Thema: Zauberhaft

  1. #1
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    Zauberhaft

    .

    Uns schlägt die Kälte ins Gesicht.

    Das Schilf schneidet das glitzernde Land
    Mit frisch geschliffenen Schattenlanzen
    Bis hin zu den schwarzhäutigen Buchen

    Lichtgrüne Blättchen darunter
    Rollt sich das Farnkraut aus
    Ringeln sich die Würmer
    Schlüpfen Buschwindröschen

    Du schüttelst den Kopf klopfst
    Den Raureif von der Mütze

    Jedes Jahr erwarten wir
    Zwingt uns Warten Dulden

    Mit klammen Fingern streichst
    Du durchs Haar über meine Wange

    Je näher das Ende kommt
    Lernen wir jemals Gelassenheit?

    Ein Kuss Eis fällt
    Mit einem leisen Klirren
    Von Zweigen Wimpern
    Und dunkles Blau hellt auf
    Im Strahlenkranz deiner Fältchen.

    Später dann

    Sind Wärme Farben
    Gewiss





    .
    Geändert von albaa (21.01.2018 um 14:59 Uhr)

  2. #2
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    @albaa




    Grüße.


    Zitat:


    Das Schilf schneidet das glitzernde Land

    Hier ein “es“ hineingezaubert und der Text flutscht.

    Denn das „Es“ ist harmlos aber gewinnbringend.



    Das Schilf es schneidet das glitzernde Land

    Zitat:

    „Mit frisch geschliffenen Schattenlanzen“

    A. Das „frisch“ eliminieren, es bringt weniger, als ohne dem Wort.


    Zitat:


    „Ringeln sich die Würmer „

    So wie es dasteht funktioniert es weniger kontrastvoll es stößt ab,
    aber einen minimalen Einschub, worin sich die Würmer ringeln, bringt gewaltiges.

    ZB.

    Ringeln sich die Würmer,
    in der Asche von gestern
    Schlüpfen Buschwindröschen

    Hier wird ein positiver Effekt sichtbar. Die Würmer schaffen positives.


    Zitat:

    jedes Jahr erwarten wir
    Zwingt uns Warten Dulden

    A:
    Mir scheint der Sat,z die Idee unvollständig zu sein.

    jedes Jahr erwarten wir
    Zwingt unser Warten ein Dulden.

    Zitat:
    Sind Wärme Farben
    Gewiss



    A:sind warme Farben gewiss.


    Return:


    Möglich das ich nicht alle Sinndeutungen bei meinen Vorschlägen nicht richtig erkannt habe. Niemand ist perfekt.

    Aber vielleicht sind’s Nachdenker:


    Fazit:
    Die Bilder sind gut, sehr gut. Ebenfalls natürlich die Fantasie.

    Tschüss.


    Nachtrag:


    Die angesprochene Stelle vom "kasper" ist mir vollends entfallen, hatte ich bei dem herauskopieren deines Textes nicht mit erfasst. Komisch. Und ja, Kasper hat Recht, irgendwie gabs da eine Ungereimtheit bei der Zusammenstellung des Sinnes.

    Vielleicht so:

    Ein gefrorener Kuss fällt
    Mit einem leisen Klirren
    Von den Wimpern der Zweige
    Und dunkles Blau hellt auf
    Im Strahlenkranz deiner Fältchen.
    Geändert von horstgrosse2 (21.01.2018 um 12:19 Uhr)

  3. #3
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    hallo
    ich kann da fast nur stellen entdecken, die auch noch beim zweiten lesen oder auch erst beim zweiten lesen die sprachgestaltende und textmalerische hand deutlich spüren lassen.
    nur an einer stelle setzt das schnitzmesser so gründlich an, dass die überdeutlichen schnitzspuren die maserung des holzes und seinen harzduft beinahe auslöschen: es geht um den eiskuss und die zweigwimpern. beides tolle bilder, aber in der zusammenfügung geneigt, klumpen zu bilden wie backpulver in falscher menge am falschen ort zur falschen zeit.
    das übrige wirkt nie hölzern, nie überschnitten, sondern wie apfelschnitze, welche recht zufrieden ihren platz in der reihe auf dem kuchen einnehmen, und ich stelle mir gerne die hand der kuchenbäckerin (wähen-/tortenbäckerin) vor.
    kann sein, dass ich genau die beste stelle nicht kosten wollte.
    wie dem auch sei, korrigiere doch bitte den dativ "mit einem leisen klirren" oder "mit leisem klirren". danke
    kaspar

  4. #4
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    Lieber Horst!
    Lieber kaspar!

    Tut mir leid, aber ich habe im Moment keinen Kopf (zu müde) genauer auf Eure ausführlichen Besprechungen einzugehen, ich werde das aber bestimmt nachholen.
    Nur kurz:
    @horst - das ist hier viel Sprachspielerei vor allem dort, wo die Nomen hintereinander gestellt sind, auch wo metrische "Fehler" = Hebungspralle vorhanden sind; auch das Herstellen der Bezüge darf "vielfältig/er" sein, es soll nicht unbedingt dahinflutschen; aber ich werde noch über all deine Anmerkungen nachdenken, vielleicht habe ich übertrieben.


