Thema: Transplantage

  1. #1
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    Transplantage

    Schau mir in die Augen, Kleines!
    Lass dir ruhig schwindlig werden!
    Zweifle nicht an mir, ich mein es
    Ernst, im Himmel wie auf Erden!

    Bin ich Schwan, dann bist du Leda!
    Ich der Stier, wirst du zur Nymphe!
    Heiss ich Paul, machst du die Petra!
    Kein Paar Füsse ohne Strümpfe!

    Schau mir in die Augen, lass dich
    Fallen tief an meine Brust!
    Hör, ich will dir sagen, was dich
    innerlich erfüllt mit Lust!

    Blicke dunkel in den Spiegel!
    Schau dein Ebenbild in mir!
    Bald schon wachsen uns zwei Flügel
    und gemeinsam fliegen wir!

    Blick mir in die Augen, sei die
    Luftfracht, die ich aufwärts trage,
    sei zum Abheben bereit, nie
    zögere, wage, wage, wage!

    Gib dich ganz in unsre Hände,
    transplantiere mir dein Herz!
    Hör auf deines nicht, verwende
    meines. Lache nicht! Kein Scherz!
    Geändert von kaspar praetorius (13.01.2018 um 10:34 Uhr)
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  2. #2
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    Jo! Das Theoretisieren is wohl nich so deen Ding. Na juuut, denn schreib ma weita solche Texte. Is ja letztlich die praktische Probe uff's theoretische Exempel.

    "Hör auf Deines nicht, verwende Meines..." - wie find ich denn DAS - Großes Kino!

    Übrigens: Hast du dich von der generellen Kleinschrebung getrennt? Oder hast du zur Groß- und Kleinschreibung spezielle Kriterien?
    Geändert von Artname (10.01.2018 um 16:31 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  3. #3
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    ich habe erkannt, dass ich in der entwicklung der deutschen sprache keine rolle spielen werde. also mache ich einmal so, einmal so. aber wenn ich ringsum schaue, dann ist die deutsche gross-/kleinschreibung ein absoluter sonderfall. also wird sie wohl in diesem jahrhundert verschwinden, umso mehr, als sms- und email-verkehr schon jetzt darauf weitgehend verzichten.
    an kleinschreibung halte ich oft fest, wenn ich meine, ernsthaft was geverst zu haben. wie die erfahrung zeigt, interessieren gerade diese texte meist niemand, oder sie bringen mir allenfalls eine kopfnuss der kenner ein.
    grossschreibung wähle ich meistens dann bewusst, wenn ich etwas parodieren möchte.

    ich bin sehr froh, dass du dich mit diesem text amüsieren konntest, obwohl auch der wieder ins kontingenzsystem der forenlyrik eingebunden ist. hätte ich ihn demnach klein schreiben können? naja...

    man liest sich
    kaspar

  4. #4
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    Herrje, da ist wohl heute noch ein Vulkan übergequollen! Ist das ansteckend?

    Ich mag das beschwörende Schema, das wiederkehrende Motiv des Blickkontakts, erinnert mich an eine Zauberformel.
    Gut, dass das lyrische Ich keinen Fußfetisch hat. Wäre ja auch etwas kalt im Winter!

    Kribbelt schon in den Fingern nach einem poetischen Konter. Oder zwei. Wenn ich nur reimen könnt'

    Lg
    A

  5. #5
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    Hallo Kaspar,
    schicker gegenentwurf,
    die geschichte von leda mit dem schwan musste ich googeln und natürlich lachen (sie gebar zwei eier)
    mit stier, nymphe oder paul, petra - kriege ich keinen gedanken verknüpft, sehe auch nicht wohin du als autor wolltest
    vielleicht könntest du hier andere beispiele einsetzen? irgendwas moderneres?
    wie die schlange ka aus dem dschungelbuch?
    mir ist bisher nichts brauchbares eingefallen (meine mama und mein papa kennste ja nicht und bei denen wurde auch nicht herz transplantiert sondern ein hirn, dient mir als abschreckendes beispiel)

    ich denke du bist hier schmissig unterwegs, handwerklich bestimmt gut gelungen
    aber mir fehlt was (falls mir was einfällt, melde ich mich nochmal in deinem faden)


    lg vom GE-wicht
    Guter Freund, im Namen Jesu grabe nicht den Staub auf, der hier eingeschlossen ist. Gesegnet sei derjenige, der diese Steine verschont, und verflucht der, der meine Gebeine bewegt.
    (Grabsteinplatteninschrift)

  6. #6
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    hallo ashtrayblue
    mach dir keine sorgen, den reim verschieb auf morgen
    gib dich ganz in unsre hände, dann wird das schon was werden
    ende

    hallo gewicht
    ob hirn, ob herz,
    das geht ganz schmerz
    los!
    wie aber sollte
    die leserin wissen
    was ihr fehlt
    wenn der autor selbst nicht weiss
    was er wollte
    thema verfehlt...

    grüss euch beide
    und danke für den besuch!
    kaspar

  7. #7
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    hallo kaspar,

    das ist ein wirklich schönes gedicht, was auch immer motiv gewesen sein mag, ob groß- oder kleingeschrieben, ob eingebunden oder nicht und gehört sicherlich nicht in die werkstatt.
    die kleine inhaltliche änderung passt.

    liara
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  8. #8
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    Hallo Kaspar,
    zwei Flügel sind nicht genug! Es sei denn, die Leiber sind bereits miteinander verschmolzen.
    Zu kritisieren habe ich, dass Du GEwicht im Unklaren mit der Nymphe und den Stier lässt.

    Hier für GEwicht: Kaspar schöpft aus der griechischen Mythologie. Der Stier war Zeus, der Göttervater, der sich zwecks Verführung von Nymphen oder anderen zweibeinigen (selbstverständlich weiblichen) Wesen gern mal in einen Goldregen oder eben auch mal in einen schönen Stier verwandelte. Verführt hat er die Europa, die unserem Erdteil den Namen hinterließ.
    Die Story mit Leda (zu empfehlen ist das Anklicken von "Leda und der Schwan" und das Betrachten der Bilder). Das mit den zwei Eiern ist richtig, aber die Griechen waren viel versauter, als wir so denken: Das Ei Nr. 1 war von Zeus befruchtet, das Ei Nr. 2 vom Ehemann der Leda (ich glaube, die Leda hat das in einer Nacht bewerkstelligt).

    So, lieber Kaspar, nun wieder zu Dir:
    Der erste Kommentar gehört wohl zu herzzerreißenden, impulsiven Absonderungen, die früher zu einem Ausbruch kriegerischer Handlungen zwischen Deutschland und der Schweiz geführt hätten. Artname nennt sich Musiktexter - ich vernehme aber nichts musikalisches, eher das Keckern einer Spottdrossel. Ich weiß nicht, ob Spottdrosseln keckern, aber dasreimt sich so schön auf kleckern und meckern.
    Ich nehme an, Du wirst es überleben und mein Lob fürs Gedicht wird Dir übers Schlimmste hinweg helfen.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (19.01.2018 um 00:28 Uhr)

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