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Thema: Marrakesch

  1. #16
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    Hi ihr,

    auf mich wirkt das Gedicht sehr authentisch und ich frage mich, ob diese Qualität erzeugt wird, indem ein Teil der Geschichte für den Leser gedanklich und emotional gut nachvollziehbar ist, ein Teil sich aber allzu zudringlichen Blicken verweigert. Marrakesch ist als Sehnsuchtsort des LI spürbar, wie er sich mit der Geschichte verbindet (ein Restaurant, ein Film ...?) bleibt aber im Dunkeln.
    Ich würde das Gedicht nicht als geheimnisvoll bezeichnen, aber als sehr intim. Ob es das noch bleiben würde, wenn albaa Michaels Ratschlag beherzigen würde? Würde die Gefahr ins Kitschige zu driften dadurch größer?
    Dazu müsste man mal mit einer in Michaels Sinne "bereinigte" Version vergleichen.

    LG
    Okotadia

  2. #17
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    Liebe Claudi,
    liebe lilisarah,
    liebe Okotadia,
    lieber Michael,
    lieber Kaspar


    @claudi: Danke für dein Lob und deine Anregungen; ein Adjektiv habe ich bereits eliminiert.

    @ lilisarah: Wow! Ich danke Dir sehr!

    @ Michael, kaspar, Okotadia: Danke für eure spannende Diskussion, aus der ich viel für mich - mein Schreiben - mitnehmen kann. Ich tue mir wirklich schwer als Autorin etwas dazu zu sagen. Ich werde noch nachdenken - im Moment habe ich nicht wirklich einen Kopf dafür - und mich bei Gelegenheit noch mal melden.

    Nur eines vielleicht: @Michael, du weißt, dass ich konzentriert schreiben kann, wenn ich will. Hier gehört das "Abschweifen" aber zum Programm. Es ist doch ganz normal, dass man abschweift - auf alles mögliche kommt (die Buddhis nennen das Affengeist und setzen dem Achtsamkeitsübungen entgegen) - wenn man denkt und/oder sich erinnert; sogar beim der körperlichen Liebe? Du schaust hier dem LI sozusagen in den Kopf. Okotadia in #16 nennt es wahrscheinlich richtig: "intim". Das Gedicht ist also weniger "künstlich", vielleicht auch durch das "Drapieren von undrapierten Inhalten", wie kaspar es in #12 sagt und okotadia meint, es wirke "authentisch":"ein Teil der Geschichte für den Leser gedanklich und emotional gut nachvollziehbar". Was eine "konzentrietere" Version vielleicht weniger gut schaffen könnte.

    Jedenfalls: Wenn ich hier die Marrakesch-Szene weglassen würde, fehlte aus meiner Sicht ein wesentlicher Teil - was sich ja im Titel ausdrückt - , es wäre dann eigentlich nicht mehr meins. Also was bedeutet es wirklich, wenn jemand sagt, dass passt nicht dazu (also wie Michael sagt es sei "draufgepappt"), fällt aus dem Bild?

    Es stellt sich mir jetzt wirklich die brennende Frage, ob das (also das es meins ist) wichtig ist, oder ob man objektiv (aber gibt es objektiv bei Dichtung wirklich?) aus dem Stoff hier ein wesentlich besseres und konzentrierteres Gedicht machen könnte? Im Grunde könnte man ja sogar mehrere daraus machen, die dann jeweils im Bild bleiben.

    Inzwischen nochmals herzlichen Dank für die große Resonanz!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (07.02.2018 um 23:00 Uhr)

  3. #18
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    schreib doch shangri la statt marrakesch, vielleicht kommt das besser an.

  4. #19
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    Liebe albaa,

    Dein Gedicht ist Dein Gedicht, und dass Du konzentriert schreiben kannst, ist ja schon durch den Text bewiesen. Gerade deshalb eignete er sich als Material für die Diskussion der beiden Kunstauffassungen Authentizität und Abschweifung versus Konzentration und Im-Bild-bleiben.

    Hinter einem guten Gedicht bleibt die Theorie immer zurück. Wenn andererseits die Diskussion dazu führen sollte, dass Du sogar mehrere Gedichte daraus machst, hätten wir was, worauf wir uns freuen können

    Michael

  5. #20
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    Lieber Michael,

    Vielen Dank! Ich liefere gerne Stoff für eine so gute Diskussion (ohne Hick-Hack), wie sie hier stattgefunden hat.

    Aber ich denke, eine Diskussion über die von dir angeführten Auffassungen ist gar nicht notwendig; ich finde Lyrik muss für alles offen sein, soll nicht in Paradigmen wie diesem "Im-Bild-bleiben" stecken bleiben.

    Du hast mich anscheinden falsch verstanden: Ich möchte aus diesem Gedicht keinesfalls mehrere Gedichte machen, die "jeweils im-Bild-bleiben".

    Ich verstehe "Abschweifen" auch nicht als Fehler, also im Gegensatz zum "richtigen" "Im-Bild-bleiben" , sondern als Möglichkeit des lyrischen Ausdrucks (ich will jetzt kein Etikett dafür nennen, das es möglicher Weise auch gäbe); ob es sich dennoch zu einem Ganzen fügt, ist ja letztlich nur eine Wertung, die immer von persönlichen Denkweisen und Erfahrungen abhängt. Ich kann nur "aus mir heraus" schreiben.

    Ich kann zum Beispiel körperlichen Liebe und "drapieren und ausstellen" und "Ruhm" auch nicht unter einen Hut bringen, wie du in "In Besitz" (wobei es dort anders als bei mir hier natürlich kein Setting=Bild gibt), aber das ist eben deine persönliche Handschrift. Wie arm wären wir als Schreiber und vor allem als Leser, insbesondere von Lyrik, wenn es keine solche Vielfalt gebe.

    LG
    albaa
    Geändert von albaa (12.02.2018 um 14:25 Uhr)

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