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  1. #1
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    Wintergewitter


    Wintergewitter

    ©Hans Hartmut Karg
    2018

    Blitz und Donner, Wasserschwaden
    Treibt der Sturm in Feld und Tannen.
    Daraus folgt Gewitterschaden,
    Kann die Lebensangst nicht bannen.

    Früher gab es das ja auch,
    Doch dann folgten Schnee und Eis
    Und mit diesem Wetterbrauch
    Wurde alles ruhig, weiß.

    Still folgte uns dann der Winter,
    Zimmerwärme trug's Gemüt:
    Überall die Schlittenkinder,
    Langläufer, die stilbemüht.

    Heute folgt nach Blitz und Donner
    Ein Orkan mit Wassermassen,
    Lärmend wie ein Lastentonner,
    Rasend - s'ist ja nicht zu fassen!

    Und kein Schnee, doch überschwemmt
    Viele Straßen, weite Auen,
    Wenn das Wetter ungehemmt
    Alle Wege will verbauen.

    Einem Nachbarn wirft Orkanwind
    Ziegel auf die nahe Straße,
    Wo schon Blätter, Planen sind,
    Getrieben in die Flur, die Gasse.

    Schlimmer sind die Wetter heute,
    Unwetter mit großen Schäden.
    Gewitter machen fette Beute:
    Man verdrängt – und manche beten.

    *

  2. #2
    Sneaker Guest
    HHK,

    Formal

    7 jeweils vierzeilige Abschnitte im Kreuzreim. Das Metrum variiert, es hört sich aber überwiegend trochäisch an. Sprachlich sind folgende Konstrukte schwach.

    Wasserschwaden
    .

    Schwade/Schwaden sind nach dem allgemeinen Sprachgebrauch nichts Feststoffliches, sondern Rauch, Dunst, Nebel etc. So gesehen wär dann dein "Wasserschwaden“ nur eine Umschreibung für Nebel, Feuchtigkeit in der Luft,. Aber sowas findet sich bei Gewitter nicht. Da ist kein Nebel. Aber es reimt sich wenigstens auf „Schaden“

    Aus der Satzkonstruktion erliest sich, dass der Sturm

    Blitz Donner und Wasserschwaden in Feld und Tannen treibt
    Aha

    Daraus folgt Gewitterschaden.
    Naja, die Felder stehen unter Wasser und die Tannen kanns knicken. Ansonsten kann aber kein Schaden entstehen, da s.o. der Sturm „in Feld und Tannen treibt“. Das freut die Hausbesitzer sicher.

    Und die Lebensangst kann das nicht bannen?
    Was ist Lebensangst? Die Angst vor dem Leben? Dann würde die These des LI lauten: Die Angst vor dem Leben kann Gewitterschäden nicht bannen? Eine echt zutreffende Erkenntnis.


    „Früher gab es das ja auch?
    Was ist gemeint, Sturm, Lebensangst oder Angst vor Gewitterschaden?:
    Nehmen wir mal Sturm an:

    Den gabs früher auch, aber dann kamen Schnee und Eis?
    Hm, ja, wahrscheinlich. Auch einem Sommergewitter/Sommersturm folgen Schnee und Eis, halt ein paar Monate später.

    Still folgte uns dann der Winter,
    Wohin ist der Winter uns gefolgt? In den Urlaub auf die Kanaren?

    Zimmerwärme trugs Gemüt?
    Hm, also das Gemüt war ca 20-25 Grad warm? Oder wolltest du sagen. Die Zimmerwärme erfreute das Gemüt?

    Überall die Schlittenkinder
    Langläufer, die stilbemüht?
    Schlittenkinder? Ist das sowas wie Schlüsselkinder? Überall Kinder, die Schlitten führen und Langläufer mit Wunsch auf komma Neun in der B-Note?
    Lärmend wie ein Lastentonner,
    Rasend - s'ist ja nicht zu fassen!
    Ein Lastentonner? Ist das ein Synonym, ein Komparativ für 40-Tonner?
    Und dass man sowas nicht fassen kann oder sollte, wenns rast? Gute Beobachtung, das.

    Einem Nachbarn wirft Orkanwind
    Ziegel auf die nahe Straße,
    Wo schon Blätter, Planen sind,
    Getrieben in die Flur, die Gasse.
    Einem Nachbarn? Den anderen nicht?

    Auf die nahe Straße wo schon Blätter und Planen sind?
    Aber Moment, die sind auf Flur und Gasse getrieben. Daher muss Flur und Gasse ein Synonym zu naher Straße sein?

    Ein Deutsch, das einem die Tränen des Grausens in die Augen treibt. Und ein inhaltlicher Murks dazu.

