Thema: Wie ein Stern

  1. #1
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    Wie ein Stern

    Wie ein Stern

    Er stieg hinauf, grad wie ein Stern,
    und abzustürzen, lag ihm fern.
    Doch auch im Orkus galt der Satz:
    Alles hier hat seinen Platz.

    So ging der Aufstieg in die Hose
    und er fiel ins Bodenlose.
    Ja, er sank und sank und fiel –
    solch ein Absturz kennt kein Ziel.

    Kam bis heute nirgends an,
    da niemand sich erwärmen kann
    an einem abgekühlten Stern,
    hat man zuvor ihn noch so gern.
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  2. #2
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    Hallo Eremit, eine harte Botschaft transportierst du mit deinem Gedicht. Ein Grossmaul soll ruhig mal auf die Nase fallen; aber wer ist es, der dann den ersten Stein auf es werfen darf? Einem Stern beim Wiedererwärmen zusehen, das stelle ich mir sogar ziemlich schön vor. Jeder sollte mindestens eine zweite Chance haben, finde ich.

    Zwei formale Dinge, da du sonst ziemlich durchtaktest:
    S1Z2: und abstürzen lag ihm fern xXxxXxX --> und abzustürzen lag ihm fern xXxXxXxX
    Der Umgang mit den Auftakten wirkt auf mich zufällig. LG gugol
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  3. #3
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    Hallo Gugol,

    ich denke die Geschichte, die der Erzählende von sich gibt, spielt sich immer wieder so ab, egal wie sie auch beurteilt wird. Bewegungen unterliegen Antriebs- und Gegenkräften und werden durch Trägheiten beeinflußt. Was sich erhitzt, ist dazu verdammt, sich auch wieder abzukühlen – das eine schneller, das andere träger. Alles um uns und in uns scheint einem ständigen Auf und Ab unterworfen zu sein.

    In der menschlichen Gesellschaft wird der Einzelne getrieben zwischen seinen Emotionen und seinem Verstand und den Emotionen seiner Herde und den Realitäten, die diese akzeptiert oder verdrängt. Jede Bewegung, jede Veränderung scheint sich in Schwingungen bzw. in Wellen zu vollziehen, die der Einzelne aus seiner Perspektive mal stärker und mal weniger stark oder auch gar nicht wahrnehmen kann. Kreisbewegungen und Bewegungen in Spiralen sind nur andere Perspektiven.

    Das Sternchen, das am Schlagerhimmel erscheint, erfährt durch die Masse seiner Fans einen Aufstieg, der weit über das hinaus geht, was es zu leisten vermag, ähnlich einer Börsenblase. Wenn dann die Erkenntnis der Überbewertung umsich greift, schlägt das Pendel in die andere Richtung um und das Sternchen fällt ins Bodenlose, „ungerechterweise“ tiefer als es „angemessen“ wäre. Derweil steigt ein neues auf.

    Ob das Sternchen großmäulig ist oder nicht, spielt für diesen Prozeß keine grundsätzliche Rolle. Wer aus der Herdenmasse kennt schon die wahren Eigenschaften des Sternchens. Diese haben allenfalls Einfluß darauf, wie das Sternchen mit dem Zurückpendeln umgehen kann.

    Zitat Zitat von Gugol
    Der Umgang mit den Auftakten wirkt auf mich zufällig.
    Ergibt sich diese Wirkung aus dem Versuch einer formalen Schematisierung des Rhythmusses oder empfindet Dein inneres Ohr es genauso?

    Bei meiner „Durchtaktung“ spielen die Kadenzen der jeweils vorhergehenden Verszeile eine Rolle. Nur S3Z4 und S4Z1 sind eine Stelle, die bewußt mit Hilfe der „k“-Alliteration aus dem Rhythmus springen soll. Hier soll das Falltempo mal kräftig gebremst werden (Zeit zum Nachwirken), um dann in den restlichen Versen der letzten Strophe wieder Fahrt aufzunehmen. So jedenfalls war der Plan .

    LG Eremit

    PS: Ich versuche in einer zweiten Rhythmusebene zu arbeiten. Die wäre dann bis auf die genannte Stelle zweihebig.
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

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  4. #4
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    Hallo Eremit, danke für die umfassenden Erläuterungen zu Inhalt und Form. Ich hatte nicht unbedingt einen "Star" vor Augen, sondern irgend einen Menschen, der glaubt der Grösste, Geilste zu sein, deshalb das Grossmaul. Bei öffentlichen Personen sehe ich das genauso wie du mit dem Aufstieg und Fall.
    Zum Rhythmus: Alles einsichtig, was du erklärst und ja, liest sich rund. Womöglich kam ich tatsächlich einfach nur in S1Z2 ins Stolpern. Oh, und in der Hitze des Gefechts vergass ich in meinem ersten Beitrag zu schreiben, dass ich das Gedicht höchst lesenswert und gut verständlich finde. LG gugol
    ausgezogen
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  5. #5
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    Ich danke Dir, Gugol.

    LG Eremit
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