1. #1
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    Hexen am Meter

    Hexen am Meter

    Virusalarm auf gedichte*punkt*com: Da hat's Hexen am Meter!
    XxxX (/) xxXxxX / xxXxxXx
    Haben die wohl die Walpurgis-Nacht auf Dezember verschoben?
    XxxX (/) xxXxX (/) xxXxxXx
    Ich bin immun! Na zumindest bis jetzt - denn was mach ich da grade??
    XxxX / xxXxxX / xxXxxXx
    Hexen am Meter verfolgen mich wütend. Wer kann mich retten?
    XxxXxxXxxXx / XxxXx
    Gnad und Erbarmen mit dieser* Verhexten! Her mit dem Neujahr! -------*mir, der Verhexten
    XxxXxxXxxXx / XxxXx

    Ich habe mich an den Zäsuren des Trithe-/Hepthemimeres und der Bukolischen Dihärese versucht, deshalb die X-erei. Wenn meiner Quelle zu vertrauen ist (wortwuchs.net), dann darf man in deutschen Hexametern aus dem dritten oder vierten Daktylus auch mal einen Trochäus machen. Bitte beim Auseinandernehmen der Zeilen nicht tiefer ins Detail gehen, es ist mein erster Versuch und mit Spitzfindigkeiten kann ich noch nichts anfangen, gerne aber mit Hinweisen auf gröbere Regelverletzungen. Merci!
    Geändert von Gugol (31.12.2017 um 10:26 Uhr)
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  2. #2
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    Hallo Gugol!

    wortwuchs.net schreibt da ... na, nicht sehr überzeugende Dinge. Besonders dieser Beispielvers:

    Welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung (Odyssee 1,2, Voß)

    ist falsch dargestellt - richtig ist statt

    Welcher so / weit geirrt / nach der / heiligen / Troja Zer- / störung

    natürlich

    Welcher so / weit ge- / irrt || nach der / heiligen / Troja Zer- / störung

    Such dir da besser eine andere Quelle! Zweisilbige Füße zum Beispiel sind in den ersten vier Füßen möglich, nicht nur im dritten und vierten.

    Sonst passt das schon - ein wenig atemlos, ein wenig leer (Langverse brauchen Wirklichkeit: Dinge), aber für einen ersten Versuch: Klasse! Die ersten beiden Verse gefallen mir am besten. ("Bukolisch" ist eher Ausnahme denn Regel, besser, man ist da sparsam mit, vor allem am Anfang.)

    Jahresendlichen Grußes,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (31.12.2017 um 23:45 Uhr)

  3. #3
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    Danke Ferdi für deine Eischätzung. Bei wortwuchs ist auch ein Fehler in einer Abbildung und genau dieses Troja-Ding kam mir auch eher spanisch als türkisch vor , aber ich denke, die theoretische Beschreibung passt dann doch in etwa. Zweisilber in den ersten vier Füssen... ok, merk ich mir. Ja, inhaltlich geben die Zeilen nicht wirklich was her, ein reiner Handwerksversuch und über irgend was muss man ja schreiben. Lieber die Fehler hiermit begehen als an einem Gedicht, was mir inhaltlich total am Herzen liegt. E liebe Gruess, gugol
    Geändert von Gugol (31.12.2017 um 15:14 Uhr)
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  4. #4
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    Hallo nochmal!

    Das mit dem "leer" war gar nicht so sehr auf den Inhalt bezogen, mehr auf den Vers. Der zum Beispiel:

    Ich bin immun! Na zumindest bis jetzt - denn was mach ich da grade?

    Der ist sauber gebaut, die Hebungen sind mit klar erkennbaren, betonungsfähigen Silben besetzt; trotzdem ist er leer, er ist frei von Sinnlichkeit, ein reiner Verstandesvers.

    Links Amaranten, Levkojen und Judenkirschen und Fuchsschwanz,
    Kaiserkronen und Myrthe, Jelängerjelieber und Nelken;


    Aus von Werneuchens "Das Dorf Döbritz"; das sind jetzt auch keine endtollen Hexameter, aber wenn du sie mit deinem vergleichst, wird vielleicht etwas klarer, was ich mit "leer" meinte?! Also, zum Üben einfach beschreiben, was man gerade sieht, hört, schmeckt, fühlt: lohnt immer! Auch weil der Hexameter schon immer benutzt wurde, die Dinge zu zeigen, sie dem Leser oder Hörer gegenüberzustellen; aber eigentlich nie, um sie zu erklären, und schon gar nicht, um Auskunft über das "Ich" zu geben.

