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  1. #1
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    Hexameter - Eine kurze Einführung

    Nötige Grundlagen: Metrik/Metrum Verständnis, Kenntnisse über Zäsuren (siehe Unterstützende Links)
    Ziel: Kennenlernen, erlernen der Grundlagen und Anwendung des Hexameters
    Unterstützende Links: Lyrisches Lexikon der Nachteule, Metrik in einfachen Worten, Metrum in einfachen Worten, Zäsur in der Lyrik
    Quellen: Eigenes Wissen
    Folgende Lektion: Keine

    1. Aufbau


    Der Hexameter besteht aus sechs Hebungen bzw. Versfüßen, deren Zwischenraum ein- oder zweisilbig gefüllt sein kann. Die Versendung des Hexameters ist dabei immer gleich aufgebaut: ein Daktylus gefolgt von einem Trochäus. Zudem sollte an einer der vorgegebenen Stellen eine Zäsur stehen. Das Schema des Hexameter sieht somit folgendermaßen aus:
    Xx (x)/ Xx (x) / X | x | (x) / X | x | (x) | / Xxx / Xx
    Die in Klammer gesetzten Senkungen können dabei ausgelassen werden. An mindestens einer der angezeigten Stellen sollte eine Zäsur (Hauptzäsur) gesetzt werden, um das Zerbrechen des Verses zu verhindern, was bei langen Versen ohne Zäsur häufig geschieht.

    2. Anwendungsbereich


    Am Besten eignet sich der Hexameter für Erzählungen. Durch die abwechslungsreiche Gestaltung des Metrums kann auch bei längeren Texten eine Spannung erzeugt und flexibel auf Änderungen in der Erzählstruktur reagiert werden. Durch das Auslassen einzelner Silben und das Setzten der Zäsuren an unterschiedlichen Stellen kann die Struktur der einzelnen Verse stark variieren und damit abwechslungsreich werden.

    3. Praktische Anwendung


    In der Regel sind Hexameterverse ungereimt. Will man einen charakteristischen Hexameter schreiben, sollte das beibehalten werden.
    Häufig verwenden Anfänger des Hexameters Vers für Vers das selbe Schema, wenn nicht sogar die Standardform. Das läuft dem Hexametervers zuwider. Seine große Stärke ist, wie auch die der Chevy-Chase-Strophe, mit seiner Füllungsfreiheit, flexibel zu sein und leiern oder Langeweile durch gleichbleibende Metren zu verhindern.
    Die Hauptzäsuren, die im dritten oder vierten Versfuß liegen sollten, sollten möglichst stark sein, damit sie nicht überlesen werden und ihre Wirkung verfehlen. Spondäen, also Hebungsprälle, als Zäsur einzusetzen verbietet selbstverständlich die Form/das vorgegebene Metrum.
    In einem so variablen Metrum ist es besonders wichtig, dass auf den betonten Silben auch wirklich stark betonte Silben liegen, da Gewohnheitsmetren hier keine Chance haben zu entstehen. Unbetonte Silben, die durch die umliegenden unbetonten Silben in die Betonung gezwungen werden und ihren berechtigten Platz in einheitlichen Metren haben, werden hier nur schwer als solche erkannt.
    Um die Hauptzäsur von den Nebenzäsuren in der Darstellung zu unterscheiden hat sich eingebürgert, diese mit zwei Zäsurstrichen (||) einzuzeichnen.
    In der Praxis wird der Hexameter oft mit dem Pentameter (Xx(x)Xx(x)X|XxxXxxX) kombiniert und bildet dadurch das (elegische) Distichon.

    3.1 Beispiel (Distichon):


    Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen;
    XxxX|xXx||xXxXx|xXx
    Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.
    XxxXxxX|XxxXxxX

    Würde des Menschen, von Friedrich von Schiller
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
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    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  2. #2
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    hallo Claudi,
    Du empfiehlst zur Einstimmung Nachteules Einleitung. Dazu habe ich bereits 2 Fragen.

