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  1. #1
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    Der Gott und das Mädchen

    Du kniest vor mir und schaust mich fragend an,
    die Hände zum Gebet verschränkt und nur
    ein leichtes Zittern deines Mundes lässt
    geheime Wünsche Deines Herzens ahnen.
    Mit Anmut neigst du deinen Kopf und kaum
    erhascht ich noch das schelmisch-freche Blinzeln
    der fast geschlossnen Augen.

    Ich nahte mich furchtsam der Gottheit, um Sünden
    zu beichten, die Mädchen begehen, getrieben
    von Wollust und heißem Begehren und täglich
    die Seele beschweren, die Kräfte verzehren
    der Sehnsucht nach Liebe die letzte Erfüllung
    verwehren. Nun knie ich zu Füßen des Gottes,
    erkenne belustigt ein menschliches Wesen
    und nehme mir vor, mit geheuchelter Reue
    und Waffen des Weibes den Herrscher des Himmels
    in Fesseln zu schlagen, ihn selbst auf den Boden
    zu zwingen.


    Was macht das Mädchen da mit seinen Händen,
    mir wird, ich spüre es, ganz blümerant im Leibchen,
    der Meister Iste reget sich, oh mög es niemals enden,
    aus diesem Mädchen wird fürwahr ein formidables Weibchen.
    Geschickt und flink ist bald mein Hosengurt gelöst,
    was sonst versteckt, ist aufgedeckt, ich sitz entblößt
    und wehrlos ausgeliefert diesem holden Engel.
    Das kleine Biest macht aus mir Gott ‘nen losen Bengel.

    Mit meinen geschwungenen Lippen beginne ich zart
    das Spielchen der Zunge mit wachsender Lust zu erproben.
    Ich spüre sein Zucken, bemerke vergnügt, wie gar prächtig
    die Wollust den Göttlichen packt und sein Szepter recht freudig
    die Wonnen der Liebe genießt und zum Glück nicht vergisst,
    dass Nehmen zwar selig, doch Geben noch seliger macht.
    Er schenkt mir den Nektar der göttlichen Blüte, ergießt sich
    in mir und verlockt von den Düften erblühter Kastanien
    beschenkt mich Gott Priap mit schmeichelnden Küssen an Stellen,
    die niemals genannt und verraten euch werden.
    Geändert von Festival (12.02.2018 um 21:57 Uhr)

  2. #2
    Liara ist offline free flying butterfly
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    Lieber Festival,

    ausnahmsweise habe ich mich mal wieder in die Erotikrubrik gewagt und bin dort auf dein Gedicht gestoßen.
    Es ist wortgewaltig, mit sehr eindringlichen Bildern geschildert. Es rutsch nicht ins Vulgäre ab und das ist ja schon mal was. Es schlingert so an der Grenze zwischen Erotik und Sex und das im Stil einer Göttersage. Gern gelesen.

    Liebe Grüße
    Liara
    Geändert von Liara (12.02.2018 um 21:49 Uhr)
    Für verlorenes Vertrauen gibt es kein Fundbüro!
    - wenn das auge nicht sehen will, hilft auch kein licht -
    ist auch das herz blind, erkennt man die dinge nicht mehr, wie sie wirklich sind

  3. #3
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    Liebe Liara,
    ich dank Dir schön für Deinen Kommentar! Erotische Gedichte sind immer ein Balanceakt und ich bin froh, dass nichts an meinem Gedicht vulgär wirkt. Dass es schlingert - liebe Liara, versetz Dich in die Lage des "Gottes", was denkst Du, wie es bei dem geschlingert hat?
    Liebe Grüße,
    Festival

  4. #4
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    Lieber Heinz,
    dein Gedicht ist nicht plump, es ist nicht vulgär, es ist nicht absolut langweilig, ich kann es auch verstehen und muss nicht an seiner Aussage herumdeuteln. Es ist mit einem Schmunzeln und mit Freude an der Sinnlichkeit geschrieben.
    Ja, es gefällt mir gut!

    LG, Cara

  5. #5
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    Liebe Cara,
    sei bedankt für Deinen Kommentar!
    Die spiritus rector (ich habe für "rector" keine weibliche Form gefunden) des Gedichts wollte gegen den Stachel löcken und hat mir ein ebenso charmantes wie freches Ding in sauberen Blankversen hingepfeffert - da konnte ich nicht widerstehen. Leider hat sie ihr Gedicht wieder gelöscht und ich fühle mich nicht befugt, es der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber - durch das Gedicht in Blankversen sah ich mich genötigt, die erste Strophe in der gleichen Form zu schreiben. Schön, dass es dir gefällt und weder langweilig (das wäre das Schlimmste), plump oder vulgär hewrüber kommt.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  6. #6
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    Lieber Heinz,

    einem wollüstigen Mädchen priapischer Gott zu sein – das ist eine Männerphantasie, die ich öffentlich niemals zugeben würde. Dass Dir der „Balanceakt“ gelungen ist und er selbst der in dieser Hinsicht sehr kritischen Liara aber auch Cara nicht ins Vulgäre abrutscht – das ist wirklich was.

