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  1. #1
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    und es blitzten die Sterne

    Du hast, mein Schatz, noch nie so wunderschön gesungen,
    so schmerzlich-schön hab ich die Tosca nie gehört,
    es hat so engelsgleich in meinen Ohrn geklungen,
    mit dieser Arie hast du mein Herz betört.

    Ich dachte nur an jene Sommernacht der zarten Küsse,
    den Duft der Erde, sah das Flimmern ungezählter Sterne,
    vernahm die leisen Schritte, glaubt`, dass ich vergehen müsse,
    als du dich nahtest, dann in meine Arme fielst und gerne
    verschloss ich deinen Mund , dass niemand deine Seufzer höre,
    uns keiner diesen süßen Traum von Liebe grausam störe.

  2. #2
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    @Heinz



    Grüße.

    Typisch Heinz, das schmeicheln in höchsten Tönen. Ein ausgezeichneter Text, mit zarten Metaphern. Ich finde er ist fehlerfrei in allen Belangen.
    Daumen oben.
    der Gedankenspringer

  3. #3
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    Gefällt mir auch, zumal ich aus eigener Erfahrung weiss, was so eine Arie für Gefühle auslösen kann. Besonders finde ich, dass S1 sechs Hebungen hat und S2 sieben. Kann man gut so machen, finde ich. Was mich dann aber etwas irritiert, ist die fehlende Silbe in S1Z4, für die ich inhaltlich keinen Anlass sehe. An anderen Stellen nimmst du dem Metrum zuliebe Elisionen in kauf, dann würde ich hier nicht ausscheren.
    mit dieser Arie hast du mein Herz betört xXxXxXxxXxX
    Mit dieser Arie hast du gern/mir mein Herz betört
    Mit dieser Arie hattest du mein Herz betört
    Mit diesem Lied hast du mein armes Herz betört
    so was in der Art vielleicht?
    LG gugol
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  4. #4
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    Zitat Zitat von Gugol Beitrag anzeigen
    mit dieser Arie hast du mein Herz betört xXxXxXxxXxX

    LG gugol
    x Xx XxX x X x X xX

    So wird ein Schuh draus.
    Die:" A ri E", hat dich Irre geführt.
    Grins
    der Gedankenspringer

  5. #5
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    A-ri-E? Drei Silben? Ähh ok, das würde ich so nie aussprechen, aber danke, was gelernt. LG gugol
    ausgezogen
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  6. #6
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    und es blitzten die sterne ...

    Lieber Heinz,

    so beginnt eine der berührendsten Arien, die je geschrieben wurden, deren musikalisches Thema so schön, aber traurig mit einem Hirtenlied, auf der Flöte gespielt, eingeleitet wird.
    Aber lieber Heinz, ich finde, sie eignet sich nicht als Inspiration für eine Liebesnacht. Gerade in dieser Arie wird das Scheitern der Liebe in einem gesellschaftlichen Umfeld, dass durch Umbruch, Gewalt und Intrigen geprägt ist, eindringlich besungen. Mit diesem Bild im Kopf fiele es mir schwer, mich in die Arme einer Angebeteten fallen zu lassen.
    Zumal der von Dir gewählte Titel auf die erste Zeile aus der deutschen Librettoversion der Arie des Cavaradossi anspielt. Und ja, Cavaradossi sang diese Arie, nicht Tosca hat sie geträllert. Der Text der Arie setzt sich mit den Worten fort „und es dampfte die Erde“. Sie hat nicht geduftet, meiner Lieber, sie hat gedampft und das ist ein sehr düsteres Bild, das konträr zu den blitzenden Sternen am Morgenhimmel über der Engelsburg in Rom steht. Mit dieser Metapher aus der Natur wird zu Beginn des dritten Aktes die gesamte Stimmung einer stolzen jungen Nation auf den Punkt gebracht - einer Nation, die zerrissen ist zwischen Fremdherrschaft und Hoffnung auf Freiheit, Liebe und Menschenwürde und deren Zukunft Librettist und Komponist in die Sterne legten. Ihren Geliebten, den Patrioten und Künstler konnte Tosca auch nicht mit den Waffen einer Frau aus den Händen der Polizeischergen Metternichs retten. Obwohl sie den Polizeichef ins Jenseits beförderte, erwies sich dessen Intrige, Toscas Geliebten nicht wie vereinbart nur scheinbar zu erschießen, sondern doch real, auch nach seinem Tod als nachhaltiger. Für sie selbst gab es am Ende nur noch den Sprung von der Engelsburg mit dem Ruf nach göttlichen Richtspruch, schließlich hat sie ja auch einen Mord begangen. Deswegen löst Dein engelsgleicher Gesang bei mir auch einen Zwiespalt aus, der nicht zu Deinem beschriebenen Rendezvous passen will.
    Eine Arie aus der Boheme, einer anderen Oper des gleichen Komponisten, wäre da vielleicht unverfänglicher gewesen. Nun ja, ich ahne, die blitzenden Sterne haben es Dir wohl angetan …