    Sneaker

  3. #3
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    Dr. Karg,
    auf die Gefahr hin, dass ich einiges von dem, was Sneaker anführt, wiederhole:

    Ich liebe Naturgedichte, Gewitterszenarien ganz besonders. Bei Deinem Gedicht kommen von mir Fragen zum Inhalt und zur Form.

    Der Sturm treibt Blitz und Donner - Sturm, da sind wir uns einig, ist ein (Du wirst das Wort lieben) Starkwindereignis. Wie ein starker Wind einen Blitz treibt, einen Donner vor sich herjagt, ist mir ein Rätsel.
    Was hat eine Lebensangst mit Gewitterschaden zu tun? Ja, es gibt Menschen, die eine panische Angst vor einem Gewitter haben. Das ist, wenn es so richtig blitzt und gewaltig donnert, nachvollziehbar. Ein Mensch, der Angst vor solchen Naturphänomenen, fürchtet den grellen Blitz, den grollenden Donner (Kindern macht man Angst: "Der liebe Gott schimpft." Eine diffuse Lebensangst kann ich daraus nicht ableiten.
    "Früher gab es das ja auch." Was? Gewitter? Lebensangst? Gewitterschäden?Braucht es wirklich ein Gedicht, um mir das klar zu machen?
    Dem Wintergewitter folgender Schnee und folgendes Eis ist also ein "Wetterbrauch"? Brauch von Brauchtum? Kennst Du noch mehr Wetterbräuche?
    "Still folgte uns dann der Winter." Ich schau mich um und - ich gehöre nicht zu dem vereinnehmenden "uns". Mir folgt keiner.
    Was ist ein lärmender Lastentonner?
    Kinderschlitten kenne ich - was sind Schlittenkinder? Kinder als Ergebnis kopulierender Schlitten?
    "Gewitter machen fette Beute." - "fette Beute" ist ein Slangausdruck für das Ergebnis eines unmoralischen Raubzuges, "fette Beute" könnte das Resultat einer Jagd auf Beutetiere sein. Was machen die Gewitter mit der "fetten Beute"?
    Dr. Karg, da hast Du wieder mal etwas zusammengereimt, was ziemlich sicher seine Basis in ein paar eingesammelten Wörtern hat, die sich auf Teufel komm raus mit anderen reimen.
    Schwaden z.B. sind in der Luft treibende, sich bewegende wolkenähnliche Zusammenballung von Dunst, Nebel, Rauch. Nix Wasser - aber Shadn reimt sich auf die falsche Benutzung des Begriffs "Schwaden".
    Wenn es darum geht, Lebensangst zu bannen - na, was reimt sich? - Wannen!
    Also, her mit einem Vers, an dem am Ende Wannen steht:

    Treibt der Wind den Schaum in Wannen,
    kannst du Lebensangst nicht bannen.

    Weil das Kokolores ist - nächstes Reimwort - Tannen!

    Deine Lösung (abgekürzt):

    Treibt der Wind
    Blitz, Donner, Sturm und Schwaden
    in die Tannen,
    wird kein Kind
    beim Schwimmen oder Baden
    seine Lebensangst nicht bannen.

    Dein Gedicht jetzt noch auf metrische Mängel zu untersuchen ist zu viel der Mühe für eine schlechte Naturereignisbeschreibung. Ich überlass das stilbemühten Langläufern.

    Dabei hat die Woche so gut angefangen.

    Festival

  4. #4
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    Nichts ist Kokolores,
    was aus vollem Herzen kommt
    und niemandem schadet!
    HHK

  5. #5
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    Dr. Karg,
    nicht, was Du geschrieben hast, wird von mir als Kokolores ((verstärkter Redefluss von Unsinnigem ohne aufzuhören unter Einfluss von Kokain) bezeichnet, sondern die beiden reimgeschundenen Verse "Treibt der Wind den Schaum in Wannen,/kannst du Lebensangst nicht bannen."
    So etwas würde Dir nie passieren (weder der Kokainkonsum, noch die Reimschinderei).
    Gruß,
    Festival

  6. #6
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    Ach Gott, lieber Festival,
    hoffen wir doch, dass uns nichts passieren möge, was die Sprache entfreudet.....
    Gruß HHK

  7. #7
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    Zitat Zitat von Dr. Karg Beitrag anzeigen
    Ach Gott, lieber Festival,
    hoffen wir doch, dass uns nichts passieren möge, was die Sprache entfreudet.....
    Gruß HHK
    werter dokter,
    gar nichts kann "entfreudet" werden. dieses verb existiert nicht.
    die sprache leidet unter solchen fehlschüssen, daß es kaum mit anzusehen ist.
    lg W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  8. #8
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    Werter Walther,
    Sprache war immer schon etwas Lebendiges und keine Dudenveranstaltung. Insofern lasse ich mir Neuschöpfungen auch nicht nehmen.
    LG HHK

