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Thema: Perlmutt

  1. #16
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    Ich nochmals, lieber Michael,

    Warum hab ich das Gefühl, du weichst aus? Jetzt erzählst du sogar schon sonderbare Witze .

    Egal, wie auch immer die Rollenverteilung sein mag; mir sind die Protas in jedem Fall unsympathisch und das Setting auch, aber das mag zu diesen Narzissten passen, die sich offensichtlich in der sexistischen Rollenverteilung auch noch gefallen - deshalb finde ich es nach wie vor in dieser Rubrik fehl am Platz. Wie wäre es mit der Rubrik "Gesellschaft"?

    LG
    albaa

  2. #17
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    Lieber Kaspar,

    das Wort „schleim“ tauchte zum erstenmal in der Zuschrift von Okotadia auf (#8, „schleimiges Gewebe“) in meiner 1. Fassung nicht. Was dort ersetzt wurde, waren „Mantellapppen und der Kiemen Schlund“ (vgl. #6). Auf sehr viel Gegenliebe stieß die Auster trotzdem nicht, obwohl sie doch korrekt beschrieben ist (und, wie mein „sonderbarer Witz“ in #16 erzählt, durchaus ihre Liebhaber hat, albaa).
    Inwiefern mein Text jedoch nahelegen soll, „worte und menschen hätten die gleiche funktion“ habe ich nicht verstanden, Kaspar.
    Komprimiert denn aber die Muschel den Dichter zum Kunstwerk? An der Stelle spricht der Text von dem „Prozess“, der das macht, und tatsächlich ist der Dichter zugleich dessen Objekt wie sein Behältnis.
    Dass dabei ein „irritierendes objekt mit schleim unschädlich gemacht“ wird , dass also "ein "ich" ein "du" einschleimt", kann man so lesen und zusammenfassen. Ich habe allerdings an anderer Stelle (in #9 und #12) beschrieben, dass die Muse so wehrlos nicht ist. Im Text steht das Wort „erleiden“. Aber es ist hier die Muschel, die leidet, nicht das Sandkorn. Möglich wäre also auch folgende Interpretation: Vielleicht ist der Dichter sowas wie unglücklich verliebt, so wie Hölderlin in Diotima oder Dante in Beatrice. Vielleicht sogar weiß das LD nicht mal, dass es für den Dichter als „Muse“ herhält. (Da Du mich als Autor ansprichst, Kaspar: Wie gehst denn Du als Autor mit „irritierenden Objekten“ um?)

    Artname hat den Text in #13 zum Anlass genommen, um über sein eigens Bild des kreativen Prozesses zu schreiben: „Jonglieren“! Auch andere sahen in der Bildung einer Perle die Einladung zu Metaphern, es ist nur nicht ganz klar zu welchen. Ich halte die „poetologischen“ Implikationen,

    liebe albaa,

    auch für interessanter als die gesellschaftlichen. Mögen Soziologen über die „sexistische Rollenverteilung“ bei Hölderlin und Dante debattieren, mich interessiert, was in der Dichter-Auster vor sich geht, sei die nun „sympathisch“ oder nicht. Dass Dichter „Narzissten“ sind, geschenkt.

    In die Kategorie „Gesellschaft“ also kann ich den Text nicht reintun, eine wie „Gedichte über das Schreiben“ haben wir nicht (obwohl es viel dazu gibt), da scheint mir „Liebe und Romatik“ noch das Naheliegendste, das Konzept der Muse ist historisch immer in diesem Kontext aufgetaucht. Und hier gibt es sogar einige Erotika (meint jedenfalls Walther, #7).

    Und meine ich auch.
    Schleim und Honigseim
    das soll es sein

    Michael
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    poetry trifft Poesie, der Slammer NO LIMIT als mein Gast "Zum Goldenen Bock", Köln, Do., 12.4.18, 19.30 Uhr

  3. #18
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    hallo michael domas

    zumindest wäre jetzt also geklärt, dass die muschel für den autor steht, nicht das sandkorn.

    dem schleim hast du das wort geredet, indem du anführst, dass gemäss der biologie erstes leben in schleim entstanden sei, und andererseits fragst, ob man sich eine autorin statt einen autor besser als schleimiges wesen vorstellen könne. also musst du mir schon nachsehen, dass ich den schleim hier als thema sehe.
    wenn ich sage, du habest im original einen teil des "schleims" ersetzt, dann meine ich nicht das wort "schleim", sondern wörter wie "mantellappen", "komprimiert", "der Kiemen Schlund" etc.

    wie ich mit irritation umgehe? manchmal schreibe ich darüber, meistens kommt das aber ganz anders heraus, als beabsichtigt. manchmal schweige ich darüber. selten rede ich darüber. niemals aber wickle ich es ein in mein perlmutt.