    LG Eremit
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

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    Weh denen, die dem Ewigblinden
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    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
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  7. #7
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    Lieber Eremit,
    lieber horstgrosse,
    liebe Gugol,

    habt Dank für Eure Beiträge! Ich versuche dazu Stellung zu nehmen.

    und die Erde wurde in Duft gebadet - und die Erde duftete - und die Erde dampfte (es gibt bestimmt noch mehr Übersetzungen). Ichb in an die mit der duftenden Erde geraten - aber da Opern heutzutage in ihren Originalsprachen gesungen werden, müssen wir uns wohl an den Originaltext halten:

    E lucevan le stelle,
    ed olezzava la terra....................................................olezzava ist meiner Kenntnis nach "duften"
    stridea l'uscio dell'orto
    ed un passo sfiorava la rena.
    Entrava ella fragrante,
    mi cadea fra le braccia.

    und es einem des Italienisch Kundigen überlassen, ob die Erde nun duftete oder dampfte.
    Dass die Arie der Tosca natürlich von der Tosca gesungen wird, ist unstrittig.
    Wie spricht man !Arie" richtig aus? Ich sage Arie, betone das A stark, das E am Ende aber noch immer mehr als eine Senkung (XxX). Nimmt man das italienische Wort Aria wird es vielleicht deutlicher.
    Die zweite Strophe soll nicht Inspiration zu einer Liebesnacht sein. In der ersten Strophe äußert sich das LI über die schön gesungene Arie der Tosca, die Erinnerungen an eine bereits erlebte Liebesnacht wachrufen.
    Nicht der Inhalt der Oper ist Thema meines Gedichts, sondern die Begeisterung des LI über den Gesang des Soprans in der ersten Strophe, die wachgerufenen Erinnerungen in der zweiten Strophe. (So war es jedenfalls gemeint).
    Wie zauberhaft ein Sopran singen kann (leider ist keine Tosca-Arie von ihr bei YouTube zu finden), solltet Ihr Euch mal anhören: Jamila Raimbekova mit dem Lied an den Mond.
    Deren Stimme, nicht die blitzenden Sterne, hat mich umgehauen.
    Liebe Grüße,
    Festival

  8. #8
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    Lieber Heinz,

    wenn Du in Deinem Gedicht zu einer Arie aus Puccinis "Tosca" Bezug nimmst, und Dein Gedicht mit einem Zitat aus der Arie des Cavaradossis aus dem dritten Akt überschreibst, dann schiebst Du mich in den hochdramatischen und höchsttragischen Schlußakt der Oper. Und wenn Cavaradossi, auf der Engelsburg zwischen Himmel und Erde stehend und seine Erschießung erwartend, im herzzerreißend höchsten Tone singt, es bltzen die Sterne und es dampfe die Erde (dichter grauer Morgennebel über Rom), dann bedeutet er damit, dass er alle Hoffnungen auf ein irdisches Glück begraben hat. Und wie gesagt, Cavaradossi sang diese Arie, nicht Tosca - Du müsstest also nicht die Opernsängerin umgarnen, sondern den Opernsänger .

    LG Eremit
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  9. #9
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    Lieber Eremit,
    Du hast mit jedem Wort recht. Ich hatte nicht die Oper im Blick, sondern ein Konzert mit wunderbaren Sängern und Sängerinnen. Jamila Raimbekova, ich habe sie schon erwähnt, sang eine Tosca-Arie und versetzte mich in eine andere Welt. Nach ihr sang mein Freund die Arie des Cavaradossi (selbstverständlich ist "Und es blitzten..." eine Tenorarie). Das LI war vom Gesang des Soprans hin und weg und die Tenorarie "schenkte" nur ein paar Worte für die zweite Strophe. Bitte lös Dich von dem Gedanken, dass ich hier das Libretto für die Tosca in Kurzform geschrieben habe.
    Dass die Überschrift auf eine falsche Fährte lockt, ist meine Schuld.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Geändert von Festival (26.01.2018 um 23:57 Uhr)

