Thema: Der Heuler

  1. #1
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    Der Heuler

    Ein Heuler reckt die Nase in den Wind,
    ist hungrig, kann nicht schlafen, möchte saugen.
    Die Hoffnung weicht aus großen schwarzen Augen,
    die Mutter ruft verzweifelt nach dem Kind.

    Es fehlt doch nur ein kleines Quäntchen Glück.
    Zu groß wird die Entfernung zwischen beiden.
    Geburt und Tod und Leben, Lieben, Leiden
    erkämpfen Ihren Platz im grauen Schlick.

    Der Wind, jetzt zügellos, wird stetig schlimmer.
    die Wellen kochen hoch, es tobt das Meer.
    Den Suchenden wird Kopf und Körper schwer.
    Die Mutter schnaubt. Ihr Kind schläft ein - für immer.
    Geändert von Richmodis (06.01.2018 um 17:50 Uhr)
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    Loriot

  2. #2
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    Hallo Richy, ein schön geschriebenes, trauriges Gedicht über den Lauf der Natur. Vor vielen Jahren fand ich so einen toten Heuler an einem dänischen Strand, die grossen schwarzen Augen noch glänzend. Dieses Bild werde ich nie vergessen, und doch ist es nun mal so, dass in der Natur viele Jungtiere ihren ersten Geburtstag nicht erleben.
    Ich dachte, das Gedicht ende als Sonett, aber du hast dich für drei gleichgestaltete Strophen entschieden, was ich nun fast schade finde, denn S1 und S2 würden perfekt zum Sonett passen.
    In der letzten Zeile fände ich einen Gedankenstrich vor "für immer" schön, denn so wie es jetzt ist, hat man das Gefühl, es sei ein verdrehter Satz.
    LG gugol

  3. #3
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    Hi, Gugol,
    perfekt die Idee mit dem Gedankenstrich, schon umgesetzt. Und schon klingt es auch in meinen Ohren nicht mehr wie *kindersprech*.
    Ich kenne mich mit der Sonettform noch gar nicht aus. Deshalb kam ich wohl gar nicht auf die Idee, es als Sonett zu schreiben.
    Entstanden ist das Gedicht im Spielefaden "Könnt-Ihr-das" und hat - nach einigen Reparaturarbeiten in der Gedichte-Werkstatt - nun seinen Weg hierher gefunden.

    LG
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  4. #4
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    Naja, formal würde alles zum Sonett passen, ausser eben dass aus der S3 zwei Strophen à je drei Zeilen würden: ABC CBA zum Beispiel.

  5. #5
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    Hey Richmodis,

    dein Gedicht ist im Kern sehr emotional, bleibt mir aber insgesamt zu undeutlich.
    Es ist nur ein kleiner Anriss dessen, was unglaublich furchtbar sein muss.
    Eine Mutter deren Kind einschläft das sind größere Emotionen als du sie hier nur oberflächlich schilderst.
    Lass die Mutter Qualen erleiden, zeige, wie sehr es weh tun muss ein Kind zu verlieren.
    Sonst plätschert das hier nur, dabei ist so viel mehr darin.
    Was wird sie tun, nachdem ihr Kind tot ist?
    Wie fühlt sich ihr Atmen, als sie es merkt, wie ihr Herz? Was machen ihre Augen, wie sieht ihr Gesicht dabei aus, was ruft sie? Wie weint sie? Wie handelt sie?
    Oder ich liege mal wieder völlig mit meiner Interpretation daneben.
    Hier wäre mehr Beschreibung der seelischen Grausamkeiten die die Protagonistin erfährt in der Handlung von Vorteil.
    Eine Gewisse Hektik bricht doch aus, stirbt ein Kind, sie wird es doch verhindern wollen.
    Es ist alles so... grob angerissen, vielleicht wäre der Fokus auf wenige Details auch gut?

    Hm .. weißt du was ich meine?
    Tolles Thema, Emotion scheint durch, aber es ... zieht noch nicht richtig bei mir rein, obwohl es das aber kann, grade weil es ein schweres Thema ist.