    1. Spondeus (Hebungsprall):
    Was ist der Unterschied zwischen Silbenlänge und Silbenschwere? Das Wort "Bahn" ist langgedehnt und schwer. Im Wort "Bahn|en" ist die erste Silbe lang und betont - die zweite kurz und unbetont. Aber mit "Bahn|zug" bekomme ich Probleme. Als einzelne Worte sind sie beide gleich lang. Aber als Komposita würde ich Bahn länger aussprechen als Zug. Und die erste Silbe auch stärker betonen als die zweite. -
    Meine Erfahrung hier aber lauten, dass ihr Dichter die Silben in "Bahn|zug" als gleichbetont, als Hebungsprall betrachtet. Vermutlich, weil die zweite Silbe "-|zug" eben bedeutungsvoller, also schwerer wiegt als "-|en". Obwohl mir einleuchtet, dass "zug" mehr Sinn transportiert als "en" leite ich aber daraus nicht automatisch ab, dass das Komposita "Bahn|zug" 2 gleichbetonte Silben enthält.

    Beispiel: Der Bahnzug aus Hannover. Für mich wäre die Betonung: der Bahnzug aus Hannover. Respektiert man den Spondeus, hieße es der Bahnzug aus Hannover. - In einem Popsong würde das jeder Sänger betonen, wie er es möchte. Aber ihr Lyriker streitet um den Spondeus, als hätte der in der deutschen Sprache etwas zu suchen...

    2. Zäsurbildung

    Zitat Zitat von Nachteule
    Die häufigste Methode ist hierbei der sogenannte Hebungsprall, dem aufeinanderstoßen zweier betonter Silben. Aber er kann auch durch das Weglassen einer betonten Silbe entstehen, sodass zwei unbetonte Silben aufeinander folgen. Wobei der Hebungsprall die stärkere Zäsur ist. (Bei dreisilbigen Metren natürlich analog mit nur einer unbetonten Silbe weniger oder mehr) Dies ist aber nur möglich, wenn zuvor ein einheitliches Metrum gewählt wurde, dessen Einheit hierdurch unterbrochen wird.
    Wann bildet ein Hebungsprall eine Zäsur? Das Flugzeug nach New York fliegt planmäßig. Als betont bieten sich zahlreiche Silben an.. aber eine Zäsur??? Meint Nachteule, dass bei einem Konflikt zwischen Hebungsprall und Gewohnheitsmetrum in den vorherigen Versen der Rhythmus automatisch ins Stocken kommt? ähm... ich spinne mal:

    ich fahr mit Claudi hin zum Tegler Port
    denn Claudi fliegt sehr gern, treibt Segelsport
    das Flugzeug nach New York fliegt plan|mäßig

    Meint Nachteule das Stocken bei "plan|mäßig". Und was ist mit dem einleitenden "Flug|zeug"? - Also der Spondeus kommt mir vor wie ein Trojanisches Pferd, das wir Schäubles "Finanzgeschenken" an die Griechen verdanken.


    lg
    Geändert von Artname (10.12.2017 um 20:33 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  3. #3
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Meint Nachteule das Stocken bei "plan|mäßig". Und was ist mit dem einleitenden "Flug|zeug"? - Also der Spondeus kommt mir vor wie ein Trojanisches Pferd, das wir Schäubles "Finanzgeschenken" an die Griechen verdanken.


    lg
    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!

    Deine Anmerkungen und Fragen sind sehr interessant. Ich möchte nun nichts vorwegnehmen, füge aber ein paar Gedanken hinzu. Ich meine es hängt auch immer davon ab, in welcher Distanz und Stärke sich weitere Silben an den Doppelbetonungen anschließen.
    Flugzeug -- Flugzeuge -- Flugzeugbauer -- Pfingstochse -- zumal Pfingstochsen wirklich gut schmecken --
    Ich meine die Kunst besteht darin, es so zu gestalten, dass kein Zweifel beim Leser aufkommt und er wirklich die Doppelbetonnungen liest.
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.

    lg
    f

  4. #4
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    Danke dir, Butenlänner, dette mia Jesellschaft leisten magst! Wird ja nu Winta und in der Jejend treibt sich schon jahrelang keena mehr rum. Wirklich nett, meen lieba. Kaffee oder Tee?

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  5. #5
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    Kollega, verdammi, ik lot di doch nich afsupn in deebe WWW.

    Kaffee bitte!

    Bock auf ein Spiel?

    Wie würdest du diese Verse verixen?

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
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    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.


    lg
    f

  6. #6
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    Hallo zusammen,

    hier tut sich ja einiges! Nachteule hätte Eure Fragen natürlich genauso beantworten können, aber wir sind beide momentan etwas eingespannt. Sorry für die Verzögerung!

