Thema: Januarlicht

  1. #1
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    Januarlicht


    Januarlicht

    ©Hans Hartmut Karg
    2018

    Und wieder einmal längt das Licht den Tag,
    Erweitert scheinbar unsere Lebenszeit,
    Die doch das frühe Wachsein mag –
    Zur Arbeit und zu gutem Dienst bereit.

    Man sieht den Reif auf allen Häusern,
    Steht früher aus den Sielen auf
    Und mag sich gern zum Wetter äußern,
    Zum Partner – und zum Lebenslauf.

    Das Licht ist vage und verhalten,
    Zeigt erst noch keine große Kraft;
    Doch kann Konturen es gestalten
    Und treibt bereits den Pflanzensaft.

    Die ersten Büsche blühn verschämt,
    Bei denen später Blätter sprießen.
    Und weil die Seele sich nicht grämt,
    Ist erste Blühkraft zu genießen.

    Ja, wieder einmal längt das Licht den Tag,
    Erweitert scheinbar unsere Lebenszeit,
    Die doch das frühe Wachsein mag –
    Zur Tagesfreude – und liebesbereit...

    *

  2. #2
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    Dr. Karg,
    "Steht früher aus den Sielen auf" - hab ich da was falsch verstanden? Im Zusammenhang mit Frühaufstehen habe ich "Sielen" noch nie gelesen.
    Ein zweites Rätsel: Für mich hat ein Tag 24 Stunden. Wenn das Licht den Tag verlängt, hat der Tag also mehr als 24 Stunden. Richtig ist, dass die Sonneneinstrahlung in unseren Breiten seit dem 21. Dezember täglich ein bisschen länger sichtbar ist. Wir haben also mehr Zeit, die Blühkraft zu genießen.
    Festival

  3. #3
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    Festival,
    es geht da um Empfindungen, um Sinneseindrücke. Deshalb kommt uns der Tag länger vor und die Sielen sind nicht mehr so wichtig.
    HHK

  4. #4
    Sneaker Guest
    HHK,

    es mag möglich sein, dass ein bestimmter Personenkreis im Geschirr schläft und morgens nach dem Schlafen dann frei hat. Dieser Personenkreis mag daher auch früher "aus den Sielen aufstehen". Aber landläufig sprachlich ist der Ausdruck "aus den Federn" passend.

    Siele ist ein veralteter Ausdruck für Geschirr, Joch etc. Und das geflügelte Wort geht mW auf Bismarck zurück. "Ein braves Pferd stirbt in den Sielen".


    Sneaker

    möglicherweise hast du auch "Suhle" gemeint und "Sielen" geschrieben, wer weiß.
    Geändert von Sneaker (16.01.2018 um 13:42 Uhr)

  5. #5
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    Sneaker,
    danke für den Hinweis! Den Bismarck-Spruch kannte ich nicht.
    LG H. H. Karg

  6. #6
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    Lieber Sneaker,
    ich muss wieder einmal eine Lanze für Dr. Karg brechen.
    Ich denke, Du gehst zu spitzfindig an die Sielen und berücksichtigst nicht, dass auf der Tastatur das D dem S direkt benachbart ist. Dielen waren wohl gemeint! Und auf die hat das Gedicht mich auch gebrettert.
    Mit ein bisschen Wohlwollen wird dann aus der Strophe eine weitere Offenbarung. Statt

    "Man sieht den Reif auf allen Häusern,
    Steht früher aus den Sielen auf
    Und mag sich gern zum Wetter äußern,
    Zum Partner – und zum Lebenslauf."

    meint Dr. Karg vielleicht:

    Man sieht auf allen Häusern noch den Reif -
    erhebt euch von den Dielen, auf die es euch gebrettert!
    Und sind die Glieder noch so steif -
    das kommt davon, weils draußen wettert.

    Ich bin davon überzeugt: Richtig gelesen und sanft korrigiert, könnten wir im Januarlicht die Blühkraft genüsslich genießen.

    Liebe Grüße,
    Festival

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