1. #1
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    wie die andren

    eines jedoch
    unterschied ihn
    er wollte nicht
    einmalig sein
    ein jedermann
    so wie die andren
    sein das genügte
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  2. #2
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    Lieber Michael,

    oh, ein Paradoxon, das ist mal eine tolle Idee! Da hast Du mich gleich inspiriert, und ich finde, das Ding ist Dir gut gelungen. Die sind ja gar nicht so leicht zu konstruieren.

    LG Claudi
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  3. #3
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    ein dichter, der sich in den eigenen hintern beisst.
    geht das noch innerhalb der kontingenz oder führt das schon darüber hinaus?
    das wort "genügen" eröffnet viele metaebenen...
    auch mir gefällt sowas natürlich.
    kaspar

  4. #4
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    Ja, diese Denkfehler gefallen mir auch; besonders die letzten beiden Verse ("sein") haben es in sich.
    Erklär mir deine Frage mit der "Kontigenz" bitte, kaspar?

    LG
    albaa
    Geändert von albaa (26.01.2018 um 15:30 Uhr)

  5. #5
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    ein system enthält alle möglichkeiten, das ist in sich paradox, weil kein system die möglichkeit enthält, dass es dieses system nicht oder ausserhalb dieses systems etwas gibt. schlangen, die sich in den schwanz beissen, können das systemimmanent tun oder sie können dadurch das system sprengen. das erstere wird durch die kontingenztheorie in faulster weise zugelassen, das zweite wird von ihr - ja was jetzt, gedacht oder geleugnet?
    zufrieden?
    kaspar pfaetorius
    Geändert von kaspar praetorius (26.01.2018 um 20:00 Uhr)

  6. #6
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    Lieber Kaspar,

    wenn du Dich weiter so vom Thema „Kontingenz“ verhexen lässt, landest Du noch bei den Gödelschen Unvollständigkeitssätzen und fängst das Arithmoquinieren an. Und dann gute Nacht, denn dann wirst Du Hofstadters „Gödel, Escher, Bach“ lesen müssen, und dann werden wir Dich hier so schnell nicht wiedersehen.

    Liebe Claudi,

    erfunden hab ich das Paradox ja nicht, es liegt sozusagen auf der Straße und wird immer wieder formuliert, z.B. in der Form: „Wir sind alle Nonkonformisten“. Wenn mir „das Ding gut gelungen ist“, dann eher aus Zufall.

    Liebe albaa,

    und der hat tatsächlich mit dem letzten Vers zu tun. Die erste Fassung lautete:

    Eines jedoch unterschied ihn,
    er wollte nicht einmalig sein.
    So wie die andren sein,
    das genügte.

    Dann fiel mir auf, dass ein „Sein, das genügte“ ganz reizvoll wäre. Und dann musste ich die Zeilenlängen entsprechend anpassen, dann noch das „jedermann“ dazu und die Zeichen und die Großschreibung weg, und dann hab ich mich selber über den Text gewundert. Ich bin ja kein Freund der Kurzzeile, aber hier „eröffnet es tatsächlich viele metaebenen“, auch durch das schöne Wort „genügen“.(Kaspar)

    O.k. Wo Ihr so nett zu mir wart, erzähle ich Euch noch eine Geschichte über den „Individualismus“. In den 60ern gab's eine Quizzsendung im Regionalprogramm, „Herr und Frau Jedermann“. Den Kandidaten dort wurden verschiedene Fragen zu Geschmack, Benimm, harmlosen Konflikten usw. vorgelegt. Vorher war eine Umfrage gemacht worden, welcher Meinung zu diesen Fragen die Mehrheit der Gesellschaft war. In der Show gewann, wessen Ansichten die meiste Übereinstimmung mit der Mehrheit genoss, der war dann stolze(r) Herr oder Frau Jedermann.

    Unglaublich, oder? Und ist erst ca. 55 Jahre her

    Michael
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  7. #7
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    gut, betonen wir mal dein "wenn" ganz stark. und lassen also offen, wie ich dein feedback verstehen soll. WENN denn das nicht einfach heisst, dass jeder für sich schrödingers hündchen spielt...in schrödingers hutschachtel, jawoll. in dieser schachtel ist alles kontingent. upps, tschuldigung, das ist mir so rausgerutscht. mir geht's manchmal wie martin schulz, da bin ich minister und doch nicht minister, aber immer in angis kabinett.
    kaspar

  8. #8
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    Übrigens, liebe albaa, was meintest Du mit „Denkfehler“? Das Paradox ist doch Eigenschaft der Sache (des „Individualismus“) - des „systems“, wie Kaspar es nennt, da kommt man durch richtigeres Denken nicht raus.

    Lieber Kaspar,

    so wenig wie Schrödingers Hündchen (oder Katze) aus der Unbestimmtheit. Aber ja vielleicht Wittgensteins Fliege aus dem Fliegenglas?
    Philosophische Probleme sind für ihn nichts anderes als sprachliche Verwirrungen, und worüber wir nicht sprechen können, sollten wir besser schweigen [oder Gedichte schreiben!]
    „Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“
    »Was ist dein Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“

    Anlass zu meinem Text, auch das sei dann noch verraten, waren gar nicht Alltags- oder Sprachbeobachtungen „auf der Straße“, sondern das Gedicht „Vorschlag“ von Günter Kunert. Die letzte Strophe lautet:
    Ramme einen Pfahl ein. Ramme
    einen einzigen, einen neuen Gedanken
    als geheimes Denkmal
    deiner einmaligen Gegenwart
    in den Deich
    gegen die ewige Flut.

    Diesem Vorschlag wollte ich nicht folgen

    Michael
    Geändert von Michael Domas (31.01.2018 um 02:26 Uhr)
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