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  1. #1
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    Lasst die Kinder in Ruhe

    Lasst die Kinder in Ruhe,
    was bildet ihr euch ein?
    Den Schmerz, den ihr ihnen zufügt,
    ist niemals zu verzeihn.

    Ihr bringt ihnen Leid,
    unseren Engeln, unseren Schätzen der Welt.
    Wie unfassbar grausam,
    wenn ihr ein kleines Menschenkind quält.

    Wie einfach es ist eure Macht zu
    missbrauchen,
    eure Lust zu erfüllen.
    Ihr raubt ihre Seelen,
    hinterlasst leere Hüllen.

    Ihr nehmt einen Diamant
    und zerbrecht ihn in Splitter.
    Baut auf ihre Schwäche,
    macht ihr Leben bitter.

    Ihr nehmt ihnen ihr'n Stolz,
    missbraucht ihr Glück,
    aus dieser Hölle
    gibt es kein zurück.

    Wie kleine Vögel
    mit gebrochenem Genick,
    die Unbeschwertheit
    kehrt nie wieder zurück.

    Die Narben brennen
    ein Leben lang.
    Es gibt kein Mittel,
    das sie heilen kann.

    Lasst die Kinder in Ruhe,
    eure Zuneigung ist gefährlich und zerstört Leben.
    Ihre Unversehrtheit
    kann ihnen keiner mehr geben.

    Wie ich euch hasse, ihr Heuchler, ihr Seelenmörder.
    Hört sofort auf, fasst sie nie wieder an!
    Der Frieden in ihrem Herzen,
    liegt in eurer Hand.

    Euer Dreck, eure widerwärtige Phantasie,
    eure Menschlichkeit - erfroren,
    hat in ihrer heilen und fröhlichen Welt
    nichts verloren.

    Sie werden erwachsen,
    schauen zurück,
    sehen zerbrochene Kindheit,
    geraubtes Glück.

    Was du getan hast
    lässt sich nicht ändern,
    aber fass es NIE wieder an!
    Vielleicht existiert noch ein Teil seiner Würde,
    den man noch erhalten kann.
    Geändert von MANUfaktur (06.02.2018 um 16:00 Uhr)

  2. #2
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    Lasst die Kinder in Ruhe

    Liebe MANUfaktur,

    die Ursache der perversen Taten liegt meist in einer sexfeindlichen Erziehung (Zölibat). Deine Anprangerung ist gut und angebracht.
    Ihr nehmt ihnen ihr'n Stolz,----hier halte ich das "ihr'n" für überflüssig
    kehrt nie wieder zurück.--------hier halte ich das "wieder" für überflüssig

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    die Ursache der perversen Taten liegt meist in einer sexfeindlichen Erziehung (Zölibat). Deine Anprangerung ist gut und angebracht.

    das finde ich eine grässliche verharmlosung von kulturellen lasten, welche man nicht auf diese leichte schulter nehmen darf.
    ebenso das "gedicht", das eine nicht ganz einfache, ziemlich mit emotionen und emotionalen schäden garnierte angelegenheit zerredet, zerredet, zerredet.

    schreck lass nach! schreck? ach nee, ist doch nur ein gedichtethema...

    kaspar

  4. #4
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    Liebe MANUfaktur, lieber kaspar,

    das Problem ist eindeutig und offensichtlich und ich stimme dem zu, dass es hierzu keines Gedichtes bedarf. Eine Verharmlosung war damit sicher nicht gewollt und ich würde sie auch nicht unterstellen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  5. #5
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    Lieber Hans, lieber Kaspar,

    danke für eure Kritik.

    Nein, natürlich sollte das Gedicht keine Verharmlosung dieser Thematik darstellen.
    Im Gegenteil.
    Vielleicht kann der Leser nicht fühlen, mit wieviel Wut und Trauer dieses Gedicht geschrieben wurde.
    Es richtig sich ja an den (oder die) Täter (...und das ist vielleicht der Vater eines Kindes, der Onkel, der große Bruder, der "nette" Nachbar von nebenan; und weibliche Täter sind ja nicht ausgeschlossen...). Und es passiert jeden Tag, jede Stunde, überall in der Welt. Warum bedarf es darüber keines Gedichtes? Sie meinen die Gedichtform an sich ist für dieses Thema nicht passend? Zu beschönigend? Aber gerade Gedichte sind doch ausdruckstark, erreichen die Menschen. Und wie oft kann der Staat oder die Gesellschaft nicht eingreifen, weil niemand etwas weiß oder ahnt. Wenn ich nur einen dieser Täter erreichen würde, dazu beitragen könnte, dass er begreift, was er anrichtet, was er zerstört und das Kind "in Ruhe gelassen" wird, hätte dieses Gedicht seinen Sinn erfüllt.