    @Artname:

    Was ist der Unterschied zwischen Silbenlänge und Silbenschwere?
    In der quantitierenden Metrik, wie z.B. in altgriechischen und lateinischen Versen, sind die Silben schwer, wenn sie lang sind. Da kannst Du schwer mit lang gleichsetzen. In der akzentuierenden Metrik, also in deutscher Verssprache, ist eine Silbe schwer, wenn sie betont ist. Ob eine Silbe betont ist, hängt zum einen von ihrer sinntragenden Funktion und zum anderen, wie Fietje schon sagte, von ihrer Umgebung ab.


    Obwohl mir einleuchtet, dass "zug" mehr Sinn transportiert als "en" leite ich aber daraus nicht automatisch ab, dass das Komposita "Bahn|zug" 2 gleichbetonte Silben enthält.
    Ich auch nicht. Von "gleichbetont" soll auch keine Rede sein. Kommt ja immer drauf an, in welchem Kontext und in welchem Metrum so ein Wort verwendet wird. Beim Bahnzug liegt der Akzent auf "Bahn". Dein Beispiel

    der Bahnzug aus Hannover fährt nach Kiel

    ließe sich ohne weiteres in einem alternierenden Metrum verwenden, obwohl "zug" als Sinnsilbe eigentlich schwerer ist als die Bausilbe "aus". Im Vortrag würde man "aus" aber kaum stärker betonen als "zug". Wenn eine Melodie vorgegeben ist, kann man leicht auch mal eine leichtere Silbe heben oder eine schwerere senken. (Das hat allerdings auch Grenzen. Ich denke gerade an einen Song, bei dem sich mir jedes Mal die Nackenhaare aufstellen, wenn ich höre: "küsst das Salzwasser den Strand").

    Besser läge der Zug allerdings mit einer schwereren Anschlusssilbe in der Senkung:

    der Bahnzug kommt aus Kiel und fährt nach Bremen


    So hast Du es ja auch mit dem Flugzeug gemacht. Bei einem unregelmäßig gefüllten Metrum wie im Hexameter ist es umso wichtiger, leichte und schwere Silben möglichst gut zu trennen, damit die Versbewegung schön deutlich wird. Solche zweisilbigen Komposita bewirken noch keinen Hebungsprall. Die zweite Silbe ist meist als schwere Einfachsenkung am besten untergebracht.


    Wann bildet ein Hebungsprall eine Zäsur? Das Flugzeug nach New York fliegt planmäßig. Als betont bieten sich zahlreiche Silben an.. aber eine Zäsur??? Meint Nachteule, dass bei einem Konflikt zwischen Hebungsprall und Gewohnheitsmetrum in den vorherigen Versen der Rhythmus automatisch ins Stocken kommt? ähm... ich spinne mal:

    ich fahr mit Claudi hin zum Tegler Port
    denn Claudi fliegt sehr gern, treibt Segelsport
    das Flugzeug nach New York fliegt plan|mäßig
    Ja, das ist ein gutes Beispiel für eine metrische Zäsur. Hier fällt man nach "plan" aus dem Metrum und ist praktisch gezwungen, vor "mäßig" eine kurze Pause zu machen, damit man die "mä"-Silbe nicht vernuschelt. Noch zwei Beispiele für Hebungsprälle ohne Gewohnheitsmetrum:

    das Kind spielte Klavier
    das Kind spielt, die Mutter verkauft Brötchen


    Ich denke, das lässt sich kaum anders betonen, als ich es eingezeichnet habe? Nochmal zurück zum Bahnzug. Ich setze ihn mal in den Plural:

    heute erreichen die Bahnzüge verspätet das Ziel

    Wie würdest Du das betonen? Die beiden sehr leichten Silben vor und nach "Bahnzüge" wären jedenfalls eine Möglichkeit, im Pentameter einen Hebungsprall bei Bahn-Zü herauszuarbeiten.


    @Fietje:

    So lese ich das:

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Xx xXxxX || xXx xXXXx
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    XXXx xXxx Xx || Xx xXx
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.
    XX Xx xXxxX || X XxXx

    Wirkt sehr mit Gewalt hingebogen, aber sollte ja nur eine Demonstration sein. "Trans" zu betonen, sehe ich keinen Grund, es verschwindet bei mir in der Senkung.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  7. #7
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    Zitat Zitat von Claudi. Beitrag anzeigen


    Ich denke, das lässt sich kaum anders betonen, als ich es eingezeichnet habe? Nochmal zurück zum Bahnzug. Ich setze ihn mal in den Plural:

    heute erreichen die Bahnzüge verspätet das Ziel

    Wie würdest Du das betonen? Die beiden sehr leichten Silben vor und nach "Bahnzüge" wären jedenfalls eine Möglichkeit, im Pentameter einen Hebungsprall bei Bahn-Zü herauszuarbeiten.