  9. #9
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    Zitat Zitat von Dr. Karg Beitrag anzeigen
    Werter Walther,
    Sprache war immer schon etwas Lebendiges und keine Dudenveranstaltung. Insofern lasse ich mir Neuschöpfungen auch nicht nehmen.
    LG HHK
    das ist keine neuschöpfung,
    werter dokter,
    da das anders wunderbar poetisch ausdrückt werden kann, z.b. durch "der Freude entkleidet", also unsinnig und daher ein fehlgriff.
    es geht nicht um den duden, es geht um den respekt und die achtung vor der schönheit der sprache. aber das redet man bei ihnen gegen eine wand aus mangelndem gefühl für wort, stil, versmaß, grammatik - und den guten umgang mit einander.
    lg W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  10. #10
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    Werter Walther,
    in freien Gesellschaften wie der unseren - hoffe ich wenigstens! - ist Sprache immer noch ein Feld geblieben, auf dem sich herrlich experimentieren lässt. Will man alles vorschreiben, führt das nur zur Sprachverkrustung und zu Formallehren, welche die Imagination und Sprachintuition erschlagen werden. Dazu ist mir Sprache aber zu kostbar!
    LG HHK

  11. #11
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    werter walther
    wenn einer gehindert werden soll, ein wort wie "entfreuden" in die landschaft zu setzen, dann läuft etwas schief.
    dieser text vom kollegen karg zeugt teilweise von nicht vollzogener entwicklung, was sprachkompetenz oder musikalität betrifft, teilweise aber auch von spielfreude, welche eben wörter wie "entfreuden" hevorbringt.

    werter doktor karg
    deine teilweise extrem "kindlichen" verse eignen sich als ganzes kaum, dich als vorkämpfer gegen die sprachverkrustung und für die imagination zu qualifizieren. diese seltsame selbsteinschätzung ist mit ein grund dafür, dass ich von deinen texten sehr oft "entfreudet" werde.

    kaspar

  12. #12
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    werter walther
    wenn einer gehindert werden soll, ein wort wie "entfreuden" in die landschaft zu setzen, dann läuft etwas schief.
    dieser text vom kollegen karg zeugt teilweise von nicht vollzogener entwicklung, was sprachkompetenz oder musikalität betrifft, teilweise aber auch von spielfreude, welche eben wörter wie "entfreuden" hevorbringt.

    werter doktor karg
    deine teilweise extrem "kindlichen" verse eignen sich als ganzes kaum, dich als vorkämpfer gegen die sprachverkrustung und für die imagination zu qualifizieren. diese seltsame selbsteinschätzung ist mit ein grund dafür, dass ich von deinen texten sehr oft "entfreudet" werde.

    kaspar
    ich fühle mich,
    werter kaspar,
    bei solchen unsäglichkeiten "entfreut" (so wäre das nämlich richtig). dem gebe ich ausdruck.
    lg W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  13. #13
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    lieber walther

    flugzeuge werden vom eis befreit = enteist
    kinder werden von läusen befreit = entlaust
    kirschen werden vom kern getrennt = entkernt
    erbsen werden von hülsen befreit = enthülst
    eine debatte wird von ideologie befreit = entideologisiert
    kaspar wird der mut abgekauft = entmutigt

    diese wörter sind dir betimmt vertraut.
    ich fürchte, wir reissen uns da um einen ziemlich fleischlosen knochen.
    kaspar

  14. #14
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    Hallo, angebliche Verfechter der Sprache, freut euch doch, dass Dr.Karg für nachlassende Freude der deutschen Sprache ein neues Wort spendieren möchte. Also mir gefällt dieses Vorhaben! - Fraglich ist nur, ob man sich entfreuden ... oder entfreuen muß. Ich nehme an, wenn Substantiv und Verb differieren, richtet sich die Neubildung nach dem Verb.

    ALSO: Täuschung ... täuschen... enttäuschen
    ABER: Brand... brennen... entbrennen
    DESHALB: Freude... freuen... entfreuen *und nicht entfreuden

    Aber absolut kein Problem habe ich mit dem Schlittenkind. Allein schon deshalb, weil der Duden das Schlüsselkind enthält.

    Und wieder muß ich sagen: Ich bin echt kein Freund Kargscher Dichtkunst. Aber wenn sich Manche auf seine Zeilen stürzen wie die Spatzen auf seltene Vögel, dann weiß ich wirklich nicht, wessen erwartbar intolerante Agressivität mich mehr beschämt.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  15. #15
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    Liebe Dichterfreunde,
    danke für die reiche und für mich doch recht erhellende Diskussion!
    ENTFREUEN könnte sich auf die Beseitigung von Freude beziehen.
    ENTFREUDEN könnte auf Abstand zu Sigumund Freuds Psychoanalyse hindeuten.
    Ach, unsere Sprache gibt uns ja so viele Möglichkeiten! Ich liebe sie dafür!
    Liebe Grüße H. H. Karg

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