1. #1
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    So ziemlich alles

    Und die Liebe und das Leben
    und die Laune und die Lust
    und das Nehmen und das Geben
    und die Freude und den Frust

    und die Freiheit und den Panther
    und des Frühlings blaues Band
    und den Birnbaum, letztgenannter
    aber nur im Havelland,

    auch die Hoffnung und das Bangen
    und die Liebe – war schon dran? –
    dann halt Sehnsucht und Verlangen
    und den Hund von nebenan,

    neben diesen das Erwarten,
    die Moral, das Moor, den Mond,
    auch Gefühle aller Arten
    (nichts und niemand wird verschont)

    und das Herz sowie die Treue,
    Freundschaft, Götter, Ehre, Schwur,
    auch die Liebe – ja, aufs Neue! –
    und die Schönheit der Natur,

    außerdem noch die Dämonen,
    das Verbrechen und den Hass,
    Krankheit, Kriege und Kanonen,
    Tod und Teufel – sonst noch was?

    Ja, die Liebe (wie berichtet),
    das Bewahren und den Brauch
    haben Meister schon bedichtet –
    kaum zu glauben! Ich jetzt auch!
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  2. #2
    Verbalcarpaccio ist gerade online redseliges rohes raspelrindfleisch
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    Und die Schwänze und die Titten
    und Oralverkehr mit Fritten?
    Und banal anal den Jürgen
    einfach widerstandslos würgen?

    Und das Ficken und die Liebe
    (zwar erwähnt, doch ohne Hiebe!)
    und der Schmutz und all das Sabbern
    und das "Thank-you-master"-Plappern...?

    Wurde das nicht auch bedichtet?
    Aber plotzn unterrichtet
    selektiv von seinen Themen
    (und von Liebe) - soll sich schämen!

    Sehr schön, lieber Stefan, ein unverbrauchtes Thema, der Running-Gag mit der Liebe und eine selbstironische Pointe. Das macht mir Spaß und Lust (und Liebe) zum Weiterspinnen...

    lg VC

    edit: Was ich unbedingt erwähnen möchte (aber gestern vergaß): den Einstieg mit "und" fand ich in diesem Zusammenhang wirklich geschickt und clever.
    Geändert von Verbalcarpaccio (02.12.2017 um 10:04 Uhr)
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  3. #3
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    Hallo plotzn, richtig spannend die Aufzählung. Man fragt sich: Was kommt als nächstes? Und wird überrascht. Einleuchtend, dass einiger Dinge wiederholt werden. Das liest sich gut!
    PS Durch den zweiten Aufguss wird die Sache nicht unbedingt besser.
    Silesio
    Einst viele Reisen in die Weiten der Welt,
    nun häufiger auf der Reise in die Tiefen des Ich

  4. #4
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    Lieber VC,
    den Einstieg mit "und" fand ich in diesem Zusammenhang wirklich geschickt und clever.
    Danke, aber das war nur das versehentliche Resultat des Löschens der 17 Strophen davor

    Was? Ich hab noch was vergessen?
    Leder, Peitschen und Mätressen?
    Nein, ich meinte mit den "Meistern"
    solche, die mit Wort begeistern!

    Nicht SM und Master-Slave,
    nicht Intim- und Aftershave,
    auch nicht kommerzielle Liebe.
    Was denn dann noch übrigbliebe,

    fragst Du planlos und entgeistert?
    Alles, was schon mal "gemeistert"...

    Vielen Dank für Dein komisch versautes - nein, saukomisches - Antwortgedicht!

    Liebe (!) Grüße,
    Stefan
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  5. #5
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    Servus Silesio,

    ich habe Deinen Kommentar jetzt erst gesehen, er muss sich mit meiner Antwort an VC überkreuzt haben.
    Es freut mich, dass der Spannungsbogen trotz der Länge des Gedichts erhalten bleibt.

    Beim "zweiten Aufguss" steh ich auf dem Schlauch - was meinst du damit?

    Liebe Grüße, Stefan
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  6. #6
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    Lieber V und auch Carpaccio,
    Dein Gedicht ist zwar nicht macho,
    trotzdem les' ich Defizite.
    Denn der Anstand und die Sitte,
    Frauenreinheit und auch -stärke,
    fehlen arg in Deinem Werke.
    So wie die Emanzipanzi,
    Frauenpower und auch ganz die
    Forderung nach mehr Korrektheit.

    Deine Liste, Plotz, erstreckt weit
    sich ins neunzehnte Jahrhundert.
    Hat denn hier nur mich verwundert,
    wie sehr die Moderne fehlet?
    Einiges sei aufgezählet:
    Gleichberechtigung und Soli-
    darität. Dazu Paroli
    bieten allen Schweinereien,
    sonst kann ziemlich nichts gedeihen.
    Und die Liebe? Ja, die Liebe
    ist doch mehr als nur Geschiebe.