    @Fietje:

    So lese ich das:

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Xx xXxxX || xXx xXXXx
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    XXXx xXxx Xx || Xx xXx
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.
    XX Xx xXxxX || X XxXx

    Wirkt sehr mit Gewalt hingebogen, aber sollte ja nur eine Demonstration sein. "Trans" zu betonen, sehe ich keinen Grund, es verschwindet bei mir in der Senkung.

    LG Claudi
    du hattest ja bereits in den Sommermeditationen von albba geschildert, wie eine Mittelzäsur mit einer Wortzäsur im Penta verwirklicht wird. https://www.gedichte.com/showthread....540#post972540

    lagern mutig am Bachufer, den Sümpfen zum Trotz
    XxXxxXXxxXxxX

    Was mich an dem hiesigen Beispiel erinnerte:

    heute erreichen die Bahnzüge verspätet das Ziel
    XxxXxxXXxxXxxX

    Es lassen sich aber nur schwer ganze Sinnabschnitte eines Verses in einer Wortzäsur trennen, was für mich eine Frage der Qualität eröffnet.

    Heute erreichen die Bahn
    züge verspätet das Ziel

    lagern mutig am Bach
    ufer, den Sümpfen zum Trotz,

    Ich kam deswegen zu der Überlegung den Vers strikter zu schneiden:
    lagern am Ufer des Bachs, trotzen mutig den Sumpf

    Selbiges hier, ebenfalls aus albaas Sommermeditationen:
    wo der Schierling vor Hunger geifert und tobt wie ein Rudel
    Wölfe. Sein Todeshauch streift mich und kühlt mein Gesicht.-

    wo der Schierling vor Hunger geifert und tobt wie ein Rudel
    Wölfe. Sein toter Hauch streift mich und kühlt mein Gesicht.--

    Hier wird die Frage der Qualität wohl auch zur Geschmacksfrage.

    M.M.n. ein wunderschönes Beispiel für Hebungsprälle im Hexa und Penta, ebenfalls aus den Sommermeditationen:
    Über der mageren Alm thront eitel die gleißende Sonne
    XxxXxxXXXxxXxxXx
    Wirft in sturem Wahn Brand auf den durstigen Berg.
    XxXxXXxxXxxX

    --------------------------------------------------------------
    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.

    action Xx
    Aktion xX

    Mein Beispiel für Mehrfachbetonungen wirkt etwas verkrampft, aber ich versuche mal etwas. Es müsste ja auch möglich sein 2 Spondeen im Hexa unterzubringen:
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch seltsame Träume
    XX-XxxXxxXXXxxXx

    Ich habe hier noch ein Beispiel aus dem Gedicht >der Hexameter< von Aug. Wilh. Schlegel
    vollständiger Text ist hier im Archiv einsehbar:
    https://www.gedichte.com/gedichte/Au.../Der_Hexameter

    Ich bitte euch darum es zu verixen. Spannend finde ich hier den dritten Vers.

    Wie vom Okeanos quellend, dem weit hinströmenden Herrscher,
    Alle Gewässer auf Erden entrieselen oder entbrausen.
    Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern
    Fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog' Abgründe


    lg
    f

  8. #8
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    Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern
    X (X) Xx (X) Xx // Xx(X)x Xx
    Fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog' Abgründe
    X (X)Xx xX // (X) Xx xX (X)Xx

    Nachteule würde sagen: Keiner weiss, wie zu Schlegels Zeiten Wörter ausgesprochen und betont wurden. Ich meine: Hier murkst einer gewaltig an Sprache wie Versmass herum, einzelne erfrischende Schlenker gehen unter in der Wog' der Grässlichkeiten. Ab in den Reisswolf damit. Naja, meinetwegen in die Literaturgeschichte.
    Kaspar

  9. #9
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    Hi Fietje,

    Es lassen sich aber nur schwer ganze Sinnabschnitte eines Verses in einer Wortzäsur trennen, was für mich eine Frage der Qualität eröffnet.
    dafür sehe ich auch keine Notwendigkeit, zumindest nicht immer. Es ist dann halt eine metrische und keine Sinnzäsur.


    lagern am Ufer des Bachs, trotzen mutig den Sumpf
    das wäre halt der Prototyp des Pentas. Würde man in einem längeren Text alle Pentas so rigide in der Mitte teilen, käme aber wenig Abwechslung zustande. Albaa hat da für viele schöne Varianten gesorgt. Und gelegentlich kann man auch ruhig mal mit einem Wort über die Mittelzäsur schreiben. Das Geile an Albaas Vers ist ja auch, dass er nach "Bachufer" noch eine Satzzäsur bietet:

    lagern mutig am Bachufer, den Sümpfen zum Trotz


    action Xx
    Aktion xX
    Ah ja, dass Du transaction englisch gesprochen haben wolltest, fiel mir erst später auf. Dann ist Finanztransaction bei mir xXxXx.