    übrigens: dein text steht immer noch unter "liebe und romantik".

    schönen tag dir
    kaspar praetorius

  4. #19
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    Also eigentlich ist die Grundidee vom Gedanken-Sandkorn an dem der/die DichterIn leidet - oder wenns ein bisschen prosaischer sein soll, das ihn/sie umtreibt - und das im Laufe eines kreativen Prozesses in etwas Ästhetisches (eine Perle) verwandelt wird, doch sehr treffend. Auch dass der/die DichterIn das nicht ganz aus eigener Kraft vollbringt und dazu aus seiner Umgebung die passenden Ingredienzien filtern muss, passt gut.

    Vielleicht sollte man aber den Vorgang nicht so nah entlang der physiologischen Prozesse schildern, das macht es irgendwie ja:schleimig. Womit Du ihm vermutlich eine erotische Komponente geben wolltest, doch die lenkt ab. Wenn man es als kleines Wunder eher im Verborgenen beließe, frei nach kaspar
    manchmal schreibe ich darüber, meistens kommt das aber ganz anders heraus, als beabsichtigt
    könnte ich mir das Thema gut vorstellen.

    Dafür müsstest Du Dein Gedicht aber kräftig umschreiben. Ob Du das willst?

    Okotadia

  5. #20
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    Lieber Kaspar,

    das ist ganz richtig, „Schleim“ ist Thema. Andererseits aber auch Hartes: das Perlmutt, die Schalen.

    Dass beim Schreiben (gerade von Gedichten) meistens was ganz anders herauskommt als beabsichtigt, ist wohl unser aller Erfahrung und sogar einer der Gründe, es zu tun. Zum „Schreiben über Irritationen“ passt aber doch die Metapher „in Perlmutt einwickeln“ ganz gut, wieso lehnst Du sie so vehement ab?

    Liebe Okotadia,

    und „das kleine Wunder eher im Verborgenen belassen“? Aber wir veröffentlichen doch, was „im Laufe eines kreativen Prozesses in etwas Ästhetisches (eine Perle) verwandelt wird“.

    „Den Vorgang so nah entlang der physiologischen Prozesse zu schildern“ fand ich nun gerade reizvoll, die Metapher trägt weit, das sagst Du ja auch. Dass die Auster (auch) eine schleimige Angelegenheit ist, je nun, es ist eben eine Auster. Die „erotische Komponente“ musste ich da gar nicht dazuerfinden und wurde ja schon von vielen Kulturen bemerkt, die Austern unter die Aphrodisiaka zählen.

    Das Thema der Unberechenbarkeit des Schreibens ist ein ganz anderes Thema, das wäre ein neues Gedicht. Und das an der Austernmetapher entlang? Wer könnte das besser als Du. (Gerade sehe ich, Du hast das schon gemacht: "Sandkorn und Perle." Da bin ich ja gespannt.)

    Bevor ich nun mein einziges anderes Austerngedicht zitiere (Entwicklung), schließe ich mit:

    Sie mag keine Auster?
    Dann schreib er von Spiegeln!
    Draußen sonst haust er,
    und sie tut sich igeln
    und schließt ihre Schalen.
    Das wären Qualen.

    Michael

    Nur noch eine Anmerkung zu dem anderen Thema, das den Faden hier so lang gemacht hat, die „Muse“. Man lese einmal etwas über Charlotte von Kalb, „die Dichtermuse“ (nicht ich habe sie so genannt).
    Geändert von Michael Domas (12.12.2017 um 11:59 Uhr)
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  6. #21
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    kunst, ich hab dich erwischt! komm schon! ein kleiner schlag ins genick und fertig. das tut doch nicht weh! anschliessend ein schöner verband aus perlmutt, das ist doch super, nicht?
    ja, warum sträube ich mich gegen diese einfache operation am lebenden objekt?
    ich weiss es nicht. muss in meiner geschichte begründet liegen.
    kaspar
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  7. #22
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    Lieber Kaspar,

    wovon sprichst Du? Nicht mehr von dem Gedicht, das erzählt das Gegenteil einer „einfachen Operation“.

    Auch, was den Umgang eines Autors mit Irritationen angeht (#18), sehe ich keine großen Unterschiede zu mir. Es gilt wohl sowieso für die meisten AutorInnen. „In Perlmutt einkleiden“ heißt in dem Zusammenhang nicht mehr, als einen Inhalt (schimmernd) verprachlichen. Und das ist eben das, was wir hier alle tuen, nicht wahr?