    Lg MANUfaktur

  6. #6
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    diamanten brechen?
    ihr'n stolz nehmen?
    kein zurück aus dieser hölle?
    eure widerwärtige phantasie?

    das und anderes sind hohle phrasen, welche jede emotionalität killen, wie soll ich da noch leiden können, wenn jemand solches zeug in die runde schmeisst?
    hör dir mal eine rede von angela merkel an. da steckt mehr persönliche emotion drin als in deinem text, und dabei muss doch gerade sie als regierungschefin aufpassen, dass sie nicht unsachlich wird...

    nein, es liegt beileibe nicht daran, dass ein gedicht nicht ausdrücken könnte, was du möchtest. es liegt allein dran, wie du's anpackst oder eben fahren lässt.

    kaspar

  7. #7
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    hallo manifacktur

    dein gedicht hat mich sehr berührt.
    ich kann mir vorstellen mit vieviel wut und trauer dieses gedicht geschrieben wurde.
    ich kenne so ein kind,das als erwachsener sein leben nicht mehr in den griff bekam.

    es stellt auch keine verharmlosung der thematik dar. ich wünschte, das du mit deinem gedicht
    wenigstens einen dieser täter erreichen könntest und er sein schändliches treiben einstellen würde.

    diese verse als hohle phrasen hinzustellen finde ich sehr daneben.
    und a. merkels emmotionen zu loben .ich bekam fast einen lachanfall. bei der ist doch alles unecht.

    lieber oder liebe manifakrur lass dich nicht abhalten deine meinung hier offen zu äussern.
    es giebt halt immer auch mal einen der ein haar in der suppe findet
    im grossen ganzen sind hier alle sehr nett.

    mit lieben gruss margot
    .


    .

  8. #8
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    ach margot

    du glaubst doch nicht im ernst, dass man eine einzige überforderte mutter oder einen einzigen heimlich agierenden pädophilen grossvater mit solchem gelaber dazu bringen könnte, komplett anders zu handeln, als es ihnen möglich scheint? wie sollten solche verse jene überhaupt erreichen?

    du rechnest mich wohl zu den nichtnetten, wenn ich solch pfarrherrliches predigen wie das im gedicht hier als hoheles gerede anschaue?
    o.k., geschenkt.
    denn wie wird man zum nichtnetten? indem man sich in beiden szenen, der sprachszene wie der gewalt-an-kindern-szene, bewegt oder bewegt hat.
    in diesem sinne bin ich durchaus davon überzeugt, dass es richtig ist, ein nichtnetter zu sein gegenüber solchen versen.

    ich ärgere mich ein ganz klein bisschen
    kaspar

  9. #9
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    Hallo Margot und MANUfaktur, ich muss hier kaspar beipflichten, denn ich finde in dieser Suppe nicht nur ein Haar, sondern ein ganzes Büschel, und das hat nichts mit nett oder nicht nett sein zu tun. Auch mir liegt am Herzen, dass Kinder besser vor Missbrauch geschützt sind, auch ich kenne mindestens ein solches "Kind", das es als Erwachsene schwer hat.
    Aber dieses Gedicht ist mMn einfach ein Auskotzen von angestauter Wut. Nur weil sich zwei Zeilen pro Strophe reimen, hat es nichts mit ver-dicht-eter Aussage zu tun. Weiter handelt es sich um einen platten Appell an die Täter: Ihr bösen Menschen hört auf! Als "Nicht-Pädophile" kann ich allenfalls nickend sagen "jaja, hört auf!". Aber würde ein Täter (der spätestens nach S1 aufhören würde mit lesen, wetten?) "jaja, ich höre auf" sagen? Wie reagiert ihr denn auf eine so direkte Anklage? Die meisten Menschen antworten auf so was mit Gegenwehr oder mit kalter Ironie.

    Ich denke, es ist durchaus möglich, ein gutes Gedicht mit dem Thema (allenfalls gar mit hintergründigem Appellcharakter) zu verfassen. Dieses hier ist aus meiner Sicht keines. LG gugol

    Später, anstatt nur zu kritisieren (als Fragment und Idee), auf die Gefahr hin, dass ich mich nun meinerseits der Kritik aussetze. Gerne soll es zum Mitdenken anregen, ob und wie so ein schwieriges Thema "verdichtet" werden könnte. Was ich versuchte:
    -Einen Bezug zwischen Täter und Opfer herstellen durch ein LI und ein LD
    -Die Tat, das Empfinden und die Folgen benennen, ohne damit erneut sexuelle Lust zu wecken (was ich hier als schwierig und gefährlich erachte)
    -mit S1 klarmachen, dass es um eine Kindersicht geht (Riesending)
    -eine gewisse Sprachlosigkeit symbolisieren
    -den Text so kurz halten, dass er quasi mit einem Blick erfasst und nicht innerlich ausgeklinkt werden kann
    -formal eine gewisse Struktur einhalten

    riesending
    auf mir
    in mir

    ekel
    vor dir
    vor mir

    vergessen
    nicht damals
    nicht morgen

    zerstört
    mein ich
    durch dich
    Geändert von Gugol (08.02.2018 um 22:03 Uhr)
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
    angezogen

  10. #10
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    liebe gugul

    es ist ja alles richtig was du und kaspar hier schreibt,aber es ist manufakturs erstes gedicht
    und er hat es für sich so empfunden.wenn er dann gesagt bekommt es währe hohl und gelaber,das tut schon weh.
    mann muss hier auch erst lernen mit kritiken umzugehen .
    und das ich geschrieben habe,das ein täter das gedicht lesen würde? ich habe gemeint das es zu wünschen wäre.

    deine kurzfassung liebe gugul finde ich sehr gut,nur ist es nicht jedem dichter hier gegeben mit wenigen zeilen
    etwas endcheidendes darzustellen. lasst die leute doch erst hier ankommen!

    ein bischen sensibelität für die neuen währe schon angebracht. dieses ist nur meine meinung.

    liebe grüsse margot



    .

