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Thema: in memoriam

  1. #1
    Liara ist offline free flying butterfly
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    in memoriam

    Version I:

    wenn abschied und beginn
    hand in hand
    aus einer sackgasse kommen
    in der henker
    ihre beile wetzen
    weint die sonne
    goldene strahlen auf den weg


    Version II:


    wenn abschied und beginn
    hand in hand
    aus einer sackgasse flüchten
    in der henker
    ihre beile wetzen
    weint die sonne
    goldene strahlen auf den weg
    Geändert von Liara (23.01.2018 um 22:59 Uhr)
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
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  2. #2
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    o mei, was hast du da wieder für einen wunderschönen stoff gewebt!
    ich blinzle in die sonne und glaube meinen augen nicht.
    als titel liesse sich bestimmt etwas passenderes finden.
    kaspar

  3. #3
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    So wünsche ich das jedem, der mit Abschied konfrontiert war und sich einen Neubeginn vorstellen kann. Sehr schön formuliert und ganz ohne "Schwammdrüberalleswirdgut" auskommend. gugol
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  4. #4
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    @Liara


    Grüße.
    Ich glaub ich bin im falschen Film. Ich kann mich den beiden Vorkommentatoren mit ihrem Lob nicht anschließen.


    Zitat:

    wenn ABSCHIED und BEGINN
    HAND in HAND
    aus EINER SACKGASSE kommen
    in DER HENCKER
    IHRE BEILE WETZEN

    Auf Deutsch, der Abschied und der Beginn werden massakriert. Was ist daran anders????
    Das Gedicht steht in Liebe also bezieht sich Abschied und beginn auf die Liebe.
    Und beides bekommt den Arsch voll.
    Na Klasse.
    Das ist ein negatives Bild, meines Erachtens.
    Und dann noch Zitat:

    weint die sonne
    goldene strahlen auf den weg

    A: irgendwie sarkastisch

    Ich kann mit dem Gesamtbild echt wenig anfangen und in den Jubelgesang meiner Vorredner nicht einstimmen.
    Irgendetwas ist hier falsch.
    Sags mir.

    Tschüss.
    der Gedankenspringer

  5. #5
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    horstgrosse2, ich bin zwar nicht direkt angesprochen, aber falle unter die Kategorie "Vorkommentatoren". Ich lese das Gedicht so: Der Henker in der Sackgasse existiert, aber Abschied und Beginn kriegten grade mal noch so die Kurve bzw. wendeten in der Sackgasse, bevor sie an der Wand standen und der Henker zuschlagen konnte. Darin sehe ich Hoffnung, dass ein Neubeginn möglich ist, auch wenn die Zeichen gar nicht danach stehen. Und in der weinenden Sonne sehe ich das Gegenteil von Friede-Freude-Eierkuchen, nämlich durchaus eine zu beweinende Tragödie (Abschiede kommen bei mir Tragödien ziemlich nahe, das muss nicht für alle so zutreffen). Aber wenn goldene Strahlen geweint werden, dann ist das ein Zeichen für Hoffnung, ein "Dennoch" und all das mag ich an diesem Gedicht sehr gern, denn während ich mir hier die Finger wundtippe, gelingt liara dieselbe Aussage mit 25 Worten. LG gugol
    ausgezogen
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  6. #6
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    lieben dank an kaspar und gugol für das großzügige lob. nehme ich doch gerne entgegen.

    lieber horstgrosse, trefflicher wie gugol hätte ich es kaum interpretieren können, da bleibt mir nicht viel hinzuzufügen.
    wenn abschied und beginn gleichauf hand in hand gehen, ist der ausgang nicht wirklich vorhersehbar. jedoch sie haben das ihrige dazu getan, dem henker zu entkommen. alles weitere oder auch nicht weitere ....

    vorschläge für einen passenderen titel werden gerne entgegengenommen. wobei, vielleicht ist er überhaupt ausschlaggebend, dass da zwei nicht bis vor die wand gelaufen sind.

    liebe grüße
    liara
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  7. #7
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    Hm... der Henk-er, der das Schwert wetzt, hm.... den könnte man getrost auch "Scharfrichter" nennen (obwohl sich der hängende Scharfrichter, also ursprünglich der Henker, den Überbegriff im Deutschen langsam verdrängt hat. Naja, aber "Scharfrichter" hat in dem Zusammenhang vielleicht.... Bei dem goldene Strahlen weinenden Hoffnungsspender sag ich einfach ma:" juuut, wem et so jefällt..." - Vielleicht, lieber horst, sind wir im Norden etwas nüchterner veranlagt...
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  8. #8
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    @Liara


    Noch deutlicher:

    Der Abschied (eine zerbrochene Liebe)
    Der Anfang (eine neue Liebe)
    Beides kommt aus einer Sackgasse.