    Michael

    P.S.
    Doch noch mal: Du schriebst: „meistens kommt das aber ganz anders heraus, als beabsichtigt“. Wenn es Dir um diesen Aspekt der „kunst“ geht – dafür ist die Auster in der Tat eine schlechte Metapher, auch wenn er hier anklingt (vgl. Okotadia #19). „Jonglieren“ (Artname) leistet da mehr. Aber das habe ich alles schon geschrieben.
    Geändert von Michael Domas (12.12.2017 um 17:36 Uhr) Grund: P.S.
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  8. #23
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    guten abend michael domas

    a)
    „In Perlmutt einkleiden“ heißt in dem Zusammenhang nicht mehr, als einen Inhalt (schimmernd) verprachlichen. Und das ist eben das, was wir hier alle tuen, nicht wahr?

    aber ja doch, ich kann mich wohl kaum davon oder vom versuch dazu ausnehmen.
    jedoch gutheissen muss ich es deswegen noch lange nicht. jedenfalls nicht in dieser idealisierenden art.

    b) „Schleim“ ist Thema. Andererseits aber auch Hartes: das Perlmutt, die Schalen.

    pädagogik gibt es mit rohrstock oder mit gummibärchen. oder auch mit beidem.
    diese unterscheidung in der erziehung wird die erzogene muse möglicherweise weniger stark betreffen, als ich hier nachzufühlen versuche. deshalb sollten wir musenfreunde es vielleicht einfach unterlassen, "aus der sicht einer musenmuschi" (zitat von albaa?) statements abzugeben.

    kaspar praetorius

    p.s. dein text steht immer noch unter "liebe und romantik"
    Geändert von kaspar praetorius (12.12.2017 um 21:51 Uhr)
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  9. #24
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    Lieber Kaspar,

    weshalb mein text immer noch unter "liebe und romantik" steht, habe ich u.a. in #17 erklärt und wiederhole es:
    „Eine Rubrik wie „Gedichte über das Schreiben“ haben wir nicht (obwohl es viel dazu gibt), da scheint mir „Liebe und Romantik“ noch das Naheliegendste, das Konzept der Muse ist historisch immer in diesem Kontext aufgetaucht. Und hier gibt es sogar einige Erotik – so, wie es sich für „Auster“ gehört.

    Ich weiß nicht, ob ich in der langen Debatte verstanden habe, worum es Dir eigentlich geht. Um ein prinzipielles Misstrauen gegenüber dem (ästehtischem) „Versprachlichen“? Das teile ich natürlich, es ist ja heute geradezu konstitutioneller Bestandteil von Dichtung.

    Am besten habe ich das formuliert gefunden in dem Brief den Kafka 1922 an Maxx Bropdt geschrieben hat. Da heißt es z.B.: "Das Teuflische am Schreiben scheint mir sehr klar. Es ist die Eitelkeit und Genußsucht, die immerfort um die eigene oder auch um eine fremde Gestalt - die Bewegung vervielfältigt sich dann, es wird ein Sonnensystem der Eitelkeit - schwirrt und sie genießt. Was der naive Mensch sich manchmal wünscht: "Ich wollte sterben und sehn, wie man mich beweint", das verwirklicht ein solcher Schriftsteller fortwährend, er stirbt (oder er lebt nicht) und beweint sich fortwährend."

    Das aber übersteigt den Themenhorizont meiner kleinen Auster

    Michael
    Geändert von Michael Domas (13.12.2017 um 01:49 Uhr)
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  10. #25
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    Hallo Michael,

    ich stimme dir und Kafka uneingeschränkt zu. Auch mein Verhältnis zum Schreiben hätte, sollte ich unter den hiesigen Rubriken wählen, mit Liebe die meisten Übereinstimmungen. Wir sollten vielleicht mal einen Antrag stellen auf die Rubrik "über das Schreiben"?

    Du hast mich ja hier zu ein lyrischen Antwort inspiriert. ich hab sie unter "Rätselhaft" veröffentlich. und so schreiben wir in den verschiedensten Rubriken über unsere Lieblingsbeschäftigung, das Schreiben, und wissen u.U. gar nix voneinander...

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  11. #26
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    Lieber Artname,

    ja, Dein „Mit beiden Beinen in der Luft“, in dem Du die Metapher „Jonglieren“ ausgeführt hast, beschreibt Aspekte des kreativen Prozesses, die im Bild von der Auster nicht formuliert werden können.

