Baum-Darstellung

  1. #11
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    Hallo Butenlänner!

    Der Schlegel-Vers hat sechs Hebungen wie jeder andere Hexameter auch - also müsstest du entweder sagen "zehn Längen" (sechs Hebungs- und vier Senkungslängen), oder, wenn das zu sehr nach antikisierender Metrik klingt: "zehn schwere Silben" (schwer = Summe aus Betonung und Zeitdauer).

    Der Vers zeigt ganz gut, wie sich "richtige" Spondeen in der Wirkung von "geschleiften" unterscheiden; aber an sich ist der Vers zu gewollt, man sieht ihm das Zeigensollen, die Vorführnotwendigkeit viel zu stark an?!

    Der "wilde Ritt" ist mehr deins als meins, aber ich reite selbstredend gerne begleitend mit! Was eine "Hexameter-Kuriosität" sein könnte, hm: da denke ich mal drüber nach. Bis Silvester ist ja noch ein weniges Zeit ...

    Der Gegensatz zum Hexameter ist ein anapästischer Vers. Die sind auch toll und für vieles sogar geeigneter. Da kann man "antik" auch Längen in zwei Kürzen auflösen, aber die deutschen anapästischen Verse machen das eher nicht. Andere Versmaße können das auch, der Hexameter aber gar nicht! Ich verbringe die Zeit zwischen den Jahren gerade damit, allerlei zu lesen, das mir aufgefallen war, aber liegengeblieben ist; gerade heute die "Allgemeine musikalische Zeitung" von 1807. Da gibt es einen mehrteiligen Aufsatz über Versmaße oder eher -füße, in dem zum Beispiel der Molossus als Grundlage genommen wird, — — —, und dann nacheinander die drei Längen aufgelöst werden: bei der ersten führt das zum steigenden Ioniker, ◡ ◡ — —, bei der zweiten zum Choriambus, — ◡ ◡ —, bei der dritten zum fallenden Ioniker, — — ◡ ◡. Eigenartiges Vorgehen, aber warum nicht. Am Ende sinniert der Verfasser dann darüber, welche Bewegungslinien man über dem Grundmetrum

    ◡ ◡ — — ◡ ◡ — — ◡ ◡ — — ◡ ◡ — —

    verwirklichen kann -

    Wie ertönt lieblicher Klang ferne vom buntblühenden Talgrund.

    als eine Möglichkeit,

    Zu den Berghöhn, wo der Weinstock an dem Pfahl hoch sich emporrankt.

    als eine andere. Aber das nur am Rande, hat mit Hexametern nichts zu tun, und ionische Verse sind ... schwierig, im Deutschen. Aber es geht da auch um Daktylen und Anapäste - Grundmetrum:

    ◡ ◡ — ◡ ◡ — ◡ ◡ — ◡ ◡ —

    O wie liebliche, lockende, göttliche Lust
    in dem grünenden, sprossenden, blühenden Hain!


    Das sind auftaktige Daktylen (überdeutlichst), aber das ...

    Wie entzückt die Natur, wenn im Hain das Gezweig
    mit dem Duft und Gesang, in dem Lenz sich erneut.


    ... genau so überdeutlich, Anapäste (dämlichen Inhalts).

    Na, wenn der Verserzähler wieder da ist, kommt einiges davon unter "Gesammeltes". Und falls du oder wer anders mag, können wir ja mal einen "anapästischen Versuch" starten - das Grundmetrum, die anapästische Dipodie, ist auch im Hexameter anzutreffen:

    Dieser strebt' | aus dem Wa- | gen empor, | doch die ragende Lanze (Ilias 5,45, Voß)

    Mit Hiatvermeidung vorn und auch recht anapästischem Schluss. Oder drei Anapäste wie in

    Tydeus' Sohn; | und ihm flog | nicht umsonst | das Geschoss | aus der Rechten. (Ilias 5,18, Voß)

    Gruß,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (30.12.2017 um 22:12 Uhr)

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