    Weißgott, ständig bereitet es mir auch seltsame Träume
    XX-XxxXxxXXXxxXx
    Naja, "mir" ist stellungsbetont. Das "auch" müsste man aber schon fast kursiv schreiben, damit klar wird, dass damit "wie euch" gemeint ist. Im Sinn von "des weiteren" wäre es unbetont. Die Schlegelverse sind, finde ich, ein abschreckendes Beispiel für die Nachbildung eines quantitierenden Maßes in unserer akzentuierenden Sprache. Das klingt für mich einfach unnatürlich! Ich kann aber mal verixen, wie es wohl gemeint ist:


    Wie vom Okeanos quellend, dem weit hinströmenden Herrscher,
    XxxXxxXx || xXXXxxXx
    Alle Gewässer auf Erden entrieselen oder entbrausen.
    XxxXxxXx || xXxxXxxXx
    Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern
    XXXXXXX || XXxxXx
    Fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog' Abgründe
    XXXxxX || XXxxXXXx


    Das ist schon was für die Kuriositätensammlung.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  10. #10
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    Liebe Claudi,

    herzlichen Dank für deine gut verständliche Antwort. Ich verstehe, auch dank Butenlänners guter Vorarbeit:

    1. Die Silbenlängen sind in der deutschen Metrik absolut den dt. Regeln der Wortbetonungen untergeordnet.
    2. Neben der vorgegebenen Wortbetonung entscheiden im Deutschen bei strittigen Fällen folgende rhythmische Faktoren die Versmetrik:
    2a. der vorangegange, gewohnte Vers- oder Strophenrhythmus
    2b. der Rhythmus, der hinter der strittigen Stelle weitergeht.
    3. Außerdem werden Silben mit dem Maße betont, in dem sie direkt sinntragend sind.

    Der oft diskutierte Hebungsprall ist also keine vom Duden vorgegebene Wortbetonung, sondern das Ergebnis rhythmisch-semantischer Bewegungen und Gegenbewegungen. Konkret: Laut Duden wird Stillleben betont. Hauptakzent auf "Still" und semantisch bedingter Nebenakzent auf "Leb".

    Der Strophenrhythmus kann aber unterschiedliche Betonungen indirekt erzwingen:

    Jan van Huysum war dereinst berühmt
    und bekannt für seine Still| leben

    bzw.

    den Leumund des Malers ergaben von hauswegen
    die Themen und leuchtenden Farben der Stillleben

    Was ich also vor allem verstanden habe, auch durch kaspars Einwände, ist: der Hebungsprall kann in dem einen Falle erwünschte Irritation oder Abwechslung sein und im anderen Falle fehlendes Rhythmusgefühl. Kurz gesagt: Ein Dichter sollte gute Gründe für den Hebungsprall haben.

    Richtig?

    edit: lieber Butenlänner,

    Wie würdest du diese Verse verixen?

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.
    Also zunächst würde ich keinen Gewohnheitsrhythmus, keine alternierende Metrik bemerken. Das gestattete mir, frei Schnauze zu betonen.

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.

    wäre ich der Autor dieser Zeilen, hätte ich aus metrischen Gründen V3 geändert:
    Weißgott, auch mir bereitet es ständig Schwierigkeiten.


    lg



    Geändert von Artname (14.12.2017 um 15:55 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  11. #11
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Liebe Claudi,

    herzlichen Dank für deine gut verständliche Antwort. Ich verstehe, auch dank Butenlänners guter Vorarbeit:

    1. Die Silbenlängen sind in der deutschen Metrik absolut den dt. Regeln der Wortbetonungen untergeordnet.
    2. Neben der vorgegebenen Wortbetonung entscheiden im Deutschen bei strittigen Fällen folgende rhythmische Faktoren die Versmetrik:
    2a. der vorangegange, gewohnte Vers- oder Strophenrhythmus
    2b. der Rhythmus, der hinter der strittigen Stelle weitergeht.
    3. Außerdem werden Silben mit dem Maße betont, in dem sie direkt sinntragend sind.