    Lieber Plotzn,

    mir geht’s wie silesio, „Das liest sich gut!“ Und auch wie VC, „das macht mir Spaß und Lust (und Liebe) zum Weiterspinnen...“

    Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört: Dass die Substantive alle im Akkusativ stehen, habe ich erst in Z4, bei „den Frust“ gemerkt. Da musste ich von vorne anfangen. War aber dank der Alliterationen auch dann noch ein Spaß. Überhaupt die Fülle von Alliterationen, das haben die „2. Aufgüsse“ (silesio) so nicht mehr hingekriegt, auch meiner nicht.

    Kurzum: Chapeau!

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................
    poetry trifft Poesie, der Slammer Christofer mit f als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Mi., 11.7.18, 19.30 Uhr

  7. #7
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    Vielen Dank, lieber Michael!

    Auch für die Aufklärung des "zweiten Aufgusses", der mich saunamäßig ins Schwitzen gebracht hatte!
    Dass die Substantive alle im Akkusativ stehen, habe ich erst in Z4, bei „den Frust“ gemerkt.
    Eigentlich klärt sich der Akkusativ ja erst ganz am Ende auf. Das war ein kleiner Trick, um den Lesezähler des Gedichts mal eben locker zu verdoppeln.

    So, es fehlt Dir die Moderne?
    Kannste haben: Bitte, gerne!
    Und die Leute und die Länder,
    Diskussionen über Gender
    und die Bomben und das Splittern,
    SMsen, liken, posten, twittern
    und die Wahrheitsneuerfindung,
    Lebensabschnittspartnerbindung,
    all das wären, wie ich merke,
    Themen für der Meister Werke,
    doch die haben glatt verzichtet,
    ließen all das unbedichtet...

    Liebe Grüße,
    Stefan
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  8. #8
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    die akkute akkusativitis, die dich gepackt hat, tut dem ganzen ziemlich gut, finde ich. aber es würde sich dann eigentlich nicht reimen bei Panther und letztgenannten. naja, darf man drüber wegsehen.
    dass die eingestellte fassung sich der volksliedstrophe bedient, finde ich nicht ohne reiz. so gelingt die verhüllung der absicht noch besser.
    kaspar

  9. #9
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    Wo der Kaspar Recht hat, hat er Recht!

    Lieber Plotzn.

    Außerdem hast du eine wichtige Klientel vergessen. Schon Wilhelm Busch wusste:

    Besser, ein Onkel, der was mitbringt als eine Tante, die Klavier spielt.

    also kannst du getrost Rilke und den Panther vergessen und die Tanten bedichten

    Irgendwie blöd jetzt.

    Egal, was einem nun noch einfällt. Es wird heißen: Hatte der plotzn schon...


    Note: 2+

    VG, Eddigeh
    Geändert von eddigeh (04.12.2017 um 12:10 Uhr)

  10. #10
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    Servus kaspar,
    das war mir noch gar nicht aufgefallen, aber Du hast natürlich recht - grammatikalisch richtig wäre letztgenannten. Schön, dass ich Dich mit dem Ende überraschen konnte.

    Lieber eddigeh,
    war ja klar, dass Du noch Salz in die Wunde streuen musst! Nein, Wilhelms Tante muss weiter in die Tasten hauen und kommt mir nicht in den Pantherkäfig! Dann nehme ich lieber die 2+ in Kauf mit rotem handschriftlichen Randvermerk "Akk!".
    Ich werde Dich bei Deinem nächsten Gedicht auf meine Urheberrecht hinweisen...

    Danke Euch beiden und liebe Grüße!
    Stefan
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  11. #11
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    Und wie hältst du’s mit den Fluten
    und dem schlimmen Blanken Hans?
    Ein Boot ist noch immer buten
    das vom Nis blieb aber ganz.

    Und im Wald mit hohen Tannen,
    wo des Försters Blut entrann
    und wo’s Ängste galt zu bannen
    in dem dunklen Schnatermann?

    Plotzn, Liebling aller Musen,
    dein Humor hat Hand und Fuß,
    weilst du grad an ihren Busen,
    mach es gut und lieben Gruß

    Klasse, lieber Stefan, deine Ideen sind Spitze!

    LG Sid
    Dichten und dichten lassen

  12. #12
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    Wie jetzt? Auch noch Robbenfänger,
    Bodden, Hallig, Marsch und Geest?
    Mein Gedicht wird lang und länger,
    nur weil du auf Meer bestehst!

    Komm mir nicht mit so abstrusen
    Themen wie dem Schnatermann!
    Will am Musenbusen schmusen
    und jetzt muss ich noch mal ran.

    Besten Dank, Sid und liebe Grüße!
    Stefan
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