    Ein Hoch den „formidablen Weibchen

    Michael

  7. #7
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    Lieber Michael,
    ich schick Dir mal per PN das "auslosende" Gedicht zu - meine seelische Erschütterung kannst Du mir bestimmt nachempfinden, die Maid zählt grade mal zwanzig Jahre und haut ein Ding nach dem anderen heraus.
    Dass ich von Karin -Cara (Du wirst sie beim Pfingsttreffen kennen lernen) und Dagmar nicht abgewatscht worden bin, hat mich sehr gefreut und bestätigt, was Du mir schreibst.
    Lieben Dank!
    Heinz

  8. #8
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    "Du kniest vor mir und schaust mich fragend an,
    die Hände zum Gebet verschränkt"

    Ich könnte jetzt sagen, dass so manche Dunkelraum Geschichte mit solch submersiven Frauen anfängt, aber darum geht es hier ja nicht. Das es dagegen ein "Gott" und ein "Mädchen" ist, finde ich interessant.

    Was mir auch auffiel_ grade da ich das deine Zeilen belebende Originalgedicht kenne:
    Du hast einigen Wortschatz übernommen und noch weit mehr daraus gemacht.

    Hach, das auch immer gleich die Götter mitmachen sollen.
    Aber was soll ich sagen, bei dem Gedicht .. tjap, wer das schreibt, weiß was er da schreibt, und wer da so drauf antwortet, weiß es auch und ... ich schau da einfach zu und genieße ... wieder voyeuristisch, hihi, das Spielchen das gespielt wird.

    Wieso auch nicht?

  9. #9
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    Lieber MiauKuh,
    die Steilvorlage, von der ich sehr hoffe, dass sie wieder eingestellt wird, war ja nicht von schlechten Eltern. Ich erwarte weitere und werde mir Mühe geben, da mitzuhalten. Ich habe ja nicht nur einiges aus dem Wortschatz eingeflochten, sondern die erste Strophe im gleichen Versmaß geschrieben wie mein weiblicher spiritus rector. Sie hat, das zeigen mir ihre EMails, die Anlehnung an Goethes "Der Gott und die Bajadere" sofort erkannt und ich erwarte von der jungen Dame noch einiges an prickelnden Gedichten.
    Danke schön für Deinen Beitrag und schaff Dir wie jeder gute Voyeur ein Fernglas an.
    Liebe Grüße,
    Festival

  10. #10
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    Lieber Heinz,

    das gefällt mir ganz gut, wenngleich ich kein großer Freund dieses Sprachstils und dieses Genres bin. Zwei Zeilen würde ich vielleicht noch mal bedenken:

    In der letzen Zeile empfinde ich das Biest nicht so recht passend. In diesem Kontext verbinde ich das Biest mit einem etwas aufreizendem Auftreten. Die junge Dame schien mir aber doch recht draufgängerisch zur Sache zu gehen, auch wenn sie anfangs schelmisch blinzelte. Aus dem Gott würde ich auch keinen losen, sondern ruhig einen gottlosen Bengel machen. Die Vermeidung einer Silbenwiederholung wirkt mir zu vordergründig. Eine solche Wiederholung würde mich an dieser Stelle gar nicht so sehr stören. Davon abgesehen kannst Du auch davon ausgehen, dass der Leser mitbekommen hat, dass in dieser Strophe ein Gott in die Rolle des LI geschlüpft ist.

    In der ersten Zeile der letzten Strophe, reibe ich mich an der beiläufigen Erwähnung des LI, dass seine (die eigenen) Lippen geschwungenen seien. Das kommt einem doch nur in den Sinn, wenn man in den Spiegel schaut. Wenn das LI die geschwungenen Lippen des Gegenüber erwähnenswert hielte, wäre es für mich plausibler.

    Das sind aber nur zwei Kleinigkeiten - vielleicht sehe ich das auch zu eng.

    LG Eremit
    Hinweis: Lyrik im Foyer 2018 in Frankfurt (Oder)

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  11. #11
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    Lieber Eremit,
    Deine Kritikpunkte werden Anlass sein, das Gedicht noch einmal gründlich zu überprüfen. Was die geschwungenen Lippen angeht: Ich habe gedacht, dass der Wechsel zur kursiven Schrift eindeutig darauf hinweist, welcher der Protagonisten zu Worte kommt. Aber - ich werde an mir und am Gedicht noch arbeiten.
    Liebe Grüße,
    Festival

  12. #12
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    Lieber Heinz,

    wer da wann spricht, habe ich schon verstanden, das war nicht der Punkt. Meine Bedenken richteten sich darauf, dass dem LI offensichtlich angenehm aufgefallen ist, dass die eigenen Lippen geschwungen sind. Wenn Du jemanden küsst, kommt Dir doch nicht der Gedanke, dass Deine Lippen geschwungen sind. Das fällt Dir eher an Deinem Gegenüber auf und spitzt somit vielleicht Deine Sinne weiter an. Das meinte ich. Tut mir leid, wenn ich mich da etwas missverständlich ausgedrückt haben sollte.
    Mit seinen geschwungenen Lippen (denen des Mädchens) beginne ich ...

    LG Eremit
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  13. #13
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    Lieber Eremit,
    ich mach es kurz: Ich glaube, Du hast recht. Also: Ich habe noch Arbeit vor mir.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  14. #14
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    Lieber Heinz,

    danke für die P.N. mit der „Steilvorlage“ Deines weiblichen spiritus rector. Ja, da ist Deine Erweiterung ganz und gar angemessen.

    Solange die Götter Hosengurte tragen, ist für uns Menschen noch Hoffnung. Insbesondere für Bajaderen

    Michael

  15. #15
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    Lieber Michael,
    sie hat die "Steilvorlage" - leider a.a.O. - wieder eingestellt.
    Liebe Grüße,
    Heinz

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