile mit der memoire mit der folgenden zeile zu etwas rhythmisch packenderen, dafür inhaltlich schlankeren machen könntest, wär für mich der gedanke dahinter besser fühlbar.
    lgkaspar

  3. #3
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    Das Gedicht erfuhr eine gründliche Überarbeitung. Es hatte es nötig, wie nicht nur kaspar feststellte. Ich verzichte darauf, das Original stehen zu lassen. LG gugol
    Geändert von Gugol (22.10.2017 um 15:43 Uhr)

  4. #4
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    guëte morge
    du nöcherisch dy em schtiu vo den erschte zwöy schtroofe-n-a, das finde-n-y für mi e schritt zum abrunde vom bouquet vo däm gärige oder scho vrgorne saft.
    i froge my aber, öb me nid no chleÿ wyter chönnty goh ufem wäg zum schpiuplatz, vilech eso?

    du fragst, woraus jetzt etwas wird?
    aus vorher nicht, drum suche nicht


    wüu ig hätty eÿfach gärn dä philosophisch-läbeskünstlerisch-gedichtemacherisch aflug vo personen-ungebundener erkenntnis abgschwecht.
    aber das sy natürlech ächty schtylfrage-n-und da zeüt dyny erfahryg meh aus mys hättygärn.

    und, vermuëtlech, chönnty's dir genau um ene chlyne sytehiëb uf poëtologischy und läbeswüsseschaftlechy gloubesbekenntnis goh, uf jede fau chany das nid usschliësse. nume wäry denn ersch rächt z'froge, öb dä überraschend hoogge, wo de'n am schluss schlosch, das für angery aus di chönn usdrücke.

    e schöne sunndy
    kaspar praetorius

  5. #5
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    Danke kaspar für deine nochmalige Auseinandersetzung mit dem Gedicht. Die formale Annäherung an S1/2 war ein Ziel der Überarbeitung. Deshalb möchte ich sowohl das “es” in Z3 beibehalten als auch auf einen direkten Appell in Z4 verzichten. Worin genau die Abschwächung der “philosophisch-lebenskünstlerisch- gedichtemacherischen … Erkenntnis” in deinem Vorschlag besteht, habe ich wohl nicht verstanden. Ich kann aber etwas meine Intention erläutern:
    Es ist ja ein Dialog, also durchaus ziemlich personengebunden. Das LD ist jenes, das normalerweise von sich sagt, es lebe nur im Jetzt, aber mit seinen Fragen zeigt es, wie inkonsequent das ist, weil es nämlich wissen will, was das denn für ein Gedicht wird (Zukunft) und wo der Stoff dafür herkommt (Vergangenheit). Die jeweiligen Antworten in Z4 sind einfach nur das Aufzeigen der Konsequenz einer solchen Im-Jetzt-Haltung: "Keine Antwort in diesem Modus" - und darin versteckt natürlich schon kleine Seitenhiebe: "Stell nid settegi Frage, wenn scho bhouptisch es gäb nume dr Momänt". Wenn das LI keine Vergangenheit und keine Zukunft haben darf, was bleibt ihm dann noch, woraus es ein Gedicht machen könnte? Im Jetzt ist es einfach nur am Schreiben, es kann also nichts anderes sagen, als dass es gerade schreibt.
    Am Ende in S3 war kein Hakenschlag beabsichtigt, sondern die logische Weiterführung von S1 und S2. Worin siehst du denn einen solchen?
    E liebe Gruess (wenigschtens dä uf bärndütsch) gugol

  6. #6
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    Ein interessantes kleines Werk, dein Gedicht, liebe Gugol,

    ich habe es schon vor einiger Zeit mehrmals gelesen und wusste nichts dazu zu sagen, denn wie soll man etwas sagen zu dem, was nicht sein wird und sich somit keine Fragen stellen. Wenn es kein vorher und kein nachher gibt. Wenn die einzige Aktion das Schreiben eines Gedichtes ist.
    Nun, dieses hier ist ja immerhin fertig geworden, sonst hätte ich es ja nicht lesen können.
    Es hat mir Spaß gemacht, in Gedanken einfach mal die Situation durchzuspielen, es gäbe kein gestern und kein morgen, nur den Augenblick. Aber, nach einer Weile, fand ich das auch irgendwie beklemmend.

    Liebe Grüße
    Liara

  7. #7
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    Liebe Liara, nach Langem schaue ich mal wieder meine Themenliste an und entdecke diverse Kommentare, auf die ich noch gar nicht reagiert hatte, weil ich sie schlicht und einfach nicht wahrnahm. Deiner hier gefällt mir ganz besonders, denn genau was du fühlst, eine Beklommenheit, war der Auslöser für die Gedankenspielerei. Und genau, sogar ein Kommentar dazu ist irgendwie ein Widerspruch, so erging es mir beim Reimen auch: Jedes geschriebene Wort, sogar "JETZT" war ja sowohl Zukunft als auch Vergangenheit.

    Merci für deine weiterführenden Gedanken! E liebe Gruess, Karin

  8. #8
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Ja ganz toll, besonders der Beitrag des Kaspar prätorius

    Das Gedicht ist recht einfach gestaltet. Die Intuition liegt meinen Überlegungen nach hauptsächlich im ZEN (budist.)

    Der Unterhaltungswert ist durch Belanglosigkeit in den textlichen Wiederholungen eingeschränkt.

    Einen angenehmen, schöpferischen Sonntag wünscht Euch
    Ingo Raup
    Mein Buch: "Anna & Teresa und die Augen der Katze"
    ist bei Amazon erschienen.

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