    Dass Du nicht nur das hier thematisierte Verhältnis zur Muse, sondern das zum Schreiben insgesamt am ehesten noch in der Rubrik „Liebe“ ansiedeln würdest, begeistert mich natürlich. Hoffentlich habe ich Dich nicht falsch verstanden.
    Vor 10 Jahren habe ich mal in einer längeren Vita geschrieben: "… Heute weiß ich, weshalb ich schreibe. Nein, weiß ich nicht, aber ich weiß, was passiert, wenn ich schreibe: es ist wie Sex. 1. ein Rausch. 2. ein Abenteuer. 3. habe ich danach das unbedingte Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben.
    Zu 1) Ist halt so. Wenn's gut geht (so wie jetzt [damals] zum Beispiel, weshalb schreibe ich dieses ganze Gedöns über mich? Für Dich da, Leserin?) – wenn’s gut geht, tut sich eine Schleuse auf, und daraus überschwemmt mich etwas, was mich vollkommen aus Langeweile oder Müdigkeit und allem Alltagsscheiß rausreißt. Es ist ein Fest, eine Orgie, ein Tanz, eine Zeremonie, eine Meditation. Ein Spiel. Es ist wie Sex, ich vergesse alles um mich herum.
    Zweitens. Ich weiß nicht, was beim Schreiben (beim Ficken) passieren wird. In welche dunklen Gefilde es mich schwemmen wird, welchen (Selbst-) Entdeckungen, Überraschungen und Entwicklungen ich ausgesetzt sein werde. Ein Abenteuer. In Abgründe und Paradiese stürzt es einen. Texte sind geronnene Traumerlebnisse, festgehalten unter angespanntester Wachheit.
    Und, anders als beim richtigen Sex – man kann’s danach sogar lesen. Ein Aufzeichnungsgerät bei der Liebe, eine Kamera, wäre nicht nur geschmacklos – und ganz lustig –, sondern würde nichts davon rüberbringen, was eigentlich ablief, guten Sex gibt’s nur live, das Schreiben liefert Konserven. (Was nichts über deren Verfallsdauer sagt. Die hier ist vielleicht schon verdorben, noch bevor sie aufgelesen ist.)
    3. habe ich noch immer das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.


    Um aber noch mal auf das Kafka-Zitat zurückzukommen: Kaspar hatte ja in #23 geschrieben: „jedoch gutheissen muss ich es [Das Versprachlichen] deswegen noch lange nicht. jedenfalls nicht in dieser idealisierenden art.“ Kafkas Einwand ist noch grundsätzlicher, denn er meint ja sich selbst, also eine Literatur, die durchaus nicht wie Perlmutt schillert. Im selben Brief an Max Brodt heißt es:

    Schreiben ist „süßer, wunderbarer Lohn, aber wofür?“.
    Für „Teufelsdienst“!

    Michael
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  12. #27
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    Lieber Michael, Endlich sagt einmal einer die Wahrheit über unseren lyrischen Zeitvertreib:

    es ist wie Sex. 1. ein Rausch. 2. ein Abenteuer. 3. habe ich danach das unbedingte Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben.

    Hahaha! Und die Vielschreiber, wie kaspar, walther, Dr. Karg ... sind dann eigentlich Sexsüchtige (?)

    You made my day!

    LG
    alba

  13. #28
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    Liebe albaa,

    in „Die Möglichkeit einer Insel“ lässt Dein Houellebecq seinen Daniel1,25 sagen: „Die sexuelle Lust ist nicht nur raffinierter und heftiger als alle anderen Sinnenfreuden, die man im Leben verspüren kann; sie ist nicht nur die einzige Sinnenfreude, die keinerlei negative Auswirkungen auf den Organismus hat, sondern sie trägt im Gegenteil dazu bei, seine Vitalität und Kraft auf höchstem Niveau zu halten.“

    Ich aber habe hier von Sex ja nur als Metapher gesprochen. Diese verhält sich zur (realen) Sinnenfreude so wie die Sartresche zur Freudschen Auffassung mancher universellen Symbole wie z.B. des Lochs.
    Sartre verstand, „dass alle Bedeutungen, die so etwas wie „Loch“ haben kann, nicht aus der Sexualität des Loches – sei sie anal oder vaginal – ableitbar sind, sondern dass umgekehrt die sexuelle Semantik des „Loches“ zurückgeführt werden muss auf die existentielle Bedeutung des „Loches“ als die (mit mir) auszufüllende Leerstelle der Welt“. (nach Rolf Friedrich Schuett)

    So sind denn „Vielschreiber, wie kaspar, walther, Dr. Karg ...nicht eigentlich Sex- sondern Rauschsüchtige. Oder eben Austern, die mit störenden Sandkörnern zurecht kommen müssen

    Michael

    P.S.
    Gerade habe ich eine neue Rubrik „Über das Schreiben“ vorgeschlagen. Die hätte uns hier einige Diskussionen erspart. (Was ja aber vielleicht schade gewesen wäre.)
    Geändert von Michael Domas (16.12.2017 um 23:57 Uhr) Grund: P.S.
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