    Also vom Nenner her gleich, da sie kommen beide aus der Sackgasse. Und Sackgasse heißt ja, man muss erst mal hineinkommen um aus ihr heraus zu kommen. Richtig?
    Deswegen ja Sackgasse, oder bezeichnest du mit Sackgasse etwas anderes?
    Irgendwie konfus, seltsam oder?

    Tschüss.
    der Gedankenspringer

  9. #9
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    o horstgrosse
    "konfus und seltsam" ist für dich zu belastend?
    könnte sein, dass andere, z.b. Autorin, so viel erfahrung mit "konfus und seltsam" gemacht haben, dass sie keine probleme damit haben, die welt mal von unten und von oben gleichzeitig zu betrachten?
    zu einem gedicht gehört nicht erst seit kajn kokosknuspers lyriktheorie, dass darin mit sprache gespielt wird. liara zeigt hier höchst elegant, was das bedeuten kann und wie weit man so ein spiel treiben dürfen soll.
    hast du dir schon mal überlegt, warum die "sackgasse"-schilder immer am abzweig zur sackgasse stehen und nie am hintern ende? ich auch nicht. aber liara zwingt mich dazu, auf paradoxe weise den standpunkt "ende der sackgasse" an den anfang der sackgasse zu verlegen. mein lieber freund, so was könnte man durchaus als inhalt von künstlerischer arbeit verstehen. ich bin mir sicher, du bist ein fan von m.c.escher. hast du mit ihm mal über sinn und unsinn diskutiert?
    kaspar

  10. #10
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    Der Abschied (eine zerbrochene Liebe)
    Der Anfang (eine neue Liebe)
    Beides kommt aus einer Sackgasse.
    vielleicht ist es leichter verständlich, wenn du nicht wie bei deiner aufstellung von einem LI und zwei verschiedenen (alt und neu) LD's ausgehst, sondern nur von einem
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
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    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  11. #11
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    o horstgrosse
    "konfus und seltsam" ist für dich zu belastend?

    nein keineswegs, mein Horizont erfasst recht viel Kasper

    könnte sein, dass andere, z.b. Autorin, so viel erfahrung mit "konfus und seltsam" gemacht haben, dass sie keine probleme damit haben, die welt mal von unten und von oben gleichzeitig zu betrachten?

    darin sehe ich null Probleme

    liara zeigt hier höchst elegant, was das bedeuten kann und wie weit man so ein spiel treiben dürfen soll.

    möglich, ich hätte es deutlicher, anders vorgebracht


    hast du dir schon mal überlegt, warum die "sackgasse"-schilder immer am abzweig zur sackgasse stehen und nie am hintern ende?

    doch habe ich. Damit du nicht erst diese Gasse oder Straße benutzen solltest, wenn du nichts innerhalb der sackgasse erreichen möchtest. denn auch sackgassen haben ihr gutes.


    ich auch nicht. aber liara zwingt mich dazu, auf paradoxe weise den standpunkt "ende der sackgasse" an den anfang der sackgasse zu verlegen.

    Prima, ich denke nur durch Liaras Einschub, dem ich schon einmal leicht in Verdacht hatte aber wiederum verworfen, bin ich auf dem Sinn des Gedichtes gestoßen, wobei ich, wie gesagt es etwas anders ausgedrückt hätte. denn lieber kaspar, absichtlich ist sie bestimmt niemals in die sackgasse gelaufen, es sei denn, sie wollte ihre ruhe. Ihr Weg, hatte sich mehr und mehr als sackgasse ausgezeichnet, durch bestimmte negative Erscheinungen, die dann irgendwie (Aussprache, Zoff, Verständnis usw), davonfolgen und als Neubeginn den Weg fortsetzten.


    mein lieber freund, so was könnte man durchaus als inhalt von künstlerischer arbeit verstehen. ich bin mir sicher, du bist ein fan von m.c.escher. hast du mit ihm mal über sinn und unsinn diskutiert?

    Nö Kasper, von m.c. escher habe ich nix gehört, mal schauen, werde mal danach kurz googeln, ob der Typ mich anspricht, oder seine Darstellungen.

    Ansonsten, alles gut, die Erde dreht sich weiter. tschüss.
    Nachtrag: Habe nachgesehen;m.c. escher. nichts,was mich fesseln kann, interessant, ja schon, aber alles zu hypothetisch.





    Zitat Zitat von Liara Beitrag anzeigen
    vielleicht ist es leichter verständlich, wenn du nicht wie bei deiner aufstellung von einem LI und zwei verschiedenen (alt und neu) LD's ausgehst, sondern nur von einem
    Grüße


    Ja hatte ich, habe es aber wieder verworfen.