  10. #10
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    Hallo Festival,

    tut mir leid, dass ich Dir etwas penetrant auf den Wecker gefallen bin. Ich bin seit früher Jugend trotz aller Hardrock und Metal-Präferenzen ein Fan der italienischen Opern gewesen. Und ganz oben stand bei mir Puccini mit seiner Tosca und seiner Boheme (letztere geht übrigens auf sehr lesenswerte Erzählungen von Murger zurück). Du hast natürlich auch recht, weil sich der Cavaradossi an die Amüsements mit der Tosca in ihrem Garten erinnert … Sei’s drum.
    Zum Text wollte ich noch Folgendes bemerken:
    S1Z1-2: Die Wiederholung von „schön“ finde ich nicht so gut. Nicht weil ich Wiederholungen nicht mag, sondern wegen der nunmehr vier sch-Alliterationen. Drei wären besser. Alternativ könnte man natürlich auch nach Ersatz für „Schatzi“ Ausschau halten.
    S1Z3: Die Elosion in „Ohren“ klingt nicht gut, vielleicht wäre der Singular in Anspielung auf das innere Ohr eine Möglichkeit. Im „engelsgleich“ würde ich auf das „s“ verzichten, es kommt wie das Zischen einer Schlange zwischen dem Klange daher. Und wenn Du Dich schon von Schatzi so betört gibst, dann lass auch SIE und nicht ES in Deinen Löffeln klingen.
    S2Z1: Das „nur“ im Zusammenhang mit Denken kann zwei verschiedene Assoziationen auslösen: Ich denke nur an dich / Ich dachte ja nur …
    Vielleicht wäre für die zweite Strophe ohnehin die gegenwärtige Zeitform passender. Das Trällern der Dame in der Vergangenheit und das Schnackeln im Präsens.

    Gern gelesen, obwohl ich immer noch ein wenig mit dem entstehenden Eindruck hadere, die Tosca hätte die Sterne blitzen lassen …

    LG Eremit
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  11. #11
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    Lieber Eremit,
    ich freue mich über Deine intensive Beschäftigung mit "meiner" Tosca. Ich werde mich noch mal hinsetzen und all Deine Bedenken versuchen zu berücksichtigen.
    Liebe Grüße,
    Festival

  12. #12
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    lieber heinz,

    welch eine ode an liebe und gesang. toll! ich mag es, wenn du in dieser fülle schwelgst, mit dieser speziellen ausdrucksweise. da reizt es mich immer, mitzuschwelgen. leider kann ich noch nicht festivalisch, muss noch ein wenig üben.

    liebe grüße
    lilisarah
    ich glaub, mit meinem kater
    muss ich mal zum psychiater
    ich glaub, der hat nen knall
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  13. #13
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    Liebe lilisarah,
    wie schön, wenn ich Dich mit meinen schwelgerischen Tönen berühren konnte!
    Du beherrscht das festivalische noch nicht? Musst Du auch nicht, das lilisaraharische sollte doch mit meinen Liebesseufzern kompatibel sein.
    Schwelge ruhig mit, ich gebe mir Mühe, jegliche Fremdsprache wenigstens rudimentär zu beherrschen.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  14. #14
    Liara ist offline free flying butterfly
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    Lieber Heinz,

    was für ein anrührendes und berührendes Gedicht. Da kommt man ja richtig ins Schwelgen. Sehr schön. Und mir gefällt auch die Aussage in ungewohnter Kürze. Hier gilt sicherlich weniger ist mehr.

    Man kann sich diesen Abend mitsamt seiner Musik sehr gut vorstellen und doch bleibt noch genügend Raum für die eigene Fantasie und ein eigenes Dahinträumen.

    Sehr gerne gelesen
    Liara
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  15. #15
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    lieber heinz,

    deiner aufforderung folgend, habe ich mal eine fiktive antwort der geliebten/sängerin zu entwerfen versucht. und es mir dabei wahrscheinlich unnötig schwer gemacht, denn ich habe versucht, weitgehend deine reimvorgabe weiter zu führen. ich hoffe, du hast ein wenig freude daran und für mich wars eine gute übung in festivalisch.


    es spricht dein liebesmund so zart mit tausend zungen,
    dass jedes wort mir höchste seligkeit beschwört.
    ich hätte keinen einz‘gen ton ins blau geschwungen,
    wär ich nicht sicher, dass dein herz ihn auch erhört.

    es war, als wir uns liebten, so als würden wilde flüsse
    sich schäumend ineinander finden, um sich in der ferne
    fast uferlos im reinsten rausch der sinnlichen genüsse
    vereint zu winden in die nacht, unter der mondlaterne.

    dann trat der morgen aus der schwärze, all die jubelchöre
    verstummten jäh – mir war, als ob ich einen traum verlöre.

    liebe grüße
    lilisarah

    PS: auf ein bestehendes gedicht zu dichten ist immer billig. was ich damit meine ist, dass es um so viel leichter ist, als selbst ein völlig neues gedicht zu schaffen. die idee, das thema und sogar die ausführung sind bereits vorhanden. wenn die vorlage gut ist (und hier, lieber heinz, ist sie granatenmäßig gut), wird das darauf gedichtete gedicht oftmals auch kein griff ins klo. wenn mein versuch also einigermaßen funzt, dann ist das allein der vorlage zu verdanken.
    Geändert von lilisarah (14.02.2018 um 12:02 Uhr)
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