1. #1
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    Zwischen zwei Zügen

    Zwischen zwei Zügen
    Steigt ein Rangierer von der Lok
    Quert ein streunender Hund die Geleise
    Zwitschert kein Vogel
    Rumpelt ein dritter vorbei

    Zwischen zwei Zügen
    Stirbt durchschnittlich ein Baby
    Betrachtet jemand ein Selfie von sich
    Fährt ein Windstoss in Büschel Haare
    Verweht eine Durchsage

    Zwischen zwei Zügen
    Knurren Hunde und Mägen
    Kauft einer die Zeitung
    Hört man die Strasse brummen
    Dreht sich die Erde

    Zwischen zwei Zügen
    Ein Stück weiter
    Denkt einer laut nach
    Dann spuckt er Wörter
    auf die Schienen
    Geändert von kaspar praetorius (20.01.2018 um 12:53 Uhr)

  2. #2
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    Lieber kaspar,

    dieses Gedicht halte ich im Sinne unserer Diskussion um Form und Inhalt für sehr gelungen.
    Beim ersten Lesen dachte ich: Eine sinnliche Vorort-Momentaufnahme, fein beobachtet, vielfältig und unprätentiös. Nur die Baby-Zeile fällt aus dem Rahmen.

    Weil ich aber annahm, dass sie Dir nicht nur "zufällig hineingerutscht" ist, sondern wohlbedacht gesetzt wurde, fragte ich mich, woher sie stammt.
    Eine Nachricht, die man zufällig beim Radiohören im Auto unterwegs zum Bahnhof aufgenommen hat oder irgendwo als Schlagzeile einer Zeitung gelesen? Wie auch immer, wir tragen die Welt im Kopf, sie bricht ein in den Ort unserer sinnlichen Wahrnehmung, in den Moment, der so reich ist an Eindrücken und doch so unspektakulär ist. So stellt diese Zeile einen unauflösbaren Kontrast her zwischen der Welt der eigenen Wahrnehmung von Normalität und der des Entsetzlichen, das gleichzeitig geschieht. Die letzte Strophe beschreibt angenehm zurückhaltend die eigene Hilflosigkeit.

    Sehr präzise gespuckt, diese Wörter

    LG Okotadia

  3. #3
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    Hallo kaspar praetorius,

    ich bin erst kürzlich hier "gelandet" und schau mich um.
    Auch dieses Deiner Gedichte hat mir etwas ganz "Persönliches" mitzuteilen.
    Zwischen zwei Gleisen, auf einem Bahnhof, passiert in der Tat sehr viel Anschauliches, jedenfalls für mich.

    Viele Grüße vom
    lautmaler

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