    Vielleicht wird das Kind immer leichter, vielleicht sitzen sie in einer Höhle, die Mutter halb am Verhungern das Kind stirbt langsam ... ich weiße s nicht? Es saugt ja, muss ein Baby sein. Wann sterben Babys trotz des Saugens, ist es nur versinnbildlicht?

    Viele Fragen und viel Potential.

    Liebe Grüße,
    Werner.

  6. #6
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    Hey Werner, ich sehe das genau anders als du: Es geht hier um ein Seehundbaby, und gerade dass es der Richmodis gelingt, die Tiere nicht zu vermenschlichen, keine Fabel daraus zu machen, finde ich stark. Der Lauf der Natur, aber eben trotzdem traurig... In unseren Augen, was eine Seehundmutter empfindet, wissen wir einfach nicht. Die Autorin lässt sich auf keine Spekulationen ein. E liebe Gruess, Karin

  7. #7
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    Hallo, Werner,

    du hast Recht, dass hier Potential ist. Zur Vorgeschichte dieses Gedichts musst du wissen, dass es im Spielefaden "Könnt ihr das" entstanden ist. Dort werden 5 Wörter vorgegeben, anhand derer du ein Gedicht kreieren sollst. Aber eigentlich ist das kein Argument, fällt mir auf, ich hätte ja trotzdem tiefer gehen können. Also:

    Das Gedicht beschreibt eine reale Trennung von Mutter und Kind voneinander. Ich habe da auch Bilder im Kopf von Dokumentarfilmen, wo Heuler ihre Mutter nicht mehr wiederfinden und dann Anschluss an andere Muttertiere suchen, von denen aber verstoßen werden und schließlich sterben, nur weil Mutter und Kind sich einfach nicht mehr wiederfinden.

    Der Text geht wohl nicht in die Tiefe, weil ich nicht weiß, wie eine Robbenmutter sich fühlt, wenn ihr Kind abhanden kommt. Fühlen Tiere ähnlich wie Menschen?

    Aus dieser Unwissenheit heraus habe ich die Mutter am Ende nur schnauben lassen. So kann der Leser sich diese Gedanken selbst machen.

    Ist es so klarer?

    Wie schreibe ich meinen Kunden immer so schön: "Bei Fragen zögern Sie bitte nicht, sich erneut an uns zu wenden."

    LG
    Richy
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  8. #8
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    Hey Richy,

    ich wusste nicht, dass es sich hier um eine Robbenmutter handelt, dann hätte ich mir wohl meinen gesamten Kommentar gespart, stattdessen dachte ich, es geht um eine Menschenmutter mit Menschenkind, dass nicht trinken möchte? Deswegen dachte ich wohl auch, Strophe zwei passt nicht.

    Hach Gott, ich bin ein miserabel im Interpretieren

  9. #9
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    Zitat Zitat von BlindeKuh Beitrag anzeigen
    Deswegen dachte ich wohl auch, Strophe zwei passt nicht.
    Und Strophe 1 und 3 auch nicht. (Ein Kind namens "Heuler".?Eine schnaubende Menschenmutter?)

    Lieben Gruß

    Und vielen Dank für dein Interesse natürlich!
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  10. #10
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    Hey! Ich bin nicht blind.

    Schau mal, ein Kind das immer nur weint weil es nichts zu essen bekommt, nicht saugen kann, oder es doch tut und aber nichts herauskommt, weil die Mutter krank ist, einsam mit dem Baby auf einer Insel oder so. Da würde das Kind auch ein "Heuler" sein, weil es nun mal essen will, dsa heulen würde verstummen und sie langsam dahin siechen, vielleicht robbt das Baby über den Boden? Das Kind ist blind, schwarze Augen?
    Warum die Mutter schnaubt, weil sie tränt, weint ausschnaubt den ganzen Rotz.

    Dann robbt das Baby mit letzten Kräften dam Boden, sucht die Mutter, findet nichts, Mama fast tot, Baby tot. Also ... ich fand nur Strophe zwei in meiner Fantasie schwerlich einzuordnen.