    Der oft diskutierte Hebungsprall ist also keine vom Duden vorgegebene Wortbetonung, sondern das Ergebnis rhythmisch-semantischer Bewegungen und Gegenbewegungen. Konkret: Laut Duden wird Stillleben betont. Hauptakzent auf "Still" und semantisch bedingter Nebenakzent auf "Leb".

    Der Strophenrhythmus kann aber unterschiedliche Betonungen indirekt erzwingen:

    Jan van Huysum war dereinst berühmt
    und bekannt für seine Still| leben

    bzw.

    den Leumund des Malers ergaben von hauswegen
    die Themen und leuchtenden Farben der Stillleben

    Was ich also vor allem verstanden habe, auch durch kaspars Einwände, ist: der Hebungsprall kann in dem einen Falle erwünschte Irritation oder Abwechslung sein und im anderen Falle fehlendes Rhythmusgefühl. Kurz gesagt: Ein Dichter sollte gute Gründe für den Hebungsprall haben.

    Richtig?

    edit: lieber Butenlänner,



    Also zunächst würde ich keinen Gewohnheitsrhythmus, keine alternierende Metrik bemerken. Das gestattete mir, frei Schnauze zu betonen.

    Diese Finanztransaction, die diente Finanzdienstleistern.
    Nichts ahnt keiner, trojanische Pferde - Schäubles Geschenke!
    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.

    wäre ich der Autor dieser Zeilen, hätte ich aus metrischen Gründen V3 geändert:
    Weißgott, auch mir bereitet es ständig Schwierigkeiten.


    lg



    hi@ all,
    nicht nur die Stellung im Vers, oder die Distanz der umliegenden Silben, bzw deren Stärke beeinflussen die Betonung, auch der Rhythmus selbst. Der Hexameter Taktstock bestimmt die Betonung der Silben insb. am Anfang und Ende der Verse. Deswegen bin ich der Meinung, dass man auch zweisilbige, auch dreisilbige Wörter, entgegen ihrer natürlichen Betonung, dem Hexameter-Taktstock unterwerfen kann. "Kann" wohl bemerkt, es stößt nicht immer auf Verständnis und ein Vers ist erst dann wirklich qualitativ überzeugend, wenn er so wenig Zweifel wie möglich bei der Leserschaft erzeugt. Der von mir genannte Schlegelvers erzeugte hier sogar bei erfahrenen Lyrikern unterschiedliche Lesarten:
    claudi
    Wie vom Okeanos quellend, dem weit hinströmenden Herrscher,
    XxxXxxXx || xXXXxxXx
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    XxxXxxXx || xXxxXxxXx
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    XXXXXXX || XXxxXx
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    XXXxxX || XXxxXXXx
    kaspar praetorius
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    X (X) Xx (X) Xx // Xx(X)x Xx
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    Butenlänners
    Wie vom Okeanos quellend, dem weit hinströmenden Herrscher,-
    XxxXxxXx-xXXXxxXx
    Alle Gewässer auf Erden entrieselen oder entbrausen.
    XxxXxxXxxXxxXxxXx
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    XXXXXXX-XXxxXx
    Fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog' Abgründe
    XX*XxxX-xXxxXXXx
    - ( Lt Duden: Betonung: Okeanos, Silbung: Oke|a|nos ) auf alle Fälle schwammig, oder "quellend".
    *eher "schwach betont" Fort-ar/bei-tet. Es spannt die Silbe >bei< an und schießt diese ab. Sehr passend zur Bedeutung, wie ich meine.

    4 Verse von Schelling, drei unterschiedliche Lesarten und drei unterschiedliche Wertungen bezüglich der Qualität.
    Ich finde die Verse genial, kaspar ganz und gar nicht. Das Gefühl bei stürmischer See mit voller Kraft zu rudern und kaum voranzukommen, entspricht in etwa dem "Lesegefühl", welches Vers 3 erzeugt. Wer es sich erlauben kann, der spricht diesen Vers einfach mal mit aller Intensität die er bedarf. Ich empfehle dazu mit den Armen Ruderbewegungen zu machen und Fenster und Türen zu schließen, damit Nachbarn nicht erschrecken. ich finde er ist sehr laut und jede Silbe wird einzeln mit zurückhaltender Ausatmung, fast krampfartig, noch vor den Lippen, aus der Tiefe heraus hochgepresst. . M.M.n. genial!
    Aber wir müssen eben festhalten, die Leseempfindungen können sehr unterschiedlich sein, auch bei Gedichten berühmter Poeten. Ich bin mir sicher, allein schon wegen des Titels, Schlegel hatte sich in seinem Gedicht >der Hexameter< jede Silbe doppelt und dreifach überlegt.