    @kaspar: Dein Kommentar ist poetischer als mein Text Ja, diese Eiskuss-Zeile - man glaubt es kaum, aber an dieser kitzekleinen Zeile habe ich ewig herumgebastelt und geändert und wieder zurückgeändert und wieder geändert und jetzt steht nach 10 Änderungen wieder die erste Version da ; es ist also eine besondere Apfelspalte. Wie könnte ich die Wimpernzweige-Zeile verbessern?

    Herzlichen Dank für Euer Feedback und lieben Gruß!
    albaa

    p.s. @horst: Noch etwas Wichtiges: Also das "es" im Z2 geht gar nicht; mach eine Sprechpause und du hast den Effekt, den ich will, um die fehlende Senkung "auszugleichen" (?).

  5. #5
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    Liebe albaa,

    schön, wie hier „Warten Dulden“ in der Natur und in der Liebe übereinander gelegt sind, manchmal so, dass sich die Ränder überlappen oder doch sehr hart aneinanderstoßen, am auffälligstem bei der mit dem "eiskuss" und den "zweigwimpern", Kaspar und Horst haben sich ja auch gerade der gewidmet. Horst hat sogar eine „Lösung“ präsentiert, einfach, indem er ausgeschrieben hat, was Du so dicht aneinandersetzt.

    Aber das widerspräche eben dem Programm, das Du in #4 @Horst benannt hat: Es soll nicht flutschen. Deshalb gibt es Hebungspralle, Stellen mit 3 Unbetonten und „vielfältiges Herstellen von Bezügen“. Kaspar kam darüber, holz- und apfelschnitzend ins Schwärmen, mir scheinen die Schnitze nicht so auf der Reihe, sondern (backpulvertechnisch) „geklumpt“ und „überschnitten“.

    Trotzdem, wenn man sich drauf einlässt und die zusammengebackenen Stellen ausfaltet, z.B. wie Horst, hat das einen ähnlichen Reiz wie Geschenke auspacken

    Michael
    .................................................................................................... ...............................................................
    Am Do., 27.9, ist bei "poetry trifft Poesie" der Slammer Christofer mit f mein Gast.
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  6. #6
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    [QUOTE=albaa;975389

    @horst - das ist hier viel Sprachspielerei vor allem dort, wo die Nomen hintereinander gestellt sind, auch wo metrische "Fehler" = Hebungspralle vorhanden sind; auch das Herstellen der Bezüge darf "vielfältig/er" sein, es soll nicht unbedingt dahinflutschen; aber ich werde noch über all deine Anmerkungen nachdenken, vielleicht habe ich übertrieben.

    p.s. @horst: Noch etwas Wichtiges: Also das "es" im Z2 geht gar nicht; mach eine Sprechpause und du hast den Effekt, den ich will, um die fehlende Senkung "auszugleichen" (?).[/QUOTE]

    Antwort:

    Also, ich wusste nicht das du frei schreibst, also die metrischen regeln ignorierst, dann ist das ok. Ich mache das auch des öfteren, dann aber noch viel krasser.

    Also, alles gut.

  7. #7
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    Lieber Horst,

    Also, alles gut.
    Danke, dass du nochmals vorbeigeschaut hast. Ich möchte trotzdem noch kurz auf eine Anmerkungen von dir eingehen:

    „Ringeln sich die Würmer"

    So wie es dasteht funktioniert es weniger kontrastvoll es stößt ab,
    aber einen minimalen Einschub, worin sich die Würmer ringeln, bringt gewaltiges.

    ZB.

    Ringeln sich die Würmer,
    in der Asche von gestern
    Schlüpfen Buschwindröschen

    Hier wird ein positiver Effekt sichtbar. Die Würmer schaffen positives.
    Die Hervorhebungen sind von mir.

    Besonders wie du an dieser Stelle zu Werke gehst, zeigt deutlich, dass dein Formulierungsvorschlag deine persönliche Interpretation widerspiegelt (wie auch an anderen Stellen), aber das "Negative", wofür Würmer stehen können ("es stößt ab"), also der negative Aspekt der Vergänglichkeit, ist eben auch in diesem Vers/Gedicht enthalten.

    Lieber Michael,

    Vielen Dank für dein Einlassen, sodass du den zusammengebackenen Stellen etwas abgewinnen konntest. Für einen Vortrag wäre es vermutlich zu sperrig, es ist wohl eher ein "Lesegedicht".

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (26.01.2018 um 14:23 Uhr)

  8. #8
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    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Lieber Horst,



    Besonders wie du an dieser Stelle zu Werke gehst, zeigt deutlich, dass dein Formulierungsvorschlag deine persönliche Interpretation widerspiegelt (wie auch an anderen Stellen), aber das "Negative", wofür Würmer stehen können ("es stößt ab"), also der negative Aspekt der Vergänglichkeit, ist eben auch in diesem Vers/Gedicht enthalten.

    Lieben Gruß
    albaa
    Grüße nochmal, ja, natürlich hast du recht. Vollkommend, da war ich ganz woanders.

  9. #9
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    Grüße auch nochmals, wenn du mir dauernd recht gibts,
    dann werd ich noch ganz rechthaberisch.
    Danke!

    LG
    albaa

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