Thema: Die Flut

  1. #1
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    Die Flut

    Regen fällt ununterbrochen vom Himmel, Leute ertrinken
    Reissender Fluss, überflutetes Dorf, die Welt am Versinken
    Seen bedecken das Land und die Zeit wird kaum noch empfunden
    Alles ist still, kein Vogelgesang und das Lachen verschwunden
    Autos verbeult oder treibend im Fluss, mit den Rädern nach oben
    Weil auf dem Weg zwischen Brücken und Stegen Wildbäche toben
    Weit in der Ferne ertönt das Surren des Hubschrauberrotors
    Flussrichtung abwärts ein Lärm - wohl der Kampf eines Aussenbordmotors
    Rettung ist nah! Die Starre entweicht aus Gesichtern und Gliedern
    Winkende Hände an Fenstern und Türen: Den Suchruf erwidern
    ausgezogen
    um die welt zu sehen - der versuchung zu entgehen - und sich selber zu verstehen
    lebenslinien wie mäander - führten beide zueinander - wurden voneinander
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  2. #2
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    Hi Karin, kenn ich das? Wau! Was du daraus zusammengehext hast! Und die Geschichte verhaelt total. Dein Buch wird bestimmt ein Schlager . LG, Lorenz
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  3. #3
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    Hey Lorenz, ja genau das kennst du doch. Gerne würde ich dich als Mitautor der ersten Zeilen erwähnen, wenn du damit einverstanden bist.
    Danke für das Lob über das ich mich sehr freue. Es zeigt mir, dass scheinbar auch aus Verworfenem noch was werden kann, wenn man sich von unnötigem Verseballast trennen kann.
    Was für ein Buch? Weisst du da mehr als ich?
    Liebe Grüsse, Karin
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  4. #4
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    Noe du, ich muss nicht noch beruehmter werden, und das mit dem Buch ist als Kompliment zu verstehen, L.
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  5. #5
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    So sei es und dann sag ich's halt auf diese Weise: Danke für deine Ideen zu den ersten Zeilen dieses Gedichts und natürlich für das Kompliment. Karin
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  6. #6
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    So sind wir jetzt gerade beide high hi hi, L.
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  7. #7
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    Hi Gugol,

    da hast Du ein rhythmisch sehr flottes daktylisches Reimgedicht hingelegt! Leider ist jetzt von den Hexametern nicht mehr viel zu spüren, weil die Reime die Aufmerksamkeit so sehr auf die letzten zwei Silben im Vers lenken, dass die schönen Bewegungsmuster fast vom Gleichklang geschluckt werden.

    Dafür, dass Du hier eine Flutkatastrophe beschreibst, bei der Menschen ertrinken, finde ich die Verse auch etwas zu schnell. Du verwendest maximal eine Einfachsenkung pro Vers, zwei Verse sind sogar durchgehend daktylisch (habs unten mal eingezeichnet). Da möchte ich am liebsten mittanzen, und es fällt mir schwer, den Inhalt so ernst zu nehmen, wie er sich eigentlich darstellen will. In V9 frage ich mich, wo denn die Starre war, die nun entweicht.


    Regen fällt ununterbrochen || vom Himmel_, Leute ertrinken
    Reissender Fluss, | überflutetes Dorf_, || die Welt am Versinken
    Seen bedecken das Land || und die Zeit_ wird kaum noch empfunden
    Alles ist still_, kein Vogelgesang || und das Lachen verschwunden
    Autos verbeult oder treibend im Fluss, || mit den Rädern nach oben
    Weil auf dem Weg | zwischen Brücken und Stegen_ || Wildbäche toben
    Weit in der Ferne ertönt_ || das Surren des Hubschrauberrotors
    Flussrichtung abwärts ein Lärm - || wohl der Kampf eines Aussenbordmotors
    Rettung ist nah_! | Die Starre entweicht || aus Gesichtern und Gliedern
    Winkende Hände an Fenstern und Türen: || Den Suchruf erwidern


    Trotzdem, rhythmisch sind Deine Verse mit den überwiegend männlichen Zäsuren sehr schön geworden! Wenn Du die Reime weglässt und öfter mal die Sätze über die Versgrenzen ziehst, kannst Du bestimmt gute Hexameter schreiben.

