1. #1
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    Man angelt nicht nach Tigern

    Im müden Mittagsblinzeln sah ich dein Schemenbild das Wasser dunkeln.
    Hinter dir das Licht.

    (Ach bitte – ein Gedanke, leises Flehen – reich mir deine Hand,
    damit ich sie ergreifen kann, um Witterung zu nehmen.)

    Lose Worte stehn im Raum, Speichel füllt den Rachen.
    Erspäh ich Köder oder ist’s Attrappe, was meinen Blicken schmeidig glänzt
    von deiner Zunge tropfend?

    Nur wisse jetzt, ich bin kein Fisch
    Ich schnappe nicht nach Würmern.
    Nein, ich brauche Fleisch in das ich beißen kann
    ein Herz in das ich meine Zähne meine Krallen
    bis zur Gänze treiben kann
    um Teil davon zu werden.

    Vergiss nicht was ich bin.

    Und wirfst du dennoch nach mir aus, sei dir gewiss –
    sobald ich erst erkenne, dass an dem Köder
    samt Haken, Schnur und Angel
    ein wohl geformter Mensch nun hängt
    werd ich nach diesem jagen
    blank‘ Vorfreude auf den Lefzen tragend.
    Spürst du also doch ein Zittern deiner Leine
    bin ich längst auf der Spur
    vielleicht bereits zum Sprung bereit (?)
    den Ablauf schon im Blick.

    Erst Fang ich Lippen, Körper, Lachen
    dann suche ich dein Herz.
    Nicht Haut nicht Haar nicht Träne lass ich am Ende unverdaut.
    Fest schlingt sich Fing um Finger
    Hals wie Brust, um Bauch und Bein,
    einzig wohl aus Hunger
    nach einer seidnen Wange warm und weich.

  2. #2
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    5.980
    Hallo Kuoku,
    huiiii - da scheint was Wortgewaltiges auf uns zuzukommen. Sei herzlich begrüßt bei gedichte.com!
    Festival

  3. #3
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    727
    Hallo Kuoku,

    Ja, das ist wirklich wortgewaltig. Mir gefällt aber auch die Idee, die dahinter steht. Dem abgegriffenen Bild des Angelns nicht den Fisch sondern einen Tiger - und damit ein erotisches Moment - entgegenzusetzen, der dann am Ende auch das Potential zum Kuscheltier hat.

    Sehr schön!
    Okotadia

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