Thema: Geht's noch?

  1. #1
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    Geht's noch?

    Er wollte mich als seine hehre Muse
    und als ein Spielzeug von Beate Uhse.
    Muss ich als Frau mir sowas bieten lassen?
    Auf Augenhöhe will es ihm nicht passen?
    Das ist doch übles 20. Jahrhundert,
    die Frau ganz passiv und vom Mann bewundert,
    begafft und ausgenutzt als ein Abstraktum.
    Ich bin jedoch auch dies und jenes Faktum
    und nicht nur Zündholz schöpferischer Gnade.
    Ich bin kein Standbild und mir auch zu schade,
    für sein Genie als Futter herzuhalten,

    Das Spielzeug könnte jedoch ich gestalten.
    Beim Mieder muss er schon mal knöpfen lernen
    und seine eignen Phantasien entkernen.
    Den Dichtermund stopft' ich mit einem Knebel,
    und dann, oh ja, bediente ich die Hebel,
    und er müsst auf mein Liebeskunstwerk warten,
    mal gucken, was dann ist mit seinem Harten.
    Als Spielzeug wär ich schnell die Spielerin,
    spielt er dann mit, dann machte das ja Sinn.
    Doch nicht als seine stumme Dienerin.
    Geändert von Michael Domas (03.12.2017 um 19:14 Uhr) Grund: Streichungen, s. #4
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    Am Do., 27.9, ist bei "poetry trifft Poesie" der Slammer Christofer mit f mein Gast.
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  2. #2
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    Lieber Michael,

    Das ist bestimmt eine lyrische Reaktion auf die Sexisumus-Dikussion um Gomringers "avenidas", die kaspar ins Forum trug (und die eigentlich wenig Resonanz bei den Betroffenen, nämlich den Frauen, fand): hier und hier.

    Gomringers "avenidas" wurde also als sexistisch interpretiert, sodass es von der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule nach einem Beschluss der AStA entfernt wird; in einem offenen Brief der AstA heißt es dazu:
    "Zwar beschreibt Gomringer in seinem Gedicht keineswegs Übergriffe oder sexualisierte Kommentare und doch erinnert es unangenehm daran, dass wir uns als Frauen nicht in die Öffentlichkeit begeben können, ohne für unser körperliches „Frau-Sein“ bewundert zu werden. Eine Bewunderung, die häufig unangenehm ist, die zu Angst vor Übergriffen und das konkrete Erleben solcher führt."

    In diesem Gedicht "wehrt" sich nun eine Frau gegen den Sexismus, indem sie ihre "sexuelle Macht" über ein solcherart ignorantes LD ausspielt, sie mutiert zur zynischen Domina:"er muss auf mein Liebeskunstwerk warten, mal gucken, was dann ist mit seinem Harten."

    Nun ja, ich denke, dass die Frauen heutzutage dem Sexismus mehr an gleichberechtigtem Selbstbewusstsein, an eigener schöpferischer Energie und damit zusammenhängender Wehrhaftigkeit entgegenzusetzen haben, als solche (pervertierten) Machtspiele, sonst wär das ja traurig für die Mann-Frau-Beziehung. Ich bin jedenfalls für die Zukunft optimistisch.

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (03.12.2017 um 17:51 Uhr)

  3. #3
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    liebe Albaa,
    also ich muss gestehen, dass ich manchen Mann, der mir gefällt auch mit vergnügtem Wohlwollen betrachte.
    Zwar pfeife ich ihm nicht hinterher, aber ein Lächeln kann es schon mal sein!
    Bin ich nun sexistisch? Muss der Mann sich angemacht fühlen?
    Diese Debatte um das Gedicht von Gomringer verstehe ich nicht.
    Da ist ein alter Herr, der etwas altmodisch seine Verehrung der Frauen kundtut. So what?!
    Nun bin ich nicht direkt auf Michaels Gedicht eingegangen, aber was ich von "Dominas" halte, daran erinnert er sich vielleicht noch!
    Ich empfinde die Entfernung des Gedichts von der Fassade der Hochschule als so überflüssig wie einen Kropf!

    LG, Cara
    Geändert von Cara 1963 (03.12.2017 um 18:35 Uhr)

  4. #4
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    Liebe albaa, liebe Cara,

    keinesfalls wollte ich die Debatte um Gomringers „avenidas“ oder den Sexismus neu entfachen, um Himmels Willen.

    Ich fand nur die Idee reizvoll, dass man bei den ersten beiden Zeilen zwar erwarten würde, dass die Frau sich über das „Spielzeug von Beate Uhse“ aufregt und sich durch die „hehre Muse“ geschmeichelt fühlt – es hier aber umgekehrt kommt. Deshalb lasse ich auch weitere 4 Zeilen lang den Leser darüber im Unklaren, was die Frau sich nicht bieten lassen will, erst in Z7 wird das wirklich klar.

    Die 2. Strophe sollte verspielt klingen, aber man kann sie tatsächlich auch in Richtung „zynische Domina“ und „pervertierte Machtspiele“ lesen, danke für Deinen Hinweis, albaa.
    Ich kaufte mir spezielle Vibratoren
    für mich und auch für Dichter und Autoren,
    damit er's Maul hält. Außerdem nen Knebel
    und Fesseln, dann sitz ich am längren Hebel,

    habe ich deshalb verändert und die Fesseln und Vibratoren rausgenommen.

    Ich hoffe, jetzt geht’s

    Michael
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