    LG Claudi
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  8. #8
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    Danke Claudi für deine Gedanken und Empfehlungen. Das mit den Reimen wollte/n wir/ich einfach mal ausprobieren, aus Spass und zur Herausforderung. Ich würde das Gedicht deshalb auch nicht als Hexameter bezeichnen. Als ich es nach ein paar Wochen wieder hervorholte, war ich versucht, die Reime zu entsorgen, aber die Sache mit dem Helikopter und dem Aussenbordmotor gefiel mir dann zu gut - wenn schon denn schon, dann gleich durchgereimt, so meine Entscheidung, und etwas Nostalgie war auch noch mit dabei.
    Das mit den Einfsachsenkungen muss ich echt noch etwas üben. Ich mag es einfach zu gern, wenn es flutscht beim Lesen (kann dann eben auch als Leiern empfunden werden). Starre: Zeit wird kaum noch empfunden/Alles steht still; aber ja, könnte der Bezug sicher noch deutlicher gemacht werden, vielleicht grade auch mit mehr Einfachsenkungen, einem Innehalten beim Lesen eben. LG gugol
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  9. #9
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    Das mit den Reimen wollte/n wir/ich einfach mal ausprobieren, aus Spass und zur Herausforderung. Ich würde das Gedicht deshalb auch nicht als Hexameter bezeichnen.
    Ah, dann bin ich beruhigt. Argumentativ ist das nämlich immer schwierig zu vermitteln. Hubschrauberrotor ist auch kein ideales Wort für den Hexa, Außenbordmotor ginge zur Not alternierend, ist aber auch nicht so günstig. Auf deutliche Hebungen (schwere Silben) und Senkungen (leichte Silben) könntest Du beim nächsten Mal auch noch etwas mehr achten.

    Bei "Regen fällt ununterbrochen" ist z.B. das Verb nicht gut in der Doppelsenkung aufgehoben. Da würde ich zusehen, dass es eine Hebung bekommt. "Schnee fällt ununterbrochen" ginge besser, weil das Verb da in einer Einfachsenkung stünde. Aber klar, von Schnee wolltest Du nicht schreiben. Das sollte nur ein Beispiel zur Verdeutlichung sein.

    LG Claudi
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  10. #10
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    Hey gugol,

    "Rettung ist nah! Die Starre entweicht aus Gesichtern und Gliedern
    Winkende Hände an Fenstern und Türen: Den Suchruf erwidern",

    bei diesen Zeilen dachte ich mir dann: oha, hier geht es um Ertrinkende, beispielsweise Flüchtlinge. Was allerdings insgesamt für das Thema keine Rolle spielt, ob es nun Flüchtlinge sind oder Insassen anderer Boote.
    Mir gefallen die Zeilen, auch, weil sie lang sind. Als Geschichte finde ich es gut, über Hexameter kann ich nicht reden, davon verstehe ich nichts, da mische ich mich also auch nicht ein.

    Ja, es ist eine Flut beschrieben, ein bisschen wie bei dem Tsunami bei Fukushima mit dieser großen Reaktorkatastrophe.
    Da trieben auch alle möglichen Sachen im Wasser umher. Furchtbar!

    Daran erinnert mich dein Gedicht und eben auch an die Flüchtlinge, die ihre Hände ausstrecken und Winken, aus Vorfreude und Hoffnung.

    Liebe Grüße

  11. #11
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    Hallo Werner, beim Schreiben dachte ich an die Bilder der grossen Überschwemmung im Oderbruch. Die Leute harrten in ihren Häusern aus, bis Hubschrauber und Rettungsboote sie herausholten. Direkt miterlebt hatte ich es mal in Passau, aber in einer Stadt ist es etwas anders als auf dem Land. Merci für deine Gedanken. Liebe Grüsse, Karin
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  12. #12
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    Hallo Gugol!