    ,
    .

  11. #11
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    Danke, ihr seid mir alle lieb und wert. Diese Scheisse wird es immer geben, und es gibt nur eine einzige Sache, die getan werden kann, und das geht an alle: NICHT WEGSEHEN. L.
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  12. #12
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    Margot, wenn jemand ohne sich vorher vorzustellen mit so einem Gedicht hier auftritt, dann ist das in meinen Augen kein vorsichtiges Ankommen, sondern ein heftiges Einfahren. Deshalb war ich hier weniger vorsichtig als sonst bei Erstgedichten, meine aber doch sachlich geblieben zu sein wie kaspar auch.

    Mit dem Beispiel hatte ich auf eine Diskussion darüber gehofft, was es denn braucht, um so ein Thema zu verdichten. Ich fand es nämlich sehr schwierig und wollte eben nicht nur kritisieren, sondern etwas Konstruktives beitragen (auch ein Ausdruck von Wertschätzung).
    Danke LAF Strässler, dass du den Faden aufgenommen und es mit der Kurzkurzfassung wohl auf den Punkt gebracht hast. LG gugol
    Geändert von Gugol (09.02.2018 um 06:41 Uhr)
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  13. #13
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    gugol bringt ein beispiel, damit die diskussion fleisch am knochen hat. danke.
    zu ihrem beispiel fällt mir ein: hier ist kaum bildsprache, also eigentlich dasselbe problem wie beim kritisierten text.

    wenn man sich zeit nimmt (viel zeit, leider), findet man in diesem forum eine ganze menge von texten, welche die traumata von kindern und daraus folgende anklagen in sehr subtiler weise in bilder kleiden. meine leseerfahrung hier erstreckt sich jetzt über 7 jahre (omg!), leider kann ich deshalb keine konkreten lese-empfehlungen aussprechen.

    nicht wegsehen ist ein schöner wunsch. wie oft aber wünschen sich beteiligte und betroffene genau das, nämlich das wegsehen? und wie oft ist der angerichtete schaden kaum mehr gutzumachen, weil beteiligte und betroffene selber "wegsahen"?

    hilft es, wenn ich einen blinden am arm packe und ihn über die strasse führe, wenn er selbst nicht sicher ist, ob sein weg dahin geht?
    im konkreten fall kann helfen, dass ich ihm die dunkle brille abnehme und die strasse von der landkarte streiche. aber das kann in den seltensten fällen einer für ihn tun, der nichts als ein paar allgemein anklagende reime zum thema im ärmel hat.

    kaspar

  14. #14
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    liebe alle,

    ich habe diesen faden mit interesse verfolgt und möchte mal ein beispiel für ein solches gedicht bringen (vor allem für MANUfaktur), welches ich sehr gut gemacht und berührend fand. es ist von einem befreundeten dichter, stefan krüger, der mir die erlaubnis gab, es hier mal zu posten. es hat zwar einen etwas anderen ansatzpunkt, aber das thema - kindesmissbrauch - ist das gleiche.

    ich sehe die gute absicht hinter MANUfakturs gedicht, finde es aber ebenfalls nicht besonders gelungen in seiner wirkung.

    liebe grüße
    lilisarah


    jeden abend ein gebet

    jeden abend eine kerze
    jeden abend ein gebet
    in die gnadenlose schwärze
    die in dieser welt besteht

    wir sind hier, sein werk zu künden
    sagt er immer, wenn er kommt
    und ich beichte meine sünden
    wie es einem sünder frommt

    gott ist groß, so sagt er, wahrlich
    und die kerze flackert leicht
    und verlischt, als er beharrlich
    über meine schenkel streicht

    gott verzeiht, verzeiht uns immer
    keucht er, und die stimme bricht
    feucht und finster ist das zimmer
    gottes erstes wort war licht

    gott schaut gnädig auf die frommen
    sagt er immer, wenn er geht
    morgen wird er wieder kommen
    jeden abend ein gebet

    © stefan krüger

    it all seems so stupid
    it makes me want to give up
    but why should I give up
    when it all seems so stupid

    (depeche mode)

  15. #15
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    Hallo Manufaktur,

    sei willkommen in unserer Runde! Du hast Dir ja gleich ein extrem schwieriges Thema ausgesucht, und ich hoffe, Du lässt Dich von der Kritik nicht entmutigen. Hier habe ich noch ein weiteres Beispiel dafür, wie es gelingen kann, das Thema lyrisch aufzubereiten.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

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