    -> 1. Preis als Idiot geht an mich :P

  11. #11
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    Vergiss es MiauKuh,

    aus der Nummer kommst du nicht mehr raus.
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  12. #12
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    Liebe Richmodis,

    ich hatte gerade zum Jahreswechsel in Helgoland wieder ein paar Tage Gelegenheit, zwischen Robben zu spazieren und mit Naturschützern zu sprechen. Robbenmütter erkennen ihre Babys am Geruch. Wenn sich dieser natürliche Geruch (z.B. durch menschliche Einwirkung) verändert, verliert die Mutterrobbe die Bindung. Ich glaube eher nicht, dass die Robbe nach ihrem Kind ruft. Sie orientiert sich wohl ausschließlich an ihrem Geruchssinn.

    Ich weiß zudem auch nicht, ob das Heulen als Signal für die Robbenmutter gedacht ist, oder eben nur einem Heulen gleicht, dass sich wie bei Menschen irgendwie an Gott und die Welt richtet. Aber es stimmt mich als Hörer wirklich traurig.

    Werner, diese Robbe wäre für mich als gelegentlicher Beobachter kein "Protagonist", sondern ein Tier, in welches ich mich nicht wirklich reinversetzend könnte. Mit dem ich viel zu selten Kontakt habe. Deshalb finde ich ein distanziertes Schreiben über diese Tiere durchaus angemessen. Ich weiß nicht, wie lange eine Robbe trauert. Besucher in Helgoland werden gebeten, nach Möglichkeit 30m von den Tieren entfernt zu bleiben. Und 90% der Beobachtungszeit liegen die Tiere fast regungslos im Sand oder sind im Wasser.- Ich glaube einfach, Richmodis hat vor allem über ihre Gefühle geschrieben. Und das ist mMn legitim.

    lg
    Geändert von Artname (08.01.2018 um 15:05 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  13. #13
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Robbenmütter erkennen ihre Babys am Geruch. Wenn sich dieser natürliche Geruch (z.B. durch menschliche Einwirkung) verändert, verliert die Mutterrobbe die Bindung. Ich glaube eher nicht, dass die Robbe nach ihrem Kind ruft. Sie orientiert sich wohl ausschließlich an ihrem Geruchssinn.

    Ok, danke, Artname, dass ist eine wichtige Hintergrundinfo, die ich nicht hatte. Wenn man seine eigenen Gefühle rauslässt, könnte man auch aus "ruft verzweifelt" "sucht vergeblich" machen. "verzweifelt" ist ja eh schon zu weit aus dem Fenster gelehnt. Man weiß ja noch nicht mal, ob die Robbenmutter wirklich Verzweiflung spürt.
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  14. #14
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    Zitat Zitat von Artname Beitrag anzeigen
    Werner, diese Robbe wäre für mich als gelegentlicher Beobachter kein "Protagonist", sondern ein Tier, in welches ich mich nicht wirklich reinversetzend könnte. Mit dem ich viel zu selten Kontakt habe. Deshalb finde ich ein distanziertes Schreiben über diese Tiere durchaus angemessen. Ich weiß nicht, wie lange eine Robbe trauert. Besucher in Helgoland werden gebeten, nach Möglichkeit 30m von den Tieren entfernt zu bleiben. Und 90% der Beobachtungszeit liegen die Tiere fast regungslos im Sand oder sind im Wasser.- Ich glaube einfach, Richmodis hat vor allem über ihre Gefühle geschrieben. Und das ist mMn legitim.

    lg
    Hi Artname,

    alles coool, wirklich ich hab ehrlich keinerlei Ahnung gehabt, dass es hier um eine Robbe geht, meine Interpretation war völlig frei von Tierempfindungen, deswegen ist ja im Grunde alles was ich zum Gedicht geschrieben habe Stuss und leider nicht ernst zu nehmen.
    Natürlich ist das vollkommen legitim es so oder so zu schreiben, wie Richmodis das tut und ich stehe auch dazu das ich dachte, es war eine echte Mutter und ihr Baby. Ich irre mich gerne, meistens tue ich das sogar, wenn ich mal richtig liege freue ich mich dann aber auch! Ha!

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