    Meinen "Gedanken" zum Reimen von Hexametern in Claudis "Hexameter-Sammelfaden" hast du vielleicht schon gesehen?! Noch zu den "wenigen einsilbig besetzten Senkungen": Ist, wenn du unbedingt reimen willst, nicht der schlechteste Gedanke. Dann passt es, das Versinnere, auch die Zäsur, einheitlich zu gestalten und die Aufmerksamkeit auf die Versenden zu lenken, zum Reim hin. Schlussendlich sind das dann gereimte sechshebige Daktylen; davon gibt es wenige, fünfhebige schon eher, die sind aber auch schwer handhabbar.

    Beim "richtigen" Hexameter gilt übrigens die Daumenregel, je weniger einsilbige Senkungen, desto stärker untergliedert sollte der Vers ein, um so die sich leicht einstellende Atemlosigkeit aufzufangen.

    Inhaltlich: Hm. Lässt mich etwas kalt. Ich könnte mir denken, es wirkte nachdrücklicher, wenn du als Erzählerin einen festen Punkt einnimmst, also vielleicht einfach bei einem Menschen in dieser Flut bleibst; sonst springt es zu sehr - da sind einmal die "Seen", was ja einen Überblick bedeutet, ein großflächiges Sehen von oben, dann kommt das "Surren in der Ferne", was aber einen Punkt voraussetzt, von dem aus etwas fern sein kann ... Alles nicht entscheidend, aber wohl der Grund dafür, warum dieser Text für mich ein wenig zu stark aufzählend wirkt und dadurch zerfällt; wozu die Reime sicher auch beitragen. Erinnert hat es mich an eine andere Flutschilderung, Aus Ewald von Kleists "Frühling":

    Wald, Feld und Wiese ward Meer. Kaum sahn die Wipfel der Weiden
    Im Tal draus wankend herfür. Gefleckte Täucher und Enten
    Verschwanden, schossen herauf, und irrten zwischen den Zweigen,
    Wo sonst für Schmerzen der Liebe im Laub die Nachtigall seufzte.
    Der Hirsch von Wellen verfolgt streift auf unwirtbare Felsen,
    Die traurig die Flut übersahn. Ergriffene Bären durchstürzten
    Das anfangs seichte Gewässer voll Wut, sie schüttelten brummend
    Die um sich gießenden Zoten. Bald sank der treulose Boden,
    Sie schnoben, schwammen zum Wald, umschlangen Tannen und Eichen
    Und huben sich träufelnd empor. Hier hingen sie ängstlich im Wipfel,
    Von reißenden Winden, vom Heulen der flüssespeienden Klippen
    Und untern Tiefe gescheucht. Der Büsche versammelte Sänger
    Betrachteten traurig und stumm von dürren Armen der Linden
    Das vormals glückliche Tal, wo sie den flehenden Jungen
    Im Dornstrauch Speise verteilt. Die angekommene Lerche,
    Sich aufwärts schwingend, beschaute die Wasserwüste von oben
    Und suchte verlassne Gefilde. Es flossen Schäuren und Wände
    Und Dächer und Hütten herum. Aus Giebeln und gleitenden Kähnen
    Versah der trostlose Hirt sich einer Sündflut, die vormals
    Die Welt umrollte, dass Gemsen in schlagenden Wogen versanken.


    Auch sehr aufzählend, aber es fängt mich stärker ein an den Stellen, wo es einen Augenblick bei einer Einzelheit bleibt - den Bären zum Beispiel!

    Gruß,

    Ferdi

  13. #13
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    Hallo Ferdi, danke für die weiterführenden Gedanken und das Beispiel. Wie immer bei deinen Beiträgen versuche ich mir das ein oder andere füs nächste mal zu merken. Es ist wie bei jedem Lernprozess: Alles auf einmal wird nicht klappen, aber einiges bleibt hängen und ermöglicht eine Weiterentwicklung.
    Was ich bewusst tat: Ich wollte deskriptiv bleiben und eine Szene von oben und nicht aus der Perspektive eines Betroffenen (Tier/Mensch/Objekt) darstellen. Dies nicht aufzählendwirkend hinzukriegen wäre also die Herausforderung. LG gugol
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