1. #1
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    im pfärichgraben

    im pfärichgraben blühen
    die primeln, raupen ziehen
    aus ihrer wohnung aus

    stein und blume, käfer, schlange
    gab es hier schon immer, lange
    eh der mensch sich niederliess
    und der graben graben hiess

    ich trieb sie in den graben
    die mädchen wie die knaben
    zu sehen, was ich sah

    wir sahen nicht vokabeln
    da wuchsen nicht parabeln
    doch sonst war alles da:

    stein und blume, käfer, schlange
    gab es hier schon immer, lange
    eh der mensch sich niederliess
    und der graben graben hiess

    ich schaute, wie sie spielten
    und dachte mir, sie fühlten
    den zauber so wie ich

    obwohl sie steine warfen
    (zumeist zum glück nicht trafen)
    bis streitlust hunger wich

    stein und blume, käfer, schlange
    gab es hier schon immer, lange
    eh der mensch sich niederliess
    und der graben graben hiess

    hier haben sie gesessen
    und haben was gegessen
    vergassen, was da war

    hier gab es nichts zu wissen
    da lag kein lorbeerkissen
    ringsum nichts. nichts? na klar:

    stein und blume, käfer, schlange
    gab es hier schon immer, lange
    eh der mensch sich niederliess
    und der graben graben hiess

    nun sind sie weggezogen
    zum nest hinaus geflogen
    in die welt hinein

    mag sich eins erinnern
    von den menschenkindern
    was einmal war
    wärs wunderbar
    Geändert von kaspar praetorius (30.04.2018 um 22:35 Uhr) Grund: the witch (s.u.), andere dimension (s.u.)

  2. #2
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    Hey kaspar, wie bei der Wehraschlucht schon kenne ich auch den Pfärichgraben nicht, aber ich sehe uns Kinder im Graben nahe des elterlichen Wohnhauses Blindschleichen (Schlangen gab es keine) fangen, Käferfallen stellen und manchmal auch Blümchen pflücken, wobei mir eher die wilden Spiele in Erinnerung sind. Im Moment gelingt es dir ausnehmend gut, Situationen so allgemein, hier gar Generationen überdauernd und doch dermassen lebensnah zu beschreiben, dass man einfach mit eintauchen muss. Am besten mag ich diese beiden Strophen:

    ich schaute, wie sie spielten
    und dachte mir, sie fühlten
    den zauber so wie ich

    obwohl sie steine warfen
    (zumeist zum glück nicht trafen)
    bis streitlust hunger wich

    Sie sind ehrlich, nichts beschönigend und trotzdem schön.
    Dieses Gedicht würde sich mit dem Refrain wunderbar zum Vertonen eignen. Hattest du das etwa vor?
    Sehr gern gelesen und einfach nichts auszusetzen! gugol

  3. #3
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    hallo kaspar,

    warum nochmal steht das in der werkstatt? schöner (oder hübscher?) habe ich einen (bio?)lehrer noch nie von den ausflügen in die natur mit seinen ehem. schülern erzählen hören.

    ein paar wenige dinge hätte ich noch: obwohl ich selbst kein fan vom *ß* bin, hat mich das *vergassen* kurz zurückschrecken lassen.

    bei der letzten strophe kam ich ebenfalls ins stocken, vermutlich, weil sie 6 silben hat anstatt der bisherigen 7 und mit dem *mag sich eins ...* beginnt, wo ich mir ein *mag eines sich ...* besser vorstellen könnte. die *menschenskinner* waren dir wohl zu albern?

    die zeile *zum nest hinaus geflogen* ist auch gewöhnungsbedürftig, *zum nest* lässt eher ein hinfliegen erwarten und dann kommt der flug aus dem nest.

    aber wie gesagt, kein werkstatt-fall (imho) und gern gelesen und mitgefühlt.

    lg
    lilisarah

    it all seems so stupid
    it makes me want to give up
    but why should I give up
    when it all seems so stupid

    (depeche mode)

  4. #4
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    hallo lilisarah mein drang zur werkstatt hat gründe, die schwer zu erläutern sind.
    aber vielleicht hättest du im andern fall keine verbesserungsvorschläge gemacht und gar nicht oder einfach nur still gelesen?
    info: ich war nach deutschem sprachgebrauch grundschullehrer, was in der schweiz bedeutet, dass du quasi für jede minute des unterrichts zuständig bist, abgesehen vom "textilen werken" und neu vom früh-englisch. "hübsch" lasse ich gerne gelten, man könnte das ganze ja auch todernst nehmen und einen selbstgefälligen alten in mir sehen.
    sz ist in der schweiz schon mehr als 80 Jehre tot. auf meiner alten tastatur konte ich es machen und habe es gemacht, weil es nach den neuen rechtschreibregeln a) bewältigbar und b) relativ sinnreich ist. aber jetzt weiss ich nicht wie.
    betreffend die rhythmus- oder taktwechsel gegen ende triffst du ins schwarze. ich überlege mir gleich mal deinen korrekturvorschlag. allgemein möchte ich doch betonen, dass ein vers nicht an seiner silbenzahl gemessen werden darf. "toilettenpapier ist aus" und "danach liefen sie nach haus" haben beide 7 silben, aber beide verse sind nicht gerade der hammer, oder?
    menschenskinner ist als umgangssprachliches hier vielleicht nicht unbedingt passend, nicht wahr? umso mehr, als es in meiner umgangssprache nicht existiert.
    geht man nicht "zur tür hinaus"? aber da gibt es einen unterschied, ich muss das anschauen. danke.


    hallo gugol
    wie schön, dass es auch forensurfer gibt, die in der nähe eines grabens aufgewachsen sind. ich hoffe, wir werden uns noch einigen darauf, dass man auch in einer schlucht die weite der welt entdecken kann. ohne grand canyon und andere tiefe gräben wüssten wir weniger über die geschichte der erde als wir tun.