    Zitat:

    wenn abschied und beginn
    hand in hand
    aus einer sackgasse flüchten
    in der henker
    ihre beile wetzten
    weint die sonne
    goldene strahlen auf den neuen weg

    So ungefähr. aber egal.

    tschüss.
    Geändert von horstgrosse2 (23.01.2018 um 08:47 Uhr)
    der Gedankenspringer

  12. #12
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    lieber horstgrosse
    lyrik schreiben heisst in meinen augen nicht dozieren, sondern erkunden.*
    paradoxa dienen dem denken seit jeher dazu, die bälle in der schwebe zu halten, nicht dazu, sie zu fangen und ins körbchen zu legen.
    jonglieren geht nur mit dem leeren (oder wie herta müller sagt: dem "fremden" blick). diesne blick könnte man in deiner version vielleicht erreichen, wenn man "neuen weg" durch "alten weg" ersetzte. bliebe dann aber, dass in deiner version die henker mit dem beile wetzen aufgehört haben, was mmn unmöglich sein kann.
    grosso modo bin ich dankbar für deine version, weil sie vieles von dem, was du schriebst, relativiert.
    kaspar
    *darum, bitte, soll mir auch keiner nachsagen, ich mache lyrik. meine texte sind zu mindestens 75 vH dozierend.

  13. #13
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    Hallo Kaspar,

    Paradoxa? - Dass Abschied und Beginn Hand in Hand gehen? Dass beide aus einer Sackgasse kommen? Dass die Sonne weint? -

    Vielen Dank für den Hinweis auf m.c.escher. Bist du der Meinung, dass seine Bildkonzepte mit Liaras Gedicht vereinbar sind? Zeichnete Liara hier "unmögliche Figuren"? - Mich jedenfalls fasziniert an jedem Bild Eschers, dass ich in keinem die Kopie eines Anderen erkenne.

    Und wieder einmal erinnere ich an Kontingenz: Sobald ein Paradoxon salonfähig wird, verliert es mMn seinen Anspruch, als alternative Sicht zu gelten. Gerade, weil alles möglich ist! Ich denke, wir sollten nicht jedes Boot auf leichtem Wellengang dazu noch mit großen Erwartungen überfrachten.

    Aber: Wieder deutet sich für mich eine interessante Diskussion an: Was verbirgt sich hinter dem "fremden Blick"? Als Autor eine Position zu suchen, die der bevorzugten persönlichen Sicht bewußt widerspricht? Oder die eigene Sicht zu veröffentlichen, obwohl sie bewußt der vorherrschenden Meinung widerspricht?

    Auch dein von dir kreierter Slalomlauf um die Fragen, wann ein Autor im Gedicht belehrt und wann nicht, ist sehr interessant. Noch lese ich lediglich, dass du dir , mal so gesehen, in 75% deiner Gedichte untreu wirst. Deutet das auf deine Unfähigkeit... oder auf die Unmöglichkeit des Anspruchs... oder nur auf ein fast unsichtbares Körnchen Eitelkeit?

    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  14. #14
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    so wie es in bächen und flüssen eine garantierte restwassermenge geben muss, sollte es in jedem statement eine garantierte resteitelkeit geben.
    für insider: 25 vH "lyrisches" schreiben entspricht 100 vH Eitelkeit.

    ein paradoxon ist immer salonfähig, wäre demnach nach deiner gleichung nie eine alternative zur einheitlichen sicht. damit bin ich nicht einverstanden: eine kontingente welt kann nicht anders als paradox sein, sonst wäre sie nicht kontingent, sondern gemacht.
    als musiker weisst du, dass musik erst entsteht, wenn das chaos Beginn und Abschied vereint. es geht also nicht um alternative, sondern um das ding an sich.

    kaspar

  15. #15
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    Zitat Zitat von kaspar
    so wie es in bächen und flüssen eine garantierte restwassermenge geben muss, sollte es in jedem statement eine garantierte resteitelkeit geben. für insider: 25 vH "lyrisches" schreiben entspricht 100 vH Eitelkeit.
    Na klaaar - das raffinierteTier tat es um der Pointe willen.

    Zitat Zitat von kaspar
    ein paradoxon ist immer salonfähig, wäre demnach nach deiner gleichung nie eine alternative zur einheitlichen sicht. damit bin ich nicht einverstanden: eine kontingente welt kann nicht anders als paradox sein, sonst wäre sie nicht kontingent, sondern gemacht.
    Und die alternative Sicht, die gemachte Welt, darf natürlich im kontingenten Konzept keinesfalls vorkommen... selbst als Paradoxon nicht...

    Verfluchte Philosophie

    Zitat Zitat von kaspar
    als musiker weisst du, dass musik erst entsteht, wenn das chaos Beginn und Abschied vereint. es geht also nicht um alternative, sondern um das ding an sich.
    Ich hätt's nich treffender sagen können. Also doch kein Paradoxon?
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

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