    Ach, nicht so wichtig ... Lass dir den Spaß nicht verderben und schreib drauflos, wie du magst: Das wird was!

    Gruß,

    Ferdi

  5. #5
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    Hallo Ferdi, nein nein, der Spass beginnt da, wo Regeln und Konventionen bekannt sind und ich sie bewusst einsetzen oder übergehen kann. Insofern sind deine Ergänzungen äusserst hilfreich. Willkür dagegen mag ich nicht so gern. So machte ich aus einem Pantun, das ja eigentlich im Wesentlichen für Naturbeschreibungen verwendet wird, eine ziemlich abgefahrene Social Media Story, also extra was ganz "Unnaturiges". Dann erst wird's lustig. Bei den Hexametern (auch im von dir aufgeführten Beispiel) fällt mir auf, dass oft mit Aufzählungen und vielen "und" gearbeitet wird, was mich ziemlich langweilig dünkt. Mal sehen, was dieser Hexa mir/uns (ein Gemeinschaftsprojekt mit L.A.F. Strässler steht an) noch bescheren wird. LG gugol
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  6. #6
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    Hallo Gugol!

    Zum "und": das ist wohl so. Leuchtet mir aber auch ein - der Hexameter ist (erst einmal, sicher nicht: ausschließlich) ein "Ding-Vers", der dem Leser / Hörer Wirklichkeit vorstellt, und zwar in ihren Einzelheiten und um ihrer selbst willen. Also nicht "Dies geschah, weil vorher das geschehen war", sondern "Das geschah, und dies geschah auch". Da wirkt eine "Entlogifizierung" von Sprache im Hintergrund, die noch einmal anders arbeitet als die der lyrischen Dichtungs-Sprache; und auf die man sich sicherlich nicht einlassen muss, aber sehr gut einlassen kann! (Und ich finde es immer schade, wenn die Hexameternutzung auf die Wiedergabe einer bestimmten Silbenfolge beschränkt bleibt - Verse sind immer mehr als ein Silbenmuster, und der Hexameter ist viel mehr.)

    Auf euer Gemeinschaftsprojekt bin ich gespannt!

    Gruß,

    Ferdi

  7. #7
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    Hallo Gugol,

    ich finde auch, dass das für den Anfang gut geklappt hat! Was mir auffiel, ist Dein (bewusstes oder unbewusstes?) Bestreben, die Verse harmonisch aufeinander abzustimmen, wie es einem bei Reimgedichten meist intuitiv aus der Feder fließt. V1,2,3 und V4,5 scheinen irgendwie melodisch zusammenpassen zu wollen? Ich glaube, das geht allen musikalischen Menschen so. Wenn man die erste Verszeile im Ohr hat, braucht man nicht mehr groß zu zählen, und die Wörter schmiegen sich wie von selbst ins Metrum.

    Im Bewegungsvers muss man dann anfangs ganz bewusst gegen die Melodie im Kopf anarbeiten und sich ständig sagen: Jetzt was anderes als gerade eben! Es dauert nicht allzu lange, bis man den Bogen raus hat. Beim Hexameter finde ich es allerdings nicht empfehlenswert, zu früh mit den Regeln brechen zu wollen (was im Pantun z.B. gar kein Problem ist), weil man einfach auf zu viele Dinge gleichzeitig achten muss, um sofort ein Gespür für den Vers zu kriegen.

    Aber bei Dir mache ich mir da keine Sorgen. Probiere ruhig mit Lorenz alles Mögliche aus. Auch innerhalb der Regeln lässt der Hexameter einem ganz viel Raum! Ich wünsche Euch viel Spaß und bin auch sehr gespannt auf Euer Gemeinschaftswerk!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  8. #8
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    Danke claudi und ferdi für eure Ergänzungen und fürs Mutmachen. Wir werden sehen, ob und was daraus wird.
    E liebe Gruess, gugol
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