    Auch meine Zeilen, die nun wirklich etwas an den Haaren herbeigezogen waren, erzeugten unterschiedliche Lesarten.
    meine Wortkreation >Finanztransaction< lese ich xXXXx. Mir war es wichtig, auch in der letzten Zeile 2 Spondeen zu bewirken:

    Weißgott, ständig bereitet es mir auch Schwierigkeiten.


    @ claudi, der Vers aus Albaas Sommermeditationen:

    >>lagern mutig am Bachufer, den Sümpfen zum Trotz,<<

    gefällt mir von Tag zu Tag besser. Das Gedicht lädt doch immer wieder zum Spaziergang durch seine Verse ein.

    lg
    f

  12. #12
    Registriert seit
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    Ah, Butenlänner,

    ich verstehe plötzlich völlig neu: Du (ihr?) verstehst das Metrum, den Versfuß NICHT als Wortbetonungsmuster von Wörtern, deren Betonung jeder im Duden nachlesen kann... sondern als die individuelle Betonung des Autors.

    (Nehmen wir mal ein krasses Beispiel. ich lese einen vierhebige Vers. Darin kommt vor
    Alle denken ich sei prüde .... XxXxXxXx
    (und danach steht)
    Das stimmt so nicht .... xXxX
    (v2 hielte ich also für 2 hebig und somit unvollständig. Aber Du (ihr?) würdest auch eine Überbetonung für möglich halten?)
    DAS STIMMT SOOO NICHT ....XXXX

    Verstehe ich dich richtig?

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  13. #13
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    Lieber fietje,

    @ claudi, der Vers aus Albaas Sommermeditationen:

    >>lagern mutig am Bachufer, den Sümpfen zum Trotz,<<

    gefällt mir von Tag zu Tag besser. Das Gedicht lädt doch immer wieder zum Spaziergang durch seine Verse ein.
    Ja, danke auch, ich glaube auch, dass das ein guter Vers ist.

    Hier noch Claudi's Betonungsanleitung in meinen Sommermeditationen

    lagern / mutig am / Bach- || ufer, den / Sümpfen zum / Trotz,

    Danke Claudi!

    Lieber Artname,

    Der Duden zeigt immer nur eine Hauptbetonung, nach dem Duden gäbe es keine Kretiken XxX, wie also "Katzengold" oder "Todeshauch" oder "Schneckenmord" wie aus meinen oben erwähnten Distichengedicht "Sommermeditationen". Aber das ist relativ einfach, wenn man es trennt, also der Schnecken Mord, wie würdest du das dan betonen?

    Bei Einsilberketten ist es schwieriger. "Das stimmt so nicht" xX(x)X - beim alternierenden Metrum sehe ich da überhaupt kein Problem, wemm ein Wort oder eine Silbe "schwebend" bleibt. Beim Hexa und Penta - hier geht es ja eigentlich um Fragen rund um diese - ist das dann schon etwas heikler.

    LG
    albaa



    p.s. Sollten wir nicht nur in einem Faden diese Themen behandeln/diskutieren? Vielleicht sollte man den alten schließen und auf den neuen von Claudi verweisen?

  14. #14
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    liebe albaa, lieber butenlänner,

    bin noch immer verblüfft, dass ich erst jetzt unsere unterschiedlichen Auffassungen von Metrik bemerke. Für mich bestimmte bisher der Duden die Metrik - und der Gedichte-Rhythmus war entweder die Summe aller Dudenbetonungen im Gedicht - oder eben die davon abweichende deklamatorische Interpretation. Hm... vermutlich liegt der Denkfehler bei mir.

    Das hat natürlich praktische Konsequenzen. Nun verstehe ich, warum mir jeder wissende Dichter sagt: Vergiß nicht, beim Schreiben die Worte gleichzeitig laut zu deklamieren. Weil die Deklamation die metrische Struktur bestimmt, nicht der Duden. Richtig?