    hallo lafsträssler
    ich erwarte gar nichts. nur keine geheimsprache. deine sicht- und leseweise finde ich sehr interessant, sie stellt meine eigene intention in frage, und das kann niemals schaden.

    gute nacht ihr drei
    kaspar

  5. #5
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    Hallo kaspar, da gehe ich bereits mit dir einig. Gräben sind nett zum Spielen, Herumtollen und die kleinen schönen und weniger schönen Dinge des Lebens Ausprobieren. Schluchten dagegen faszinieren mich seit jeher, und als ehemalige Geologiestudentin (leider nur im Nebenfach), mag ich ohnehin alles, was aus Stein und Fels ist, gerade weil sich darin die Welt(Geschichte) entdecken lässt. Nur in der Nacht, da bin ich lieber anderswo allein als in einer dunklen Schlucht, aber das liegt weniger an der Schlucht als daran, dass ich ein Schisshase bin.

  6. #6
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    häschen in der grube
    ein thriller im kindergarten....

  7. #7
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    Hallo kaspar,

    bin ich in knappen Zeiten ausnahmsweise mal hier, folge ich meinen Lieblingsdichtern überall hin , selbst in die Werkstatt, frage mich allerdings auch, was dein schönes Gedicht/Lied hier zu suchen hat (Ist Deine Erfahrung tatsächlich, dass Deine Texte hier mehr Beachtung finden als anderswo?) ...

    Berühren mich gerade sehr, Deine Verse, beschwören inmitten von Pflichten und Aufgabenfülle Frei- und Einssein und kindliches Selbstvergessen herauf, sehr schön!

    hier haben sie gesessen
    und haben was gegessen
    vergassen, was da war

    es gab auch nichts zu wissen
    da lag kein lorbeerkissen
    da war nichts. nichts? na klar:

    In diesem Teil schwächeln die Verse in meinen Augen etwas, mein Empfinden bleibt unsicher, was mit "da" gemeint ist (das gleiche wie mit "hier"?), fragt sich dann, ob es überhaupt richtig versteht, was diese Verse sagen wollen, hätte gern klarere Bezüge. Bitte nicht als Korrekturvorschlag, sondern eher als meine "Übersetzung" zu verstehen:

    hier (oder da) haben sie gesessen
    und haben was gegessen
    vergassen, was noch war

    hier (oder da) gab es nichts zu wissen
    kein muss, kein lorbeerkissen
    nichts sonst war. nichts? na klar:

    Ja, "zur Tür hinaus" ist vielleicht nicht ganz vergleichbar, aber man sagt ja auch "zur Stadt hinaus" oder "zum Haus hinaus", da wird "zu ... hinaus" genauso benutzt wie in Deinem "zum nest hinaus", für mich daher völlig in Ordnung. Mich stört allerdings das doppelte "hinaus" etwas. Da Du hier aber eh keinen Reim hast, könntest Du "sie" vielleicht einfach "in die welt hinein" fliegen lassen?

    Bezüglich des Metrum- und Rhythmuswechsels in der letzten Strophe bin ich zwiegespalten. Beim ersten Lesen bedauerte ich den Ausbruch aus dem bisherigen "Fluss" wie lilisarah. Je öfter ich die Verse lese und je mehr ich sie auf mich wirken lasse, desto passender erscheinen mir der Bruch und die sich steigernde Verkürzung der Verse jedoch, schlagen sie doch eine wunderbare Brücke aus der Idylle von "einst im Graben" in die "heutige Alltagswelt". Nein, da würde mein Empfinden nichts ändern wollen (außer analog zu oben evtl. "hier" statt "da")...

    Sehr gern gelesen - liebe Grüße von der
    witch
    .........................................
    Kindlein, liebt euch, und wenn das nicht gehen will, lasst wenigstens einander gelten. (J.W.Goethe)

  8. #8
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    hallo the witch
    leicht beschämt hole ich nach, was ich längst tun wollte und verarbeite deine verbesserungsvorschläge.
    danke dafür. das musste vielleicht so lange warten, damit ich es weitgehend übernehmen konnte. trotzdem biete ich ein "entschuldige bitte" an.
    kaspar praetorius (ex wilma27)
    Geändert von kaspar praetorius (30.04.2018 um 19:26 Uhr)

  9. #9
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    da gibt es nicht (mehr) viel zu meckern, k.p.

    was ich noch anzubringen habe, das ist mehr ein frage des persönlichen geschmacks...da gibt es kein richtig oder falsch...oder ein besser oder schlechter

    mir geht es auch "nur" um den einstieg in dein gedicht

    im pfärichgraben blühen
    die primeln, raupen ziehen
    sich ihre hülle aus
    das könnte ich mir in der "beschreibung" auch lyrischer vorstellen. du beschreibst den akt des entkleidens selbst...und das....durch die abfolge "sich ihre" eher technisch. möglich wäre auch den auszug als aufbruch zu beschreiben:

    raupen ziehen
    aus ihren hüllen aus

    ...im sinne von (verlassen das "haus" und erobern die welt)

    eine andere möglichkeit:

    raupen schälen sich
    aus ihren hüllen

    ...gibt noch weitere optionen...aber ich denke du weißt was ich meine. "sich ihre" gilt es...wie auch immer...zu vermeiden.

    gruß, a.d.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  10. #10
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    hallo a.d.
    "kill your darlings" gilt auch hier.
    am ende bleibt nur das, was eigentlich zu anfang überflüssig war.
    und der darling stirbt den Tod aller darlinge.
    danke für dein feedback
    k.p.

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