1. #1
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    Das Schweigen spricht

    Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
    weil´s keine mehr zu geben scheint;
    sich mühsam die Gedanken quälen
    und das Lebendige versteint

    Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen
    in unabänderlichem Schwall,
    sich ständig aufeinanderbauschen
    Klamauk und Tosen überall.

    Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
    so süß und unbestimmt und leer,
    wenn sich die Nebelschleier kräuseln,
    nichts greifbar, alles ungefähr.

    Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
    missbraucht als Gift, als Speer, als Schwert,
    ersticken, steinigen, zertreten,
    vergeblich, dass man sich noch wehrt.

    Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
    im Purgatorium der Pein,
    im Schattenreich verdammter Seelen,
    wo viele sind und doch allein.

    Silesio
    Einst viele Reisen in die Weiten der Welt,
    nun häufiger auf der Reise in die Tiefen des Ich

  2. #2
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    hallo silesio
    möglich, dass dir das nicht für den nobelpreis reicht.
    trotzdem ist der klare wille zur form ein auffälliges plus.
    die form in form von reimen und strophen wird allerdings
    sehr gewichtig und auch schwerfällig in dieser "aufeinanderbauschung" der eigenen worte.
    vielleicht könnte man das ganze verschlanken, wenn man mutig pro strophe einen reim stehen liesse und den ander striche. das würde wohl die eine oder andere kleine bearbeitung erfordern. trotzdem wär's mmn einen versuch wert.
    kaspar

  3. #3
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    Hallo Kaspar,
    den Nobelpreis brauche ich nicht unbedingt. Es genügt mir, dass ich in der Stadt wohne, wo die Nobelpreise vergeben werden, in 10 Tagen wieder.
    Zugestanden: Die strenge Form mag zu einer gewissen Schwerfälligkeit führen. Aber müssen sich "Förmlichkeit" und Leben widersprechen? Zumal es hier ja um einen Grenzbereich des Lebens, ja fast um seine Auslöschung, sein Erlöschen geht.
    Aber eine Bearbeitung muss ja keineswegs vielleicht nicht schaden - Du hörst die vorsichtige Formulierung?
    Jedenfalls danke und vielleicht Aufwiederlesen!
    Silesio



    Noch einmal an Kaspar:
    Hier nun eine Verschlankung, eine Verkürzung um eine Strophe mit kleinen Veränderungen.

    Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
    so süß und unbestimmt und leer,
    wenn sich die Nebelschleier kräuseln -
    nichts greifbar, alles ungefähr.

    Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen
    in unabänderlichem Schwall,
    sich ständig zu Gespenstern bauschen,
    zum Hexensabbat überall.

    Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
    missbraucht als Gift, als Speer, als Schwert,
    ersticken, steinigen, zertreten,
    vergeblich, dass man sich noch wehrt.

    Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
    im Purgatorium der Pein,
    im Schattenreich verdammter Seelen,
    wo viele sind und doch allein.
    Einst viele Reisen in die Weiten der Welt,
    nun häufiger auf der Reise in die Tiefen des Ich

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