    Allerdings verstehe ich dann nicht 2 Sachen noch nicht:

    1. Warum wird dann hier überhaupt noch über Metrik gestritten? Jeder kann doch deklamieren wie er will. -
    Klar können 6 Hebungspralle XXXXXX keinen Hexameter präsentieren. Aber Emphase und Pathos könnten den Vers eines alternierenden Gedichtes schon stark verkürzen.
    2. Was um Gotteswillen versteht ihr dann unter Rhythmus?

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  15. #15
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    Nehmen wir an, in einer Diskussionsrunde sagt einer plötzlich: das stimmt so nicht. Umso dringlicher er es formuliert, desto
    gleicher wird die Betonung der Silben, die eh schon recht dicht beieinander liegt. Es schwankt irgendwo zwischen xXxx und XXXX. Die beiden stärkeren Silben dieser 4 Einsilber sind m.M.n. >stimmt< und >nicht<
    Test: dasstimmt - stimmtdas - sonicht - nichtso - etc. . nehme ich das >so< heraus, setze >das stimmt nicht< an den Anfang eines Hexameterverses:
    Das stimmt nicht, ... , dann wäre >Das< durch seine Stellung betonter und ich erhielte m.M.n.: XXX....
    Das stimmt weißgott nicht, Verse von Klopstock schocken die Leser
    XXXXX XxxXXXxxXx
    (Wäre natürlich wieder an den Haren herbeigezogen, soll aber auch nur ein Beispiel sein. )
    Vermutlich würde kaum ein Leser mir diesen 3-fachen Spondeus abnehmen, von einer sinnvollen Anwendung ebenfalls abgesehen. Einen doppelten oder einen dreifachen Spondeus zu setzen ist schon höhere Kunst, und ich meine Schlegel ist es mit Bravour gelungen:
    Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern
    XXXXXXX || XXxxXx
    Ich meine, Claudi und ich stimmten bei der Betonung überein. Immerhin hat Schlegel es bei 2 Lesern geschafft, die Betonung so rüber zu bringen, wie er es wollte.

    Ich habe 2 ältere Verse, die ich am liebsten so schreibe:
    Grau oft, und hektisch die Tage, es fehlt die Musenkuss-Wonne:
    -Schlaf, sei tröstender Balsam, wo Fron des Schicksals mir abfällt!


    Ich sage jetzt nichts dazu, aber es gibt mind. 2 Stellen, wo der eine oder andere meckern möchte, was hier voll in Ordnung wäre.

    Im Musenkuss ist der Spondeus recht deutlich:
    https://www.gedichte.com/showthread....7005-Musenkuss

    klar, sie begehrte den Vers göttlicher Funken, ein Hoch;
    Wollust trieb sie an, den Stab wild fuchtelnd zu führen!
    Küsse , bis endlich, welch Qual, selig ein Vers mir entrann!

    oder?

    Zwischendeck, U-Bahnhof, Schiffsverkehr, Bahnsteiggleis, Krankenhaus, Nettomarkt, Katzengold, Todeshauch, Schneckenmord---- zähle ich derartige Begrifflichkeiten auf, dann bleiben sie in der Dudenbetonungsstruktur, verwende ich diese im Hexameter/Pentameter, dann "können" die jeweils dritten Silben ansteigen, besonders dann, wenn es die Position vorgibt. XxxXxxXXxxXxxX
    Katzengold, Peter gelang es Reserven zu finden
    Xxx-XxxXxxXxxXx (Hexa)
    Wo ist das Katzengold, finde Reserven ganz schnell
    XxxXxX-XxxXxxX (Penta)

    @ artname:

    ich habe noch ein witziges Beispiel, ich entnehme es aus kaspars >>dichtung und wahrheit (ein plat-o-nett)<<, Rubrik Gesellschaft. ich gebe auch hier nichts vorweg:


    ein stiller seufzer wölbte ihren busen
    da sie gewahrte, dass dem holden jüngling
    an einem ohrläppchen ein goldner ring hing,
    geschenkt von einer seiner neusten musen.

    er hatte stets die liebe schönst bedichtet
    und ihre hand in seiner sanft gehalten,
    auch gern von ihr kost und logis erhalten,
    o dichterwort, was hast du angerichtet.
    (kaspar)




    ich habe Läppchen an den Ohren,
    es heißt Ohrläppchen sind gar fein,
    sie sind des Mannes schönste Zierden
    und bringen gar Kost und Logis ihm ein
    (Butenlänners)


    Nennen wir es Betonungsweite, die je nach Umgebung und Rhythmus eben alles andere sein kann, als es der Duden bestimmt.

    lg
    f

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